Kommentare zum Artikel

28. Februar 2010

Kulturspiegel

Deportation vor 65 Jahren: Zeitzeugin erinnert an schweres Leid und ruft zur Versöhnung auf

Durch die Veröffentlichung des Romans: „Atemschaukel“ wird die Autorin und Nobelpreisträgerin Herta Müller Sprachrohr der vor 65 Jahren unrechtkräftig und gesetzwidrig deportierten Rumäniendeutschen. Der Roman „Atemschaukel“ weckt das Interesse der Weltöffentlichkeit für begangenes Unrecht in der Kriegs- und Nachkriegszeit 1945 bis 1949, an ca. 70 000 unschuldige Menschen aus Rumänien. Vor 65 Jahren wurden Frauen zwischen 18 und 35 Jahren sowie Männer zwischen 17 und 45 Jahren, mitunter auch Jüngere oder Ältere, rechtswidrig für fünf Jahre zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert. mehr...

Kommentare

Artikel wurde 80 mal kommentiert.

  • Adine

    1Adine schrieb am 28.02.2010, 00:25 Uhr:
    Versöhnung? Mit wem?
    Hat jemand sich bei den Deportierten und deren Angehörigen entschuldigt?
    Spricht man an den Orten des Verbrechens über das begangene Unrecht?
    Und welches ist die Meinung über die "Atemschaukel" dort?
    Will man eine Übersetzung des Buches?
    Steht dieses Verbrechen in den ukrainischen Geschichtsbücher?
    Man sollte nicht so einfach das Wort Versöhnung aussprechen, wenn es Tausende Tote gab und die Verbrecher nie vor Gericht kamen.
  • Regine ( Jini )

    2Regine ( Jini ) schrieb am 28.02.2010, 15:23 Uhr:
    "Reich deine Hand zur Versöhnung!" Wahrhaftig eine sehr großzügige und humane Geste Ihrerseits, liebe Frau Rose Schmidt. Ich selber bin "nur" das Kind eines Deportierten (mein Vater wurde mit 15 Jahren, zusammen mit seinem Vater, für 5 Jahre nach Krivoj Rog deportiert), als indirekt Betroffene muß ich versuchen eher neutral zu bleiben. Mein Vater ist mit 61 Jahren gestorben, sein früher Tod ist sicherlich auch eine Folge der Rußland-Jahre. Ob er Worte der Versöhnung finden würde? Ich weiß es nicht. Sicher ist, daß Haß im Herzen krank macht, das sollten die -noch- Lebenden erkennen. Mein Wille zur Versöhnung: Ich habe eine gute Bekannte, Ukrainerin aus Czernowitz, möglicherweise Enkelin oder Urenkelin damaliger Mit-Verbrecher. Sollte ich sie verantwortlich machen für die Verbrechen ihrer Landsleute oder mglw. Familienmitglieder? Nein, gewiß nicht!!! Wir verstehen und gut, das ist das Wichtigste.
  • Adine

    3Adine schrieb am 28.02.2010, 16:09 Uhr:
    Sippenhaft interessiert mich nicht.Das wäre genauso ungerecht und scheuslich wie diese Deportation unserer Landsleute.
    Der Versuch darüber zu reden und nachzudenken,wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
    Leider haben alle, die aus dieser Gegend kamen und denen ich begegnet bin, kein Interesse an einer Diskussion darüber. Höchstens sagten sie: unsere Eltern haben auch gelitten.
    Aus Respekt vor unseren Toten sollten wir die Geschichte nicht verharmlosen.
  • Regine ( Jini )

    4Regine ( Jini ) schrieb am 28.02.2010, 17:19 Uhr:
    Nun, ALLE Interessierten hätten Zeit und Gelegenheit zu Disputen und Auseinandersetzung mit dem Thema "Deportation" gehabt: Bad Kissingen im Heiligenhof, 13.-15.12.2009. Ich war dabei! Anwesend waren auch 7 ehemals Deportierte, es gab reichlich Stoff zum Nachdenken, Reden und Weinen... Also 2 Tage Psychotherapie mit guter Genesungstendenz für alle physisch und psychisch Geschädigten. Sehr lohnenswert!
  • Karin Decker

    5 • Karin Decker schrieb am 28.02.2010, 17:37 Uhr:
    @ Regine ( Jini ):

    Das ist jetzt aber sehr flapsig daher gesagt von Ihnen und hört sich an, wollten Sie die Opfer des rumänischen Nationalkommunismus absichtlich verhöhnen. Bei einer solchen Einstellung hilft wohl auch kein Besuch im „Heiligenhof“.
  • Regine ( Jini )

    6Regine ( Jini ) schrieb am 28.02.2010, 18:23 Uhr:
    Frau Decker, wer immer Sie auch sind: Seit vielen Monaten verfolge ich Ihr dummes und peinliches Geschwätz in ALLEN Foren, nun hat es sozusagen "auch mich erwischt". Sie haben keine Ahnung, reden nur um des Redens willen, denn hätten Sie meine Kommentare der letzten Monate gelesen, wüßten Sie, daß a) ich eine Siebenbürger Sächsin bin (und KEIN SbS verhöhnt ehemalige und jetzige Opfer des Kommunismus, das wäre "in´s eigene Fleisch schneiden", und ich bin absolut keine Masochistin, und b), daß ich, bedingt durch das erfahrene Leid meines Vaters, praktisch ab Geburt Mit-Leidende war. Hätten Sie Ihre Bequemlichkeit aufgegeben (Ihre Kommentare strotzen nur nur so von "man müßte", "man sollte", "man könnte") und wären im Heiligenhof dabeigewesen, wären Sie jetzt einen Riesenschritt weiter, und wüßten auch wovon ICH spreche. Bitte verzichten Sie auf weiteres unqualifiziertes Gewäsch, es erweitert nur Ihren Ruf der Lächerlichkeit.
    Danke.

  • Karin Decker

    7 • Karin Decker schrieb am 28.02.2010, 18:46 Uhr:
    „Also 2 Tage Psychotherapie mit guter Genesungstendenz für alle physisch und psychisch Geschädigten.“ Ich denke, das spricht für sich.
  • Karin Decker

    8 • Karin Decker schrieb am 28.02.2010, 19:20 Uhr:
    @ Regine:

    Mein Kommentar bezog sich auf Ihren obigen Beitrag alleine. Es ist doch niemandem zuzumuten, alle Beiträge einer Person durchzulesen, die sich hier zu Wort meldet.

    Ich habe Sie nur auf die m.E. sehr unglückliche Formulierung aufmerksam gemacht und Sie in keiner Weise so umassend beschimpft, wie Sie das im Gegenzug taten. Das ist zwar nicht lächerlich, aber doch etwas infam.

    Sie brauchen sich aber nicht zu entschuldigen, vermutlich meinten Sie die von mir als Flapsigkeit empfundene Formulierung, ernst.

    Es tut mir also leid, wenn ich Ihnen mit meiner Bemerkung zu nahe getreten bin.

    [Beitrag am 28.02.2010, 19:31 von Karin Decker geändert]
  • Adine

    9Adine schrieb am 28.02.2010, 20:12 Uhr:
    Psychotherapie...Genesungstendenz... so kann nur jemand sprechen, der die Wahrheit über die Deportation nicht kennt bzw. ignoriert.
    Sollen wir den sowjetischen Verbrecher noch ein Denkmal setzen, so als Zeichen unserer Gesundung?
    Wenn alles nur eine Sache der richtigen Psychotherapie ist, hätten wir uns gleich den Therapeuten bestellt und wären in Rumänien geblieben.

  • Shimon

    10Shimon schrieb am 28.02.2010, 21:11 Uhr:
    Zuallererst müssen wir uns die Frage stellen, warum es zu diesem „Verbrechen“ kam? Wurde nicht die Sowjetunion von Nazi-Deuschland überfallen? Wurden nicht über 6 Millionen Sowjetische Zivilisten von Deutschen Soldaten ermordet oder starben den Hungerstod? Können wir uns das Ausmaß dieses Elends überhaupt vorstellen? Wir sollten die historischen Fakten auf den Tisch legen und dann jemanden beschuldigen. Hat nicht die Mehrheit unserer Siebenbürger Sachsen den Nazis in Rumänien zugejubelt und aktiv in deren Organisationen wie HJ und sonstigen mitgemacht? Die Siebenbürger Sachsen haben aktiv mitgeholfen, dass so ein Grosses Verbrechen in ganz Europa von den Deutschen überhaupt durchgeführt werden konnte. Denken wir auch an die Millionen Juden, die in Ghettos oder Konzentrationslager von Deutschen und Sachsen ermordet wurden? Haben nicht viele unserer Landsleute die freiwillig in die SS eingetreten sind, diese Lager mitbewacht und dabei mitgeholfen Millionen von Menschen zu ermorden? Die Bibel sagt es vor einigen tausend Jahren: „Was der Mensch sät, wird er auch ernten!“.

    [Beitrag am 28.02.2010, 21:13 von Shimon geändert]
  • Karin Decker

    11 • Karin Decker schrieb am 28.02.2010, 21:15 Uhr:
    Ich hatte die Bemerkung von Frau Regine (Jini) auch als Versuch einer Wiedergutmachung „nach innen hin“ (unter impliziertem Verzicht auf Wiedergutmachungsforderungen an den rumänischen Staat) empfunden, als brauche man für das eigene erlittene Leid oder das seiner Eltern nur zum Seelenklempner zu gehen, dann hätte sich das schon.

    Aber der Rüffel, den mir mein Hinweis einbrachte, zeigte mir, dass es Regine (Jini) bitter ernst war damit. Nun denn: Wenn es ihr geholfen hat …

    … Auf diese Meinung (hier vorgebracht von Shimon) habe ich schon lange gewartet. Sie besagt: Uns ist irgendwie ganz Recht geschehen. Trauriges Aufrechnen. Vor allem wenn man bedenkt, wer unsere Leute nach Russland verschleppen ließ, und wie hoch entwickelt deren Antisemitismus kurz vorher war.

    [Beitrag am 28.02.2010, 21:22 von Karin Decker geändert]
  • Adine

    12Adine schrieb am 28.02.2010, 21:16 Uhr:
    Nur waren die Deportierten am wenigsten schuld an dem Verbrechen der Nazis.
  • Shimon

    13Shimon schrieb am 28.02.2010, 21:42 Uhr:
    Es geht hier um Fakten, die diskutiert werden müssen. Mein Großvater hat in der rumänischen Armee in Rumänien gedient und wurde trotzdem für fünf Jahre in die Sowjetunion deportiert. Sicherlich haben sich nicht alle Siebenbürger Sachsen schuldig gemacht und nicht alle waren Nazis. Aber ich denke die meisten haben irgendwie mitgemacht und haben sich nicht aktiv gegen das Verbrechen, davon sie genügend gehört oder gesehen hatten, gewehrt! Wie viele unserer Landsleute haben siech gegen das in deutschem Nahmen durchgeführte Verbrechen denn gewehrt?
    Danach mussten dann viele unserer Landsleute die Konsequenzen tragen und selber erfahren, was es bedeutet verschleppt zu werden, zu hungern und unschuldig gequält zu werden.
  • pedimed

    14pedimed schrieb am 28.02.2010, 21:45 Uhr:
    Die SBS waren zwar aus Deutschfreundlichkeit mit in der Waffen-SS und nicht in der allgemeinen SS. Auch wenn einige als KZ-Überwacher eingesetzt wurden, waren sie noch nicht die Mörder. Selbst in der Heimat haben viele auch verhindert das die Semiten der Verfolgung und Vertreibung teilhaben mußten.Also bitte nicht alles über einen Kamm scheren. Es gab eben auch andersdenkende in SB!!!
  • rhe-al

    15rhe-al schrieb am 28.02.2010, 21:51 Uhr:
    Shimon sollte sich auch die Frage gefallen lassen, ob nach heutiger Sichtweise, Argumentation, welche auf negativer Reziprozität basiert, noch zeitgemäß ist, oder aber...nach alttestamentarischer Devise argumentierend: Auge um Auge, Zahn um Zahn?!?

    Natürlich sind die Verbrechen der Nazis nicht gutzuheißen, aber welches Verbrechen wollen Sie hier Regines Vater, welcher bei seiner Deportation gerade mal 15 Jahre zählte, ankreiden?
  • gloria

    16gloria schrieb am 28.02.2010, 21:55 Uhr:
    Wem soll die Hand gereicht werden? Waren es die rumänischen Behörden die Mütter und Väter von ihren Kindern wegrissen, ohne Mitleid.Waren es die russischen Behörden??Ich weiß nicht so recht,aber von keinem der beiden Völker,bzw.Länder kam je eine klare Bitte um Verzeihung, oder auch nur Bekennen eines Unrechts?Ich weiß nicht ob es,ausser Frau Schmitt, noch Deportierte gibt welche von blühenden Blumenrabatten in den Lagern erzählen.Ich habe mit vielen ehemaligen Deportierten gesprochen und immer wieder wurde mir gesagt wie schrecklich alles war, wie jeder hoffte so schnell wie möglich den Ort des Grauens zu verlassen.Soll das jetzt alles verharmlost werden???Verzeihen ja,aber nicht verschönern !! und vergessen schon gar nicht-NIEMALS !!
  • Shimon

    17Shimon schrieb am 28.02.2010, 21:55 Uhr:
    Ich hoffe ja sehr, dass der Demjanjuk Prozess bald festlegt, dass ein KZ-Wächter ein vielfacher Mörder ist. Wer waren denn die Mörder, wenn nicht diejenigen, die in den KZs „gearbeitet“ haben?
  • Karin Decker

    18 • Karin Decker schrieb am 28.02.2010, 22:06 Uhr:
    Meiner Ansicht nach steckt hinter der Theorie „Es geschah ihnen schon recht“ eine simple Denke des „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!“

    Diese Denke ist falsch. Wer vermag von sich zu behaupten, dass er bei der Indoktrination und dem Nationalismus, dem man (Regine möge mir verzeihen, dass ich wieder das „man“ verwende!) in den 30-er und 40-er Jahren des 19. Jahrhunderts in fast allen Ländern der Welt ausgesetzt war, eine edle, gütige und menschenfreundliche Haltung bezogen hätte? – Und wer das von sich denkt, der kann seinen Edelmut noch immer unter Beweis stellen. (Aber bitte nicht durch unbedachte Schuldzuweisungen!)

    Man musste nicht ein Verbecher sein, wenn man in die Uniform der Deutschen gestopft wurde, und die meisten waren es auch nicht. Ich wüsste auch nicht, dass der Überfall auf Russland unter maßgeblichem Einfluss der Siebenbürger Sachsen erfolgt wäre.

    Rumänien hatte mit Bessarabien da schon handfestere Interessen…

    [Beitrag am 28.02.2010, 22:07 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    19Shimon schrieb am 01.03.2010, 09:14 Uhr:
    @Karin Decker
    Bitte bei den Fakten bleiben! Wer wurde denn von unseren Landsleuten in Uniform gestopft? Die Siebenbürger Sachsen sind alle freiwillig zur SS bzw. Wehrmacht gegangen!
    Genau, Edelmut ist gefragt, wenn man Unrecht verhindern möchte. Leider hat dieser Edelmut unserm Volk in der Zeit des Nationalsozialismus zu oft gefehlt.
    Nicht Rumänien hat den Krieg mit der Sowjetunion angefangen, auch ist der Zweite Weltkrieg nicht entbrannt, wie einige unserer Landsleute das so darstellen. Nein, das Deutsche Reich hat Polen und dann die Sowjetunion überfallen und diesen schrecklichen Krieg verschuldet!


    [Beitrag am 01.03.2010, 09:19 von Shimon geändert]
  • Karin Decker

    20 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 09:36 Uhr:
    @ Shimon:
    Von „entbrannt“ sprechen Sie. Niemand hat den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hier so dargestellt, wie Sie es kritisieren. Wenn Sie sich selbst die Stichworte geben, gegen die Sie dann aufbrausend argumentieren wird Ihre Theorie zum Selbstgespräch.

    Die Kriegseuphorie, von der Sie sprechen, ist freilich vielfach belegt. Dennoch die Frage: Wenn es jemanden gegeben hätte, der als junger deutscher Mann aus Siebenbürgen vom deutschen Nazionalsozialismus nicht begeistert gewesen wäre, wäre ein solcher nicht doch in die Uniform gestopft worden?

    Wie hoch war der Anteil des Zwangs? Wie hoch der Anteil echter Begeisterung?

    Und: Welche „Vision“ hatten die deutschen Nazis von Siebenbürgen und seiner deutschen Bevölkerung? Meinem Kenntnisstand nach, hegte Hitler den Plan, die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben, genauso wie er es mit den Bukowinadeutschen getan hat, „zurück ins Reich“ zu holen. – Das gleicht in erschreckender Weise dem, was mit der Aussiedlung unserer beiden Völkchen während der Zeit des Nationalkommunismus dann auch geschah.

    Waren unsere siebenbürgischen Bauern auch von dieser Vorstellung „besessen“, ihre Höfe aufzugeben, um als „Reichsdeutsche“ zu genetischen Mehrung der „arischen Rasse“ beizutragen? Schwer vorstellbar.
  • Shimon

    21Shimon schrieb am 01.03.2010, 09:52 Uhr:
    @Karin Decker
    Bitte nicht mit irgendwelchen dubiosen Plänen der Nazis für die Siebenbürger Sachsen bzw. Donauschwaben ablenken.
    Fakt ist, die Siebenbürger Sachsen haben sich freiwillig zur SS bzw. Wehrmacht gemeldet und haben damit den Terror der Nazis in ganz Europa aktiv unterstützt! Sicherlich haben irgendwelche Leute auf die jungen Männer in Siebenbürgen Druck ausgeübt um Sie an die SS zu vermitteln, aber jeder konnte selber entscheiden, ob er sich meldet, oder ob er seinen Militärdienst bei der Rumänischen Armee ableistet.


    [Beitrag am 01.03.2010, 09:58 von Shimon geändert]
  • Karin Decker

    22 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 10:06 Uhr:
    @ Shimon:
    Ach, so war das, also? Man hätte sich gegen die bösen deutschen Faschisten entscheiden können, um den guten rumänischen Faschisten zu dienen? Interessante Perspektiven für einen Siebenbürger Sachsen Anfang der 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts. (m.E. verwechseln Sie da auch etwas zwischen Waffen-SS und SS; – aber auf die Details kommt es wohl nicht so an, wenn es um Kollektivschuld geht.)
  • Shimon

    23Shimon schrieb am 01.03.2010, 10:19 Uhr:
    @Karin Decker
    Lesen sie doch bitte den folgenden Artikel „Der Holocaust in Siebenbürgen“ unter folgendem Link http://www.egoisten.de/pixx/holocaust.pdf.
    Die Waffen-SS hat sich genauso wie die SS am Terror der Nazis beteiligt und unterstand dem Kriegsverbrecher Reichsführers-SS Heinrich Himmler:
    Wikipedia:
    Waffen-SS war ab 1939 die Bezeichnung für die schon früher gegründeten militärischen Verbände der nationalsozialistischen Parteitruppe SS. Seit Mitte 1940 war sie organisatorisch eigenständig und unterstand dem direkten Oberbefehl des Reichsführers-SS Heinrich Himmler. Ihr gehörten sowohl Kampfverbände als auch die Wachmannschaften der Konzentrationslager an.[1]
    Ihre Kampfverbände wurden im Zweiten Weltkrieg dem Oberbefehl der Wehrmacht unterstellt, kämpften an der Front und wurden zur Sicherung besetzter Gebiete gegen Partisanen und potenzielle Gegner eingesetzt. Aufgrund ihrer Beteiligung am Holocaust und an zahlreichen Kriegsverbrechen wurde sie 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt. In der BRD sind zudem die Verbreitung von Propagandamaterial und Verwendung von Symbolen der SS (§§ 86 und 86a StGB) strafbar.
  • Karin Decker

    24 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 10:23 Uhr:
    @ Shimon:
    Demnach wäre jemand wie Günter Grass, der ja in der Waffen-SS gewesen sein soll, ein gefährlicher Kriegsverbrecher. – Das kann ich nicht so gelten lassen.

    Und meinetwegen sollen Sie gerne Recht behalten: Siebenbürger Sachsen waren zu jener Zeit allesamt Rassisten, deutsche Nationalisten, Weltvernichter (womöglich, weil sie das in ihren Genen trugen). – Wie war es in deselben Zeit um die Rumänen bestellt, welche laut Ihrer Theorie eine gute Alternative mit ihrer Armee boten?

    [Beitrag am 01.03.2010, 10:29 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    25Shimon schrieb am 01.03.2010, 10:26 Uhr:
    @Karin Decker
    Darüber haben nicht wir zu entscheiden, Fakt ist, die Waffen-SS war eine verbrecherische Organisation!
    "Aufgrund ihrer Beteiligung am Holocaust und an zahlreichen Kriegsverbrechen wurde sie 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt."
  • Karin Decker

    26 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 10:32 Uhr:
    @ Shimon: Was ja nicht zu bestreiten ist. Verbrecher allesamt in schlimmstem Sinne. Eigentlich hatten sie damals ihr Recht verwirkt, weiterhin auf Erden zu wandeln. Ist es jetzt „political correct“ formuliert?

    Aber, was nun, da sie überlebten?

    [Beitrag am 01.03.2010, 10:32 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    27Shimon schrieb am 01.03.2010, 10:50 Uhr:
    @Karin Decker
    Hier geht es nicht um „political correctness“ oder sonstige Formulierungen. Es geht wirklich um viel wichtigere Dinge.
    Ich beobachte, wie auch heute noch viele unserer Landsleute, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, noch immer die Nazis verherrlichen und was noch viel schlimmer ist, diese falschen Lehren an die folgenden Generationen weitergeben. Die meisten Siebenbürger Sachsen haben sich nach meiner Meinung in ihrer Denkweise nicht geändert!
    Machen wir uns keine Sorgen um die Überlebenden. Es kommt der Tag, wo ein jeder vor das gerechte Gericht Gottes treten muss. Dann wird genau abgerechnet und auch das kleinste Verbrechen wird hier aufgedeckt werden – keiner wird davonkommen. Aber im Gegenzug besteht für jeden die Möglichkeit sich mit Gott durch Jesus Christus zu versöhnen und seine Schuld vor Ihn zu bringen, er vergibt jede Schuld.


    [Beitrag am 01.03.2010, 10:51 von Shimon geändert]
  • Karin Decker

    28 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 11:04 Uhr:
    @ Shimon:
    Was Sie nun gesagt haben, das zeugt tatsächlich von einem um Gerechtigkeit bemühten Blick auf die Geschichte, der nach Versöhnlichkeit ruft und nach Umkehr, wenn man denn auf dem falschen, d.h. unmenschlichen, Pfad wandelt. Zum Glück handelt es sich bei Leuten, die immer noch nationalistisch denken, um Verblendete, die in der absoluten Minderheit sind. – Auch ist unbedingt festzuhalten, dass es keinen „guten Faschismus“ gibt, sondern, dass jegliche Supremation des eigenen Volkes über andere Völker ein großes Verbrechen darstellt, oder große Verbrechen nach sich zieht.
  • seberg

    29seberg schrieb am 01.03.2010, 12:18 Uhr:
    Shimon MEINT, dass die MEISTEN Siebenbürger Sachsen sich in ihrer Denkweise nicht geändert haben.

    Karin Decker WEISS, dass diejenigen, die immer noch nationalistisch denken, in der ABSOLUTEN MINDERHEIT sind.
  • Karin Decker

    30 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 12:19 Uhr:
    @ seberg:

    Und Sie besitzen eine Statistik? – Die wer gefälscht hat, bitteschön?
  • seberg

    31seberg schrieb am 01.03.2010, 12:21 Uhr:
    Einen Statistik müssen Sie vorweisen, bevor Sie solche Aussagen machen.
  • Karin Decker

    32 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 12:24 Uhr:
    @ seberg:
    So, so: ich muss eine Statistik aufweisen, während Herrn Shimons Einschätzung auch ohne Überprüfung zutrifft.
  • seberg

    33seberg schrieb am 01.03.2010, 12:31 Uhr:
    Herr Shimon hat eine Meinung geäußert, er tritt einfach bescheidener und wahrheitsliebender auf als Sie! Das ist mein Eindruck und meine Meinung!

    [Beitrag am 01.03.2010, 12:37 von seberg geändert]
  • Karin Decker

    34 • Karin Decker schrieb am 01.03.2010, 12:35 Uhr:
    Hört, hört! – Das stimmt ganz sicher genauso, wie es seberg behauptet. Der weiß nämlich viel mehr, als seine Kommentare durchblicken lassen.
  • pedimed

    35pedimed schrieb am 01.03.2010, 22:07 Uhr:
    Die SBS sind meistens deswegen in die Reichsdeutsche Armeen eingetreten, um nicht an der rum-Front als vorgeschickte Kämpfer geopfert zu werden. Die Einstellung zum NS war damit nicht maßgebend, auch nicht tragend für die SBS. Sie wollten einfach nur auf der deutschen Seite gleichgestellt sein. Auch kam 1943 ein deutsch-rumänischer Pakt zur allgemeinen Einziehung zum deutschen Militär in Anwendung. Ein Shimon sollte da besser recherchieren. Viele der angetretenen wurden als Frontfunker eingesetzt, da sie sich in mehreren Sprachen und Dialekten verständigen konnten und somit von Feindesseite nicht belauscht werden konnten. Das war der Beschäftigungsgrund und nicht der Kampfeinsatz, natürlich nicht für alle SBS!!!!!

    [Beitrag am 01.03.2010, 22:19 von pedimed geändert]

    [Beitrag am 01.03.2010, 22:20 von pedimed geändert]
  • Anchen

    36Anchen schrieb am 01.03.2010, 23:31 Uhr:
    @pedimed

    Die Waffen SS ist keine reichsdeutesche Armee und auch nicht die Wehrmacht.
  • pedimed

    37pedimed schrieb am 02.03.2010, 00:21 Uhr:
    @Anchen: Reichsdeutesche Armeen habe ich nicht erwähnt - sondern nur reichsdeutsche und keine australischen.Host mi ???
  • Shimon

    38Shimon schrieb am 02.03.2010, 09:20 Uhr:
    Fakt ist, Siebenbürger Sachsen haben sich am Verbrechen beteiligt, wenn es auch nicht alle waren die in der Waffen-SS oder Wehrmacht gedient haben. Es gibt genügend Berichte, die uns nachweisen, dass unsere Landsleute auch gemordet haben!
    Sicherlich wollen viele Siebenbürger Sachsen dieses nicht hören, aber die Geschichte können sie auch nicht ungeschehen machen.


    [Beitrag am 02.03.2010, 09:23 von Shimon geändert]
  • Anchen

    39Anchen schrieb am 02.03.2010, 22:44 Uhr:
    Karin Decker schrieb:

    Und meinetwegen sollen Sie gerne Recht behalten: Siebenbürger Sachsen waren zu jener Zeit allesamt Rassisten, deutsche Nationalisten, Weltvernichter (womöglich, weil sie das in ihren Genen trugen). – Wie war es in deselben Zeit um die Rumänen bestellt, welche laut Ihrer Theorie eine gute Alternative mit ihrer Armee boten?

    http://jungle-world.com/artikel/2009/44/39672.html
  • Karin Decker

    40 • Karin Decker schrieb am 03.03.2010, 08:50 Uhr:
    … Und das Schlimme ist, der Antisemitismus der Rumänen hat(te) eine lange Tradition.

    Aus Wikipedia über Mihai Eminescu:

    „In diesem Brief wird Eminescus politische Haltung deutlich, in der seine starke Rechtsorientierung spürbar ist. Sein alles überschattender Fremdenhass und Antisemitismus kommen hier, ebenso wie in Doină zum Ausdruck.“

    Goethe war da ganz anders drauf. Glück gehabt mit den Genen!

    Vielleicht waren das aber auch nicht die rumänischen Anteile dieses ansonsten so genialen und feinfühligen Dichters, Mihai Eminescu! – Laut Călinescu, hieß er zunächst Eminovici, wurde von seinen Kindheitskameraden „turcule“ genannt, und man weiß, dass sein Urgroßvater ein türkischer Händler namens Eminem war.

    [Beitrag am 03.03.2010, 08:56 von Karin Decker geändert]
  • getkiss

    41 • getkiss schrieb am 03.03.2010, 08:56 Uhr:
    Shimon, Was ist mit den Judenlagern in Transnistrien, sind die von Sachsen und Schwaben organisiert worden, oder von der rumänischen Regierung Antonescu´s?
    Wer ist für die Pogrome in Jassy und Bukarest verantwortlich gewesen?
  • bankban

    42bankban schrieb am 03.03.2010, 09:04 Uhr:
    Weiterführende Literatur zum rumänischen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts:

    Carol Iancu: Evreii din Romania (1866-1919) de la excludere la emancipare. Bucuresti 1996.

    Z.Ornea: Anii treizeci. Extrema dreapta romaneascä. Bucuresti 1996.

    Volovici, L., Nationalist ideology and antisemitism. The case of the romanian intellectuals in the 1930s, Oxford, 1991.

    W. Oldson: A providential anti-Semitism : nationalism and polity in nineteenth century Romania. Philadelphia : American Philosophical Soc., 1991
  • bankban

    43bankban schrieb am 03.03.2010, 09:10 Uhr:
    Weiterführende Literatur zur Beteiligung der "Volksdeutschen" an NS-Verbrechen:

    Andrej Angrick: Zur Bedeutung des "Sonderkommandos R" und des "Volksdeutschen Selbstschutzes" bei der Ermordung der Juden in Transnistrien. In: Wolfgang Benz - Brigitte Mihok (Hrsg.): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940-1944. Berlin 2009, S. 81-95.

    Frank Görlich: Volkstumspropaganda und Antisemitismus in der Wochenzeitung "Der Deutsche in Transnistrien" 1940-1944. In: Ebda., S. 95-113.

    [Beitrag am 03.03.2010, 09:11 von bankban geändert]
  • bankban

    44bankban schrieb am 03.03.2010, 09:17 Uhr:
    Weiterführende Literatur zum Holocaust in Rumänien:

    Wolfgang Benz - Brigitte Mihok (Hrsg.): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940-1944. Berlin 2009.

    Armin Heinen Rumänien, der Holocaust und die Logik der Gewalt. R. Oldenbourg Verlag München 2007.

    Mariana Hausleitner (Hg.): Rumänien und der Holocaust: Zu den Massenverbrechen in Transnistrien 1941-1944. Berlin: Metropol 2001.
  • Karin Decker

    45 • Karin Decker schrieb am 03.03.2010, 09:37 Uhr:
    @ Shimon:
    Es gilt ja nicht, die dunklen Jahre der Hitlerei und die vielen Verbrechen (auch Deutscher aus Siebenbürgen und dem Banat) schön zu reden. Aber diesen düsteren Aspekt als Rechtfertigung für die Russlanddeportation und womöglich auch für die Vertreibung anzuführen, führt angesichts der Greuel, derer sich das rumänische Volk während derselben Zeit (und eben auch noch danach) schuldig gemacht hat, zwangsläufig in die Irre.

    Das Aufrechnen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Beteiligungen am Völkermord hätte nur dann eine gewisse Aussagekraft, wenn die Untaten der einen Seite jene der anderen um ein Vielfaches überträfen.

    Offenbar ist das im Falle der Gegenüberstellung siebenbürgisch-sächsischer oder banater-schwäbischer Übergriffe auf andere Minderheiten auf der einen Seite und der rumänischen Übergriffe auf andere Völker auf der anderen Seite, nicht gut möglich.

    Vielmehr sieht es ganz danach aus, als sei die Russlandverschleppung selbst ein schrecklicher Übergriff Rumäniens auf eine Minderheit des eigenen Landes gewesen und als sei es ein gezieltes Vorhaben (bis auf den heutigen Tag), Siebenbürgen und das Banat von den hier seit Jahrhunderten ansässigen Deutschen zu „säubern“.
  • Shimon

    46Shimon schrieb am 03.03.2010, 09:48 Uhr:
    @getkiss
    Hier ein Abschnitt aus Wikipedia über Transnistria 1941 bis 1944:
    "Im Winter 1941/42 deportierte die rumänische Gendarmerie mehrere zehntausend Personen der jüdischen Bevölkerung aus Odessa. Sie trieben sie in das Siedlungsgebiet der Schwarzmeerdeutschen in Richtung Bug und überließen sie teilweise ohne Bewachung sich selbst. Unter den Deportierten breitete sich massiv Fleckfieber aus. Im Siedlungsgebiet der Schwarzmeerdeutschen lebten etwa 130.000 Volksdeutsche in 228 Dörfern, die von der rumänischen Verwaltung ausgenommen waren. Sie unterstanden dem Sonderkommando R mit Sitz in Landau, das zur SS-Organisation Volksdeutsche Mittelstelle gehörte. Bei einigen Überfällen volksdeutscher Siedler auf die Deportationszüge wurden unter Waffengewalt den geschwächten Menschen Wertgegenstände geraubt. Auf Befehl des Sonderkommandos R tötete der volksdeutsche Selbstschutz etwa 3.000 hilflose jüdische Personen am Wegesrand.

    Am Fluss Bug kam der Zug der Deportierten zum Stehen. Nach Rücksprache des Sonderkommando R mit der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) wurde aufgrund der Seuchengefahr ihre Tötung beschlossen. Die Einsatzgruppen lehnten ab, da Transnistria unter rumänischer Hoheit stand. Beim Dorf Beresowka erschossen und verbrannten Angehörige des Selbstschutzes sowie der VoMi über mehrere Wochen die Deportierten. Bewohner der deutschen Dörfer waren Zeugen und stellten auch Pferdefuhrwerke zum Transport der Opfer. Die Beseitigung der Leichen erfolgte auch mit Kalkbrennöfen. Die Wertgegenstände der Opfer wurden in deutschen Dörfern verteilt. Die genau Zahl der Tötungen ist nicht bekannt, einigen Angaben zufolge sollen es 52.000 gewesen sein. Aus einer Notiz des Auswärtigen Amtes geht hervor, dass im Winter 1941/42 rund 28.000 Juden in deutsche Dörfer gebracht und liquidiert wurden."
  • Karin Decker

    47 • Karin Decker schrieb am 03.03.2010, 09:59 Uhr:
    @ Shimon
    Hier ebenfalls ein Abschnitt aus Wikipedia (Antisemitismus in Rumänien):

    „Das nächste Aufflammen von Antisemitismus fand kurz nach dem Ersten Weltkrieg statt. 1923 hatte Corneliu Zelea Codreanu nach dem Vorbild des italienischen Faschismus die nationalistische, antisemitische Legion des Erzengels Michael (Legiunea Arhanghelul Mihail) gegründet, die sich ab 1931 Eiserne Garde nannte. Auch nach dem Tod Codreanus 1937 blieb die „Eiserne Garde“ aktiv. 1940 kam es auf Druck der Nationalsozialisten zu einer Koalitionsregierung von General Ion Antonescu und Codreanus extrem antisemitisch eingestellten Nachfolger Horia Sima, welche ein enges Bündnis mit Deutschland einging. Unter dieser Militärdiktatur wurden die rumänischen Juden dann besonders brutal verfolgt, wobei die Schätzungen über die Zahl der Ermordeten zwischen 300.000 und 400.000 schwanken.“

    (Es ist anzunehmen, dass es sich bei den entsetzlich vielen Opfern nicht ausschließlich um Menschen handelt, die den besonders grausamen Deutschen Rumäniens in die Arme getrieben wurden.)

    [Beitrag am 03.03.2010, 10:04 von Karin Decker geändert]
  • rhe-al

    48rhe-al schrieb am 03.03.2010, 10:24 Uhr:
    Falls Herr Shimon nicht an selektiver Argumentation interessiert ist, dann sollte er mal Mihail Sebastians Buch: "Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt, Tagebücher 1935-44", lesen.
    ISBN-13: 978-3-548-60634-4

    Ein Buch eines Juden aus Rumänien. Ein Zeitdokument.

    Philip Roth schreibt über dieses Buch:
    "Dieses Tagebuch verdient es, neben das von Anne Frank gestellt zu werden..."
  • Lavinia

    49Lavinia schrieb am 03.03.2010, 12:14 Uhr:
    Shimon ist eben gerade nicht an selektiver Argumentation interessiert. Er begreift uns sowohl als Täter als auch als Opfer. Selektive Wahrnehmung ist, sich nur als Opfer zu begreifen und darzustellen und Verantwortung somit zu relativieren, kleinzureden, abzulehnen. Wer sich nur als Opfer der Nationalsozialisten, der Rumänen, der Russen, der Kommunisten, etc. begreift, hat im Opferstatus ein 'raison de vivre' gefunden. In diesem Sinne kann man das allerdings auch positiv sehen: Uns gibt es noch!
  • Shimon

    50Shimon schrieb am 03.03.2010, 13:19 Uhr:
    @rhe-al
    "Selektive Argumentation:
    Das Verschweigen von Erklärungen als rhetorisch-demagogisches Stilmittel."

    Nein, daran bin ich ganz bestimmt nicht interessiert!
    Danke für deinen Buchtipp, werde dieses Buch gerne lesen.

    [Beitrag am 03.03.2010, 13:37 von Shimon geändert]
  • Anchen

    51Anchen schrieb am 03.03.2010, 13:35 Uhr:
    shimon schrieb:

    Danach mussten dann viele unserer Landsleute die Konsequenzen tragen und selber erfahren, was es bedeutet verschleppt zu werden, zu hungern und unschuldig gequält zu werden.

    Warum mussten, laut Shimon, viele Konsequenzen tragen, wenn sie unschuldig sind?
  • rhe-al

    52rhe-al schrieb am 03.03.2010, 13:38 Uhr:
    @Lavinia, ich sprach von selektiver Argumentation, nicht von selektiver Wahrnehmung.

    Herr Shimon argumentiert hier gern mit "Fakten". In dem von mir oben erwähnten Buch kann er dann auch "Fakten" zu lesen bekommen, welche unter anderem auch von einer Armee erzählen, welcher auch sein Vater angehörte. Wenn er diese "Fakten" dann hier erwähnen sollte, wäre seine, von mir selektiv empfundene Argumentation, nicht mehr gegeben.

    Keine Frage, ich verurteile ohne wenn und aber jedwelches Verbrechen, ohne zu "relativieren, kleinzureden, abzulehnen".

    Aber eine Kollektivschuld, Sippenhaft lehne ich ab.

    Vielleicht erklären Sie mir (denn Herr Shimon wollte/konnte mir diese Frage, aus welchen Gründen auch immer, nicht beantworten-siehe Beitrag 15) welcher Schuld sich Regines Vater haftbar gemacht hat, um, 1945 15-jährig, nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert zu werden? Es soll da auch 13-jährige gegeben haben. Finden Sie das akzeptabel? Diesbezüglich vermisse ich Ihren Aufschrei der Gerechtigkeits- und Wahrheitsliebenden.
  • Shimon

    53Shimon schrieb am 03.03.2010, 13:58 Uhr:
    Ich verurteile nicht jeden Siebenbürger als Täter oder Verbrecher und ich habe nie das Argument der Kollektivschuld vertreten. Sicherlich wurden auch Unschuldige Siebenbürger deportiert.
    Die Geschichte hat uns nur zu oft belehrt, dass wenn Ungerechtigkeit einfach toleriert oder ignoriert wird, das Unheil nicht lange auf sich warten lässt.

    Auch wissen wir heute aus zahlreichen Berichten, dass viele Jugendliche sich in den von den Nazis besetzen Länder wie Polen, Rumänien, Sowjetunion usw. an der Judenjagd und Ermordung von jüdischen Kinder und Greise beteiligt haben.


    [Beitrag am 03.03.2010, 14:00 von Shimon geändert]
  • bankban

    54bankban schrieb am 03.03.2010, 14:12 Uhr:
    Allzuviele Minderheitenangehörige haben es sich angewöhnt, die eigene Ethnie einseitig zu betrachten, ihr Schicksal als besonders ungerecht-tränenreich zu schildern (Opferperspektive) oder im Umkehrschluss es ausschließlich aus einer Täterperspektive zu sehen. Obwohl Shimon im Beitrag Nr. 10 noch von "vielen" Landsleuten schreibt, mithin eine gewisse Differenzierung zu bevorzugen scheint, haut er jetzt nur in die eine Kerbe. Rhe-als Frage in Bezug auf Regines 15jährigen (späteren) Vater ist hingegen eine sehr berechtigte. Doch genauso wie Shimon die Deutschen einseitig als Täter zu präsentieren gewillt ist, übertreibt Frau Decker anderswo, wenn sie von "nationalen Gepflogenheiten" der Rumänen bzw. Rumäniens schreibt. Damit setzt sie die Deutschen natürlich davon positiv ab. Auch dies ist ein Konstrukt, das hilft, die komplizierte Welt vereinfachend zu erklären, jedoch auch zu verfälschen. Hier sei die Frage erlaubt, ob es denn überhaupt keine deutschen (ungarischen etc.) Kommunisten gegeben hat, die mitenteigneten? Selbstverständlich gab es sie!
    Was wir benötigen, ist demnach der Abschied von monokausalen Vergangenheitsentwürfen, die den Minderheitengruppen Ostmitteleuropas nur einseitige Rollen zuweisen. Wir sollten vielmehr anfangen, anzuerkennen, dass ethnische Minderheitengruppen (wie andere Gruppen auch) 1) de facto willkürliche Identitätskonstrukte sind, 2) in ihrer sozialen, politischen und wirtschaftlichen Zusammensetzung und von ihren Interessen her vielfältiger waren, als wir es gewohnt sind, anzunehmen, 3) dass die Geschichte dieser Gruppe daher weder in einfache Opfer-, noch in Täterschemata hineinpasst, 4) dass Minderheitengeschichte mehr umfasst als Leid oder Freud', nämlich auch den ganz normalen Alltag, der weder vom Jammer über die Enteignungen noch von Herrenmentalität bestimmt war.
    Erst wenn diese Punkte beherzigt und selbstverständlich sein werden, wird es keine solche Debatten mehr wie diese hier geben, denn dann werden wir in der Lage sein, die Geschichte unserer Vorfahren in der Vielfalt wahrzunehmen, in der diese sie erlebt (=durchlitten, durchlebt, "durchgejubelt") hatten.
    P.s. Während ich dies schrieb, erstellte Shimon seinen vorherigen Beitrag, den ich nicht mehr berücksichtigen konnte.

    [Beitrag am 03.03.2010, 14:14 von bankban geändert]
  • rhe-al

    55rhe-al schrieb am 03.03.2010, 15:11 Uhr:
    Zitat Shimon:
    Auch wissen wir heute aus zahlreichen Berichten, dass viele Jugendliche sich in den von den Nazis besetzen Länder wie Polen, Rumänien, Sowjetunion usw. an der Judenjagd und Ermordung von jüdischen Kinder und Greise beteiligt haben.

    Herr Shimon, ist das vielleicht eine verkappte Antwort auf meine Frage (Beitrag Nr. 15) an Sie?

    Jedes Opfer dieses schrecklichen Krieges war eines zu viel, und das auf beiden Seiten.

    Könnten Sie dem zustimmen?

    Ungerechtigkeit sollte man nicht tollerieren, da haben Sie recht, da darf man dann aber kein Auge zudrücken, weder das linke, noch das rechte.

    [Beitrag am 03.03.2010, 15:19 von rhe-al geändert]
  • Shimon

    56Shimon schrieb am 03.03.2010, 15:20 Uhr:
    @rhe-al
    Von welchen "beiden Seiten" sprechen Sie denn?
  • rhe-al

    57rhe-al schrieb am 03.03.2010, 15:37 Uhr:
    @Shimon
    z.B. die Opfer der von Ihnen erwähnten "jüdischen Kinder und Greise" einerseits, und den zivilen Opfern des Flächenbombardements über Dresden vom 13-15. Februar 1945 andererseits, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Natürlich stehen die Opfer mengenmäßig in keiner Relation, aber ich wiederhole ...jedes Opfer war eines zu viel.

    Wollen Sie nun auch meine obigen zwei Fragen beantworten?



    [Beitrag am 03.03.2010, 15:47 von rhe-al geändert]
  • Shimon

    58Shimon schrieb am 03.03.2010, 15:49 Uhr:
    @rhe-al
    Genau dieses habe ich im Beitrag Nr. 53 gemeint.

    Ein schwedischer Diplomat hat während des Zweiten Weltkrieges gemeint, als er vom Deutschen Widerstand aufgefordert wurde, sich für einen vorzeitigen Waffenstillstand einzusetzen: „Das Deutsche Volk muss zuerst geläutert werden, damit es umdenkt…“

  • Karin Decker

    59 • Karin Decker schrieb am 03.03.2010, 16:24 Uhr:
    @ Shimon:

    Wenn ich Sie richtig verstehe, liegt Ihnen daran, die besondere Schwere der Schuld bei den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs herauszustellen.

    Dem ist nicht zu widersprechen. Es ist leider der Fall und kann so stehen bleiben, ohne nach links und rechts zu blicken und ohne dass man sich frägt, wie arg haben es damals die anderen gebtrieben.

    Der nächste Schritt Ihrer Argumentation besagt, – zumindest habe ich Sie so verstanden –, dass diese Schuld der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs, die Deportation, die den Rumäniendeutschen widerfuhr, wie überhaupt die systematische Vertreibung aus ihrer Heimat, hinlänglich rechtfertigt. (Gleichsam als „Läuterung“, wie sie, vermutlich der von Ihnen zitierte, bewundernswerte Raoul Wallenberg gefordert hat.)

    Dieses Argument muss jedoch kritisch befragt werden und darf nicht als „logische Folgerung“ einfach akzeptiert werden.

    Es wäre ja eine gänzlich andere Problemstellung, wenn es die ehemaligen Opfer der Deutschen im Zweiten Weltkrieg gewesen wären, welche die Verschleppung organisiert und durchgeführt hätten. Doch, wie die Geschichte uns lehrt, hatte Stalin, ein Diktator, Antisemit und Deutschenhasser der übelsten Sorte, die Deportation der Deutschen aus Rumänien angeordnet und die rumänische Regierung hat sich, obwohl die Rumänen während des Zweiten Weltkriegs in nicht unerheblichem Maße ähnliche Greuel begangen hatten, wie die Deutschen, nicht schützend vor ihre Deutsche Minderheit gestellt, sondern sie als Sündenbock missbraucht.

    P.S.: Im Übrigen halte ich den Beitrag Nr. 54 von bankban für den am bestdurchdachten und weitsichtigsten hier.

    [Beitrag am 03.03.2010, 16:36 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    60Shimon schrieb am 03.03.2010, 16:38 Uhr:
    @Karin Decker
    Ich kenne keine „Systematische Vertreibung“ der Siebenbürger Sachsen, zumindest nicht in den Regionen wo ich herkomme (Mühlbach, Hermannstadt).
    Wo gab es denn die „Systematische Vertreibung“ in Siebenbürgen?

    Haben denn unsere Siebenbürger Sachsen oder Schwaben sich schützend vor die jüdischen Mitbürger Rumäniens gestellt, um sie vor Verfolgung, Deportation und Mord zu bewahren?
  • bankban

    61bankban schrieb am 03.03.2010, 17:57 Uhr:
    @ Shimon
    So sympathisch ich es auch finde, dass Sie hier Partei zugunsten der jüdischen Bevölkerung Siebenbürgens ergreifen (geschieht hier viel zu selten!), so denke ich zugleich auch, dass Sie entweder a) wenig Ahnung von der Materie haben oder b) absichtlich zwischen Pauschalisierung und vermeintlicher Differenzierung hin und her pendeln.

    Beispiel für a) Die Sachsen/Schwaben in Rumänien bzw. Südsiebenbürgen waren als Minderheit in den 1940er Jahren selbst einer starken Rumänisierung ausgesetzt gewesen. Wie (mit welchen Mitteln) hätten sie sich denn vor ihre jüdischen Mitbürger stellen können, "um sie vor Verfolgung, Deportation und Mord zu bewahren"? Damit will ich den vorhandenen sächsischen Antisemitismus nicht kleinreden oder gar leugnen, schon gar nicht das Wüten des von Ihnen erwähnten Selbstschutzes relativieren, nur fragen, was denn eine schwäbische Bäuerin hätte Großartiges tun können.

    Beispiel für b) ist Ihr Beitrag Nr. 53
    "Ich verurteile nicht jeden Siebenbürger als Täter oder Verbrecher und ich habe nie das Argument der Kollektivschuld vertreten. Sicherlich wurden auch Unschuldige Siebenbürger deportiert.
    Die Geschichte hat uns nur zu oft belehrt, dass wenn Ungerechtigkeit einfach toleriert oder ignoriert wird, das Unheil nicht lange auf sich warten lässt.
    Auch wissen wir heute aus zahlreichen Berichten, dass viele Jugendliche sich in den von den Nazis besetzen Länder wie Polen, Rumänien, Sowjetunion usw. an der Judenjagd und Ermordung von jüdischen Kinder und Greise beteiligt haben."
    Dies ist in sich widersprüchlich, denn zum Einen wollen Sie nicht in jedem Siebenbürger einen Täter erblicken, zum Anderen zucken Sie mit den Schultern, und sagen ganz allgemein, dass das Unheil nicht auf sich warten lässt, wenn "man" nichts tut. Den Aspekt mit dem 15jährigen Vater von Regina scheinen Sie zudem ebenfalls mit der pauschalen Aussage über die "vielen Jugendlichen" beantworten zu wollen, die sich an der Judenverfolgung beteiligt hätten, als ob dies Beweis genug für die Schuld von Reginas Vater wäre.

    Summa summarum: ich spüre viele Emotionen, die Sie bewegen, doch vermisse ich eine wohltuende abgeklärte Differenzierung, die aber gerade in dieser hochsensiblen Thematik wünschenswert wäre.

    Es wäre nun womöglich unfair, verschwiege ich meine Ansicht in dieser Frage: ich denke, dass zweifellos sehr viele Sachsen und Schwaben sich im II. Weltkrieg schuldig gemacht haben. Ich denke dabei an die vielen Mitglieder der Waffen SS (Prinz Eugen!!!), der Wehrmacht, die Bewacher in den KZs. Die meisten mussten sich dafür nicht verantworten, nur wenige wie Capesius oder Klein wurden strafrechtlich belangt. Ebenfalls nur wenige (wie A. Schmidt) wurden ohne einen Prozess in die SU verschleppt. Dass er dort verreckte, geschah ihm zurecht, wobei eine Strafverfolgung sicherlich anständiger und besser gewesen wäre. Doch die Verschleppung all der vielen Frauen und Halbwüchsigen zur Zwangsarbeit war zweifellos ein Verbrechen, das gar nicht mal so sehr als "Vergeltung" anzusehen ist, sondern vielmehr als ein geeignetes Mittel, um von der rumänischen Mitschuld abzulenken, um innenpolitisch die Aufmerksamkeit durch die Kreierung von Sündenböcken abzulenken, eventuell auch um die ethnische Homogenisierung des Landes (was ja seit 1918 das pausenlose Ziel der rumänischen Führung war, auch während des II. WKs) voranzutreiben. D.h., Shimon, wenn wir über NS-Verbrechen reden, müssen wir eben die Verbrecher benennen --- andererseits aber wenn wir von Enteignungen sächsischen Eigentums reden, sollten wir ehrlicherweise auch erwähnen, dass dies keine ethnisch motivierte, sondern eine sozialpolitische Maßnahme war, dass diese Enteignungen teilweise auch von Sachsen durchgeführt wurden und dass auch Sachsen teilweise von der neuen Gesellschaftsordnung nach 1948 profitierten. Und auch hierbei müssen wir namentlich angeben (wie oben mit Capesius und Schmidt) wer sie waren und was sie taten.

    Nur mit solchen Differenzierungen und Konkretisierungen kommen wir weiter und entgehen dem Vorwurf pauschaler Schuldzuweisungen. Letztere spüre ich aber bei Ihnen trotz Ihrer wiederholten Beteuerungen immer wieder. Die erwähnten Ungenauigkeiten werden mithin zu Pauschalisierungen und machen Ihre Position so angreifbar.

    [Beitrag am 03.03.2010, 18:05 von bankban geändert]
  • Anchen

    62Anchen schrieb am 03.03.2010, 18:15 Uhr:
    Nein, shimon, Siebenbürger Sachsen und Schwaben haben sich nicht schützend vor die jüdischen Mitbürger gestellt um sie zu bewahren.

    Hast du nr.51 mit nr.58 (Zitat schwedischer Diplomat)beantwortet ?
  • Shimon

    63Shimon schrieb am 03.03.2010, 18:16 Uhr:
    @bankban
    Ich bin einer der gerne dazulernt und sich auch belehren lässt, wenn man mich mit Fakten überzeugt.
    Aber was Sie in a) und b) beschreiben, zeugt eindeutig davon, dass sie noch viel weniger Ahnung von der Materie haben als ich selber! Entweder können Sie nicht genau lesen, oder Sie kennen die geschichtlichen Zusammenhänge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht.
  • bankban

    64bankban schrieb am 03.03.2010, 18:20 Uhr:
    Ja, wird wohl so stimmen.
    Schade, dass ich mich noch nie mit dem Holocaust in Siebenbürgen auseinandergesetzt habe.
    Aber vielleicht können Sie mir Nachhilfe geben und Literatur empfehlen...

    [Beitrag am 03.03.2010, 18:23 von bankban geändert]
  • Anchen

    65Anchen schrieb am 03.03.2010, 18:53 Uhr:
    Shimon, du weisst auch , dass "Läuterung" nur freiwillig geschehen kann ?
  • Shimon

    66Shimon schrieb am 04.03.2010, 15:53 Uhr:
    @Anchen:
    Hier ein Bibelzitat zu deiner Frage.
    Sach 13,9: Und ich will den dritten Teil durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und ihn prüfen, wie man Gold prüft. Die werden dann meinen Namen anrufen und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen: HERR, mein Gott!
  • Karin Decker

    67 • Karin Decker schrieb am 04.03.2010, 17:23 Uhr:
    @ Shimon:

    Bibelzitate dieser Art, die einen kriegerischen Stammesgott präsentieren, wie er Feinde mit Kind und Kegel „durch Feuer gehen“ lässt, sind gar nicht geeignet, Versöhnung unter die Menschen zu bringen.

    Vor allem aber eignen sie sich nicht, um die Greuel des Zweiten Weltkriegs und eine „gerechte Vergeltung“ herbeizubeschwören.

    Wovon uns die hebräische Bibel hier kündet und auch an anderer Stelle berichtet, ist zwar das Supremat eines Volkes über die anderen Völker, darf aber nicht mit den faschistischen Ideologien des 19. Jahrhunderts in Verbindung gesetzt werden. Weder zu deren Bestätigung, noch zu deren gerechten Verdammung.

    Der Rächer-Gott, den Sie uns hier (ich weiß nicht so recht, warum) vorstellen, beruht auf der religiösen Vorstellung von Menschen, die ein mythisches Bewusstsein besaßen. Die religiösen Vorstellungen der vorkolumbianischen mittelamerikanischen Kulturen und vieler anderer antiker Völker waren ähnlich blutrünstig.

    Die faschistische Ideologie des 19. Jahrhunderts bediente sich zwar gerne solcher „Rechtfertigung“ von Gewalt mittels mythisch-religiöser Texte, wandte sich jedoch an moderne Menschen mit rationalem, aufgeklärtem Bewusstsein, welche eigentlich genügend (selbst)kritisch hätten sein müssen, um den Schwindel zu durchschauen. Dass sie es zumeist nicht taten, sondern sich nur zu bereitwillig in eine mythische Stammesvorstellung hinein steigerten, um in einen fast archaischen Blutrausch zu verfallen, zeigt, so unbegreiflich dieses Phänomen auch ist, vor allem eines:

    Dass wir Menschen, so humanistisch gebildet, mental geschult und philosophisch aufgeklärt wir auch sein mögen, nach wie vor archaische und mythische Bewusstseinskonstanten besitzen, die uns jederzeit in die animalische Besessenheit versetzen können, die Mauern eines neuen Troja einzureißen, um darin alles zu töten, was ein menschliches Antlitz trägt.

    Aus diesem Grunde sollten wir uns davor hüten, Rache-Aufrufe mit Gerechtigkeitsanspruch (wie das Sacharja-Zitat in Kommentar Nr. 66) zur Würzung von Diskussionen heranzuziehen, die darum bemüht sind, einen möglichst unverfälschten Blick auf Verschulden und Unschuld der Deutschen im Allgemeinen, der Siebenbürger Sachsen im Besonderen und der Rumänen im Nebenbei während des Zweiten Weltkriegs zu werfen.

    [Beitrag am 04.03.2010, 17:34 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    68Shimon schrieb am 04.03.2010, 18:50 Uhr:
    @Karin Decker
    War auch nicht meine Intention. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass wir uns von Gott läutern lassen sollten.
    Aber dazu muss man Gott begegnet sein, um Ihn auch wirklich zu kennen. Denn nur dann kann man das AT und NT im Zusammenhang verstehen.


    [Beitrag am 04.03.2010, 18:51 von Shimon geändert]
  • Shimon

    69Shimon schrieb am 08.03.2010, 17:59 Uhr:
    Habe gerade einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema gefunden.
    <http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~bgwiehle/siebenburgen/verschlp.htm>
    Ich empfehle jedem Interessenten, diesen Artikel ganz zu lesen!

    Hier ein kleiner Absatz:
    „In Rumänien sei die letzte nichtkommunistische Regierung Radescu am 6. Januar 1945 von der sowjetischen Aufforderung, alle in Rumänien lebenden Deutschen zur Verschickung in die Sowjetunion zu mobilisieren, "vollig überrascht" gewesen. Der Deportationsbefehl habe alle arbeitsfähigen Manner von 17 bis 45 und Frauen von 18 bis 30 Jahren eingeschlossen. Die Regierung Radescu richtete am 13. Januar, als die Aushebungen in Bukarest und Kronstadt bereits angelaufen waren, eine Protestnote an den stellvertretenden (sowjetischen) Vorsitzenden der Alliierten Kontrollkommission für Rumänien, General Winogradow. Diese Note gab zu bedenken, daß der Waffenstillstandsvertrag keine Deportation vorsehe und daß die rumänische Wirtschaft infolge des Wegfalls zahlreicher Arbeitskräfte sowie des hohen Anteils an Fachkräften innerhalb der deutschen Bevölkerung zu leiden habe. Schließlich verwies Radescu auf humanitäre Aspekte: das Schicksal der Frauen und zurückgebliebenen Kinder. Da die Reaktion der USA auf die angeordnete Deportation eher milde und die Englands ganz zurückhaltend ausfiel, hatte Rumänien, das damals von sowjetischen Truppen besetzt war, nach Dr. Weber "nicht die geringste Handhabe gegen das sowjetische Begehren". Die Deportation sei als eines der "ersten kalten Kriegsereignisse" anzusehen, ein Ergebnis der wechselseitigen Unkontrollierbarkeit zwischen 0st und West noch während des Zweiten Weltkriegs. Diverse Aspekte der "Geschichte von unten" veranschaulichte Dr. Weber mit kurzen Zitaten aus Erlebnisberichten: Transport, Läuse, Frost, Arbeitsunfälle, brutale Willkür der Wachmannschaften, katastrophale Ernährungslage, Heimweh usw. Er schloß mit dem Appell, in die Vergangenheit zu schauen, wenngleich das nur zu erfahren helfe, was zu unterlassen, nicht aber, was im einzelnen zu tun sei.“
  • Karin Decker

    70 • Karin Decker schrieb am 08.03.2010, 18:28 Uhr:
    @ Shimon:

    Interessanter Beitrag aufgrund des Wissensstandes von 1995.

    Unter dem Titel „Deportation vor 60 Jahren war völkerrechtliches Kriegsverbrechen“ hat der Historiker Dr. Michael Kroner hier in der Siebenbürgischen Zeitung seinen Kenntinsstand vom Januar 2005 zu diesem Thema veröffentlicht.

    Ob inzwischen noch aktuellere wissenschaftliche Erkenntnisse über dieses düstere Kapitel unserer Geschichte vorliegen, ist mir nicht bekannt.

    [Beitrag am 08.03.2010, 18:44 von Karin Decker geändert]
  • Karin Decker

    71 • Karin Decker schrieb am 08.03.2010, 18:58 Uhr:
    Die m.E. entscheidenden Passagen aus dem im vorigen Kommentar von mir erwähnten Artikel von Dr. Michael Kroner lauten:

    „Die Kommunisten in der Regierung Radescu und ihre Partei haben der Deportation zugestimmt.“

    „Die rumänische Regierung hat sich in zwei Kabinettsitzungen am 5. und 10. Januar 1945 speziell mit der bevorstehenden Deportation befasst und ihr gezwungenermaßen zugestimmt. Was dabei konkret gesprochen und beschlossen wurde, ist jedoch nicht bekannt, da die rumänischen Behörden die Protokolle dieser entscheidenden Sitzungen trotz intensiver Bemühungen bisher nicht zur Einsicht freigegeben haben. Das weckt natürlich den Verdacht, dass etwas verborgen werden soll, und dieser kann durch noch so viele Entschuldigungen rumänischer Regierungskreise über die seinerzeitige Hilfe rumänischer Behörden bei der Aushebung nicht aus dem Wege geräumt werden.“

    Bei den gegenwärtigen guten diplomatischen Beziehungen zwischen Burkarest und den rumäniendeutschen Landsmannschaften wäre es ein großer Vertrauensbeweis seitens der rumänischen Regierung, wenn sie uns Einblick gewährte in die Protokolle, welche über das Schicksal unserer Volksgruppen so Entscheidendes zu berichten wissen.

    [Beitrag am 08.03.2010, 18:58 von Karin Decker geändert]
  • Lavinia

    72Lavinia schrieb am 09.03.2010, 00:10 Uhr:


    Hans Otto Roth
    Politische Beständigkeit und Verantwortung

    "...General Radescu eröffnete mir, dass sich in Angelegenheit der Verschickung nach Russland zu seinem Bedeuern nichts mehr machen liesse und dass die Aushebung der in Frage kommenden Jahrgänge bereits am nächsten Tag beginnen werde. Wir hatten unsererseits Stock und Stein in Bewegung gesetzt, um das Äusserste zu verhüten. Tatsächlich wurde die Durchführung der Aktion am Morgen des 9. Januar auch für unbestimmte Zeit verschoben. Als ich am 11. Januar wieder bei General Radescu war, wurde ich unfreiwillig Zeuge eines bedeutsamen Gespräches, das der Ministerpräsident in meiner Gegenwart mit dem in das Empfangszimmer tretenden Mittelsmann der englischen Mission führte. Der Vertrauensmann der Engländer begann mit der vorwurfsvollen Frage, wie es möglich sei, dass die rumänische Regierung England und Amerika von der Deportierung der Sachsen und Schwaben nicht rechtzeitig Mitteilung gemacht habe und fügte hinzu, dass die beiden Missionen darüber recht ungehalten seien. Der Ministerpräsident antwortete, dass er die Engländer und Amerikaner doch ständig am Laufenden gehalten habe und dass er General Winogradov, den Vizepräsidenten der Waffenstillstandskommission entschieden in Schutz nehmen müsse. General Winogradov und seine Mitarbeiter hätten sich vor zwei Tagen bereit erklärt, die Deportierung auf die Hitleristen zu beschränken. Dadurch wäre die Zahl der zu Verschickenden mindestens auf die Hälfte reduziert worden, da im Sinne dieser Absprache nur diejenigen Sachsen und Schwaben der festgesetzten Jahrgänge nach Russland geschickt werden sollten, die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei oder der nationalsozialistischen Formationen und Einzelorganisationen waren. Die Verhandlungen über diese neue Formel seien auch recht gut vorwärtsgekommen, sodass der Ministerpräsident bereits die Verschiebung der Durchführung verfügt hätte, als am frühen Nachmittag des 10. Januar ein Telgramm von Moskau eingetroffen sei, das weitere Verhandlungen unmöglich machte und die Übergabe der gesamten Jahrgänge ohne politische Unterscheidung von Hitleristen und Nichthitleristen verlangte. Infolge dieser Entscheidung der Sowjetunion sei die Aktion zur Aushebung der Sachsen und Schwaben am Morgen des 11. Januar im ganzen Land eingeleitet worden. "

    Hiernach ist es sehr wahrscheinlich, dass es in dem angesprochenen Protokoll um den Versuch einer "Schadensbegrenzung" ging.
    Jedem muss auch klar gewesen sein, dass der Verlust von so vielen Arbeitskräften und Know-how eine Schwächung der eigenen Wirtschaft bewirkte.
  • Karin Decker

    73 • Karin Decker schrieb am 09.03.2010, 08:03 Uhr:
    Wie wahrscheinlich ist es denn, dass es sich dabei lediglich um Berichte zur „Schadensbegrenzung“ handelt, wenn uns die rumänische Regierung nach wie vor die Protokolle zu den für die Deportation entscheidenden Sitzungen vorenthält?
  • bankban

    74bankban schrieb am 09.03.2010, 08:09 Uhr:
    Ich würde diese Aufzeichnung nicht überbewerten, Lavinia. Radescus Verhalten ist geradezu typisch für das Lavieren und den Stil der damaligen rumänischen Politiker, die allesamt, so wie hier Radescu dem Engländer bzw. Roth, immer jedem genau das sagten, was dazu geeignet war, die jeweilige Person zu besänftigen. Andererseits würde ich auch vor Verschwörungsgemurmel warnen wollen, wie es Kroner im obigen Zitat tut. Bei der Undurchsichtigkeit, Intransparenz des Zuganges zu rumänischem Archivmaterial kann man nie wissen, was hier einer Entscheidung steht (vll. ändert sich dies jetzt, da ein junger ungarischer (!) Historiker Direktor geworden sein soll). Man muss aber nicht immer böswillige Gemeinheit vermuten.
    Die Antwort auf Frau Deckers Frage, die ich erst gelesen, nachdem dieser Beitrag schon erstellt ward, lautet: 50%.

    [Beitrag am 09.03.2010, 08:10 von bankban geändert]
  • Lavinia

    75Lavinia schrieb am 09.03.2010, 09:33 Uhr:
    Mir wäre kein vertauenswürdigeres Zeitzeugendokument bekannt. In Verbindung damit, dass sich der Deportationsbefehl Stalins vom 16.12.44 explizit auf die Internierung und Mobilisierung aller arbeitsfähigen Deutschen bezieht und die Proteste der Regierung Radescu vom 13. Jan. 45 von äußerst schwachen Protestreaktionen aus England und den USA begleitet wurden, die überhaupt keinen Druck ausübten, scheint mir die "Schadensbegrenzung" am wahrscheinlichsten. Schließlich gab es auch auf der Jalta-Konferenz einen Monat später, auf welcher Stalin die Deportation ("reparation in kind") legitimiert, von Roosvelt und Churchill bloss ein Abnicken. Mich macht allerdings auch dies (noch) nicht einsehbare Protokoll nicht besonders misstrauisch, weil es tausend Gründe dafür geben könnte.
    Außerdem, so meine ich, war die Möglichkeit der Einflussnahme der rumänischen Regierung zu der Zeit m.E. sehr gering.
  • seberg

    76seberg schrieb am 09.03.2010, 09:54 Uhr:
    Hoffentlich wird bald alles öffentlich gemacht und hoffentlich weiß man dann mehr und Genaueres darüber, wie alles abgelaufen ist, wer, bzw. welche Seite welche Verantwortung hat nd welche Schuld.

    Es ist wohl Temperamentssache, ob man sich im Bemühen um Wahrheit eher auf die Identifizierung der Täter und auf „Gerechtigkeit“ konzentriert, oder aber auf die Opfer von Deportation und anderer Terrorwillkür, auf ihr Leid und ihre leise Nachdenklichkeit. Es ist ja ein bekanntes und vielbeklagtes Phänomen, dass den Tätern von Verbrechen oft mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als ihren Opfern. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass Letztere durch ihre Erfahrung nicht weniger vom Leben verstehen und man durch die Beschäftigung mit ihnen oft mehr Wahres darüber erfahren kann, als durch die Suche nach äußeren Verursachern und Schuldigen. Ihre Stimme geht nur eher unter, verschwindet im vertraulichen Gespräch oder in einem Text zwischen zwei Buchdeckeln.
  • meckesch

    77meckesch schrieb am 10.03.2010, 14:14 Uhr:
    Ihr schreibt euch hier alle um Kopf und Kragen mit dem einzigen Ziel: Recht zu bekommen und zu behalten.

    Aber jetzt mal eine kollektive Frage: Glaub einer von euch ERNSTHAFT, dass ein Menschenleben eines Deutschen mehr oder weniger "wert" ist als das eines Rumänen? Oder das eines Ungarn mehr oder weniger als eines Franzosen? Oder, oder, oder?! Natürlich wurden in der Geschichte der Menschheit viele grausame Taten begangen. Aber kein Leid der Welt rechtfertigt ein anderes Leid. Niemals nicht!

    Dem sollte nichts mehr hinzu zu fügen sein.
  • rhe-al

    78rhe-al schrieb am 10.03.2010, 15:06 Uhr:
    Zitat mekesch:
    Aber jetzt mal eine kollektive Frage: Glaub einer von euch ERNSTHAFT, dass ein Menschenleben eines Deutschen mehr oder weniger "wert" ist als das eines Rumänen? Oder das eines Ungarn mehr oder weniger als eines Franzosen?

    aber, aber mekesch, wer behauptet hier den sowas?

    ...und wenn Sie schreiben:

    Niemals nicht!

    Wie darf man das verstehen? Als doppelte Negation?
    Das wär dann nicht so rühmlich, wenn man sich der Aussage dieser bewußt wird, oder?

    ...mal dummfrag, falls ich darf...

    [Beitrag am 10.03.2010, 15:07 von rhe-al geändert]
  • Karin Decker

    79 • Karin Decker schrieb am 10.03.2010, 18:08 Uhr:
    @ meckesch:

    Das ist freilich ein geschickterer Ansatz, Recht zu behalten, indem Sie fordern: „Dem sollte nichts mehr hinzu zu fügen sein.“

    Ihr Schlusssatz steht unter der Proklamation „kein Leid der Welt rechtfertigt ein anderes Leid“, was genauso richtig ist, wie die selbstverständliche Antwort auf Ihre „kollektive Frage“, ob einzelne Menschenleben in Abhängigkeit von ihrer nationalen Abstammung „wertvoller“ seien als andere. Automatische Antwort: Nein, nein, nein, – und nochmals: Nein!

    Allerdings hat auch keiner der Kommentaren dieses Artikels, – und schon gar nicht dessen Autor –, dergleichen nationale Wertigkeiten von Menschenleben auch nur angedeutet. Es handelt sich folglich um einen neuen ethischen Aspekt, für den Sie sich in die Bresche werfen.

    Nun wird freilich keiner so dumm sein, Ihnen zu widersprechen, selbst wenn er geneigt wäre, das Leben eines Repräsentanten der eigenen Sippschaft für zehnmal wertvoller zu halten als das eines „Fremden“. (Was wohl auch nur auf den „Egoismus der Gene“ zurückzuführen ist und als sozialdarwinistischer Instinkt nicht zu hoch bewertet werden darf.) Am besten wäre es freilich, man käme niemals in die Verlegenheit, „wertvolles“ und „weniger wertvolles“ Menschenleben unterscheiden zu müssen.

    Einer, der als Arzt vor einem solchen Dilemma stand, war der aus der Bukowina stammende deutsche Dichter jüdischer Abstammung Moses Rosenkranz (1904 – 2003):

    Die Jahre des Zweiten Weltkriegs hatte er vorwiegend als Gefangener in Arbeitslagern der rumänischen Faschisten verbracht.

    Später war er als Arzt in Kronstadt tätig. Es muss wohl 1946 gewesen sein, als Moses Rosenkranz vor der Entscheidung stand, einem siebenbürgisch-sächsischen Knaben oder einem bereits betagten russischen Offizier, die beide an Typhus erkrankt waren, das Leben zu retten, – das dem Arzt zur Verfügung stehende Antibiotikum reichte nur für eine Person.

    Rosenkranz entschied sich zugunsten des am Anfang seines Lebens stehenden Buben und begründete seine Entscheidung später auch damit, dass der alte Offizier sein Leben bereits großteils gelebt habe. Daraufhin wurde Moses Rosenkranz gerichtlich verurteilt, nach Russland verschleppt und verbrachte 10 Jahre im Gulag.

    (Dem kann ruhig ‘was hinzugefügt werden.)

    [Beitrag am 10.03.2010, 18:13 von Karin Decker geändert]
  • Shimon

    80Shimon schrieb am 06.05.2010, 11:31 Uhr:
    Vergeben und Vergessen

    Jill Price ist Amerikanerin, eine Frau wie Millionen andere. Was sie jedoch von anderen unterscheidet, ist ihr Gedächtnis. Seit 1974 kann sich Jill an jeden Tag ihres Lebens lückenlos und auf Abruf erinnern. Irgendetwas muss damals, sie war gerade elf Jahre alt, mit ihr passiert sein, niemand weiß, was es war. Seit der Zeit vergisst sie nichts mehr. Alles wird unterschiedslos registriert. Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel. Inzwischen hat sie ein Buch über ihre Erfahrungen verfasst. Darin beschreibt sie das, was in ihrem Kopf vorgeht, als eine geteilte Leinwand. Auf der einen Seite läuft ein Film mit den Bildern des Hier und Jetzt, auf der anderen mit der gleichen Intensität, an was sie sich gerade erinnert.
    Ist die Frau glücklicher als wir? Manchmal schon, wenn sie an etwas Schönes denkt, oft aber auch nicht, wenn sie sich zum Beispiel an das Sterben ihres Mannes erinnert. Viel öfter beneidet sie Menschen, die vergessen können, denen nicht ständig das ganze Leben nachläuft. Es gibt ein gnädiges Vergessen. Das hat sie nicht. Sie muss die schwere Last eines kompletten Erinnerns tragen.
    Auch wir wünschen uns oft zu vergessen und können es nicht. So werden wir manches ein Leben lang nicht los und nehmen es mit ins Grab. Vollkommenes, heilsames, gnädiges Vergessen aber gibt es bei Gott, der dem Sünder vergibt. Wenn er verspricht, nie mehr an unsere Sünden denken zu wollen, dann tut er es. Er tut es gerne, weil sein Sohn die Sünden der Welt gesühnt hat. Und Gott vergisst endgültig, definitiv. Das ist die Grundlage einer herrlichen und unverbrüchlichen Kindschaftsbeziehung zu ihm.
    Karl-Otto Herhaus

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