2. Februar 2020

Journalistin Rohtraut Wittstock 70: Geburtstagsbrief von Karin Gündisch

Die Journalistin Rohtraut Wittstock wurde am 14. Dezember 1949 in Kronstadt geboren, wo sie auch zur Schule ging. Nach dem Studium der Germanistik und Rumänistik in Klausenburg und Bukarest begann sie ihre journalistische Tätigkeit 1972 bei Radio Bukarest. 1976 kam sie zur Kulturredaktion des Neuen Weg, wo sie ab September 1991 auch stellvertretende Chefredakteurin war. Diese Funktion hatte Rohtraut Wittstock seit 1993 auch bei der Nachfolgezeitung, der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, inne. Seit Juli 2008 ist sie Chefredakteurin der ADZ. Die Kinderbuchautorin Karin Gündisch gratuliert ihr zum 70. Geburtstag.
Liebe Rohtraut,
jetzt gratuliere ich Dir, meiner langjährigen Freundin, auch öffentlich zu Deinem 70. Geburtstag. Ich wünsche Dir Gesundheit, Lebensfreude und dass die zukünftigen Überraschungen des Lebens angenehm ausfallen. Uns beiden wünsche ich, dass wir uns im angebrochenen neuen Lebensjahrzehnt nicht abhandenkommen und später einmal zufrieden auf diese hoffentlich friedlichen Jahre zurückblicken werden. Wir sind beide jetzt über 70 und voller Schaffenskraft. Was für ein Glück! Unsere Arbeit, Deine als Journalistin und Chefredakteurin der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ), und meine, als Schriftstellerin, hat uns natürlich immer wieder auch schwierige Momente beschert, aber insgesamt waren wir mit ihr zufrieden.

Du hättest schon 2008 in Rente gehen können, doch als absehbar war, dass die ADZ nicht einem Hochglanzmagazin weichen musste, wurdest du vom Landesvater persönlich wieder ins Amt berufen, damit dieses Bindeglied, das die ADZ für die deutsche Minderheit in Rumänien ist, nicht verschwindet. Du hast diese wichtige Aufgabe aus einem Pflichtgefühl angenommen und stehst auch heute tapfer auf Deinem Posten. Als ich Dich neulich fragte, wann Du in Rente gehen wirst und uns in Hamburg besuchen kommst, sagtest Du: Nicht vor dem Sommer. Meine Kolleginnen und Kollegen sollen Urlaub machen können.
Rohtraut Wittstock in der ADZ-Redaktion, 2008. ...
Rohtraut Wittstock in der ADZ-Redaktion, 2008. Foto: Adriana Bitoiu-Silisteanu
Du stammst halt aus einer Familie, deren Verhaltenskodex schon immer von einem hohen Arbeitsethos und von einem großen Verantwortungsgefühl für die Mitmenschen geprägt war. Dein Großvater, Oskar Wittstock (Pfarrer und Schriftsteller), Dein Vater Erwin Wittstock (Schriftsteller), Dein Großvater Wilhelm Depner (Chirurg) und Deine Großmutter Margarete Depner (Malerin, Bildhauerin, Mäzenin und Gründerin eines Kindertagesheims), Deine Mutter Thea Wittstock (Krebsärztin) und nicht zuletzt Deine Brüder haben sich alle mit ihrer Arbeit in den Dienst ihrer Mitmenschen gestellt. So ist es dann auch kein Wunder, dass Du dieses Familienerbe angetreten hast. Es gab in Deiner Familie starke Frauenvorbilder. Ich erinnere mich noch, wie Du mir erzählt hast, dass Deine Mutter zu einer Zeit, als Frauen noch nicht zu einem Medizinstudium zugelassen wurden, dafür gekämpft hat, in Heidelberg an der Universität studieren zu können. Sie wiederum hatte ein gutes Vorbild in ihrer eigenen Mutter, der Bildhauerin Margarete Depner, die als Mutter von drei Kindern ihre Arbeit und ihre Visionen als Künstlerin nicht aufgegeben hat.

Für unsere Generation war es dann sozusagen selbstverständlich, dass wir studieren konnten. Wir haben uns in Klausenburg kennengelernt und sind ein Jahr später an die Universität in Bukarest gegangen. Unsere Freundschaft bezog schon nach kurzer Zeit auch unsere Ehemänner mit ein, dann auch die Kinder und inzwischen sind unsere Familien über drei Generationen einander in Freundschaft verbunden. Wie schön sind die Tage, die wir jeden Sommer in Wolkendorf und Michelsberg mit unseren Kindern und Enkelkinder verbringen!

Rohtraut Wittstock mit dem langjährigen ...
Rohtraut Wittstock mit dem langjährigen Südosteuropakorrespondenten der ARD Peter Miroschnikoff (Mitte) und Internetreferent Robert Sonnleitner in Dinkelsbühl (2010). Foto: Konrad Klein
Als Du nach dem Studium erst eine Stelle beim Radio und danach beim Neuen Weg als Journalistin angenommen hast und ich als Fremdsprachenlehrerin und Autorin zu arbeiten begann, haben wir uns keinesfalls aus den Augen verloren, sondern eine fruchtbare, jahrzehntelange Zusammenarbeit begonnen. Ich habe für den Neuen Weg Kindergeschichten und auch frauenemanzipatorische Texte geschrieben, Du hast mir vorgeschlagen, aus den Geschichten ein Kinderbuch zu machen, und hast auch den ersten Kontakt zum Creangă Verlag hergestellt. Da hatte ich gerade mal dreißig Seiten für das Buch, es wurden aber rasch mehr und fast alle sind zuerst durch Deine Vermittlung in der Zeitung erschienen. Viel später haben wir dann ein Buch für die Kinder in Rumänien gemacht, Du und die Zeitung, das war inzwischen die ADZ, du als Chefredakteurin, ich als Lizenzgeberin, damit es ein Kinderbuch in deutscher Sprache in Rumänien zu einem Preis gibt, den sich jeder leisten konnte. Das war unsere gemeinsame Aktion: Ein Buch für jedes Kind. Im Sommer hast Du regelmäßig nachgefragt, ob ich Dir einen Text für das ADZ-Jahrbuch geben könnte, und ich habe Dir genauso regelmäßig einen Text dafür gegeben.

Jetzt ist gerade mein auf zehn Jahre angelegtes Projekt „Briefe an Rohtraut“ zu Ende gegangen. Als ich Dich im Januar 2010 fragte, ob Du die Adressatin meiner literarisch-halbliterarischen Briefe, einer Chronik meiner Wochenabläufe, sein möchtest, Briefe, die als eine Entwöhnung vom fast zwanghaften Tagebuchschreiben gedacht waren, schriebst Du mir sinngemäß zurück, dass Du sie sehr gern lesen würdest, dass ich aber nicht auf lange Briefe von Dir warten solle, denn dann müsstest Du ja auch eine Art Tagebuch schreiben, was Du noch nie gemacht hättest. „Es gereicht, dass ich beruflich immer geschrieben habe.“ Eine unmissverständliche Antwort, mit der ich gerechnet hatte. Wir haben uns schon immer sehr gut verstanden.

Du hast tatsächlich viel geschrieben und neben Deinen beruflichen Verpflichtungen auch viele andere Aufgaben übernommen, z.B. als Übersetzerin von Kunstbüchern, als Herausgeberin eines Buches über Margarete Depner, in Zusammenarbeit mit Joachim Wittstock, und Du engagierst Dich im Deutschen Forum und in der Evangelischen Kirche. Rohtraut, was machen wir in den nächsten Jahren? Vielleicht sollten wir nach guten, rumänischen Gegenwartsstücken suchen, die sich für deutsche Bühnen eignen. Was hältst Du von dieser Idee?

Herzlich Grüße aus Hamburg nach Bukarest

Deine Karin

Schlagwörter: Wittstock, Journalistin, Jubilarin, ADZ, Neuer Weg, Karin Gündisch

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