24. April 2026
Themenschwerpunkt beim Heimattag: Hexenverfolgung, nicht nur in Siebenbürgen
Wenn ich das Wort Hexenverfolgung höre, kommen mir sofort Bilder von Scheiterhaufen, Wasserproben und verängstigten Frauen in langen Leinenhemden in den Kopf, vermutlich weil ich das aus Filmen so kenne. Hexenverbrennungen jedoch vor der Kulisse Klausenburgs oder Kronstadts konnte ich mir bisher nicht vorstellen. Diese Assoziation habe ich erst, seit ich Sieglinde Botteschs Hexenzyklus 2022 in Nürnberg gesehen habe. Die Ausstellung ihrer Monotypien hat mir erstmals vor Augen geführt, dass das europäische Phänomen der Hexenverfolgung auch vor Siebenbürgen nicht Halt gemacht hat. Eine weitere Region, die den Hexenwahn kannte, war Mittelfranken. Im Haus der Geschichte Dinkelsbühl ist das Thema sogar Inhalt der Dauerausstellung. So unerquicklich es auch sein mag: Es lohnt sich, diese Parallelen einmal aufzuzeigen. 2026 betrachten wir die Hexenverfolgung deshalb gemeinsam mit unserer Partnerstadt Dinkelsbühl, und zwar aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Die 1938 in Hermannstadt geborene und heute in Ingolstadt lebende freischaffende Künstlerin, Illustratorin und Kunsterzieherin Sieglinde Bottesch ist durch das Romanprojekt „Kleine Hexe kleine Hexe“ von Ricarda Terschak erstmals auf die Grausamkeit der Hexenprozesse in ihrer Heimatstadt Hermannstadt gestoßen. Auf den fünf Seiten kommt ein 14-jähriges Mädchen, welches als Hexe verurteilt und gefoltert wurde, in eindrücklicher Weise zu Wort. Ergriffen war Sieglinde Bottesch insbesondere von der Tatsache, dass die Zitate einem authentischen Hexenprozess entnommen waren und dass dieses Dokument heute noch im Staatsarchiv in Hermannstadt zu finden ist.
Im Katalog zur Hermannstädter Ausstellung (2024) werden Botteschs Worte wie folgt wiedergegeben: „Der Text lässt erahnen, welchem Martyrium unschuldige Menschen, vor allem Frauen, durch die Brutalität der Folter ausgeliefert waren. […] Es war mir ein dringendes Bedürfnis, meinen inneren Bildern gestalterisch Ausdruck zu geben. So entstand der „Hexenzyklus“ als eine Verflechtung von Mythos und historischen Tatsachen. Die technische Ausführung der Originale als überarbeitete Monotypie auf Transparent-Papier, soll die beklommene Atmosphäre der Szenen übertragen. Die Bilder können als Mahnung verstanden werden, für das Unrecht, das Menschen anderen Menschen zufügen. Auch heute noch, leider!“
Das Bild „Verdacht der Buhlschaft mit dem Teufel“ (2021), das für Werbung und Pressearbeit ausgesucht wurde, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bilder wie „Foltern einer Hexe“, „Die Nadelprobe“ oder „Die Streckfolter“ das Entsetzen der Künstlerin sehr viel klarer darstellen.
Wie es überhaupt zu diesem weit verbreiteten und Jahrhunderte andauernden Unrecht kommen konnte, wird der Jurist und Rechtshistoriker Prof. Dr. Markus Hirte, LL.M., in dem Vortrag „Hexenwahn und Hexenglaube. Entstehung und Verlauf einer der größten Tragödien der Frühen Neuzeit – Globale und regionale Betrachtungen“ am Mittwoch, den 13. Mai, um 19.00 Uhr aufzeigen. Dr. Hirte ist geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber, Honorarprofessor an der Universität Jena und ein ausgewiesener Experte. Die Hexenforschung ist seit über 25 Jahren einer seiner Forschungsschwerpunkte, und er konnte mit „Luther und die Hexen“ zur Reformationsdekade am Kriminalmuseum eine der größten Hexenausstellungen Deutschlands mit weit über 500 000 Besuchern durchführen. Der Vortrag am 13. Mai widmet sich der Entstehung des Hexenglaubens, des Hexereidelikts und des Hexenwahns. Er zeichnet die großen Entwicklungslinien dieses dunklen Kapitels der Strafrechtsgeschichte nach und weist auf besondere regionale Aspekte hin. Der Vortrag findet im Medienraum des Hauses der Geschichte Dinkelsbühl statt, der Eintritt ist frei.
Weitere Programmpunkte, die das Thema in seinen regionalen Spielarten durchdeklinieren, wird es zu Pfingsten beim Heimattag geben:
• Freitag, 22. Mai, 16.30 Uhr: „Hexen, Hexer, Teufelsbanner“, Stadtführung durch Dinkelsbühl
• Freitag, 22. Mai, 18.00 Uhr: Midissage der Ausstellung, Sieglinde Bottesch im Gespräch mit Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen
• Samstag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Hexenszenen. Hexenverfolgungen in Siebenbürgen – ein Melodram für Soli, Chor und Orchester“, Konzert von und mit Prof. Heinz Acker (Text, Musik, Dirigat), der Siebenbürgischen Kantorei, Gesangssolisten und einem Instrumentalensemble
Mehr dazu in der nächsten Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung.
Das Thema Hexenverfolgung ist tragisch und brutal genug, es bedarf weder aufgeregter noch sensationslüsterner Darstellung. Wer es lieber faktenbasiert und empathisch mag, dem bieten sich im Frühjahr in Dinkelsbühl vielfältige Gelegenheiten, sich diesem eher unbekannten Kapitel siebenbürgischer Geschichte zu nähern.
Unser Dank geht an das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen, welches die Veranstaltungen aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales fördert.
Dagmar Seck
Schlagwörter: Heimattag 2026, Hexenverfolgung, Ausstellung
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