12. Juli 2026

„bittersüß in unserem Mund“/Neue Nummer von Ostragehege

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Ostragehege, Nr. 118, widmet einen ganzen Themenschwerpunkt der „Flucht und Vertreibung“. Dieser richtet das Augenmerk nach Südosteuropa.
Eröffnet wird er von der gebürtigen Temeswarerin und jetzt Berlinerin Edith Ottschofski mit drei Gedichten unter dem Titel „balkanbaum“. Darin finden wir eine sehr persönliche Beschreibung ihres Stammbaums mit dialektischen Einsprengseln. Bereits im ersten Teil der Zeitschrift ist die gebürtige Bukaresterin und ebenfalls Wahl-Berlinerin Dana Ranga mit vier Gedichten vertreten, „Noch zu jung“, die gleichsam wie Tagebuchnotate daherkommen, mit dem Titel hintangestellt.

Der Themenschwerpunkt „Flucht und Vertreibung“ wendet sich dann den Ungarndeutschen zu und der verschwindenden deutschen Sprache in Ungarn. Annett Groh führt in ihrem Beitrag „Sprache als Erinnerungsraum“ die ungarndeutschen Autorinnen und Autoren ein, von denen einige die Zwangsaussiedlung noch miterlebt haben, andere, wie die ungarndeutsche Lyrikerin und Autorin Christina Arnold, nicht mehr. Sie ist mit der Geschichte „Der Dachboden“ und einem Gedicht vertreten. Erika Àts hingegen setzt sich als Zeitzeugin in ihrem gleichnamigen Gedicht mit der Muttersprache auseinander, wobei sie die ungarisch-armenische Großmama erwähnt. Angela Korb beschreibt Fünfkirchen, als geliebte und hässliche Stadt, Kolomann Brenner hingegen Ödenburg, als geliebte und gehasste Stadt. In seinem Gedicht „Ungarndeutsch“ zergeht das deutsche Wort „bittersüß in unserem Mund“, wobei ein ungarischer Himmel versprochen wird. Valeria Kochs Gedicht, das ebenfalls „Ungarndeutsch“ heißt, setzt dieses gar in einem Zweizeiler mit dem „tüchtigen Aussterben“ gleich. Claus Klotz wiederum macht sein Deutschtum im gleichnamigen Gedicht geografisch und olfaktorisch fest: „mein deutschtum ist/ der hotter und sein duft“ (57). Es folgen weitere Gedichte von Josef Michaelis „Der Essigbaum“ und „Branauer Schwäbin“, also von einer Schwäbin aus Baranya, in dem es wieder um die Muttersprache geht, ein Gedicht von Robert Becker „Des Vagabunden Traum“ und eines von Diana Feuerbach „Ungarn, mein Ungarn“. In der Prosa von Stefan Raile wird der Abschied von Waschkut (Südungarn) thematisiert und Alfred Manz, aus einer Familie aus Serbien stammend, fügt mundartliche Zitate in seine Kurzgeschichte „Abitreffen“ ein.

Also insgesamt ein willkommener Themenschwerpunkt – der integrierend für die „fünfte“ und vielleicht „sechste“, also die rumäniendeutsche und ungarndeutsche Literatur wirkt – diesmal mit dem internen Schwerpunkt des Ungarndeutschtums. Hoffentlich nicht der letzte auf diesem Gebiet.

Klaus Huber

Ostragehege, 118 (IV-25), 6,50 Euro, www.ostragehege.de

Schlagwörter: Zeitschrift, Flucht und Vertreibung, Literatur

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