10. Mai 2001

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Attraktionen beim Heimattag in Dinkelsbühl

Beim diesjährigen Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl wird von der SJD Baden-Württemberg das Kronenfest gefeiert. Die jährlich am Samstag während des Pfingsttreffens stattfindende Brauchtumsveranstaltung zeigt unter freiem Himmel - zum ersten Mal in der Geschichte der Heimattage - das Fest, das früher im Herkunftsgebiet Heumahd und Getreideernte einläutete. Zudem wird die Landesgruppe Baden-Württemberg der Landsmannschaft die sächsische Bauernstube und ihren Lebensraum in einer Veranstaltung vorführen, die während des Heimattags im Konzertsaal des Spitalhofes zu sehen sein wird.
Das Kronenfest in Hetzeldorf, das die SJD in Dinkelsbühl "nachspielt", wird folgendermaßen beschrieben: Der Kronenbaum, ein ungefähr zehn Meter hoher, glattgeschälter Baumstamm, trägt auf seiner Spitze ein großes Wagenrad und darauf eine geformte Krone. Sie wird mit grünem Blattlaub und Feldblumen geschmückt. Das Sammeln des Grüns und das Binden der Krone waren Aufgabe der "Maiden"; den Kronenbaum vorzubereiten und aufzustellen war Aufgabe der Burschen. In das grüne Kronengeflecht hängten die Maiden Naschwerk für die Kinder sowie ein Geschenk für den Hochkletterer.
Im Morgengrauen brachten die Burschen den Kronenbaum vom Altknecht, wo er hergestellt worden war, in den Kirchhof und stellten ihn auf. Nach dem Mittagessen begann das Fest mit dem Aufmarsch der Jugend im Beisein der gesamten Dorfbevölkerung. Nach zwei gemeinschaftlich gesungenen Liedern fragte der Altknecht, wer es wage, diesmal den Baum zu besteigen. Der schon vorher bestimmte Bursche trat vor, kletterte in Stiefeln den Stamm hoch und setzte sich unter dem tosenden Beifall der Zuschauer in die Krone. Man sang gemeinsam "Siebenbürgen, Land des Segens", und in einer kurzen Ansprache dankte der Bursche in der Krone den Mitgestaltern des Festes für ihre Hilfe und forderte auf, den Brauch weiter zu pflegen. Er warf die Naschereien aus der Krone, worüber sich besonders die Kinder freuten. Sein Abstieg wurde mit einem Lied begleitet, und es folgte der Tanz der Jugend unter der Krone.
Diesen schönen Brauch möchte die Landesgruppe Baden-Württember als Ausrichter der Brauchtumsveranstaltung wieder aufleben lassen. Dafür hat man die siebenbürgisch-sächsischen Tanzgruppen in Baden-Württemberg begeistern können: auf einem eigens dafür organisierten Seminar studierten, wie in dieser Zeitung berichtet, die Jugendlichen Tänze und Lieder für das Kronenfest ein. Mit viel Enthusiasmus wurden die Abläufe geprobt. Das zusammengestellte Potpourri aus siebenbürgischen und nichtsiebenbürgischen Tänzen fand großen Anklang bei den Tanzpaaren. Dass viele von ihnen das Kronenfest zum ersten Mal feiern, tut der Begeisterung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Alle sind neugierig auf den gemeinsamen Auftritt auf dem Marktplatz vor der Katholischen Kirche und nicht zuletzt auf die gemeinsamen Stunden davor und danach.
Das Tanzen allein ist natürlich nicht alles. Zu einem Kronenfest gehört natürlich ein Baum, der in diesem Fall in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Dinkelsbühl eigens für den Heimattag gefällt und hergerichtet wird, und natürlich die Krone selbst. Diese wird am Freitagnachmittag von den Jugendlichen mit Blattlaub und Feldblumen geschmückt. Erfahrungen damit hatten einige der Jugendlichen vor einem Jahr beim Kronenfest der Kreisgruppe Heilbronn sammeln können und die gemeinschaftsstiftende Arbeit schätzen gelernt. Wer Interesse hat, beim Binden der Krone mitzumachen, ist gerne gesehen. Der Kronenbaum wird am Freitagabend vor der katholischen Kirche in Dinkelsbühl aufgestellt. Am Samstag, 15:00 Uhr, ist es dann soweit: Über zwanzig Paare aus acht verschiedenen siebenbürgisch-sächsischen Tanzgruppen Baden-Württembergs Kronenfest gestalten. Die musikalische Begleitung erfolgt durch die Siebenbürger Blaskapelle Stuttgart unter der Leitung von Gernot Wagner und durch das Sudetenlandquartett der Familie Heinz Hess. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf sind Gerhard Botsch, Ines Grempels und Johann Schuster. Die Vorstellung des Brauchs geschieht durch Christine Göltsch. Der Platz vor der Katholischen Kirche und die malerische Dinkelsbühler Altstadt werden dabei eine beeindruckende Kulisse für die hoffentlich recht große Festgemeinde bieten.

Lebensraum Bauernstube


Ein besonders empfehlenswerter Besuchsort und weiterer Höhepunkt für die Teilnehmer am Heimattag in Dinkelsbühl wird sicherlich die Ausstellung "Lebensraum Bauernstube" im Konzertsaal des Spitalhofs (Martin-Luther-Straße 6) sein. Darin wird jener Raum eines Hauses gezeigt, in dem sich das Familien- und Arbeitsleben der sächsischen Familie vor allem in der kalten Jahreszeit abspielte. Mit Hilfe von original siebenbürgisch-sächsischen Möbeln und Textilien aus dem Fundes des Museums Gundelsheim wird der zentrale Aufenthaltsbereich eines sächsischen Bauernhauses nachgestellt. Es wird versucht, die typische Wohnkultur darzustellen, jene Atmosphäre, die dazu geführt hat, dass die Bewohner sich in dem Raum des Gebäudes "zu Hause" fühlten.
Das Frauenreferat der Landesgruppe Baden-Württemberg gestaltet die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Siebenbürgischen Museum Gundelsheim und mit Unterstützung der Kreisgruppen Bietigheim-Bissingen und Schorndorf. Sie wird mit Leben von Frauen erfüllt, die die alten Handarbeitstechniken Weben, Spinnen, Klöpeln, Netzen, Tamburieren und Reihen noch beherrschen und live vorführen. Die Frauen sind bereit, Fragen zu beantworten und Auskünfte über Handarbeitstechniken zu geben. Die Vorführungen innerhalb der Ausstellung finden am Samstag, dem 2. Juni, zu den Zeiten 9.30-10.45 und 16.00-18.00 Uhr, sowie am Sonntag, dem 3. Juni, zwischen 9.00 und 11.00, 12.30 und 14.30 sowie 16.00-17.30 Uhr, statt.
Am Samstag, dem 2. Juni, 14.30 Uhr wird in der Ausstellung zusätzlich die Buchneuerscheinung Der Hände Fleiß. Siebenbürgische Haustextilien als Wohnschmuck von Rose Schmidt und Werner Förderreuther vorgestellt.

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