22. Dezember 2016

Kurt H. Binder: ein Hermanstädter Pendant zu "Max und Moritz"

Unter dem Titel „Pitz und Tummes. Zwei Hermannstädter Purligaren“ erschien vor kurzem im Schiller Verlag Hermannstadt-Bonn das gelungene, reich illustrierte und gebundene Büchlein des Satirikers Kurt H. Binder. Im Vorwort erfahren wir, dass der Autor in seiner Jugend an drei von den Streichen (Boacăne) mit Handlungsort Hermannstadt teilhatte.
Dass der Schalk ihm auch nach Jahrzehnten immer noch im Nacken saß, verdeutlicht die folgende Eulenspiegelei: Viel später trat Kurt Binder als Laudator in Rottweil mit einem riesigen Zylinder auf und handelte sich den Beinamen Kurt Binder mit dem Riesenzylinder ein. In seinem Böse-Buben-Büchlein wählte K. H. Binder in Würdigung des großen Meisters der Karikatur und der humoristischen Verse, Wilhelm Busch, als Versmaß das Stakkato des vierhebigen Trochäus' für sein Streichkonzert der Purligaren Pitz und Tummes. Der beispielhaften Veranschaulichung mögen die Verse des zweiten Streiches dienen.

Kurt Binder mit dem langen Zylinder, links Doris ...
Kurt Binder mit dem langen Zylinder, links Doris Hutter, die 2009 zur Ritter wider den tierischen Ernst gekürt wurde. Foto: Georg Hutter

Die Boacănă Nr. 2


Jedermann im Städtchen kannte
einen der sich Müller nannte;
der war anno dazumal
Hermannstadts Original.

Blonde Haare, Pferdeschwanz, um den Hals
’nen Blumenkranz,
mit ’ner Seele groß und warm –
leider aber bitterarm.

Und so schlief der arme Mann
hin und wieder, dann und wann
nachts als einziger Insasse
in der alten Reispergasse
auf dem Rost wie ein Verbannter,
vor dem Haus vom Bäcker Ganther.
Denn von hier, wie eine Therme,
strömte wohltuende Wärme,
und der Duft von frischem Brot,
der verhöhnte Müllers Not.
Manchmal schloppte der geplagte
Mann am Morgen, wenn es tagte,
mit dem Volksbad in dem Sinn
reinigungsbedürftig hin.
Doch die fiesen zwei Pingetzen,
wussten das sehr wohl zu schätzen,
und wie Bösebuben-Kracher
spitzten sie wie Haftelmacher,
denn besser könnt’ man nirgendwo
sekkieren als im H20.

Schnell ward Müller hier fentiert
und ins Wasser reinplongiert,
und als er noch purdig nackt,
an den Beinen fest gepackt,
sodann, pustig wie sie waren,
auch an seinen langen Haaren,
nämlich an dem Pferdeschwanz –
letztlich tunkten sie ihn ganz.
Müller, der kein Wasserhasser,
fludderte viel Rotz und Wasser,
machte dann trotz des Gezerres
aber dennoch kein Geserres,
sondern schickt’ sie deddernd bloß
in die wilde Balagroß.
Pitz und Tummes aber lachten,
während sie davon sich machten.

Dieses war der zweite Streich,
doch der dritte folgt sogleich.

Kurt H. Binder: „Pitz und Tummes. Zwei Hermannstädter Purligaren“, Schiller Verlag, Bonn und Hermannstadt, 2016, 92 Seiten, 11,80 Euro, ISBN 978-1-944529-81-3

Schlagwörter: Sachen zum Lachen, Humor, Foederatio Saxonica Transsilvana

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