27. Februar 2021

Brukenthal-Denkmal in Hermannstadt

Wie ein Lauffeuer ging es durch die Presse: „Eine Statue zum 300. Geburtstag – Wettbewerb für Standbild von Samuel von Brukenthal“ (Hermannstädter Zeitung vom 22. Januar 2021), „Bronzene Statue Brukenthals gewünscht – Ältestes Museum Rumäniens hofft auf Enthüllung zum 300. Geburtstag seines Namensgebers“ (ADZ, Bukarest vom 23. Januar 2021) und schlussendlich "Brukenthal-Statue wird ausgeschrieben" (Siebenbürgische Zeitung vom 1. Februar 2021, siehe auch SbZ Online).
Samuel von Brukenthal im Ornat eines Ritter des ...
Samuel von Brukenthal im Ornat eines Ritter des St. Stephans-Ordens. Bild von Georg Weikert (1743/45-1799). Quelle: Hermannstädter Zeitung
All diese Meldungen beziehen sich auf das am 15. Januar 2021 in Hermannstadt erfolgte Ausschreibungsverfahren, als Wettbewerb definiert. Die Ausschreibung in rumänischer Sprache auf der Homepage des Brukenthalmuseums, 20 Seiten lang, erläutert detailgenau den Wunsch des Auftraggebers (rum. titular investiţie) Rotary-Club Hermannstadt; und zwar die „Realisierung und Aufstellung der Statue des Baron Samuel von Brukenthal“. Das Standbild soll in der Nähe des Brukenthalpalais auf dem Großen Ring platziert werden. Als Bauherr (rum. beneficiar) wird der Kreisrat des Hermannstädter Munizipiums genannt, als Kooperationspartner (rum. parteneri) werden BOROMIR SA und das Brukenthal-Museum (rum. Muzeul Național Brukenthal) angegeben.

Die Jury setzt sich aus Repräsentanten der öffentlichen lokalen Verwaltung und des Auftraggebers zusammen und besteht aus Bildenden Künstlern, Architekten, Kunsthistorikern und Kulturschaffenden. Die Vorgaben werden präzise formuliert: Die Ausschreibung richtet sich an Berufskünstlerinnen und -Künstler mit Wohnsitz in Rumänien. Da es sich um die Statue einer historischen Persönlichkeit handelt, sollen die Gesichtszüge und die Gegebenheiten der Gestalt respektiert werden (rum. manieră realistă). Zusätzlich gilt die ausdrückliche Aufforderung, dem Statuen-Entwurf einen Vorschlag für zeitgemäß-moderne Beleuchtung hinzuzufügen. Darüber hinaus soll die künstlerische Ausführung dem Zweck, Ort und Zeit entsprechen. Das Standbild soll aus Bronze realisiert, 2,80 - 3 m hoch sein und auf einem barocken, 60 cm hohen Sockel platziert werden. Bereits in der Pressemitteilung wurde darauf hingewiesen, dass der Baron von Brukenthal stehend dargestellt und die Insignien des Königlich ungarischen Sankt-Stephans-Ordens tragen soll. Als Bezugsarbeit soll das Bild Samuel von Brukenthals von Georg Weikert (1743/45-1799) gelten.

Eine offensichtliche Verwechslung wird in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien und Siebenbürgischen Zeitung in die Welt gesetzt. Man schreibt: „Weil der Aufklärer und Freimaurer Samuel von Brukenthal in regem Kontakt zur Loge ,St. Andreas zu den drei Seeblättern‘ stand, soll die ihn abbildende bronzene Statue den ersten Gouverneur des habsburgischen Siebenbürgen auch in entsprechender Robe und mit Ordensabzeichen zeigen.“

Brukenthal war zwar Freimaurer und spielte eine wichtige Rolle bei der Stiftung der Loge in Halle, gehörte aber später, in Hermannstadt, nicht mehr der Freimaurerloge an. Selbstverständlich kannte er die Mitglieder der Loge, aber einen „regen Kontakt“ zu ihr hatte er nie. Er ist da in bester Gesellschaft, denn Johann Wolfgang Goethe, selbst Freimaurer, hat die Zeit der Strikten Observanz als „weiß und rote Maskerade“ bezeichnet und die Loge in Weimar über 20 Jahre nicht besucht.

Die „entsprechende Robe mit Ordensabzeichen“ hat daher nichts mit der Freimaurerei zu tun, vielmehr mit dem Ornat eines Ritters des St. Stephans-Ordens. Denn in der Tat, Brukenthal war Träger des „Königlich ungarischen Sankt-Stephans-Ordens“. Kaiserin Maria Theresia stiftete 1764 den St. Stephansorden. Im Januar des nächsten Jahres (1765) erhielt Brukenthal das „Kleinkreuz“ und wurde im April desselben Jahres zum „Stephans Ordensritter“ erhoben. Bei seiner Entlassung aus dem Staatsdienst verlieh ihm Joseph II., als Zeichen der „allerhöchsten Zufriedenheit über seine bisher dem Staate geleisteten Dienste“, das „Großkreuz des St. Stephansordens“.

Die Träger dieses hohen Ordens wurden allesamt im Ornat, bestehend aus dem prächtigen Mantel mit Kragen aus Samt, Hermelinimitation, Gold- und Silberstickerei, dem Untergewand und dem Kalpak, der Kopfbedeckung, bildlich dargestellt. So auch Brukenthal. Auf dieses Bild von Georg Weikert wird von den Initiatoren der Ausschreibung im Januar 2021 als Vorgabe und Vorlage verwiesen.

In der Hermannstädter Zeitung wird erwähnt, dass „ein schon vor Jahren von dem Generaldirektor des Brukenthalmuseums, Dr. Sabin A. Luca, angedachtes Projekt“ jetzt in die Tat umgesetzt wird. Verwunderlich ist es nicht, denn der unermüdliche Peter Jacobi hat bereits im Sommer 2018 sein Projekt „Brukenthal-Gedenkpavillon“ in Hermannstadt in einer Ausstellung präsentiert. Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor habe sich damals im Gespräch mit dem Künstler an dem Projekt „sehr interessiert“ gezeigt, sagte Peter Jakobi der Presse bei der Vernissage.

Eine große Debatte mit akademischen Ausmaßen hat das Interview mit Dr. Konrad Gündisch in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 15 vom 30. September 2020, S. 4 und 5 (siehe auch SbZ Online), ausgelöst. Gündisch wunderte sich, „dass Samuel von Brukenthal noch durch kein öffentliches Denkmal geehrt wurde, wenn man mal von seinem Relief an dem Maria-Theresia-Standbild in Wien absieht“. Unmissverständlich tut der Historiker seine Meinung bezüglich „Denkmalkultur heute“ kund: „Ich halte die Errichtung neuer Denkmäler für unzeitgemäß.“

Nicht der gleichen Meinung ist der Bildhauer Prof. Peter Jacobi (vgl. SbZ, Folge 16 vom 15. Oktober 2020, S. 8, siehe auch SbZ Online). Er verweist auf seine langjährigen Bemühungen, ein Brukenthal-Denkmal in Hermannstadt zu errichten, und meint: "Heute eine figürliche Skulptur zu einer historischen Persönlichkeit zu machen, ist äußerst diffizil. [...] So ist es für mich seit geraumer Zeit eher vorstellbar, in einer architektonischen / skulpturalen Pavillon-Gestaltung ein Brukenthal-Denkmal zu kreieren.“ Es sei angebracht, „ein Denkmal, aus dem heutigen Zeitgeist geformt, zu errichten“.

Nun, die Ausschreibung in Hermannstadt läuft. Am 1. März 2021 wird die Gewinner*in des Wettbewerbs bekannt gegeben. Hermannstadts Großer Ring erhält eine monumentale Plastik. Man kann sich getrost fragen, was Brukenthal dazu meinen würde. Noch zu Lebzeiten bekannte er in einem Brief: „Ich sehe mich von einem neuen Geschlecht umringt, die das nicht sind, was wir waren und nicht leisten können, was ich bedarf. Das ist, glaube ich, die Lage aller Alten, und ob es gleich schwer ist, sich darein zu finden, so muss es doch sein.“

Josef Balazs

Schlagwörter: Brukenthal, Brukenthalmuseum, Hermannstadt, Freimaurer, Konrad Gündisch, Denkmal, Peter Jacobi

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