3. Juni 2020

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek

Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie hat das wirtschaftliche, das soziale und das kulturelle Leben überall stark belastet und eingeschränkt. Ständig wird von schwerster Krise gesprochen und dass die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen den Wohlstand bedrohen und der Jugend die Ausbildungs- und Entwicklungschancen rauben. Die Pandemie beeinträchtigt überdies auch die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek und ihr Förderobjekt.
Der neue Lesesaal der Siebenbürgischen ...
Der neue Lesesaal der Siebenbürgischen Bibliothek. Foto: Ingrid Schiel
Die Pandemie belastet unser Leben enorm auf allen Gebieten. Viele werden einen Wohlstandsverlust erleiden. Am wenigsten werden aller Voraussicht nach Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst und Rentner betroffen sein. Besonders schlimm wird es diejenigen treffen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Gleichwohl ist Panikmache fehl am Platz. Diese Sicht auf die aktuelle Lage werden vor allem die haben, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen sind. Blickt man auf diese Jahre zurück, die unseren Kindern und vor allem unseren Enkelkindern gottlob erspart geblieben sind, können einen die in den Medien kolportierten Folgen der Pandemie nicht wirklich erschrecken. Womit musste man damals zurechtkommen? Eltern tot, in Gefangenschaft oder deportiert, enteignet. Schreckliche Wohnverhältnisse. Kein Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Kindergeld. Schulklassen mit über vierzig Schülern im wöchentlichem Schichtbetrieb. Viele unserer Landsleute haben noch viel Schlimmeres erlebt. Und trotzdem haben es die meisten geschafft, sich beruflich auszubilden und sich den Umständen entsprechend zu etablieren. Der Schlüssel zum Erfolg war der gemeinschaftliche Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfsbereitschaft. Diese beiden Eigenschaften werden uns auch jetzt helfen, die aktuelle Lage gut zu überstehen. Das muss man auch den Jüngeren klarmachen, um ihre Angst in Zuversicht zu verwandeln.

Wie wirkt sich die Pandemie nun auf die Stiftung und ihr Förderobjekt aus? Die Zuwendungen (Spenden) sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 10 Prozent geringer als im Vorjahr und um 35 Prozent geringer als im Jahr 2018. Wie sich das Spendenaufkommen im Laufe des Jahres entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Erträge sinken bestimmt. Viele Firmen werden die Dividenden streichen oder zumindest kürzen. Einige Banken beschlossen bereits, keine Dividende auszuschütten. Die geringeren Erträge der Stiftung in der Zukunft können demnach nur durch weitere Spenden aus unserer Gemeinschaft kompensiert werden.

Wie allseits bekannt, soll Schloss Horneck als Siebenbürgisches Kulturzentrum und Begegnungsstätte im Juli dieses Jahres offiziell eröffnet werden. Damit das Kulturzentrum ein Erfolg wird, muss es intensiv genutzt werden. Das betrifft nicht nur die für Veranstaltungen und Übernachtungen bereitgestellten Räume, sondern auch die im Schloss untergebrachten Kultureinrichtungen Siebenbürgisches Museum und Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv. Beide Institutionen müssen einwandfrei funktionieren und ausgestattet sein, aber auch, wie alle anderen Veranstalter und Schlafgäste, Miet- und Nebenkosten an den Träger des Schlosses zahlen. Diese Zahlungen müssen notgedrungen so bemessen sein, dass die Instandhaltungs-, Versicherungs-, Personal- und Kommunalkosten sowie eine Reserve für unvorhergesehene Fälle abgedeckt werden. Wie wir alle aus persönlicher Erfahrung wissen, steigen diese Kosten stetig. Das heißt, dass auch das Förderobjekt der Stiftung, das Siebenbürgen-Institut, abgesehen von Beträgen für Projekte und den Erwerb von wichtigen Dokumenten, ständig größere Förderbeträge benötigt.

Nun ist die Stiftung leider immer noch nicht in der Lage, alle anfallenden Kosten des Instituts abzudecken. Der Träger des Siebenbürgen-Instituts muss ständig noch andere Geldquellen finden, um den Betrieb des Instituts, das seine Dienstleistungen vielfach unentgeltlich anbietet, aufrechtzuerhalten. Um die Funktionsfähigkeit des Siebenbürgen-Instituts und vor allem die Entlohnung des dafür nötigen Personals dauerhaft abzusichern, ist die Stiftung noch für längere Zeit auf die Unterstützung durch die ganze siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft angewiesen. Die Betonung liegt hier auf „ganze“, weil auch Institut, Bibliothek und Archiv für alle da sind und zusätzlich noch für die Wissenschaft im Allgemeinen. Wie für die Bewältigung der Pandemie sind Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft auch die besten Mittel zur finanziellen Absicherung des Siebenbürgen-Instituts.

Hatto Scheiner


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HS

Schlagwörter: Siebenbürgische Bibliothek, Corona, Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, Spenden

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