„Gloria Dei“: Gerhild Wächter stellt in Nürnberg aus
Gerhild Wächter ist eine künstlerische Erscheinung sondergleichen: Ihr gelingt es mit scheinbar einfachsten künstlerischen Mitteln nicht nur, feine optische Wirkungen hervorzurufen, ihr Werk ist von klarem christlichem Glauben durchdrungen – was ihm besondere Tiefe verleiht. Bei der Vernissage ihrer Ausstellung „Gloria Dei“ am 13. September in St. Jobst, Nürnberg, konnten eindrucksvolle Kunstwerke – Scherenschnitte, Objekte und Fotografien – von zahlreichen Kunstinteressierten bewundert werden.
Protagonisten des Nachmittags, von links: Peter Hauenstein, Silvia Jühne, Gerhild Wächter, Fiona Zimmermann, Botond Kostyák. Foto: Familienarchiv WächterMunter und freudig begrüßt wurden von der geschäftsführenden Pfarrerin Silvia Jühne im Gemeindehaus St. Jobst neben Gerhild Wächter ihre Tochter Fiona Zimmermann (Flöte) und Botond Kostyak (Kontrabass), Kurator und Laudator Peter Hauenstein sowie die zahlreich anwesenden Kunstinteressierten und Familienfreunde der Künstlerin. Die wahrlich berauschenden musikalischen Einlagen – Johann Sebastian Bach: Jesu bleibet meine Freude, Jaques Hotteterre: Deuxiéme Suite (Flöte und Kontrabass) wie auch die Greensleeves-Variationen (Kontrabass Solo; spätestens hier konnte man die Virtuosität des renommierten, international aktiven Kontrabassisten Botond Kostyák voll genießen – wirkten eindeutig stimmungserhöhend und zeichneten die Vernissage von Beginn an mit einer besonderen Note aus. Silvia Jühne betonte, dass der Titel „Gloria Dei“ natürlich sehr gut in dieses christliche Haus passe. „Ich freue mich, dass Sie, liebe Frau Wächter, mit Ihren Werken unseren Blick auf biblische Geschichten und auf Grundaussagen des Glaubens ausrichten – manchmal muss man ganz sogar genau hinschauen, um die Details zu erkennen! Und ein andermal weit weg gehen, um das Ganze wieder in den Blick zu bekommen. Zugleich bringen Sie existenzielle Fragen und Themen zum Schwingen, die durch die Scherenschnitte regelrecht aufbrechen. (…) So können wir in die Tiefen des Lebens schauen und zugleich von der Hoffnung hören und erfahren, die der Glaube schenkt. Hoffnung, die Halt gibt – auch wenn Schweres das Leben angreift,“ hielt sie fest.Werkreihe „Vater unser“. Foto: Horst Göbbel
In seiner markanten Laudatio ging Künstlerkollege und Kurator Peter Hauenstein auf die siebenbürgischen Ursprünge von Gerhild Wächter (geboren 1960 in Kronstadt) ein, die ihre künstlerische Ader einst in der Fotografie fand und in den 1980er Jahren in Bukarest eine Ausbildung zur Fotografin absolvierte. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland 1990 war sie auch als Sozialpädagogin tätig, derzeit ist sie im mittelfränkischen Weißenburg freischaffende Künstlerin und schafft u.a. auch beeindruckende Installationen im kirchlichen Raum. Diesmal kann das Publikum in St. Jobst zwar durch die Begrenzung auf Scherenschnitte nur einen kleinen Ausschnitt ihres Könnens und Schaffens bestaunen, jedoch die Tiefe ihres Denkens und Gestaltens besonders wahrnehmen. „Dieses Konzept gibt der Ausstellung etwas Besonderes, sie wirkt in sich geschlossen, stringent und geheimnisvoll“, führte Peter Hauenstein kenntnisreich aus. „So sind die Werkreihen thematisch gehängt und lassen sich wie eine Geschichte im Uhrzeigersinn lesen. Es sind biblische Geschichten, die die Künstlerin bewegen. Es sind Bekenntnisse wie das ‚Vaterunser‘ oder das ‚Glaubensbekenntnis‘, das die Künstlerin Vers für Vers und Bild für Bild visuell gestaltet. Es sind Weisheiten des Lebens oder Erzählungen, die Menschen in allen Lebensphasen ansprechen sollen.“ Hauenstein betonte: „Wächter will nicht nur ausstellen, sie will Denkanstöße geben.“ Dies würde durch Begegnung und Kommunikation geschehen. Außerdem sei ihre Kunst auch „eine Auseinandersetzung mit Themen unserer Gegenwart“, was auch durch die Gegenüberstellung von großformatigen Papierarbeiten und gerahmten Werken deutlich wird, „die eine Symbiose des Werkstoffes mit dem künstlerischen Ausdruck bilden“. Anschließend erläuterte der Laudator, welche Rolle der Scherenschnitt, künstlerisch vollendet, spielen kann. „Der Scherenschnitt als Kunstform ist mehr als nur präzise Handarbeit. Komposition und Bildsprache müssen geplant und realisiert werden. Hinzu kommen Größe, Fläche und die Präsentation des verletzlichen Trägermaterials Papier. Der Schwarz-Weiß-Kontrast reduziert die Sprache der Arbeit auf das Wesentliche. Jede Schnittkannte ist eine Kontur. Jeder Ausschnitt ist ein Hindurchsehen und damit eine Herausforderung für unser Auge. Licht und Schatten spielen eine herausragende Rolle. So erschließt sich das Gesamtkunstwerk dem Betrachter nur allmählich. Und wir stehen staunend vor der Vielfalt und Tiefgründigkeit dieser Kunst. Es bedarf der Fantasie, die Geschichte hinter der Arbeit zu entdecken. Erst unsere eigene Interpretation ergänzt diese visuellen Eindrücke zu einem farbigen und lebendigen Bild. Scherenschnitte auf Papierbahnen in dieser Größe beeindrucken mit ihrer Dynamik. Sie vermitteln Gelassenheit und Spannung und sind doch wie Geschwister. Voller Feinsinnigkeit, Präzision und Klarheit.“ In dieser Ausstellung in St. Jobst verarbeitet Gerhild Wächter biblische Geschichten, etwa das Vaterunser oder das Glaubensbekenntnis, wobei sie „Vers für Vers und Bild für Bild visuell gestaltet“ und dabei den einzelnen Betrachter zum Kern unseres christlichen Glaubens führt. Dies geschieht nicht weniger etwa mit der großen Papierbahn „Himmelsleiter“ oder mit dem schwarzen „Lebensbaum.“ „Das positive Symbol eines Baumes, der seine Wurzeln tief am Wasser hat, ist ihre Botschaft: Setzen wir den Wirrnissen unserer Zeit etwas entgegen. Es gibt noch Hoffnung!“, beschloss Peter Hauenstein seine hervorragende Laudatio.
Die Möglichkeit, anschießend mit der Künstlerin und den Musikern sowie mit der Gastgeberin, dem Laudator und weiteren Anwesenden ins inspirierende Gespräch zu gelangen, wurde breit angenommen. Gerhild Wächter, den musikalischen Gestaltern sowie dem Laudator dieses fruchtbaren Nachmittags sei herzlich gedankt.
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