1. Mai 2021

Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreis 2021 geht an Sigrid Haldenwang und Erika Schneider

Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis, die höchste von den Siebenbürger Sachsen vergebene Ehrung für wissenschaftliche und künstlerische Leistungen, wurde für das Jahr 2021 der Lexikografin Dr. Sigrid Haldenwang sowie der Botanikerin Prof. Dr. Erika Schneider zuerkannt.
Die beiden Kulturpreisträgerinnen 2021: ...
Die beiden Kulturpreisträgerinnen 2021: Botanikerin Prof. Dr. Erika Schneider (links) und Lexikografin Dr. Sigrid Haldenwang (rechts). Fotos: Lars Gerstner und Mariana Vlad
Wenn es auf den ersten Blick auch viel Trennendes gibt – die eine Preisträgerin ist Geisteswissenschaftlerin und lebt und wirkt in Siebenbürgen, die andere ist Naturwissenschaftlerin und hat ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland –, so gibt es in Wirklichkeit doch mehr Verbindendes: neben einer persönlichen Freundschaft ist dies vor allem die unermüdliche und jahrzehntelange wissenschaftliche Beschäftigung mit dem jeweiligen Fachgebiet.

Dr. Sigrid Haldenwang, geb. Klokner wurde 1943 in Hermannstadt geboren, wo sie auch die Brukenthalschule besuchte. 1961 ging sie zum Studium der Germanistik und Rumänistik an die Universität Bukarest. Bereits während ihrer Gymnasial- und Studienzeit beschäftigte sie sich mit den siebenbürgischen Mundarten, in ihrer Diplomarbeit thematisierte sie dann die Syntax der Landlermundart von Großpold. Die Dissertation im Jahr 1999 trug den Titel „Die Wortbildung des Adjektivs in der siebenbürgisch-sächsischen Mundart aufgrund der Mundartbelege vom Ende des 19. bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts“.

Zum Zeitpunkt ihrer Promotion zum Dr. phil. war Sigrid Haldenwang bereits mehr als ein Vierteljahrhundert bei der Wörterbuchstelle des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften Hermannstadt tätig. Seit 1971, das heißt seit nunmehr 50 Jahren widmet sie ihre Zeit, ihre Energie und ihre Leidenschaft dem Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch – einem Großprojekt, das vor weit über 100 Jahren begonnen worden und bis heute nicht abgeschlossen ist.

Frau Dr. Haldenwang ist seit dem sechsten Band (K) an der Erstellung und Drucklegung dieses wichtigen Vorhabens unserer Sprach- und Kulturgeschichte beteiligt und hat besonders seit dem politischen Umbruch der 1990er Jahre federführend die Kontinuität der Arbeiten am Wörterbuch gesichert und auch mit eigenen linguistischen Studien immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Eigenheiten unserer Mundart gelenkt. Nachdem die Mitarbeiterstellen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgebaut wurden, kann sich unsere siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft überglücklich schätzen, dass Frau Haldenwang, die Seele des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs, über das Rentenalter hinaus an der Wörterbuchstelle aktiv ist.

Dieselbe Beharrlichkeit, Disziplin und Begeisterung legt seit 50 Jahren auch Professor Dr. Erika Schneider, die andere Kulturpreisträgerin des Jahres 2021, an den Tag. Als Erika Binder 1942 in Schäßburg geboren, entschied sie sich nach der Matura in Hermannstadt für ein Studium der Biologie mit Schwerpunkt Geobotanik und Pflanzenökologie an der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg. Die Diplomarbeit trug den Titel „Flora und Vegetation der Steppeninsel am Zakelsberg bei Hermannstadt“. 1975 folgte dann die Promotion zum Dr. rer. nat. mit dem Thema „Flora und Vegetation der Zibinssenke und ihrer Randgebiete“. Nach beruflichen Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Biologischen Institut der Rumänischen Akademie – Biologisches Forschungszentrum in Klausenburg sowie in der botanischen Abteilung des Naturwissenschaftlichen Museums in Hermannstadt trat Dr. Erika Schneider 1985 in das WWF-Auen-Institut Rastatt ein, wo sie als Expertin für Vegetationskunde, Pflanzenökologie, Renaturierung von Feuchtgebieten und Umweltverträglichkeitsstudien bis heute wirkt. Einer der Schwerpunkte ihrer Tätigkeit und Forschungen liegt in der Renaturierung des Donaudeltas.

Frau Professor Dr. Schneider hat sich durch ihre wissenschaftlichen Forschungen in weiten Fachkreisen des In- und Auslandes als Botanikerin und Kennerin der Pflanzenwelt Mittel- und Südosteuropas, insbesondere Siebenbürgens, als Autorin zahlreicher Fachartikel und Bücher sowie als Herausgeberin von Büchern einen Namen gemacht. Nicht zuletzt auch als Mitarbeiterin des Instituts für Geographie und Geoökologie, Abteilung Auen-Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kann sie auf eine reiche umfassende Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung zurückblicken, die von wissenschaftlicher Arbeit, Lehre, über Publikationen, Fachvorträge, Tagungen, Forschungsreisen bis hin zur ehrenamtlichen Tätigkeit und sozialem Engagement eine weite Spanne umfasst.

Erika Schneider ist der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen nicht nur durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der HOG Schäßburg wohlbekannt, sondern – genauso wie Sigrid Haldenwang – auch durch ihr Wirken im Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. (AKSL).

Ausdauer und Geduld wird nun nicht nur den Forscherinnen abverlangt, sondern auch dem geneigten Publikum: Aufgrund der neuerlichen Absage des Heimattages in Dinkelsbühl wird der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis 2021 in feierlichem Rahmen erst ein Jahr später während des Heimattags 2022 verliehen.

Dagmar Seck

Schlagwörter: Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreis, Preis, Sprachwissenschaft, Botanik, Mundart

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