13. Oktober 2026

Goldene Konfirmation in der Mediascher Margarethenkirche

Alles begann mit einem „Es war einmal … in einem Land af deser Ierd“ … Die Nachricht kam weder per Post noch per E-Mail, sondern leuchtete auf diesem seltsamen Fototelefon auf, das jeder von uns mit sich trägt. Plötzlich und unerwartet blinkte es auf wie Gold im Sonnenschein: 50-jähriges Jubiläumstreffen der Konfirmanden, 142 an der Zahl, in der Mediascher Margarethenkirche geplant. Ist das wahr, ist es wirklich schon so lange her? Kaum zu glauben.
Goldene Konfirmation in der Mediascher ...
Goldene Konfirmation in der Mediascher Margarethenkirche. Foto: Monika Schunn
Ins Rollen kam der Plan beim Mediascher Treffen 2024, purer Mundfunk: Mär rieden metenunder, mär hodden jo net äng en Telefon. Einige Jahrgänge vor uns hatten es bereits vorgemacht und traditionsgerecht– ech son et dir uch tea sost et wekter – weitergetragen bis zum berühmt-berüchtigten Pelsänknädel-Trefen in Roßtal 2025. Der Häuptling (Organisator) war schnell gefunden, Gerhard Schunn ging in Position und sollte seine Aufgabe ausgezeichnet ausführen. Sieben Frauen und acht Männer haben sich zäreck zä den Wurzeln auf den Weg gemacht, das goldene Konfirmationsjubiläum an demselben Ort zu feiern wie vor einem halben Jahrhundert, in der Evangelischen Stadtpfarrkirche A.B. in Mediasch. Am Samstag, den 8. August, bei gefühlten 40° C Außentemperatur wurden wir im Gemeindehaus der Margarethenkirche vom Pfarrerehepaar Servatius-Depner, von Alex und Ruth, einer in Mediasch lebenden Konfirmandin, herzlich empfangen. Die Stimmung war großartig, die Begegnungen unvergesslich, unbeschreiblich die Offenheit, die uns zuteilwurde, die einladende Herzlichkeit, begleitet von Kaffee und von Alex’ selbst gebackenem Kuchen. Letztere absolvierte hier ein freiwilliges, einjähriges Kirchenpraktikum, bevor sie im Anschluss in Heidelberg ihr Theologiestudium beginnen wird. Die stille Vertrautheit, die uns empfing, obwohl wir den Gastgebern völlig fremd waren, sollte dem Vorbereitungstag vor der kirchlichen Zeremonie den passenden Raum schaffen, um allen Anwesenden unvergessliche Lebensmomente zu schenken.

Wir hatten schnell verstanden, hä kennen mer seng wä mer seng, und ließen uns auf den Plan ein. Nach der willkommenen Stärkung bekamen wir Unterstützung von Ioana, einer aus Bukarest stammenden Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin.

Der Stadtrundgang begann im Innenhof der Margarethenkirche. Das Besondere war, dass diese außergewöhnliche Frau, eine Rumänin mit wenigen Deutsch- bzw. Sächsisch-Kenntnissen, uns mit ihrem fundierten Fachwissen sowie ihrer kulturellen und architektonischen Kompetenz überraschte, sie uns die Geschichte rund um die Kirche, den Boden, auf dem diese steht, den Steinen, auf denen wir standen, in rumänischer Sprache erzählte. Vom ursprünglichen Fenster der Kirche, ihrer katholischen Phase, dem speziellen Dach, dem Gefängnis und seinen drei Räumen und den Mythen um den Aufenthalt von Vlad Ţepes, unglaublich spannend und mit der richtigen Portion Witz und Humor vorgetragen.
Goldene Konfirmation vor dem Westportal der ...
Goldene Konfirmation vor dem Westportal der Mediascher Margarethenkirche. Foto: Monika Schunn
Zurück in der Gegenwart, es tut sich was rund um die Margarethenkirche, am Aufgang unter dem Glockenturm werden im Rahmen von Restaurierungsarbeiten zwei Fenster freigelegt. Hier verließen wir den Innenbereich der Margarethenkirche, um am Oberth-Roth-Schulgebäude entlang auf die J.-Honterus-Straße einzubiegen. Überall gab es etwas zu entdecken. Ioana konnte viele Geheimnisse für uns lüften, von Sonnen-Symbolen an Holztoren, besonderen Fassaden, selbst um eine vermeintliche Schmiererei in der Passage zwischen der J.-Honterus- und der Gh.-Doja-Straße, in der wir die Ungarische Reformierte Kirche im ehemaligen Franziskanerkloster erreichten, ringt sich eine Anekdote und hat die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern geweckt. Ioana hatte viel Geduld mit uns, das Tempo zog an, wir waren im Gemeindehaus zu einer Brotzeit verabredet. Mulţumesc frumos, Ioana! Der Tisch im Gemeindehaus erneut zauberhaft gedeckt mit Speisen, deren Gerüche uns aus den Schuhen rissen, wie damals, als wir kaum auf Mutters oder Omas Tisch schauen konnten. Diese Gerüche sind in der Seele eingebrannt: Vinete, Sacusca, Gräwen uch Fattbriud, dazu Bier, Wein und Wasser. Traumhaft lecker, sofort fielen uns reihenweise Geschichten ein. Jetzt waren wir an der Reihe diese zu erzählen, den Gastgebern die Vertrautheit zu erwidern, die es uns so leicht machte da zu sein. Es entwickelte sich ein spezieller Abend, geschmückt mit lustigen Anekdoten aus dem richtigen Leben des jeweiligen Konfirmanden, eine Vorbereitung auf einen Gottesdienst, dessen Bedeutung wir uns als Mädchen und Knaben nicht ganz so bewusst sein konnten. Jetzt nur noch einmal schlafen, dann war es so weit. Der Rundgang vom Vortag hatte uns schrittweise in die Umgebung unserer Kindheit zurückgebracht, die Hitze des Tages wurde zu Wärme in unseren Seelen. Das Läuten der alten historischen Glocke von 1449 wie eh und je ein Wegweiser, als wir uns am Sonntag, den 9. August, gemeinsam zum Ritual der Vergebung im Gemeindehaus zusammenfanden. Ordnung muss sein, alphabetisch und paarweise aufgestellt, mit und ohne Händchenhalten, das Kind in uns geweckt, fröhlich und gut gelaunt schritten wir vom Gemeindehaus zum Haupteingang der Margarethenkirche, wie vor 50 Jahren. Eine Spur von Magie lag in der Luft und sollte uns bis spät in den Abend erhalten bleiben. Das Pfarrerehepaar Servatius-Depner hatte nichts dem Zufall überlassen, jedes Wort, jede Geste, Brot und Wein vorbereitet – kutt end säid, wat der Hergott fiur ech fiurberiet huod – für das Abendmahl wie damals, als wir 14 Jahre jung waren. Für jeden von uns eine einmalige Erfahrung. Ein besonderes Ereignis, dem wir ebenfalls beiwohnen durften, war die Verabschiedung von Alex, der Praktikantin aus Halle, die im Anschluss an das Abendmahl für rührende Momente und ein paar Tränen bei einigen unter uns sorgte. Danke, dass wir dabei sein konnten, liebe Alex. Anschließend durften wir im Kirchhof bei Hanklich uch äst ze dränken mit den Mitgliedern des Kirchenvorstandes und den Gottesdienstbesuchern feiern.

Das gemeinsame Mittagessen der Konfirmanden zusammen mit dem Pfarrerehepaar und ihrem jüngsten Sohn im Restaurant „Zur Traube“ rundete den offiziellen Teil unseres Festes ab. Unumstritten bleibt die Einmaligkeit der Begegnungen bei allen von uns. Lieben Dank an alle, die es möglich gemacht haben. Es war nicht das letzte Mal. Bis bald!

A. Gärtner und G. Schunn

Schlagwörter: Mediasch, Goldene Konfirmation

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