5. Oktober 2020

Leserecho: Gedenkpavillon für Brukenthal

Der Künstler Peter Jacobi, Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreisträger 2003, nimmt Stellung zum Interview von Dr. Konrad Gündisch, Denkmalsturz und Erinnerungskultur: Historiker Konrad Gündisch im Gespräch, und bezieht sich des Weiteren auf seine seit rund 30 Jahren gehegte Idee eines Brukenthal-Denkmals.
Peter Jacobis Pavillon-Skulptur für Baron Samuel ...
Peter Jacobis Pavillon-Skulptur für Baron Samuel von Brukenthal: präzises Metallmodell, kann als Grundlage einer proportionalen Vergrößerung dienen. Die Maße des Modells sind 60 x 60 cm. Realisierungsmaterial ist Corten-Stahl.
Dr. Konrad Gündisch hat ein umfangreiches, kompetentes Vorwort, vor allem aus historischer Sicht für mein 2017 erschienenes Buch „Bilder einer Reise II - Wehr und Kirchenburgen. Stillleben nach dem Exodus“ geschrieben, wofür ich ihm auch heute danke. Die Aussagen von Konrad Gündisch sind aus heutigem Kenntnisstand eine umfangreiche Einschätzung der Denkmal-Thematik. Im Text sind nur das Honterus-Denkmal in Kronstadt und die beiden Büsten von Stephan Ludwig Roth in Meschen und Samuel von Brukenthal im Brukenthalmuseum in Hermannstadt erwähnt. Leider erwähnt Herr Gündisch das Standbild des Bischofs und Historikers Georg Daniel Teutsch vor der Stadtpfarrkirche in Hermannstadt nicht. Dieses ist ein stadtprägendes Monument aus dem späten 19. Jahrhundert von dem Stuttgarter Bildhauer Donndorf im Stile der Entstehungsjahre geformt. Als Schüler der Brukenthalschule haben wir unser Pausenbrot auf dem Sockel des Standbildes sitzend verzehrt und haben uns mit der Figur über uns identifiziert.

Zunächst muss ich der Aussage von Gündisch widersprechen: „(…) Tradition meiner siebenbürgisch-sächsischen Vorfahren, die nicht einmal in der Reformationszeit ihre selbst geschaffenen und gestifteten Kunstwerke zerstört haben.“ Ich habe 210 Kirchen und Kirchenburgen in den Jahren 2004 bis 2014 zum Teil mehrfach besucht und mehrere tausend Fotos gemacht. Immer mehr werden zerstörte und übermalte Fresken zum Teil von sehr guter Qualität unter dem Putz der Außen- und Innenwände entdeckt, z. B.in Mediasch, Hermannstadt, Honigberg, Draas, Tartlau, Schmiegen, Homorod, Senndorf, Eibesdorf, Michelsberg, Durles, Kiltsch und Malmkrog, was ein besonderer Glücksfall ist, da die Kirche von den katholischen Ungarn erbaut und ausgemalt wurde; so ist diese den Verwüstungen der Reformationszeit entgangen, später wurde diese Kirche von den Siebenbürger Sachsen übernommen. Es sind noch viele andere Kirchen, die einst mit Fresken ausgestattet waren. Ich darf kurz präzisieren. Viele siebenbürgische Kirchen wurden allerdings erst auf Druck der Habsburger ab 1711 von ihren Fresken "befreit". Einige habe ich in meinen beiden Büchern „Bilder einer Reise“ (2007) und „Bilder einer Reise II“ und in meiner dreisprachigen CD mit über 2000 Fotos dokumentiert.

Es war sicher ein Drama für viele Gemeindemitglieder, als auf Geheiß der von einem Tag auf den anderen nun lutherischen Pfarrer die Männer der Gemeinde mit Spitzhacke und Äxten auf die Fresken losschlagen mussten. Diese Spuren sind heute unter den freigelegten Übermalungen deutlich zu sehen: Fresken, die ihnen bislang die Bibel so einsichtig illustrierten, Fresken, für deren Erstellung die Gemeindemitglieder viele Jahre gespart hatten.

Dass Dr. Gündisch es klar ablehnt, ein Brukenthal-Denkmal zu machen, erklärt sich als Folgerung seiner ausführlichen Darstellungen. Ich erkläre mir das so, dass er wohl hauptsächlich an ein figürliches Standbild gedacht hat. Ob er auch ganz andere Gestaltungen gutheißen würde, ist aus seinen Ausführungen eher nicht anzunehmen.

Übrigens ist bekannt, dass Brukenthal selbst hinterlassen hat, dass er kein figürliches Denkmal seiner Person wünscht. Nur lässt sich die Kreativität der bildenden Künstler nicht durch ein Diktum auslöschen. Die vielen Denkmale zur Erinnerung an die Opfer der Nazizeit, darunter auch mein Holocaust-Denkmal in Bukarest, verzichten völlig auf eine illustrativ-figürliche Darstellung. Ich darf nur ein Kunstwerk im Konzentrationslager Buchenwald erwähnen, das im Besonderen die neue Denkweise der Bildenden Kunst allgemein illustriert: eine Metallplatte von ca. 2 x 2 Meter, die bodenbündig eingebracht ist und die über die ganze Jahreszeit auf 37 Grad warmgehalten wird; auch hier sind Inhalte vermittelt, es soll an den Ort besonderer Kälte und an die hier umgebrachten Menschen erinnern.

Ich selbst habe viele Entwürfe, die zum Teil auch figürlich gestaltet sind, erstellt. Heute eine figürliche Skulptur zu einer historischen Persönlichkeit zu machen, ist äußerst diffizil. Und zwar kann ich mir für meine Person nicht vorstellen, die vielschichtigen Formen meiner Skulpturen und Zeichnungen nicht einzubringen. Es ist undenkbar, außerhalb der heutigen Weltsprache der Skulptur eine historische Figur zu gestalten. Ob eine Skulptur, die sich weit von einer realistischen Darstellung entfernt, dann auch von den politischen Gremien überhaupt in Auftrag gegeben wird geschweige auch im öffentlichen Raum aufgestellt wird, ist gerade in Rumänien undenkbar. So ist es für mich seit geraumer Zeit eher vorstellbar, in einer architektonischen / skulpturalen Pavillon-Gestaltung ein Brukenthal-Denkmal zu kreieren.

Statement zu einem Entwurf für einen Gedenkpavillon für Baron Samuel von Brukenthal: Das Denken und Wirken des Gubernators Samuel von Brukenthal muss im Hermannstädter rumänischen Umfeld nicht mehr als Besonderheit aufgeführt werden. Seine Werke stehen ja vor aller Augen. So ist es nur angebracht, ihm nach Jahrhunderten seines Wirkens ein Denkmal, aus dem heutigen Zeitgeist geformt, zu errichten. Der Entwurf ist mit den freien Mitteln der Gegenwartskunst geschaffen. Es ist ein bildhauerisches, architektonisches Konstrukt, das verschiedene stilistische Mittel, wie zum Beispiel Konstruktives, Postkubistisches, Architektonisches zu einer neuen Einheit zusammenfügt. Alle Komponenten des Ensembles beruhen auf meinen Werken, die im Laufe von Jahrzehnten entwickelt worden sind. Das Besondere an der Gestalt dieser Pavillon-Konstruktion ist die obere Partie, die durch sieben prägnante, zinnenartige Formen geprägt ist. Auch ist die siebeneckige Gestaltung eine Ableitung des Namens „Siebenbürgen“. Ein gewisser Bezug zu den zahlreichen Stilisierungen des siebenbürgischen Wappens ist nicht von der Hand zu weisen. Das siebenbürgische Wappen ist heute sogar in das Wappen Rumäniens integriert.

Die siebeneckige Form des Pavillons bezieht sich auch auf die in der abendländischen Tradition präsenten „Sieben Tugenden“. Vier von diesen haben ihren Ursprung in der antiken Philosophie, wie Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Die übrigen drei, Glaube, Liebe, Hoffnung, entstammen dem Christentum. Diese ethischen, theologischen und philosophischen Begriffe waren in der Barockzeit eine oftmals benutzte Metapher. Diese Metaphern waren und sind ein Aufruf nicht nur von meiner Seite an die Gesellschaft.

Die Maße des Modells: Es ist 62 cm hoch, der Durchmesser des Säulenkranzes beträgt 43 cm und der Durchmesser der umlaufenden Stufen 60 cm. Im Maßstab 1:10 entsteht eine Höhe von 6,20 m. Die Größe des Pavillons könnte eventuell bei Realisierung dem Umfeld, angepasst werden. Ein Kranz von 14 schlanken Doppelsäulen trägt die obere Konstruktion. Die Säulen sind identisch, werden aber ungleich gesetzt - ein schlankes Ende oben und ein breites Ende unten. So ergibt sich eine lebendige, imaginäre, kreisförmige „Bewegung“. Gleichzeitig ist das Licht- und Schattenspiel auf diesen Säulenpaaren in kontinuierlicher Veränderung sichtbar. Die zentrale Bodengestaltung verjüngt sich nach unten, so ist eine Vorstellung an das Erdinnere denkbar. Der Betrachter im Innenraum blickt unwillkürlich durch den Zinnenkranz in den Himmel, da wo wir seine Seele vermuten.

Dieses Werk sollte in Bronze oder in Cortenstahl realisiert werden. Durch unser aller Wirken ist diese Pavillon-Skulptur / Architektur Samuel von Brukenthal gewidmet. Dieser Gedenkpavillon wurde übrigens 2018 in Hermannstadt im Brukenthal-Museum und später im Rathaus von Hermannstadt in der Informationshalle bis heute ausgestellt.

Peter Jacobi, Wurmberg

Schlagwörter: Interview, Leserecho, Konrad Gündisch, Erinnerungskultur, Denkmal, Peter Jacobi, Künstler, Bildhauer, Kulturpreisträger, Brukenthal, Hermannstadt

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