6. Oktober 2021

Universitätsstadt ohne eigene Universität: Hermannstadt beherbergte Klausenburger "König Ferdinand I."-Universität von 1940 bis 1945

Die Politikwissenschaftlerin Dr. Anneli Ute Gabanyi beleuchtet im folgenden Aufsatz die Hintergründe, Umstände und Bedeutung des Umzugs der Klausenburger Universität, die in den Kriegswirren von 1940 bis 1945 in Hermannstadt beherbergt wurde. Hermannstadt erbrachte dabei den Beweis seiner Eignung als Universitätsstadt, hier wurde auch der Literaturkreis gegründet, der eine wichtige Rolle im öffentlichen Bewusstsein Rumäniens spielte. Gabanyis Artikel erschien erstmals im Tagungsband „Siebenbürgen als Erfahrungsraum. Studien zur deutschsprachigen Literatur, Presse und Schule“, herausgegeben von Maria Sass und Doris Sava, Peter Lang Verlag 2019, S. 73-82, und wird hier in einer gekürzten Fassung nachgedruckt.
1940 bezog die Klausenburger König Ferdinand I. ...
1940 bezog die Klausenburger König Ferdinand I.-Universität das noch nicht fertiggestellte Mädchenlyzeum „Domniţa Ileana“ in der Schewisgasse/Carmen-Sylva-Straße (heute B-dul Victoriei), das Architekt Victor Smigelschi, ein Sohn des bekannten Malers Octavian Smigelschi, errichtet hatte. Foto: Emil Fischer, um 1942, Bildarchiv Konrad Klein

Geschichtlicher Hintergrund

Nicht nur Bücher, auch Universitäten haben ihre Schicksale, bewegte und bewegende. Und es waren bewegte Zeiten, als im Jahre 1940 die „Regele Ferdinand I – König Ferdinand I.“-Universität, die 1919 unter dem Namen „Universitatea Daciei Superioare“ (Universität des Oberen Daziens) in der westrumänischen Stadt Klausenburg (Cluj) gegründet worden war, als Folge der Annexion Nordsiebenbürgens durch Ungarn nach Hermannstadt (Sibiu) verlegt werden musste.
Durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch (rumänisch: „Dictatul de la Viena“) vom 30. August 1940 war Rumänien auf Geheiß Deutschlands und Italiens gezwungen, den nördlichen Teil Siebenbürgens mit einer Fläche von 43492 qkm und einer Bevölkerung von 2,6 Millionen Einwohnern an Ungarn abzutreten. Die erzwungene Annexion Nordsiebenbürgens war bereits der zweite Gebietsverlust, den Rumänien innerhalb weniger Monate ohne Gegenwehr hinnehmen musste. Am 28. Juni desselben Jahres hatte die Sowjetunion, ermutigt durch ein Geheimabkommen mit Deutschland zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939, die rumänischen Ostgebiete Bessarabien und die Nordbukowina besetzt. Infolge dieser Territorialverluste kam es in Rumänien zu innenpolitischen Turbulenzen. König Carol II. musste abdanken. Er verzichtete zugunsten seines 19-jährigen Sohnes Mihai auf den Thron und ging am 7. September 1940 ins Exil. Nachdem General Ion Antonescu mit der Bildung einer Regierung zusammen mit den Nationalliberalen und der Bauernpartei gescheitert war, fand die Regierungsbildung unter Beteiligung der faschistischen Eisernen Garde statt. Am 14. September 1940 wurde der „national-legionäre Staat“ mit Antonescu als „Staatsführer“ ausgerufen, der nunmehr eng mit dem Dritten Reich zusammenarbeitete. Deutsche Lehrtruppen kamen ins Land, am 23. September 1940 trat Rumänien dem Dreimächtepakt bei. Nachdem die Eiserne Garde zahlreiche Gräueltaten verübt und im Januar 1941 offen gegen das Regime Antonescus geputscht hatte, wurden ihre Rebellion niedergeschlagen und ihre Mitglieder des Landes verwiesen. Fortan übernahm General Ion Antonescu die Führung einer Militärregierung, die mit dem Eintritt Rumäniens in den Krieg gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 zunehmend diktatorische Züge annahm.

Die Klausenburger Universität – eine (fast) unendliche Geschichte

Eine der ersten Maßnahmen, die von der neuen ungarischen Verwaltung im besetzten Nordsiebenbürgen noch im September 1940 getroffen wurden, war die Ausweisung der rumänischen Klausenburger Universität, die sich daraufhin für den Umzug nach Hermannstadt (und zum Teil zeitweise auch nach Temeswar) entschied. Der Senat der Universität hatte auch einen Umzug nach Kronstadt oder Temeswar erwogen. Dennoch war Hermannstadt die logische Option, hätte doch im 18. Jahrhundert die Stadt am Zibin Klausenburg beinahe den Rang als erste Universitätsstadt Siebenbürgens abgelaufen, wenn es dem Gubernator Baron Samuel von Brukenthal gelungen wäre, eine theologische Universität in der Haupt- und Hermannstadt zu gründen, damit die Ausbildung der Theologen nicht mehr im Ausland erfolgen müsse. Zwar hatte er seine Gönnerin Kaiserin Maria Theresia für seine Idee gewinnen können, deren Umsetzung war damals aber am Einspruch des katholischen Bischofs von Siebenbürgen József Anton Bajtay gescheitert.
Wenige Tage nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch ...
Wenige Tage nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch ritt der 72-jährige Reichsverweser Miklos Horthy an der Spitze der ungarischen Armee am 15. September 1940 unter dem Jubel der ungarischen Bevölkerung in Klausenburg ein. Im Bild: Ehrenbezeigung aus einer Kartenserie mit dem Zudruck „Zum Gedenken an die Befreiung Siebenbürgens. Ritter Miklos Horthy von Nagybánya, Reichsverweser von Ungarn“. Fotopostkarte: Sammlung Konrad Klein
Bis weit in die Gegenwart hinein ist die Geschichte der Klausenburger Universität – oder besser: der Klausenburger Universitäten – ein schwieriges und hochemotionales Kapitel in den Beziehungen zwischen Rumänen und Ungarn innerhalb und außerhalb von Siebenbürgen selbst. Aus ungarischer Sicht gehört der Primat der Universitätsgründung in Klausenburg den Ungarn, deren Fürst Stefan Bathory im Jahre 1581 dort ein Jesuitenkolleg im Range einer Akademie einrichtete. Nach der Auflösung des Jesuitenordens ging das Kolleg in die Verwaltung des Piaristenordens über, das für eine kurze Zeit den Titel einer Universität tragen durfte. Übrig blieb aus der Zeit Maria Theresias lediglich das 1775 gegründete Institut für Medizin und Chirurgie. Nach dem Ausgleich von 1867 und der Schaffung der österreich-ungarischen Doppelmonarchie ließ Kaiser Franz Josef im Jahre 1872 dort jedoch lediglich eine ungarischsprachige Universität einrichten, die später nach ihm „Ferenz József“ Universität benannt wurde und bis zum Ersten Weltkrieg bestehen sollte.
Der Zerfall Österreich-Ungarns und die Vereinigung Siebenbürgens mit dem Königreich Rumänien ermöglichte es König Ferdinand I., in Klausenburg 1919 die rumänische Universität „Dacia Superioară“ zu gründen, die am 1. Oktober 1919 ihre Tore öffnete und nach seinem Tode im Jahre 1927 nach ihm benannt wurde. Die Professoren der „Ferenz József“-Klausenburger Universität weigerten sich, dem rumänischen König Ferdinand die Treue zu schwören und verlegten die Universität zuerst nach Budapest und 1921 nach Szeged.
Der Gründungsrektor der neuen „König Ferdinand I.“-Universität war der Linguist Sextil Pușcariu und er war es auch, der nach der Ausweisung der Klausenburger Universität zum ersten Rektor im Hermannstädter Exil ernannt wurde. Nach der Niederschlagung des Putsches der Eisernen Garde wurde Sextil Pușcariu im Februar 1941 seines Amtes enthoben. Für wenige Monate übernahm der Philologe Alexe Procopovici kommissarisch den Posten des Rektors. Im Juni 1941 wurde das Amt dann dem Klausenburger Professor für Innere Medizin Iuliu Hațieganu (1885-1959) übertragen, das dieser bereits von 1930 bis 1931 innegehabt hatte. Es ist nicht zuletzt Hațieganu zu verdanken, dass die logistische Meisterleistung des Wiederaufbaus der Klausenburger Universität in Hermannstadt in so kurzer Zeit so erfolgreich gelingen konnte.

Umzug nach Hermannstadt

Informationen über den Umzug liefert das digitalisierte Jahrbuch der Klausenburger Universität (Anuarul Universităţii din Cluj) in dem Band für die Jahre 1941-1942, das nur auf der Webseite der Klausenburger Universitätsbibliothek, nicht aber auf der Webseite der Babeș-Bolyai-Universität zu finden ist (Anuarul Universităţii Regele Ferdinand I în al doilea an de refugiu 1941/1942, Tipografia „Cartea Românescă“ din Cluj, Sibiu 1943; http://documente.bcucluj.ro/web/bibdigit/periodice/anuaruluniversitatiidincluj/1941-1942BCUCLUJ_FP_452283_1_1841_1942_019_0001.pdf). Auf 350 Seiten enthält der Band Berichte, Sitzungsprotokolle und Reden, die einen sehr unmittelbaren und präzisen Einblick in die Schwierigkeiten des Neuanfangs, aber auch in die Leistungsbilanz zu deren Überwindung erlauben.
In der Rede des Rektors zum Beginn des Hochschuljahres 1941-1942 sowie auch in anderen in dem Archivband enthaltenen Materialien schwingt, angesichts der besonderen historischen Umstände, ein gewisser Stolz auf die im ersten Jahr nach dem Umzug erzielten Erfolge mit. Auch konnten die gesamten Bestände der Universitätsbibliothek sowie die Sammlungen zum Rumänischen Sprachatlas, dem Wörterbuch der Rumänischen Sprache und der Zeitschrift Dacoromania nach Hermannstadt überführt werden. Er trat den in ungarischen Publikationen geäußerten Thesen entgegen, denen zufolge „wir Rumänen unfähig gewesen wären, eine Universität zu gründen, wenn uns [1919] die ungarische Universität und die ungarischen Sammlungen nicht auf dem Präsentierteller dargeboten worden wären“, dass unsere Universität „weder ihre wissenschaftliche noch ihre erzieherische Aufgabe erfüllen konnte und könne“ und dass die rumänische Universität in Siebenbürgen einen „orientalischen Geist“ verbreitet etc. (Ibid., S. 50).
Um solcher Propaganda entgegenzuwirken, verstärkten die nunmehr in Hermannstadt beheimateten Wissenschaftler der Universität auch ihre bereits zuvor in Klausenburg begonnenen Anstrengungen im Hinblick auf den Ausbau ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit, nicht zuletzt zum Thema Siebenbürgen. Um diesen Initiativen einen institutionellen Rahmen zu geben, wurde im Juli 1941 in Hermannstadt das „Zentrum für Siebenbürgische Studien“ („Centrul de studii transilvane“) gegründet, das in vier Sektionen gegliedert war: Geschichte und Archäologie, Linguistik und Literatur, Ethnographie und Geographie und Sozialwissenschaften Siebenbürgens. Neue Lehrstühle wurden eingerichtet wie der Lehrstuhl für die Geschichte Siebenbürgens sowie ein weiterer für rumänische Soziologie. Bereits 1934 war in Klausenburg die erste Nummer der Zeitschrift Revue de Transsylvanie erschienen, die nach dem Umzug der Universität bis 1944 in Hermannstadt veröffentlicht wurde.

Problematischer Neuanfang

Die im Jahrbuch der Universität überlieferten Dokumente verhehlen aber auch die Schwierigkeiten des Neubeginns nicht, die vor allem darin bestanden, die in Hermannstadt vorhandene Infrastruktur in kürzester Zeit an die Erfordernisse der universitären Tätigkeit anzupassen. Zivile und militärische Institutionen der Stadt zeigten viel Verständnis für das Bestreben der aus Klausenburg ausgelagerten Universität, möglichst schnell die für den Lehr- und Forschungsbetrieb sowie für die Unterbringung der Studenten entsprechenden Räumlichkeiten einzurichten. Das Mädchenlyzeum „Domniţa Ileana“ in der damaligen „Carmen Sylva-Straße (Schewisgasse) wurde der Universität zur zeitweiligen Verfügung als Hauptgebäude überlassen. Es war gerade im Rohbau fertiggeworden und wurde nun noch um einen Seitenflügel erweitert und mit dem mitgebrachten Mobiliar eingerichtet. Dort wurden das Rektorat, die Dekanate dreier Fakultäten (die Philosophische Fakultät, Recht und Medizin), die Vorlesungs- und Seminarräume der Rechts- und der Philosophischen Fakultät, das Institut für klassische Philologie, das Ethnographische Museum und die Zentrale Universitätsbibliothek angesiedelt. Die Kliniken der Universität wurden in den Gebäuden der Kadettenschule am Ende der Schewisgasse untergebracht. Hingegen richtete man alle elf Institute der Medizinischen Fakultät „Victor Babeș“ sowie einen Teil der Institute der Philosophischen Fakultät, die nicht mehr im Hauptgebäude untergekommen waren, in der großen Infanteriekaserne „General Dragalina“ (bis 1918 die K. und K. „90ger“ Infanteriekaserne) ein. Nach dem Ankauf des Hauses in der Strada Funarilor (Seilergasse) 20 durch die Universität zogen das Historische Institut und das Zentrum für Siebenbürgische Studien dorthin um.
Die größten Schwierigkeiten musste die Universitätsleitung beim Unterbringen und Verköstigen der Studenten bewältigen. Dafür wurden im Bericht des Rektors ganz offen politische Gründe angeführt. Die Lage besserte sich erst, als die Eiserne Garde im Januar 1941 entmachtet wurde. Für die Einrichtung der Studentenkantine stellte die örtliche Handelskammer einen ihrer Messepavillons bereit. Das kurz zuvor eingerichtete Studentinnen-Wohnheim, das die Franziskaner der Universität zur Verfügung gestellt hatten, wurde allerdings bald von den einrückenden Lehrtruppen der Wehrmacht requiriert.

Politische Einflussnahme und Widerstand

Anders als im Falle der Straßburger Universität, die 1939 noch vor der bevorstehenden deutschen Invasion ins unbesetzte zentralfranzösische Clermont-Ferrand ausgelagert werden konnte, standen die rumänischen Politiker vor einem Dilemma der besonderen Art. Einerseits war der Exodus der Universität aus Klausenburg eine Folge der von Hitlerdeutschland geförderten Annexion und Besetzung Nordsiebenbürgens durch Ungarn, andererseits wurde Rumänien nach 1940 zunehmend zu einem deutschen Satellitenstaat umfunktioniert. Mit Beginn des Krieges am 22. Juni 1941, wenige Monate nach dem Umzug der Universität, kamen neue erhebliche Belastungen des Hochschulbetriebs hinzu, da nicht nur zahlreiche Professoren und die Mehrzahl der jüngeren Lehrkräfte, sondern auch ein Großteil des technischen und Verwaltungspersonals zum Kriegsdienst eingezogen wurden.
Staatsführer Marschall Ion Antonescu und insbesondere sein Außenminister Mihai Antonescu versuchten, durch institutionelle Förderung und finanzielle Zuwendungen auch aus ihren privaten Mitteln politisches Kapital zu schlagen und patriotische Stimmungsmache zu betreiben. Ion Antonescu kaufte die aufgelassene Schuhfabrik Herma und ließ sie renovieren und als Studentenheim ausbauen, das auch den Namen des Klausenburger Heims „Avram Iancu“ erhielt. Zugleich aber bezogen prominente Professoren wie der nach Kriegsende vom kommunistischen Regime verfolgte Lucian Blaga und D. D. Roșca öffentlich Stellung gegen Faschismus und Totalitarismus und plädierten für die Erhaltung der bleibenden Werte der nationalen und der universellen Kultur.

Rückkehr nach Klausenburg

Die Rückkehr der „König Ferdinand I.“-Universität nach Klausenburg, welche von ihrer Leitung immer erhofft und angestrebt worden war, vollzog sich unter gänzlich veränderten, aber nicht weniger schwierigen Bedingungen (Ibid., S. 261-263). Nach dem erfolgreichen Staatsstreich des rumänischen Königs Mihai I. vom 23. August 1944 kündigte Rumänien Hitlerdeutschland die Gefolgschaft auf und führte den Krieg an der Seite der Alliierten fort. Da die sowjetischen Truppen nach ihrem Einzug in Klausenburg von der Leitung der dortigen ungarischen „Ferenz József“-Universität begeistert mit Bekundungen ideologischer Gleichschaltung empfangen wurden, gestattete das örtliche Militärkommando dieser den Verbleib in Klausenburg, während es die Rückkehr der rumänischen Universität aus dem Hermannstädter Exil nach Klausenburg verbot. Im Januar 1945 verfügte der Klausenburger Präfekt entsprechend den Anweisungen der sowjetischen Besatzer die Gründung zweier ethnischer Universitäten: der rumänischen „Babeș“- Universität und der ungarischen „Bolyai“-Universität. Am 25. September 1945 nahm die „König Ferdinand I.“-Universität nach fünf Jahren den Lehrbetrieb wieder in Klausenburg auf. Es kamen aber noch schwere Zeiten auf Professoren und Studenten zu. Die am 6. März 1945 von den Sowjets eingesetzte Regierung unter Ministerpräsident Petru Groza verabschiedete am 31. März 1945 ein Dekret-Gesetz, das die Säuberung („purificare“) der öffentlichen Verwaltung vorsah. Trotz Protesten und Demarchen des Senats der Universität gegen die geplanten Säuberungen des Lehrkörpers wegen der als „nationalistische Aktion“ gebrandmarkten Rückkehrabsicht der Hochschulleitung setzten bereits im April desselben Jahres politische Verfolgungsmaßnahmen ein, die sich in mehreren Wellen bis zum Jahre 1950 hinzogen.

Historische Aufarbeitung und Nachwirkung

Während die Hintergründe und Umstände des Umzugs der Klausenburger Universität nach Hermannstadt von der Geschichtsschreibung weder unter den Bedingungen des Kommunismus noch in den drei Jahrzehnten danach aufgearbeitet wurden, spielt ein, wenn man so sagen darf, kulturelles Nebenprodukt der fünf Jahre, als Hermannstadt Sitz der Klausenburger Universität war, eine wichtige Rolle im öffentlichen Bewusstsein Rumäniens – der Hermannstädter Literaturkreis („Cercul Literar de la Sibiu“).
Im Januar 1942 als „Cercul Literar Octavian Goga“ gegründet, entfaltete der studentische Literaturkreis der Universität bald eine über den örtlichen Rahmen ausstrahlende Tätigkeit. Das lag nicht nur an seinem Mentor und Vorsitzenden, dem höchst angesehenen Dichter, Philosophen und Hochschullehrer Lucian Blaga, sondern auch an der Qualität der literarischen Produktion seiner studentischen Mitglieder, von denen ein Großteil in der Folgezeit zu den bekanntesten rumänischen Autoren zählen sollten, wie beispielsweise Radu Stanca, Ștefan Augustin Doinaș, Ion Negoiţescu, Ion D. Sîrbu, Cornel Regman, Nicolae Balotă, Eugen Todoran, Eta Boeriu, Radu Enescu, Ioanichie Olteanu, Wolf von Aichelburg, Ovidiu Cotruș u.a. Das Programm der Gruppe hatte Ion Negoiţescu im Mai 1943 in einem offenen Brief an den Bukarester Literaturwissenschaftler Eugen Lovinescu veröffentlicht. Für viele dieser rumänischen Autoren brachte das Studium in Hermannstadt den ersten Kontakt mit der siebenbürgisch-deutschen Lebenswelt, Kultur und Literatur mit sich, es entstanden Freundschaften mit gleichgesinnten deutschsprachigen Autoren Hermannstadts, die sich als dauerhaft erweisen sollten.

Und was bleibt von all dem?

Vor allem konnte Hermannstadt in den Jahren 1940 bis 1945 den Beweis seiner Eignung als Universitätsstadt erbringen. Viele der Lehrkräfte und Studenten, die in jenen Jahren in Hermannstadt lehrten und studierten, hatten es in der Folgezeit zu akademischem Prestige und, wie beispielsweise der Historiker und nachmalige Rektor der Klausenburger „Babeș-Bolyai Universität“ (wie sie nach der 1959 erfolgten Zusammenlegung der rumänischen und ungarischen Universität genannt wurde) Constantin Daicoviciu, auch zu politischem Einfluss gebracht. Ihren gemeinsamen Anstrengungen ist die Einrichtung der ersten Hochschulinstitute in Hermannstadt, anfangs als Ableger der Klausenburger Universität, im Jahre 1969 zu verdanken.

Dr. Anneli Ute Gabanyi

Schlagwörter: Universität, Hermannstadt, Klausenburg, Zweiter Weltkrieg, Gabanyi

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