29. Juli 2015

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Erfolgreicher Erforscher der Flora Siebenbürgens

An seinem 100. Todestag gedenken wir Josef Barth vor allem als namhafter Botaniker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ohne botanische Ausbildung wurde er aus eigener Kraft und seinem außergewöhnlichen Fleiß schließlich zum Nestor der siebenbürgischen Botaniker seiner Zeit. Durch seinen regen Pflanzentausch mit ausländischen Pflanzentauschvereinen und bedeutenden europäischen Botanikern erreichte er als solcher internationalen Ruf.
Josef Barth wurde am 19. Oktober 1833 in Tobsdorf bei Birthälm als Sohn des Bauern Johann Barth geboren. Nach Abschluss der Volksschule seines Dorfes arbeitete er ab 1846 als Lehrergehilfe in den Volksschulen in Baaßen, Großprobstdorf und Hetzeldorf, um sich als solcher für den Besuch des Seminars vorzubereiten. 1850 bezog er das Prediger- und Lehrerseminar in Mediasch, das er 1854 mit der Matura hervorragend abschloss. Im September dieses Jahres wurde Barth Schulrektor in Meschen und 1856 als Volksschullehrer nach Mediasch berufen. 1861 erfolgte seine Wahl als Pfarrer nach Kleinprobstdorf und 1864 schließlich nach Langenthal bei Blasendorf, wo er sodann bis zu seiner Pensionierung verdienstvoll wirkte. 1866 wurde Barth Mitglied des „Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt“. Josef Barth (1833-1915). Archiv Dr. H. Heltmann ...Josef Barth (1833-1915). Archiv Dr. H. Heltmann Schon als Lehrer in Mediasch begann Barth aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig Wanderungen in die Umgebung seines Wohnortes durchzuführen und dabei auch Pflanzen zu sammeln, zu präparieren und zu bestimmen. Diese Leidenschaft verstärkte sich wesentlich in Langenthal, weil der in Wien lebende Botaniker Dr. Ferdinand Schur ihn für die Fertigstellung seiner „Enumeratio plantarum Transsilvaniae“ ab 1864 immer wieder um die Belege von besonderen siebenbürgischen Pflanzenarten zur Überprüfung bat. Aufgrund seiner vorbildlich präparierten Pflanzenbelege wurde Barth durch Dr. Schur nicht nur bei den Wiener Botanikern bekannt, sondern auch bei den Botanikern und Pflanzentauschvereinen in Deutschland und andern Ländern Europas. Durch diesen intensiven Pflanzentausch erhielt Barth nicht nur europäische Pflanzenbelege als Vergleichsmaterial, sondern bekam von seinen Tauschpartnern für seine Pflanzenbelege auch die notwendige botanische Fachliteratur, die er sich als Dorfpfarrer aus finanziellen Gründen nicht leisten konnte. So wuchs sein „Herbarium normale“ laufend, bestand 1880 schon aus über 20000 Pflanzenbelegen und gehörte somit schon damals zu den wertvollsten Herbarien Siebenbürgens.

Bemerkenswert ist auch, dass bedeutende siebenbürgische Naturwissenschaftler wie Prof. Julius Römer und Dr. Karl Ungar ihr beständiges Interesse an der Erforschung der Pflanzenwelt ihrer Heimat Barth verdanken. Während seines Besuchs in Kronstadt (1877) und gemeinsamen Ausflügen mit Römer in die Umgebung von Kronstadt machte Barth diesen mit zahlreichen ihm noch unbekannten Gebirgspflanzen bekannt, von denen Barth auch viele für sein Herbarium und den Versand sammelte. Dadurch erweckte er bei Römer das Interesse und die Begeisterung für die Schönheit und Besonderheit der Flora des Burzenlandes. Von Barth dazu angeregt, sammelte Römer danach nicht nur für sich und auch von Barth gewünschte Pflanzenbelege von der Zinne, sondern legte sich ein eigenes Herbarium an und begann auch den Pflanzentausch mit andern bedeutenden Botanikern.

Zu den seltenen neuen Pflanzenarten, die Barth erstmals für Siebenbürgen festgestellt hat, gehören die Nabelnuss (Omphalodes scorpioides, 1861), die Sibirische Kreuzblume (Polygala sibirica, 1866, bei Scholten), Haynalds Fingerkraut (Potentilla haynaldiana, 1882, nur im Parâng-Gebirge) und das Meertäubel (Ephedra distachya, 1977 in der Thorenburger Schlucht) u.a. Als neue Pflanzensippe beschrieb er den Siebenbürgischen Tragant 1887 (Astragalus exscapus var. transsilvanicus). Aus finanziellen Gründen hat Barth wiederholt Teile seines großen Herbariums verkauft. Ein Herbarium mit 17000 Belegen kaufte Ludwig Richter in Budapest. Ein weiteres Barth-Herbarium mit 16000 Belegen befindet sich im Botanischen Institut der Universität in Bukarest.

Barth hat die Ergebnisse seiner botanischen Forschungen in neun Veröffentlichungen mitgeteilt. Zu den umfassenderen von diesen gehören seine „Systematische Aufzählung der Pflanzen im Großen Kokeltale zwischen Mediasch und Blasendorf“ (mitgeteilt 1866 und 1867, mit 1 005 Pflanzenarten). Danach sein „Systematisches Verzeichnis derjenigen Pflanzen, welche der Gefertigte auf mehreren Exkursionen in Siebenbürgen im Jahre 1876 gesammelt hat“ (1879, mit 251 Arten), und „Die Flora des Hargita-Gebirges und seiner nächsten Umgebung“ (1903, mit 534 Pflanzenarten). Durch die genaue Nennung der Fundorte von allen auf seinen Exkursionen notierten Pflanzenarten hat Barth einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Verbreitung dieser Arten in Siebenbürgen geleistet.

Barth stand mit vielen bedeutenden in- und ausländischen Botanikern in einem regen Brief- und Pflanzentauschverkehr. Zu diesen gehörten Fl. v. Porcius/Nassod, A. Kanitz/Klausenburg, J. v. Csató/Straßburg a. M., L. Simonkai/Budapest, A. v. Degen/Budapest, D. Grecescu/Bukarest, A. Kerner/Wien, A. Engler/Berlin, F. Pax/Breslau u.a. Als Anerkennung seiner Verdienste für die botanische Erforschung von Siebenbürgen wählten ihn 1892 die Mitglieder des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt zu ihrem „korrespondierenden Mitglied“. Aus dem gleichen Grund benannten einige Botaniker von ihnen neuentdeckte Pflanzensippen nach ihm. Zu diesen gehören: Hieracium barthiana Borb. , Stellaria barthiana Schur u.a., die jedoch als solche heute in der botanischen Fachliteratur nicht mehr erwähnt werden.

Am 25. Mai 1905 trat Pfarrer J. Barth in den Ruhestand und übersiedelte anschließend aus Langenthal nach Hermannstadt. Auch als Pensionist setzte er seine botanische Tätigkeit fort und begann mit der Zusammenstellung seines letzten großen Herbariums, das er 1909 abschließen konnte und das 9472 Pflanzenbelege umfasste. Dieses kaufte 1910 der „Siebenbürgische Verein für Naturwissenschaften zu Hermannstadt“ für seine botanische Abteilung. Lediglich sein „Handherbar“ von etwa 5000 Belegen behielt er für sich, um es Botanikern und andern Besuchern auf Wunsch vorführen zu können. Somit hat Barth in etwa 40 Jahren weit über 50000 Pflanzenbelege gesammelt, präpariert und danach im Pflanzentausch verschickt oder in seinen Herbarien aufbewahrt und verkauft. Auf diese Art gelangten seine „Exsiccatae Barthianae“ in die Herbarien der ganzen Welt.

Pfarrer J. Barth starb in Hermannstadt am 29. Juli 1915 im Alter von 82 Jahren. Dr. Alexandru Borza würdigt Barth in seinem Nachruf 1915 als „Nestor“ der siebenbürgischen Botaniker jener Zeit, der sich durch seinen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der Flora Siebenbürgens bleibende Verdienste erworben hat. Noch 1915 kaufte Dr. Alexandru Borza von Barths Sohn dessen wertvolles Handherbarium.

Dr. Heinz Heltmann

Schlagwörter: Forscher, Naturwissenschaften

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