21. Januar 2015

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Neue Erkenntnisse zum Freikauf der Deutschen aus Rumänien

Bukarest – Unterlagen aus den Securitate-Archiven beweisen es nun endgültig: Auch die inoffiziellen Schmiergeldzahlungen, die deutsche Ausreisewillige zusätzlich zu den vom Staat verlangten Freikaufssummen zahlen mussten, waren von der Securitate koordiniert. Zu diesem Schluss kommt die Historikerin Hannelore Baier in einer vierteiligen Artikelserie (8., 9., 10. und 13. Januar) in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ).
Zwar existiert ein Schreiben der Securitate, in dem angeordnet wird, „verbrecherische Handlungen einiger Personen zu erkennen, ihnen vorzubeugen und sie zu unterbinden, welche die Gutgläubigkeit von Bürgern, die die Papiere für die endgültige Ausreise erhalten wollen, zu eigenen Zwecken ausnutzen, um sich Geldsummen in Lei oder Devisen oder Wertgegenstände anzueignen“. Allerdings datiert dieses rund zwei Wochen vor der Aufkündigung der „Vertraulichen Vereinbarung“ am 4. Dezember 1989, die Rumäniendeutschen gegen Devisenzahlungen durch die Bundesrepublik die Ausreise ermöglichte. Dies wiederum erfolgte rund zwei Wochen vor Ausbruch der Revolution! Nachweise für bisher nur mündlich getägigte Aussagen – etwa die des Geldeinsammlers in Răzvan Georgescu Dokumentarfilm „Ein Pass für Deutschland“, der zugibt, Hand in Hand mit der Securitate gearbeitet zu haben, gibt es nun auch auf der Basis von Dokumenten.

Hannelore Baier berichtet von einer Liste, von deutscher Seite an die rumänischen Verhandlungspartner übergeben, auf der Personen aus Arad und Temeswar aufgeführt waren, die illegale Forderungen nach zusätzlichem Geld und Geschenken gestellt hatten. Dort sei ein Name einer Person aus Arad zu finden, die sich in Securitate-Akten als gezielt hierfür eingesetzter ehemaliger Offizier mit dem Codenamen „Nelu“ identifizieren ließ. Diesem hatte man für seine Tätigkeit sogar ein Hausmeister-Zimmerchen in seinem Wohnblock eingerichtet, damit er seine „Kunden“ ungestört empfangen könne, sowie einen „Dienstwagen“ deutscher Marke zur Verfügung gestellt, um auch Ausreisewillige im Umfeld der Stadt zu erreichen und „sein Ansehen bei den Staatsbürgern deutscher Nationalität zu steigern“. „Nelu“ war seinerseits von der Securitate streng überwacht worden, wobei sich dessen Korrektheit – d.h. die ordnungsgemäße Deklaration aller Zusatzeinnahmen, ohne etwas für sich zurückzubehalten – erwiesen hatte.

Verhaftet wurden dennoch auch einige Personen, die Devisen gefordert oder angenommen hatten, um die Ausreise zu beschleunigen. Bei diesen handelte es sich laut Autorin jedoch entweder um solche, die nicht dem System angehörten, oder um jene, die so leichtsinnig waren, einen Zusatz für die eigene Tasche zu verlangen, obwohl davon auszugehen war, dass auch Securitate-Mitarbeiter überprüft wurden. Während die offiziellen Zahlungen von deutscher Seite an die Securitate mittlerweile gut dokumentiert sind, stellt sich noch die Frage, wohin diese Zusatzgelder geflossen sind.

NM



Externe Links:

Devisen-Aktionen und -Operationen rund um die Auswanderung der Deutschen aus Rumänien vor 1989, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, Teil 1

Devisen-Aktionen und -Operationen rund um die Auswanderung der Deutschen aus Rumänien vor 1989, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, Teil 2

Devisen-Aktionen und -Operationen rund um die Auswanderung der Deutschen aus Rumänien vor 1989, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, Teil 3

Schlagwörter: Freikauf, Aussiedlung, Kommunismus

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