27. Mai 2021

"Großen Schriftsteller wahrnehmen": Neue Publikationen über Hans Bergel

In der zweiten Jahreshälfte 2020 ist beim Verlag Eikon, Bukarest, in rumänischer Sprache das Buch „Hans Bergel – Nevoia imperioasă de a scrie“ (Hans Bergel – Die imperative Notwendigkeit zu schreiben) zu dessen 95. Geburtstag erschienen. Darin widmen zehn Autoren – Ana Blandiana, Peter Motzan, Ion Dumitru, Gheorghe Stanomir, Alexandru Cizek, Olivia Spiridon, Mircea Popa, Adrian Lesenciuc unter der Federführung von Mihaela Malea Stroe und Valentin Ajder (Direktor des Verlages Eikon) – je einen Beitrag dem Gefeierten.
Der Schriftsteller und Literaturhistoriker Adrian Lesenciuc (*1975) nahm das Erscheinen dieses Buches zum Anlass, in der rumänischen Literaturzeitschrift România Literară vom 19. März 2021 dem Leser unter dem Titel „Plädoyer für die Wahrnehmung eines großen Schriftstellers“ ein Porträt Hans Bergels zu zeichnen.

Der Leser wird eingangs mit der bewegten Biographie des Autors von über 50 Büchern bekannt gemacht. Anhand von Zitaten aus den zehn Beiträgen entsteht das Bild des Schriftstellers Hans Bergel: „des wichtigsten Schriftstellers siebenbürgischer Spezifika, der Gestalten schafft, durchlässig für interethnischen Dialog, Inhaber von kosmopolitischen Heimaten“. Eine „Parallele der Schicksale des Kronstädter Sachsen Hans Bergel und des Bukowinaer Juden Manfred Winkler ergibt …, dass beide nicht Heimatlose sind, sondern Menschen sind, die überall ihre Heimat in der Schönheit einer vielfältigen Kultur mit sich tragen.“ Überhaupt wird das Vielvölker-Siebenbürgen als Heimat des Gefeierten wiederholt hervorgehoben: Bergel wird anhand seiner Roman-Trilogie „das Profil eines Erzählers und Historikers“ zugesprochen. Die zwei im Buch enthaltenen Interviews ergänzen das bemerkenswerte Porträt des am 26. Juli 1925 in Rosenau geborenen Schriftstellers. Einer der Autoren sieht in der sechsten Strophe des Siebenbürgenlieds den Schlüssel zur Lektüre des durch Multiethnik ausgezeichneten Œuvres Bergels: „Siebenbürgen, Land der Duldung / jedes Glaubens sichrer Hort, / mögst du bis zu fernen Tagen / als ein Hort der Freiheit ragen / und als Wehr dem freien Wort!“

Dies Buch will nicht nur die Würdigung eines „großen rumänischen Schriftstellers deutscher Zunge“ sein, sondern auch ein Impuls zur Beschäftigung mit dessen Werk, sei es auch nur wegen jenes Bildes des hinter dem Eisernen Vorhanges in Ketten tanzenden Maramurescher Hirten Gordan im Fort 13 von Jilava. Im Buch enthalten ist das Kapitel „Das Schattenkabinett“ aus Bergels Roman „Der Tanz in Ketten“.

Zeitgleich mit oben erwähntem Artikel erschien in der Ausgabe vom 18. Februar 2021 der von der Schriftstellerin Sânzeana Pop (*1939) geführten Bukarester Zeitschrift Formula AS eine Besprechung des oben genannten Buches aus der Feder von Adriana Bittel (*1946), „eine der kräftigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur Rumäniens“ (cartepedia.ro). Sie schließt mit dem Satz: „Dieser ehrenwerte Schriftsteller verdient es, dass mehrere Autoren sich zu seiner besseren Wahrnehmung in Rumänien einsetzen.“

Manfred Kravatzky

Schlagwörter: Hans Bergel, Literatur, Rumänisch, Jubilar

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