24. März 2010

Diskussion über Perspektiven der Siebenbürger Sachsen bahnt sich an

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. setzt sich vielseitig für die Kulturpflege, die rechtlichen Rahmenbedingungen und den grenzüberschreitenden Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen ein. Neben diesen Themen, die der Bundesvorstand des Verbandes in seiner Frühjahrssitzung am 6. März in München erörterte, bahnt sich auch eine grundsätzliche Diskussion über die Ziele und Perspektiven der Siebenbürger Sachsen an.
Der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius konnte unter den Anwesenden den Ehrenvorsitzenden Dr. Wolfgang Bonfert, die ständigen Vertreter des Siebenbürgenforums und der Heimatkirche im Bundesvorstand, Benjamin Jozsa (Hermannstadt) bzw. Dechant Bruno Fröhlich (Schäßburg), den Vorsitzenden des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, Dr. Christoph Ma­chat, die Vorsitzende des Trägervereins des Siebenbürgischen Museums, Dr. Irmgard Sedler, den Vorsitzenden des Hilfskomitees, Dekan i.R. Hermann Schuller, den Vorsitzenden des Sozialwerks, Peter Pastior, sowie die neue Vorsitzende der Landesgruppe Hessen, Ingwelde Juchum-Klamer, begrüßen.

Die Ziele, die Werte und der Sinn der landsmannschaftlichen Arbeit müssen stets neu mit Blick auf die aktuellen Umstände hinterfragt werden. Diesen Fragen widmet sich seit März 2009 eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Rainer Lehni, Doris Hutter, Ingwelde Juchum-Klamer, Herta Daniel und Michael Konnerth. Ideen wird der Ausschuss nun im Bundesvorstand sammeln, in kurzen Antworten zusammenfassen und in der Siebenbürgischen Zeitung veröffentlichen, erklärte die Stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter.
Der Bundesvorstand tagte unter der Leitung des ...
Der Bundesvorstand tagte unter der Leitung des Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius (4. von links) am 6. März 2010 in der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes in München. Foto: Siegbert Bruss
Anregungen in diese Arbeit fließen auch seitens der jungen Generation ein. So hat die Bundesjugendleitung der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) Ende Februar die „Corporate Identity (CI) der SJD“ als Leitfaden für ihre künftige Arbeit verabschiedet. Die Nachwuchsorganisation des Verbandes wirbt dabei mit einem einheitlichen Erscheinungsbild um neue Mitglieder.

Innovative Wege beschreitet auch die Landesgruppe Hessen. Gemeinsam mit einem professionellen Organisationsberater erörterten die neuen Vorstandsmitglieder Ende letzten Jahres Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit den Kreisgruppen und Landsleuten zu verbessern.

Dem Dialog mit den Mitgliedern der Landesverband Berlin/Neue Bundesländer stellten sich am 24. Januar der Bundesvorsitzende und weitere Bundesvorstandsmitglieder. So konnten viele Verunsicherungen ausgeräumt werden, die wegen eines parallel existierenden Vereins von Johann Schöpf bestehen. Der Bundesvorstand würdigte die vielseitige Kulturarbeit des neuen Vorstandes unserer Untergliederung in Berlin.

Für lebhafte Diskussionen sorgte das Thesenpapier über die Zukunft und die Perspektiven der deutschen Minderheit in Rumänien, das das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien im November 2009 als Diskussionsgrundlage erarbeitet hatte. Das Papier wurde dem Bundesvorstand zugesandt, um den Verband in diese Überlegungen mit einzubeziehen. Benjamin Jozsa stellte in der Bundesvorstandssitzung klar. „Es war nie unsere Absicht, die siebenbürgisch-sächsische Wertigkeit der Ausgewanderten abzusprechen“. Bundesvorsitzender Bernd Fabritius begrüßte die Einbeziehung des Verbandes in diese Diskussion als „Neubeginn“, der an das anknüpft, was die Landsmannschaft schon seit Jahrzehnten gesucht hat: den Dialog mit den Landsleuten in Siebenbürgen. Auf beiden Seiten wächst die Bereitschaft, ältere Grabenkämpfe beizulegen und Probleme gemeinsam zu schultern. Schwierig sei die Diasporasituation der Heimatkirche, die Diskrepanz zwischen Stadt und Land werde immer größer, betonte der Schäßburger Dechant Bruno Fröhlich.

Für die rechtlichen Anliegen seiner Mitglieder setzt sich der Verband mit Erfolg ein. Viel Unmut unter den Landsleuten hatte der so genannte Fiktivabzug gestiftet, den die deutschen Rentenbehörden seit 2007 vornahmen. Dank intensiver Bemühungen des Verbandes wurde die Situation für Rentenbezieher mit Zeiten in Rumänien schon im Juni 2009 zu einem sehr guten Ergebnis gebracht: Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt das Zugangsrisiko für rumänische Rentenzahlungen, und die Behörden setzten diese Maßnahmen seither zugunsten der Rentner um.

Nach dem Erfolg in Sachen Fiktivabzug reisten kürzlich Vertreter der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben unter der Leitung des Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius nach Bukarest, um Probleme bei der Eigentumsrückgabe anzusprechen. Innenminister Vasile Blaga und die Präsidentin der Nationalen Behörde für die Rückgabe von enteignetem Vermögen, Staatssekretärin Dr. Crinuţa Nicoleta Dumitrean, sagten konstruktive Lösungsversuche zu.

Gute Gespräche hatte der Bundesvorsitzende auch während einer Delegationsreise des nordrhein-westfälischen Landtags in Rumänien geführt. Die Parlamentarier an der Spitze mit Landtagspräsidentin Regina van Dinther seien offen dafür, dass die Patenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über den landsmannschaftlichen Verband weiterhin mit Leben zu füllen, sagte Dr. Fabritius.

Kulturratsvorsitzender Dr. Christoph Machat wies darauf hin, dass das Siebenbürgen-Institut mit Siebenbürgischer Bibliothek weiterhin auf Unterstützung angewiesen sei, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und die Siebenbürgenforschung fortzuführen. Dr. Irmgard Sedler berichtete über die museale Arbeit, die das Siebenbürgische Museum trotz Personallabbau auf konstant hohem Niveau leiste. Diese Arbeit finde Anerkennung, z.B. durch Veröffentlichungen in der bundesweiten Fachpublikation „Vernissage“.

Bundesvorsitzender Bernd Fabritius erklärte: „Wir stehen zu unseren Kultureinrichtungen in Gundelsheim.“ Der Verband könne zwar keine institutionelle Förderung leisten, rufe aber seine Untergliederungen und Mitglieder auf, das Kulturzentrum durch Spenden zu unterstützen.

Aus den Berichten der Landesgruppen sei unter anderem die reiche Agenda der bayerischen Landesvorsitzenden Herta Daniel erwähnt, die aktive Interessenvertretung in vielen Gremien in Bayern und neuerdings auch im Hörfunkbeirat von Deutschlandradio betreibt.

Des Weiteren legte der Bundesvorstand das Motto des Heimattages 2010 fest: „Gemeinsam unterwegs“. Das große Pfingsttreffen steht im Zeichen des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen dem landsmannschaftlichen Verband und der Stadt Dinkelsbühl (separater Bericht folgt in der SbZ Online).

Die Siebenbürgische Zeitung wird 60 Jahre alt. Diesem Jubiläum sind eine Beilage der Zeitung am 20. Mai, die Podiumsdiskussion am Pfingstmontag in Dinkelsbühl und eine Festveranstaltung am 19. Juni im Sudetendeutschen Haus in München gewidmet.

Der Verband wird die Renovierung der evangelischen Stadtpfarrkirche in Bistritz durch die Finanzierung eines Teilprojektes unterstützen. Einen diesbezüglichen Grundsatzbeschluss hatte der Bundesvorstand schon kurz nach der Brandkatastrophe vom 11. Juni 2008 gefasst. Eine Reise der Bundesvorstandsmitglieder ist für Mitte September 2010 zum Sachsentreffen in Bistritz geplant. Durch diese Maßnahmen zeigt der Verband Solidarität mit den Nordsiebenbürger Sachsen und demonstriert grenzüberschreitenden Zusammenhalt.

Des Weiteren erörterte der Bundesvorstand die kulturellen Maßnahmen und verabschiedete die Haushaltsübersicht 2009 und den Haushaltsplan 2010.

Siegbert Bruss

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Bundesvorstandssitzung am 6. März 2010 in München

Schlagwörter: Bundesvorstand

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