9. Oktober 2026

Mariel Thomay beeindruckt auf Schloss Horneck – eine junge Musikerin in einer außergewöhnlichen Familie

Es gibt Familien, in denen Musik zum Beruf wird. Und es gibt Familien, in denen Musik darüber hinaus etwas Verbindendes ist, das Generationen miteinander ins Gespräch bringt. Bei Familie Acker ist beides der Fall. Als im März auf Schloss Horneck die „Bühne der Generationen“, ein Veranstaltungswochenende im Rahmen der regelmäßigen KulturWochenenden des Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V, geöffnet wurde, konnte man erleben, wie selbstverständlich musikalische Tradition von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.
Mariel Thomay begeisterte das Publikum mit dem ...
Mariel Thomay begeisterte das Publikum mit dem „Grande Valse brillante“ von Chopin am KulturWochenende des Schlossvereins. Foto: Sebastian Acker
Mittendrin stand eine 14-Jährige: Mariel Thomay, Pianistin und Klarinettistin, Enkelin von Professor Heinz Acker und Tochter des Geigers Michael Acker. Ihr Auftritt war für das siebenbürgische Publikum zugleich eine Premiere – und eine musikalische Entdeckung. Sie ist ein junges Mädchen mit großer musikalischer Begabung, das Freude an der Musik hat, viel lernt und seinen eigenen Weg sucht. Und diesen Weg ließ sie auf Schloss Horneck bereits eindrucksvoll erkennen.

Die Voraussetzungen könnten kaum inspirierender sein. Mariels Großvater, Professor Heinz Acker, ist als Musiker, Dirigent, Komponist, Musikpädagoge und emeritierter Professor an der Musikhochschule Mannheim seit Jahrzehnten eng mit der siebenbürgischen Musikkultur verbunden. Auch seine drei Söhne haben die Musik auf unterschiedliche Weise zu ihrem Lebensbereich gemacht.

Michael Acker, Mariels Vater, studierte zunächst Physik und anschließend Tonmeister an der Hochschule für Musik Detmold. Als Geiger musizierte er in verschiedenen internationalen Ensembles und Orchestern. Seit 1999 arbeitet er als Tonmeister und Klangregisseur beim SWR Experimentalstudio/Freiburg.

Thomas Acker entschied sich für den Kontrabass. Nach einem Studium an der Musikhochschule Mannheim wurde er Mitglied des Philharmonischen Orchesters Heidelberg und ist dort seit 2001 stellvertretender Solokontrabassist.

Sebastian Acker ist Pianist, er hat seinen beruflichen Weg jedoch außerhalb des Musikberufs gefunden.

Der Rahmen für Mariels ersten Auftritt vor einem siebenbürgischen Publikum war besonders passend. Das KulturWochenende „Bühne der Generationen“ fand vom 13. bis 15. März 2026 auf Schloss Horneck statt. Professor Heinz Acker eröffnete den musikalischen Teil mit einem Vortrag über Carl Filtsch (1830-1845). Das aus Siebenbürgen stammende musikalische Ausnahmetalent des 19. Jahrhunderts wurde nur 15 Jahre alt. Sein Name aber ist bis heute mit einer außergewöhnlichen musikalischen Begabung verbunden. In seinem Vortrag zeichnete Acker den Lebensweg dieses Wunderkindes lebendig nach, begleitet von Bildprojektionen und durchsetzt von Musikbeiträgen, die Acker speziell für das Familienquartett bearbeitet hatte. So wechselte er immer wieder vom Rednerpult zum Klavier im Zusammenspiel mit seinen Söhnen Michael und Thomas an Violine und Kontrabass, wobei die Enkeltochter Mariel gekonnt von Klarinette zu Klavier mehrfach wechselte. Auch Sohn Sebastian war am Klavier zu erleben.
Drei Generationen der Familie Acker, von links: ...
Drei Generationen der Familie Acker, von links: Pianist Sebastian, Kontrabassist Thomas, Professor Heinz, Enkelin Mariel, Klavier und Klarinette, und Michael, Geiger und Mariels Vater, beim Schlussapplaus im Schloss Horneck. Foto: Margrit Csiky
Da standen drei Generationen der Familie Acker gemeinsam auf der Bühne.

Das Programm führte von Johann Sebastian Bach über Frédéric Chopin bis zu Carl Filtsch. Bei Johann Sebastian Bachs „Jesu bleibet meine Freude“ übernahm Mariel den Klarinettenpart. Schon hier zeigte sich die musikalische Vielseitigkeit der jungen Musikerin. Thomas Acker setzte mit Carlo Franchis Virtuosenstück „Introduction und Tarantella“ für Kontrabass einen besonderen Akzent. Dann aber gehörte die Bühne Mariel und dem Klavier. Mit Frédéric Chopins „Grande Valse brillante op. 42“ stellte sie sich einer musikalisch anspruchsvollen Aufgabe – und meisterte sie mit beeindruckender Sicherheit. Das Publikum reagierte begeistert; für ihren Klaviervortrag gab es stehende Ovationen. Vielleicht war gerade dieser Moment besonders aussagekräftig. Denn Mariel war hier nicht einfach die Enkelin eines bekannten Musikers oder die Tochter eines Berufsmusikers. Sie stand als junge Pianistin auf der Bühne und ließ ihre eigene musikalische Persönlichkeit erkennen.

Besonders eindrucksvoll wurde der Auftritt dort, wo die Familienbande unmittelbar hörbar wurden. Das hatte Acker geschickt ermöglicht, indem er Filtsch Kompositionen, die grundsätzlich ja Klavierwerke sind, für die Ackertruppe arrangiert hatte. So erklang nun Filtschs „Romanze ohne Worte“, wie auch sein „Choral“, eine erstaunliche Komposition des neunjährigen Wunderkindes, in der Instrumentalfassung des Familienquartetts. Es war ein musikalisches Gespräch zwischen Großvater und Enkelin, zwischen Vater und Tochter, zwischen drei Generationen.

Was auf dem Programmblatt als Besetzung erscheint, bekam auf der Bühne eine tiefere Bedeutung: Musik verbindet Menschen, und manchmal verbindet sie auch die Zeit. Die Geschichte von Carl Filtsch lag über diesem Nachmittag wie ein fernes Echo. Ein junger Siebenbürger, hochbegabt, früh berühmt und viel zu früh verstorben.

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieses musikalischen Nachmittags. Eine musikalische Familie kann Türen öffnen, Erfahrungen weitergeben und Orientierung bieten. Sie kann aber auch Erwartungen erzeugen. Umso schöner ist es, dass Mariels Eltern darauf achten, ihrer Tochter kein Etikett aufzusetzen. Denn Talent allein erzählt noch keine Geschichte. Erst die Jahre des Lernens, Übens, Suchens und Musizierens machen daraus einen Weg. Mariel, die Gymnasiastin aus Sölden bei Freiburg, hat diesen Weg begonnen. Man darf gespannt sein, wohin er sie führen wird. Klavier und Klarinette eröffnen unterschiedliche musikalische Welten. Dazu kommt die Möglichkeit, aus einer Familie zu schöpfen, in der Musik auf höchstem Niveau praktiziert wird. Doch vielleicht liegt gerade darin die besondere Stärke: Mariel muss nicht die musikalische Geschichte ihrer Familie wiederholen. Sie darf sie weiterführen – auf ihre eigene Weise. Das Publikum auf Schloss Horneck hat einen ersten Eindruck davon bekommen.

Und so bleibt nach diesem besonderen Nachmittag vor allem ein Wunsch: Möge Mariel ihre Freude an der Musik bewahren, ihre Neugier behalten und mit derselben Begeisterung weiterlernen, mit der sie auf Schloss Horneck musiziert hat – eine junge Musikerin, die gerade dabei ist, ihre eigene Stimme zu finden.

Margrit Csiky

Schlagwörter: Musikerin, Porträt, Schloss Horneck

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