13. Mai 2026
Volles (Literatur-)Haus bei Adameșteanu und Schlattner
Zwei Veranstaltungen waren beim diesjährigen Literaturfest München der rumänischen bzw. der siebenbürgisch-sächsischen Literatur gewidmet: Am 24. April stellte die rumänische Schriftstellerin Gabriela Adameşteanu ihren kürzlich im Wallstein Verlag erschienenen Roman „Stimmen auf Abstand“ vor; um Eginald Schlattner und besonders seinen Roman „Rote Handschuhe“ (2001) ging es am 30. April. An beiden Abenden war die Bibliothek des Literaturhauses München voll, obwohl sich der Frühling von seiner besten Seite zeigte – Literatur kann genauso anziehend sein wie ein Spritz im Freien am ersten lauen Abend des Jahres.

Jan Koneffke, „ein fantastischer Schriftsteller und in Rumänien Bestsellerautor“, wie Dana Grigorcea eingangs begeistert bemerkte, konnte neben seiner Dolmetscherfunktion für Gabriela Adameşteanu an diesem Abend über seine Übersetzertätigkeit sprechen und gab zu, dass die verschiedenen sprachlichen Ebenen in „Stimmen auf Abstand“ (im Original „Voci la distanţă“) eine Herausforderung gewesen seien. Geholfen habe ihm, dass er für die vorherigen Übersetzungen als Lektor fungiert habe und daher mit dem Werk der Autorin sehr vertraut sei.
Erfreulich viele Besucherinnen und Besucher ließen sich von Gabriela Adameşteanu im Anschluss an die Veranstaltung Bücher signieren und kamen mit ihr ins Gespräch.

„Schweigen, Sprechen, Freiheit, Verantwortung“ seien die Themen des Buches und der Veranstaltung, so Moderator Robert Schwartz, „und die Kraft, mit der Eginald Schlattner erzählen kann und erzählen will, haut einen um“. Ingo Schulze, selbst ein vielfach preisgekrönter Schriftsteller, zeigte sich beeindruckt von der Radikalität des Ich-Erzählers und der „monumentalen Form“ des Romans – das Lesen sei eine Zumutung im positiven Sinn. Michaela Nowotnick, die über „Rote Handschuhe“ promoviert hat und sich um Schlattners Vorlass kümmert, sprach davon, dass der Roman die Grenze des Sagbaren und das, „was ein System mit einem machen kann“, thematisiere. „Man muss durchhalten, man muss es aushalten“, sagte sie über die Lektüre des Buchs, die sie wie alle anderen auf dem Podium nachdrücklich empfahl.
Die „Geschichte eines Verrats unter den bestialischen Zwängen der kommunistischen Diktatur“, wie Hannes Schuster in seiner Besprechung in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 14 vom 15. September 2001, Seite 8, den Roman beschrieb, hat die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft nach dem Erscheinen aufgewühlt und polarisiert bis heute, was sich als guter Grund erweist, das Buch wieder (oder zum ersten Mal) zu lesen und sich ein eigenes Bild von Eginald Schlattners literarischer Darstellung des Schwarze-Kirche-/Schriftstellerprozesses Ende der 1950er Jahre zu machen. Man könne ihm nur dankbar sein für seine Romane, befand Ingo Schulze an diesem Abend, der auch ohne Schlattners persönliche Anwesenheit (die Anreise aus Rothberg wäre zu beschwerlich gewesen) ganz in seinem Geiste stand.
Doris Roth
Schlagwörter: Literaturfest, München, Adameşteanu, Schlattner
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