4. Juli 2004

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Alltägliches und Besinnliches

Otto Ruprecht Christian Sindel, Autor des erfolgreichen Gedichtbandes „Erinnerungen an Hermannstadt“, hat ein neues Buch herausgebracht: „Was täglich so geschieht“, Selbstverlag, 2004, 144 Seiten, ISBN 3-00-012181-1. Bestellungen an Otto Sindel, Sonthofer Straße 42 a, 86163 Augsburg, Telefon: (08 21) 6 55 14. Preis: 10,50 Euro (einschließlich Porto).
In loser Folge berichtet Sindel von Begebenheiten aus seinem Leben, wobei er eine bunte Mischung aus dem Leben in Siebenbürgen und dem in Deutschland produziert. Er erzählt von merkwürdigen Zufällen, von den Schwierigkeiten, ein Ausreisevisum zu bekommen, von Nierensteinen, Herzinfarkten und von peinlichen Situationen, die er zu meistern hatte. Den Auftakt des Buches bildet ein Kapitel über die zahlreichen Vornamen des Autors. Ausführlich erklärt er, wer ihm welchen Namen geben wollte, warum es gerade Otto, Ruprecht und Christian sein mussten und wie er letztendlich doch nur „der Bü“ wurde und es bis heute geblieben ist. Einige geschichtliche und kulturelle Hintergründe kann man aus diesen Ausführungen herauslesen, aber sicherlich hätte man den Beginn eines Buches spannender gestalten können.




In einem weiteren Kapitel erzählt der Autor von seinem ersten Arbeitsplatz in Gheorgheni, den er 1954 antrat. Geographisch bewanderte Leser wissen, dass hier hauptsächlich Ungarn leben, und die Sportlichen erinnern sich noch an die Fußball-Weltmeisterschaft 1954, in der Deutschland Ungarn im Endspiel schlug und Weltmeister wurde. Dass Gheorgheni kein besonders angenehmer erster Arbeitsplatz für den Autor gewesen sein mag, kann man sich denken, aber leider verpufft die Wirkung des schönen Aufhängers der Fußball-WM so schnell, wie sie am Anfang mit durch die Fenster fliegenden – ungarischen – Radios sehr trefflich beschrieben wird.

Ernste Töne schlägt Sindel an, wenn er über Gott und den Glauben, die schwere Krankheit seiner Frau oder seine eigenen Erfahrungen mit Nierensteinen und Herzinfarkten schreibt. Dabei spart er nicht an Kritik am deutschen Gesundheitssystem und an Lob für die wenigen Schwestern oder Ärzte, die ihn angemessen behandelt haben. Ein Kapitel widmet er der Alzheimer-Krankheit und beschreibt eindrücklich, wie hilflos man diesem Leiden gegenüber steht und wie wenig Verständnis von Außenstehenden zu erwarten ist. Hier spürt man Authentizität und echte Betroffenheit.

Vergnüglicher sind dann wieder die kleinen Skizzen über „Givetsch“, Kekswurst und „Icre“, die jedem, der diese Gerichte kennt, ein Schmunzeln hervorlocken, und die Geschichte, in der der Autor davon erzählt, wie er seine Unterhose als Einkaufstasche benutzt. Versehentlich, natürlich. Einige von Sindels Geschichten entbehren nicht einer gewissen Komik. Vieles wird dem einen oder anderen bekannt vorkommen und Erinnerungen wachrufen. Leider ist der Identifikationswert nicht das Einzige, was ein interessantes Buch ausmacht. Ein wenig Struktur hätte Sindels „Was täglich so geschieht“ sicherlich gut getan.

Doris Roth

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