6. Dezember 2017

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Rumänische Kulturtage in München mit anregender Podiumsdiskussion

Am 25. November fand im Carl-Amery-Saal des Münchner Kulturzentrums Gasteig der letzte Abend der diesjährigen rumänischen Kulturtage statt. Das Motto der Veranstaltung und zugleich das der gesamten Kulturtage lautete „Deutsch-Rumänische Freundschaft, Fokus Kultur“. Drei in diesem Jahr gefeierte Jubiläen spielten dabei eine wesentliche Rolle: 50 Jahre seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Bonn und Bukarest – 25 Jahre seit dem Abschluss des Freundschaftsvertrages zwischen Deutschland und Rumänien – zehn Jahre seit dem Beitritt Rumäniens zur EU.
Dem Publikum im nahezu voll besetzten Saal wurde ein reiches Programm geboten. Die Generalkonsulin von Rumänien in München, Iulia-Ramona Chiriac, verlas das Grußwort des Botschafters von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Emil Hurezeanu. Danach erklang das emotionale Adagio aus der Sonate Nr. 1 für Violine von Johann Sebastian Bach, zu Gehör gebracht von Andrei Ciobanu, der später ähnlich virtuos auch die Ballade für Geige von Ciprian Porumbescu darbot. Er war es auch, der mit einer Folkloresuite den Abend beendete und seitens des sichtlich berührten Publikums verdienten Applaus einheimste.

Eine gut dokumentierte Power-Point-Präsentation bot Einblick in die deutsche Besiedlung der Territorien, die seit 1918 zum vereinten Rumänien gehören. Die grafische Aufarbeitung des Foto- und Filmmaterials hatte Edmund Fota übernommen. Für den Text und die Präsentation stand Brigitte Drodtloff auf der Bühne. Es ging um alle deutschen Nationalitäten in Rumänien: Siebenbürger Sachsen, die als Erste zugezogen sind, Banater Schwaben, Banater Berglanddeutsche, Sathmarer Schwaben, Bessarabiendeutsche, Bukowinadeutsche, Dobrudschadeutsche, Landler und Regatdeutsche. Das Goethe Institut in Bukarest hat vier Kurzfilme zur Verfügung gestellt aus denen Ausschnitte gezeigt wurden, die vier junge Rumäniendeutsche porträtieren, die im Ausland aufgewachsen sind und teilweise studiert haben, aber einen wichtigen Entschluss gefasst haben – zu ihren deutschen Wurzeln nach Rumänien zurückzukehren. In die Präsentation eingebaut war auch der Trailer der deutschen Sendung im Rumänischen Fernsehen, der den prägenden und historisch wichtigen Einfluss der Deutschen in Rumänien prägnant zusammenfasst. Die Präsentation endete mit der offenen Frage, ob auch die seit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere nach der Revolution von 1989 in Deutschland lebenden Rumänen einen ähnlichen Einfluss haben werden. Die Präsentation hat erneut gezeigt, wie wichtig das Verständnis und das friedliche Zusammenleben zwischen den Völkern sind. \"Mit rumänischen Untertiteln vervielfachte sich ..."Mit rumänischen Untertiteln vervielfachte sich die Zahl der Zuschauer unserer Sendung Akzente", sagte Christel Ungar-Ţopescu bei der Podiumsdiskussion unter dem Motto "Deutsch-Rumänische Freundschaft - Fokus Kultur" im Münchner Gasteig am 25. November. Von links: Claudiu Florian, stellvertretender Leiter des Rumänischen Kulturinstitutes in Berlin, Anneli Ute Gabanyi, Politikwissenschaftlerin, Moderator Robert Schwartz, Deutsche Welle, Christel Ungar-Ţopescu, Chefredakteurin "Akzente" und Leiterin der Deutschen Abteilung beim Rumänischen Fernsehsender TVR, sowie Dietmar Gross, Forstingenieur und erweiterter Vorstand im Bund Naturschutz Bayern. Foto: Konrad Klein Anschließend fand die sachlich bis leidenschaftlich geführte Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen statt: Dr. Anneli Ute Gabanyi, Politikwissenschaftlerin, die mit ihrem detaillierten Wissen über die Entwicklung der Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland das Publikum faszinierte; Christel Ungar-Ţopescu, Chefredakteurin und Leiterin der Deutschen Abteilung im Rumänischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVR, die als mutige Kämpferin für die Kontinuität der deutschen Kultur in Rumänien gilt und bewiesen hat, dass Konsequenz lohnend ist; Dr. Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südeuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der sich sehr für die Erforschung der deutschen Bevölkerungsgruppe in Rumänien einsetzt und von der weiteren Entwicklung zwischen den beiden Ländern Deutschland und Rumänien positiv beeindruckt ist; Claudiu Florian, stellvertretender Leiter des Rumänischen Kulturinstituts „Titu Maiorescu“ in Berlin, der dem deutschen Publikum regelmäßig einen gut dokumentierten Einblick in die rumänische Kultur und Geschichte präsentiert und dabei die deutsche Minderheit entsprechend berücksichtigt; Dietmar Gross, Forstdirektor und Mitglied im erweiterten Vorstand im Bund Naturschutz Bayern, der nach Weltreisen und jahrzehntelanger Arbeit in Deutschland den Entschluss gefasst hat, zurück nach Siebenbürgen zu ziehen und in Deutsch-Weißkirch sein Leben und das von anderen Deutschen neu zu gestalten.

Die Moderation oblag Robert Schwartz, dem Leiter der rumänischen Abteilung bei der Deutschen Welle. Seine pointierten Fragen zielten hauptsächlich auf die kulturelle und geschichtliche Entwicklung zwischen Deutschland und Rumänien, aber auch politisch ließ er nicht locker, um auf die Entwicklungsmöglichkeiten beider Länder hinzuweisen. Seine Moderation hat die unterschiedlichen Gäste perfekt zusammengeführt und auch das Publikum zur Diskussionsbeteiligung angeregt. Als die vorgesehene Zeit vorüber war, musste Robert Schwartz einen vorläufigen Schlussstrich ziehen, aber die Gespräche wurden beim Abschlussempfang im Haus des Deutschen Ostens bei einem Glas Wein, Grammelpogatschen und Baumstriezel weitergeführt.

Die Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition e.V. (GeFoRum) hat die Rumänischen Kulturtage in München organisiert dank Unterstützung der Bayerischen Staatskanzlei, des Rumänischen Kulturinstituts „Titu Maiorescu“ in Berlin, des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte in Südeuropa und des Generalkonsulats von Rumänien in München, unter dessen Schirmherrschaft die Rumänischen Kulturtage 2017 stattgefunden haben.

Schlagwörter: Rumänische Kulturtage, München, Podiumsdiskussion

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