17. Oktober 2023

Siebenbürger Sachsen beim Umzug in Schützingen

Als Siebenbürger Sachsen sind wir in den letzten Jahren zu „fast“ richtigen Profis bezüglich Festumzügen herangereift, und das nicht nur in Dinkelsbühl. Es muss nicht immer das Oktoberfest in München oder das Große Sachsentreffen in Hermannstadt sein, wo wir uns und unsere siebenbürgisch-sächsische Tracht der Öffentlichkeit präsentieren. Es geht auch zwei Nummern kleiner. Im beschaulichen Schützingen, einem Ortsteil der Gemeinde Illingen in Baden-Württemberg, wurde am letzten Juliwochenende „1000 Jahre Schützingen“ gefeiert und der „Siebenbürgische Verein 1994 e.V“ aus ­Illingen wurde gefragt, ob eine Teilnahme beim Festumzug in Frage käme.
Siebenbürger Sachsen beim Umzug in Schützingen, ...
Siebenbürger Sachsen beim Umzug in Schützingen, Baden-Württemberg. Foto: Ricarda Nietsch
Wenige Wochen vorher stand die Entscheidung fest: „Ja, wir werden dabei sein“, hieß die Entscheidung der Vereinsführung und nun stand die Frage im Raum: Wie viele Teilnehmer kriegen wir zusammen? Um ein möglichst schönes Siebenbürgenbild der schwäbischen Bevölkerung zu präsentieren, wurden auch Vereinsfremde, wie ich, hierzu gefragt. Ich hörte mich nicht Nein sagen und der Tag rückte immer näher.

Am Treffpunkt angelangt, war einer der ersten Sätze, die ich in unserer Gruppe hörte: „Ich habe Gänsehaut.“ Das war eine Bestätigung des ersten Blickes auf die Gruppe und des einschätzenden Gedankens: „Es macht wirklich Sinn, hier zu sein“. Eine wunderschöne Gruppe mit Teilnehmern aller Generationen, bekannte und unbekannte Gesichter, freute sich gemeinsam, Teil dieser „anderen“ Art Umzug zu sein. Der hohe Anteil der freiwillig teilnehmenden Jugendlichen ergänzte das angesprochene „Gänsehautgefühl“ vortrefflich.

Wir waren, mehr oder weniger, die einzige Trachtengruppe zwischen den vielen Ortsvereinen und stark Oldtimer-Traktoren fokussierten Feuerwehren, die gleichzeitig „150 Jahre Feuerwehr Schützingen“ feierten.

Die Methode der Gruppenaufstellung in umgekehrter Reihenfolge, d.h. die Gruppe 1 musste an allen anderen Gruppen vorbeilaufen, bevor der Umzug tatsächlich startete, erlaubte jedem Teilnehmer am Festzug alle Gruppen zu sehen. Wäre das was für Dinkelsbühl? Da wir eine der Letzten waren, war klar, dass wir doch ein bisschen „positiv exotisch“ daherkommen würden.

Es dauerte nicht lange, bis von den Zuschauern der Satz, dem alle gerne lauschten: „Ihr seid mit Abstand die Schönsten“ vernommen wurde. Nicht wir als Personen waren gemeint, sondern unsere Trachten und unser Bild, dass wir von Siebenbürgen zeichnen wollten.

Im Festzelt danach stellte sich dann schnell raus, dass unsere siebenbürgisch-sächsischen Trachten nicht Teil einer Parallelgesellschaft, sondern einfach nur ein kleiner Teil deutscher Kultur darstellen. Abschließend möchte ich meinen Dank an die Vereinsverantwortlichen richten, die durch solche Veranstaltungen auch eine Tür für die junge Generation öffnen und zeigen, dass unsere siebenbürgische Identität auch im heutigen Deutschland seinen Platz findet.

Hans Reinerth

Schlagwörter: Illingen, Umzug

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