9. Juni 2001

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Anton Schwob erhielt Ehrendoktor der Hermannstädter Uni

Prof. Dr. Anton Schwob, Ordinarius für Altgermanistik an der Universität Graz, wurde kürzlich mit dem Ehrendoktorat der Fakultät für Literaturwisenschaften, Geschichte und Journalistik an der Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt (Siebenbürgen) gewürdigt. Den Titel eines Doctor honoris causa erhielt damit erstmals ein Schwabe: Bislang wurden von der jungen Hermannstädter Universität deutschsprachige Persönlichkeiten nur aus Siebenbürgen oder den deutschen Landen geehrt. Schwob, 1937 in der Batschka (heute Jugoslawien) geboren, ist seit Kriegsende in Österreich beheimatet. Seine geistige Heimat aber blieb Südosteuropa mit seinen deutschen Sprachinseln.
So begrüßte der Wissenschaftssekretär der Hochschule in deren Senatssaal gleich eingangs beim Festakt die "illustern Repräsentanten der deutschen Ethnie". Anwesend waren der Bischof, der Landeskirchenkurator, der ehemalige Dekan des Theologischen Instituts, fast alle Mitglieder des Germanistiklehrstuhls, dazu Vertreter aus Kultur, Presse und Unterricht.
Nichts sei zufällig auf dieser Welt, unterstrich Rektor Ciocoi-Pop und verwies auf den einhelligen Beschluss des Hochschulsenats, der dieser Feierstunde im Sachsenland für einen Schwaben zu Grunde lag. Prof. Karl Kurt Klein, nach dem Krieg aus Klausenburg evakuiert und nach Innsbruck ausgesiedelt, hat nämlich den Studenten Anton Schwob an der dortigen Universität nachhaltig beeinflusst und dessen Interesse damals schon für Südosteuropa und besonders für Rumänien geweckt. Schwobs Ehefrau und einstige Studienkollegin, Ute Monika Schuller, ist überdies väterlicherseits im siebenbürgischen Petersberg bei Kronstadt verwurzelt, die siebenbürgische Kulturgeschichte galt ohnehin zu einem der Forschungsschwerpunkte des Geehrten, der übrigens sein Studium auch an jener Universität absolvierte, "die heute zu dem wichtigsten akademischen Partner unserer Hochschule gehört", meinte der Hermannstädter Rektor mit Bezug auf Marburg.
Ergänzt wurden die Hinweise auf die geistige Bindung und Verbindung des Geehrten zu Rumänien von Prof. Horst Schuller-Anger in dessen Laudatio, worin es u.a. hieß: "Anton Schwob hat am deutschen Sprachatlas mitgearbeitet, 88 südostdeutsche Ortsmundarten mit Tonband und Fragebogen registriert, auf dem Gebiet der Sprachgeschichte über das Frühneuhochdeutsche geforscht, sich speziell mit der Dialektgeographie und konkret mit Sprachmischung und Sprachausgleich in südostdeutschen Sprachinselsituationen beschäftigt. Es handelt sich in der Doktordissertation von Anton Schwob um Erhebungen in der Gemeinde Neubeschenowa im rumänischen Banat. Die Schlussfolgerungen aus seinen systematisch untersuchten Fallbeispielen enthalten auch heute gültige Richtlinien für die Dialektgeographie."
Zur "Berufstrias" von Prof. Schwob gehöre neben dem Universitätslehrer und Wissenschaftler auch der taktvolle Organisator und Kulturpolitiker. Schon als Student, so Schuller-Anger, wurde der heutige Leiter des Germanistikinstituts der Karl-Franzens-Universität in Graz und derzeit auch Präsident der "Österreichischen Gesellschaft für Germanistik" mit der Geschäftsführung des Südostdeutschen Kulturwerks in München betraut, dessen 2. Vorsitzender er mittlerweile ist. In dieser seiner Funktion habe Schwob wesentlich dafür gesorgt, dass die Vereinigung und ihr heutiges Institut, deren 50-jähriges Bestehen man kürzlich feierte, "eine international beachtete und geachtete Koordinierungsinstanz im Länder verbindenden wissenschaftlichen Dialog geworden ist".
Zudem hatte sein Innsbrucker Mentor, Dr. Karl Kurt Klein, Schwob veranlasst, das "Korrespondenzblatt" und später die "Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde" wieder zu beleben, wobei der junge Grazer Professor die Verbindung zu Forschern "aller Nationen und Generationen Rumäniens suchte".
Ein Zufall also war es nicht, dass dem Vater von zwei Kindern genau am "Vatertag" nun auch in Hermannstadt hohe akademische Ehren zuteil wurden. Allein der einstige Mitveranstalter der internationalen Lenau-Tagung in Rumänien 1969, Autor und Mitarbeiter zudem an zahlreichen eigenen und Sammelbänden über die deutsche (Regional)Literatur in Ostmittel- und Südosteuropa war zu sehr bewegt, um in freischweifender Rede - "ich bin nun mal kein guter Redner", so Schwob - seinem Dank "für diese außerordentlich hohe Ehre" Ausdruck zu verleihen. Dafür ging er am Himmelfahrtstag in einem wissenschaftlichen Referat den Pilgerreisenden nach Palästina nach, die einen Oswald von Wolkenstein oder einen Johannes von Frankfurt im Mittelalter zu den Stätten der Geburt wie Kreuzigung Christi führten. Die versifizierten Texte und urkundlich erforschten Briefe wie auch die Reisebeschreibungen und -ratschläge jener Minnesänger und Ritter von adligem Geschlecht gehören allerdings als Markenzeichen zu den bevorzugten Forschungsthemen des Germanisten Schwob, "weil sie eben zur mittelalterlichen Lyrik und mithin Gebrauchsliteratur gehören". Kein Wunder: Die Wolkenstein-Biographie des Grazer Professors ist bereits in fünf Auflagen erschienen "und von Schriftstellern der deutschen Literaturszene für belletristische Lebensdarstellungen Wolkensteins mit Erfolg geplündert worden" (Laudatio). Zurzeit plant Anton Schwob mit seinen Mitarbeitern eine in fünf Bänden erfasste Urkunden-Edition über den gleichen Tiroler Minnesänger, dessen Pilgerfahrten diesen unruhigen Geist sogar bis an das Schwarze Meer führten.
Schwobs "Pilgerreise" indes endete im heurigen Wonnemonat Mai vorerst am Zibin, aber mit Erfolg und Ehrung, umrahmt von Kammermusik, Applaus und Gratulationen.

Martin Ohnweiler


(Siebenbürgische Zeitung, Folge 10 vom 20. Juni 2001, Seite 8)

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