27. Januar 2007

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Rudolf Kartmann - über 50 Jahre ehrenamtlich aktiv

Am 3. Januar verschied in Riegelsberg bei Saarbrücken der Ehrenvorsitzende der Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland, Dipl.-Ing. Rudolf Kartmann, im 87. Lebensjahr. Über 50 Jahre wirkte er ehrenamtlich zum Wohle seiner Landsleute und war seiner siebenbürgischen Heimat stets eng verbunden. Nun ruht er nach einem erfüllten Leben in seiner zweiten Heimat, im Saarland: Am 12. Januar wurde seine Urne im Beisein zahlreicher Begleiter seines Lebensweges im „Friedwald Kirschheck“ bei Riegelsberg beigesetzt.
Rudolf Kartmann wurde am 20. März 1920 in Schäßburg geboren. Nach Schulabschluss mit Bakkalaureat 1938 und Ableistung seines Militärdienstes im rumänischen Heer nahm er
zunächst 1941 an der Technischen Hochschule in Berlin das Studium des Bauingenieurs auf, wurde aber bald zum Kriegsdienst eingezogen und musste an die Front. 1945 geriet er in russische Gefangenschaft und musste im Bergbau Tadschikistans so schwer arbeiten, dass er schon im Herbst 1945 gesundheitlich schwer angeschlagen nach Rumänien entlassen wurde, um dort aber sofort wieder zur Zwangsarbeit ausgehoben zu werden. 1946 gelang ihm in abenteuerlicher Flucht die Rückkehr nach Deutschland, wo er in Berlin sein Studium wieder aufnahm und 1949 mit dem Ingenieursdiplom abschloss.

Dipl.-Ing. Rudolf Kartmann war über 50 Jahre lang ehrenamtlich für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen aktiv.
Dipl.-Ing. Rudolf Kartmann war über 50 Jahre lang ehrenamtlich für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen aktiv.
In Berlin suchte er den Kontakt zu den dort lebenden Landleuten. Zusammen mit Oswald Schönauer gründete er 1951 – inzwischen hatte er eine berufliche Anstellung im Tiefbauamt in Charlottenburg gefunden – die „Vereinigung Deutscher aus Rumänien in Berlin“ und engagierte sich in der Geschäftsführung des BdV-Landesverbandes Berlin. Kartmann war auch maßgeblich an der Gründung einer Singgruppe betei- ligt und bemüht, mit den damals möglichen Mitteln kulturelle Veranstaltungen durchzuführen. 1953 stellte er den Kontakt zu der 1950 gegründeten Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland mit Sitz in München her und wurde der Vertreter der Berliner Gruppe im Bundesvorstand, bis sich der Berliner Verein 1955 unter der Leitung von Oswald Schönauer zur „Landesgruppe Berlin“ der siebenbürgischen Landsmannschaft konstituierte.

1956 wechselte Kartmann aus beruflichen Gründen von Berlin nach Frankfurt am Main und schloss sich hier der siebenbürgischen Landesgruppe Hessen an, in der er sich vor allem im Bereich der Jugendarbeit engagierte.

Landsmannschaft im Saarland mit aufgebaut

Schon 1957 wechselte er, ebenfalls berufsbedingt, von Frankfurt nach Saarbrücken. Auch hier stellte er sich der im Februar 1957, unmittelbar nach der am 1. Januar 1957 erfolgten politischen Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland gegründeten Landesgruppe Saarland der siebenbürgischen Landsmannschaft zur Verfügung. Das Saarland sollte ihm für die nächsten 50 Jahre seines Lebens auch zur persönlichen und beruflichen Heimat werden. Im Vorstand der Landesgruppe Saarland bekleidete Kartmann unter anderem das Amt des Kassenwarts, des Schriftführers und des stellvertretenden Landesgruppenvorsitzenden. Auch in der „Gebietsgruppe Saarland“, die innerhalb der nach der landsmannschaftlichen Organisationsreform von 1974 zusammengelegten „Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland“ entstanden war, übernahm er die Stellvertreterposition. Am 10. Dezember 1983 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland gewählt und nach dem Tod des Vorsitzenden Gustav Adolf Schwab am 19. August 1984 leitete er die Landesgruppe als geschäftsführender Vorsitzender. Bei der Delegiertenversammlung am 12. Januar 1985 wurde Kartmann zum Vorsitzenden der „Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland“ gewählt. Dieses Amt verwaltete er, mehrfach wiedergewählt, ununterbrochen bis zum 12. September 2004.

Als Landesgruppenvorsitzender widmete sich Kartmann zunächst intensiv der notwendigen Reformierung der Landesgruppe. Die „ruhende“ Kreisgruppe Kaiserslautern wurde wieder belebt, eine Neufassung der Gliederungsordnung am 3. August 1985 in Kraft gesetzt, die durch die Trennung der länderübergreifenden Kreisgruppe Ludwigshafen-Mannheim-Heidelberg erforderliche Gründung der Kreisgruppe Vorder- und Südpfalz vollzogen (1986) und schließlich die Kreisgruppe Koblenz geschaffen. Kartmanns besonderes Anliegen war auch die Intensivierung der landsmannschaftlichen Kulturarbeit. Er motivierte die in seinem Wirkungsbereich befindlichen Trachtengruppen zu öffentlichen Auftritten wie den Rheinland-Pfalz-Tagen und den Saarland-Tagen, organisierte Kulturtage (Lahnstein 1987) und beteiligte die Landesgruppe an der Gestaltung der Kulturtage der Bundeslandsmannschaft 1998 in Saarbrücken und 2003 in Speyer. Im sozialen Bereich organisierte der Schäßburger die Hilfe für bedürftige Landsleute, z.B. durch Paketaktionen mit den Kreisgruppen nach Siebenbürgen. Er intensivierte, und brachte sich selber darin ein, die Beratung der Landsleute in Fragen der Eingliederung.

Gute Kontakte zu anderen Landsmannschaften

Zum Bund der Vertriebenen (BdV) schuf Kartmann die notwendigen Kontakte und arbeitete eng mit der Dachorganisation der Landsmannschaften zusammen, aufgrund von Vereinbarungen, die 1986 zwischen der siebenbürgischen Landesgruppe und Kreisgruppen und den entsprechenden BdV-Organisationen getroffen wurden. Kartmann wirkte in der Geschäftsführung des BdV-Landesverbandes Saarland mit und war deren Vertreter beim BdV auf Bundesebene. Nicht zuletzt förderte Kartmann auch die Kontakte zwischen der siebenbürgischen Landesgruppe und der Landsmannschaft der Banater Schwaben, war bei der Gründung des Landesverbandes Saarland der Deutschen aus Russland behilflich und pflegte guten Umgang zu den öffentlichen Stellen und zu engagierten Politikern.

Rudolf Kartmann war bei diesem Arbeitspensum sicher ein fleißiger Mann, er war aber auch gewissenhaft, ja manchmal geradezu penibel. Verantwortungsbewusst wie er war, stellte sich der damals 80-Jährige im Januar 2000 für eine weitere vierjährige Amtsperiode als Landesvorsitzender zur Verfügung, da sich kein jüngerer Nachfolger gefunden hatte.

Vielfache Ehrungen

Schon im Oktober 1987 verlieh der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen Rudolf Kartmann in Würdigung seiner Verdienste das Goldene Ehrenwappen der Landsmannschaft. Nach seinem Abschied aus der Landesgruppenleitung im Herbst 2004 ernannte ihn die Landesgruppe Rheinland-Pfalz/ Saarland zum Ehrenvorsitzenden. Zum 85. Geburtstag verliehen ihm der BdV und der Landesverband Saarland der Deutschen aus Russland jeweils die Goldene Ehrenadel. Seine Verdienste wurden auch vom Ausländerbeauftragten des Saarlandes und vom Bundesvorsitzenden der Banater Schwaben ausdrücklich gewürdigt.

Nun haben wir von Rudolf Kartmann Abschied genommen, von einer bemerkenswerten Persönlichkeit und einem engagierten Siebenbürger Sachsen, der über ein halbes Jahrhundert lang für seine Mitmenschen da war.

Dr. Wolfgang Bonfert


Schlagwörter: Nachruf, Landsmannschaft

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