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8. Oktober 2021

Rumänien und Siebenbürgen

Rumänische Regierung gestürzt

Die Regierung von Premier Florin Cîţu wurde am 5. Oktober durch ein Misstrauensvotum im Parlament gestürzt. 281 der 466 Abgeordneten und Senatoren stimmten gegen Cîţu. Der Misstrauensantrag der oppositionellen Sozialdemokraten (PSD) wurde von der rechtsnationalen AUR und der öko-liberalen USR-PLUS unterstützt. Der Premier war nur neun Monate im Amt und hatte den Koalitionspartner USR-PLUS durch willkürliche Entlassungen von Ministern aus der Regierung gedrängt. mehr...

Kommentare

Artikel wurde 4 mal kommentiert.

  • Bir.Kle.

    1Bir.Kle. schrieb am 08.10.2021, 16:40 Uhr (um 17:09 Uhr geändert):
    Rumänien - politisch nach wie vor ein Land der Extreme. Bis 1989 von Diktatur und Kommunismus gebeutelt, dachten seinerzeit viele, dass dieser katastrophale Zustand nie enden würde.
    Nach dem Sturz der Ceauşescu-Diktatur Ende 1989 schlug die Extreme in die gegensätzliche Richtung um: Das Land ist offensichtlich nicht in der Lage, Kontinuität in die Regierung zu bekommen. Politische Instabilität ist offenbar das einzige, was kontinuierlich voranschreitet.
    Ob Petre Roman, Theodor Stolojan, Victor Ciorbea, Radu Vasile oder Mugur Isărescu - sie alle waren höchstens zwei Jahre (manche gar nur ein Jahr) im Amt. Mit Nicolae Văcăroiu (Nov. 92 - Dez. 96) hat es in den Neunzigern lediglich ein Regierungschef geschafft, über die volle Dauer einer Legislaturperiode im Amt zu bleiben.
    Dieses "Kunststück" (für rumänische Verhältnisse) gelang Anfang der 2000er Adrian Năstase (Dez. 2000 - Dez. 2004). Nach ihm blieben nur noch zwei Regierungschefs für vier Jahre im Amt: Călin Popescu-Tăriceanu (Dez. 2004 - Dez. 2008) und Emil Boc (Dez. 2008 - Feb. 2012).
    Was dann folgte, ist eine beispiellose Unbeständigkeit: Mit Mihai Răzvan Ungureanu (Feb. 2012 - Mai 2012) und - einige Jahre später - Sorin Grindeanu (Jan. 2017 - Jun. 2017) waren zwei regelrechte "Blitz-Premier" im Amt. Ihre jeweilige Amtszeit war so kurz, dass vielen gar nicht bewusst ist, dass sie überhaupt Regierungschefs waren.
    Die anderen Regierungschefs in den 2000er Jahren haben sich allerdings auch nicht wesentlich länger im Amt gehalten: Dacian Cioloş, Mihai Tudose, Viorica Dăncilă und Ludovic Orban waren allesamt nur zwischen einem und zwei Jahren im Amt. Nur Victor Ponta war in den 2000ern länger Regierungschef, seine Amtszeit war jedoch von Regierungskrisen geprägt.
    Den jüngst gestürzten Florin Cîţu kann man mit gerade einmal neun Monaten Amtszeit getrost zu den "Blitz-Premiers" zählen.
    Man mag von den einzelnen Ministerpräsidenten halten, was man möchte: Bei dem einen oder anderen werden sich sicherlich manche denken:"Gut, dass der nur so kurz im Amt war!"
    Alles in allem ist jedoch diese Unbeständigkeit, dieses ständige Kommen und Gehen über mittlerweile dreißig Jahre hinweg, alles andere als förderlich und vorteilhaft für das Land.
    Es würde mich nicht wundern, wenn in gewissen Kreisen bereits Witze darüber gerissen werden: Wenn sich beispielsweise die Regierungschefs der EU treffen, versuchen die wahrscheinlich schon längst nicht mehr, sich das Gesicht und den Namen ihres rumänischen Amtskollegen zu merken, weil sie bereits ahnen, dass beim nächsten Treffen wieder ein neues Gesicht aufkreuzt.
    In den letzten 30 Jahren hatte Rumänien 17 (!) verschiedene Ministerpräsidenten! Dabei sind diejenigen, die interimsweise nur wenige Tage oder Wochen im Amt waren, wie etwa Gabriel Oprea, Sorin Cîmpeanu, Mihai Fifor, Nicolae Ciucă und andere, nicht mitgezählt.
    Es bleiben dem Volk und dem Land nur zu wünschen, dass endlich Stabilität und Kontinuität in die rumänische Politik einziehen.
  • Peter Otto Wolff

    2Peter Otto Wolff schrieb am 21.10.2021, 14:55 Uhr:
    Die Rumänen sind ein nicht regierungsfähiges Volk, das nicht weiß, was es will. Vordergründig wollen sie eine "tara ca afara", aber unter Beibehaltung ihrer balkanischen Sitten, Schmiergeld, Vetternwirtschaft, Korruption. Beides, zugleich geht nicht! Ca. 5 Mio. zogen die Konsequenz und nahmen den Weg der Emigration. Dort sind sie natürlich nicht 100% glücklich, dazu noch notorisch gespalten. Im Lande blieben die Nutznießer des Raubes am rum. Staat, ihre zahlreiche Verwandtschaft, die nach wie vor existierende Securitate. Und natürlich die armen Rentner, die Arbeitslosen, die Roma, die sonstigen Abgehängten. Wie mit diesem sozialen Kaffeesatz Staat zu machen, bei allem Bemühen?!
  • Doris Hutter

    3Doris Hutter schrieb am 23.10.2021, 03:08 Uhr:
    Beitrag um 03:08 Uhr von Moderation geändert.
    Könnten Sie mal das Konstrukt "ein nicht regierungsfähiges Volk" erklären?
    Meinten Sie vielleicht gewisse Volksvertreter?
    Dann sollte man aber nicht ein ganzes Volk da reinziehen.
    Gibt es Schmiergeld, Vetternwirtschaft, Korruption nur in Rumänien?
    Wem nützen solche herablassenden Ergüsse, Herr Wolff?
  • Bir.Kle.

    4Bir.Kle. schrieb am 25.10.2021, 03:05 Uhr:
    Herr Wolff, Sie machen es sich verdammt einfach! Ihr obiger Kommentar ist nicht Ihr erster Beitrag, in dem Ihre offenkundige Neigung zur Pauschalisierung auffällt.
    Es ist völlig unangebracht, die Rumänen allesamt über einen Kamm zu scheren und ihnen pauschal zu unterstellen, sie würden ein System bevorzugen, in dem die Korruption an der Tagesordnung ist.
    Differenzieren statt Pauschalisieren! Wann begreifen wir Menschen eigentlich, dass man seine Mitmenschen einzig und allein nach deren Charakter und nicht etwa nach ihrer Nationalität, Religion oder Rasse beurteilen sollte?
    Gewiss, in Rumänien und in den anderen osteuropäischen Staaten ist die Korruption viel weiter verbreitet und wesentlich stärker ausgeprägt als dies beispielsweise in Mittel- und Westeuropa der Fall ist. Manche Menschen lesen aus dieser Tatsache - fälschlicherweise - heraus, dass die osteuropäischen Völker "charakterschwach" oder mit übermäßig viel krimineller Energie ausgestattet seien. KEIN Volk ist besser oder schlechter als irgendein anderes! Es gibt in jeder Nation Menschen, die korrekt, integer und seriös sind und es gibt leider überall auch Menschen, die kriminell, korrupt und skrupellos sind.
    Es stellt sich nun die Frage, wie es zu erklären ist, dass die Korruption in Osteuropa so stark ausgeprägt ist. Ganz einfach: Diese Korruption ist systembedingt; ihre Wurzeln reichen zurück in jene Zeit, als die Staaten Osteuropas unter dem Sozialismus zu leiden hatten. Wenn in einem Land die Korruption so tief verwurzelt und so weit verbreitet ist wie beispielsweise in Rumänien, halte ich es für extrem schwierig, diese Spirale zu durchbrechen und die Korruption zu überwinden.
    Bevor wir Siebenbürger Sachsen über andere urteilen und mit dem Finger auf sie zeigen, sollten wir gefälligst vor der eigenen Hütte kehren: Wir waren nämlich selber kleine Zahnrädchen in der Maschinerie der Korruption. Das soll keineswegs ein Vorwurf sein. Wir haben das nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit getan: Wer sich über Wasser halten wollte, musste dieses widerliche und perfide Spiel mitspielen. Wenn man irgendetwas zu erledigen hatte oder etwas erreichen wollte, beispielsweise auf dem Amt oder beim Arzt, musste man "schmieren". Ich war zum Zeitpunkt der Auswanderung knapp elf Jahre jung, aber die älteren Semester erinnern sich sicherlich noch genau, was man da anschleppen musste, um sein Gegenüber gefügig zu machen: Kaffee war sehr begehrt, aber auch Zigaretten, Schnaps, Schokolade, Lebensmittel wie Bohnen, Eier, Hühner(fleisch) und und und...
    Keiner, der damals darauf angewiesen war zu "schmieren", hat dies gerne getan. Und die Rumänen, die heute noch darauf angewiesen sind, tun dies mit Sicherheit auch nicht gerne. Insofern wäre die überwiegende Mehrheit der Rumänen froh und glücklich, wenn es endlich gelänge, die Korruption weitgehend einzudämmen.
    Lediglich jene Minderheit, die von der Korruption profitiert, würde diese gerne beibehalten - und nicht das gesamte rumänische Volk, wie Sie behaupten.

    Es gibt in Ihrem Beitrag noch einen Aspekt, der mir gewaltig gegen den Strich geht:
    Sie bezeichnen die armen Rentner, die Arbeitslosen und die Roma abwertend als "sozialen Kaffeesatz".
    Das ist ein Verhaltensmuster, auf das man leider sehr häufig stößt: Es wird meistens auf diejenigen eingetreten, die sich in der Gesellschaft ganz unten befinden und sich am wenigsten wehren können. Nicht selten werden diese Menschen auch als "sozial schwach" bezeichnet.
    Tatsächlich sozial schwach sind jene, die von Gier, Geiz und Vermessenheit getrieben sind: Die Investmenbanker, Börsenbroker und wie das Gesindel sich sonst noch schimpft. Das sind die wahren Schmarotzer und Volksschädlinge!Die zocken und spekulieren den ganzen Tag, stecken die Gewinne selbstverständlich in die eigene Tasche und verdienen sich einen goldenen Arsch. Geht es aber in die Hose, muss die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen.
    Dann ist von "notleidenden Banken" (mir kommen gleich die Tränen) die Rede und dass diese "systemrelevant" seien.
    Notleidende Menschen sind dann zweitrangig, weil die beschissenen Banken gerettet werden müssen - Banken, die von gierigen Arschlöchern aufgrund deren Größenwahn und Maßlosigkeit ruiniert wurden.
    Da fällt mir übrigens ein schöner Satz des Kabarettisten Volker Pispers ein: "Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor ohne Investmentbanker, ohne Unternehmensberater und ohne Aktienanalysten - und stellen Sie sich eine Gesellschaft vor ohne Krankenschwestern, ohne Feuerwehrleute, ohne Polizei und ohne Altenpfleger. Worauf würden Sie lieber verzichten bzw. in welcher dieser Gesellschaften möchten Sie lieber leben?

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