13. August 2017

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„Wir machen Imker“ und Schule bleibt Schule: Kompetenzzentrum für Imkerei

Die Linden im Kirchhof von Hahnbach markieren einen inzwischen lückenhaften Kreis. Auf diesem idyllischen Platz feierte einst die sächsische Gemeinde ihre Feste. Nach der Auswanderung kümmerte sich eine rumänische Nachbarsfamilie gewissenhaft um das Ensemble, der Vater pflegte den Friedhof und die damals 20-jährige Tochter erklomm täglich den denkmalgeschützten Kirchturm, um zu läuten. Als klar war, dass die Sachsen nicht zurückkommen, wurde es für viele Jahre sehr still.
Die Linden im Kirchhof von Hahnbach markieren einen inzwischen lückenhaften Kreis. Auf diesem idyllischen Platz feierte einst die sächsische Gemeinde ihre Feste. Nach der Auswanderung kümmerte sich eine rumänische Nachbarsfamilie gewissenhaft um das Ensemble, der Vater pflegte den Friedhof und die damals 20-jährige Tochter erklomm täglich den denkmalgeschützten Kirchturm, um zu läuten. Als klar war, dass die Sachsen nicht zurückkommen, wurde es für viele Jahre sehr still.

Nebenan in der Dorfschule ging der Lehrbetrieb zunächst weiter, wenn auch mit immer weniger Kindern von Jahr zu Jahr, zuletzt knapp 20 in zwei Parallelklassen. Seit 2014 pendeln alle Hahnbacher Schüler nach Großscheuern oder Hermannstadt. Ein leer stehendes Gebäude mehr in der Kirchenburgenlandschaft.

„Man müsste was mit dieser Schule machen“, meinte Wilhelm Tartler eines Tages beim Tee, versonnen und zugleich entschlossen. Der ortsansässige Imker und seine Kollegen waren schon seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Ort für regelmäßige Treffen, wohin man Experten für einen Vortrag einladen, Berufskollegen aus dem Ausland empfangen oder einfach zum Erfahrungsaustausch zusammen sein könnte, oder für die gemeinsame Planung der Bienensaison. Denn anders als im Westen mit seinem regen Vereinsleben haben Imker in Rumänien kaum Gelegenheiten zur Weiterbildung und Vernetzung. Hierzu gesellte sich der Informationsbedarf neugieriger Honigkunden: „Wo sind denn eure Bienen, kann man die mal sehen?“, oder „Wie sieht so eine Bienenkönigin überhaupt aus?“ und „Hm, Propolis – äh … Pollen, schmeckt gut, aber was ist das eigentlich?“, „Kann man denn von dem Honig leben? Und wie lernt man das?“Hahnbach zur Obstblüte - Kirchturm und ...Hahnbach zur Obstblüte - Kirchturm und Lehrbienenstand von MELIKOLEG. Foto: Anja Schneider Was folgte, braucht wenige Worte: Unter dem Motto „Noi facem apicultori.“ („Wir machen Imker.“) gründete man den Verein MELIKOLEG, mietete die Hahnbacher Schule und renovierte darin Räumlichkeiten. Mit Spenden, Fördermitteln und viel freiwilliger Eigenarbeit. Der schöne Schulsaal mit den markanten Rundbogenfenstern, errichtet einst als Gemeindesaal und in den letzten Jahren von den Schülern als Turnhalle benutzt, dient jetzt wieder für Bildungsveranstaltungen. Hier finden Seminare für Jungimker und Profis statt, mit Experten aus dem In- und Ausland zu „heißen Themen“ der Imkerei wie Bienengesundheit, Königinnenzucht und Selektion. Seit der Initiative von MELIKOLEG haben über 1000 Imker aus ganz Rumänien die Fachveranstaltungen in Hahnbach besucht und viel positives Feedback hinterlassen.

Unweit der Schule wurde außerdem ein Lehrbienenstand errichtet, der die Bienenvölker des Vereins beherbergt, in verschiedenen historischen und modernen Betriebsweisen. Hier können Workshop-Teilnehmer und Besucher die Bienen hautnah beobachten und sie sogar in die Hand nehmen, und auch mal den Finger in eine nektargefüllte Wabe stecken. Die Wiesen in der Gegend werden spät gemäht, und die daraus resultierende Blütenvielfalt der Landschaft schmeckt man dem Sommerblütenhonig an, der einer der besten sein soll in Siebenbürgen. Schülergruppen aus dem ganzen Land kommen nach Hahnbach, um den Bienen bei der Arbeit zuzusehen und selbst Honig mitzuernten, eine in Rumänien einmalige Gelegenheit partizipativer Bildung.

Streicheln statt Fürchten: Hermannstädter Schüler ...Streicheln statt Fürchten: Hermannstädter Schüler zu Besuch bei den Hahnbacher Bienen. Foto: Christian Holzer Auch den Kirchhof nutzt und pflegt der Verein, Gäste werden hier empfangen und können direkt am Schaukasten den berühmten Schwänzeltanz der Bienen bewundern, besucher- und kinderfreundlich unter Glas.

Tanzen wollen hier auch die Hahnbacher wieder in diesem Sommer, unter ihren alten Linden, zum zweiten Mal seit dem Exodus (das erste Hahnbacher Fest in der alten Heimat fand im August 2014 statt und war so bewegend, dass man es bald wiederholen wollte). Im Astloch eines der Lindenbäume hat ein Bienenschwarm sein neues Zuhause gefunden.

Margarita Brosch

Schlagwörter: Hahnbach, Imkerei, Bildung

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