8. August 2002

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Wichtige Brückenbauer nach Osten

Dr. Ortfried Kotzian hat am 1. März die Leitung des Hauses des Deutschen Ostens in München übernommen. Langjähriger stellvertretender Direktor der Einrichtung ist der Siebenbürger Sachse Udo Acker.
Das Haus ist eine Kultureinrichtung des Freistaates Bayern und als solches dem bayerischen Sozialministerium zugeordnet. Das Informations- und Kulturzentrum versteht der neue Direktor so, „dass alle ehemaligen und gegenwärtigen deutschen Siedlungsgebiete und Sprachinseln jenseits der heutigen deutschen Staatsgrenzen, einbezogen werden“. Entsprechend vielfältig seien auch die Aufgaben, die das Haus künftig wahrzunehmen habe, erklärte Kotzian gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung.
Dr. Ortfried Kotzian – neuer Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München
Dr. Ortfried Kotzian – neuer Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München

So müsse die Einrichtung, die über eine umfangreiche Fachbibliothek mit ostdeutscher Thematik verfügt, grundlegende Informationen über die Deutschen im Osten Europas vermitteln und somit bei der „Identitätsfindung“ der Vertriebenen und Spätaussiedler behilflich sein. Die Arbeit des HDO will der neue Leiter durch moderne Kommunikationstechniken effizienter gestalten und unter anderem eine Homepage einrichten. Mehr Kundennähe verspricht sich Kotzian auch durch die Errichtung einer multifunktionalen zentralen Datenbank. Mit Institutionen, die sich ebenfalls der ostdeutschen Kulturarbeit verpflichtet fühlen, z. B. dem Haus der Heimat in Nürnberg, Bukowina-Institut in Augsburg, Institut für Schlesienforschung in Würzburg, Haus der Heimat in Traunreut, Gablonzer Haus in Kaufbeuren u. a., werde ein „Netzwerk“ angestrebt, um verstärkt „Synergieeffekte“ zu erzielen. Aber auch mit anderen Partnern, etwa der Politischen Akademie Tutzing, der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen, wolle man sach- und fachbezogen zusammenarbeiten. Begegnungs- und Studienmöglichkeiten über die Deutschen im Osten Europas wolle man beispielsweise durch Studienreisen schaffen.

Die EU-Osterweiterung zwingt nach Ansicht Kotzians zur „Erneuerung der deutschen Brückenfunktion im Osten Europas“. Eine wichtige Rolle komme dabei bayerischen Mitbürgern, die aus den EU-Beitrittsstaaten stammen zu. Durch ihre Kenntnisse der Geschichte, Kultur, Sprache und Mentalität der Menschen dieser Länder seien sie sozusagen als Brückenbauer zwischen West und Ost prädestiniert, meinte Dr. Kotzian.

Ortfried Kotzian wurde am 19. April 1948 in Fellheim im Unterallgäu geboren, seine Eltern stammen aus dem Sudetenland. Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule Augsburg der Universität München wurde er 1983 mit der Dissertation „Das Schulwesen der Deutschen in Rumänien im Spannungsfeld zwischen Volksgruppe und Staat“ mit „summa cum laude“ zum Doktor der Philosophie promoviert. Kotzian war zunächst im Lehramt und ab 1980 als Wissenschaftlicher Angestellten am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg tätig. 1989 wurde er mit dem Aufbau und der Leitung des Bukowina-Instituts Augsburg beauftragt. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit betreffen die Volksgruppen- und Minderheitenfragen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die damit zusammenhängende Schulproblematik und die Umsetzung des darüber erworbenen Wissens in den pädagogischen „Feldern“ der Jugendarbeit, des Unterrichts in Schule und Hochschule sowie der Erwachsenenbildung. Dazu veröffentlichte Kotzian zahlreiche Bücher und Aufsätze.

Siegbert Bruss

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