11. Juli 2021

Festveranstaltung zum 80. Geburtstag des Theologen Hans Klein in Hermannstadt

Seit der Wende lebt die evangelische Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen in einem Ausnahmezustand. Die Dynamik des Lebens nimmt Jahr für Jahr zu, und es fehlen an allen Ecken und Enden Zeit, Menschen und Geld. Nichts ist mehr so wie es war, Ereignisse – gute und tragische - überschlagen sich und lassen Sehnsucht aufkommen nach einer wie immer gearteten Normalität. Dieser Wunsch ging am 3. Juli 2021 mit der Danksagung an Pfarrer Dr. Hans Klein in Erfüllung. Der Tag war eine kleine „normale“ Insel in den Sturzfluten des Alltags.
Man kann zu Hans Klein stehen wie man will. In seiner manchmal cholerischen und spontanen Art hat er immer wieder angeeckt, aber es ist ein Stück Normalität, bei einer Zwischenbilanz nach 80 Jahren von den Wegbegleitern einen Dank zu bekommen. Und diese Zwischenbilanz lässt sich sehen! So hatten sich auch die drei Institutionen, denen das Wirken von Hans Klein im Laufe der Zeit galt, auf die Fahnen geschrieben, die Würdigung, die bislang durch die Pandemie nicht möglich war, nachzuholen.
Übergabe der Festschrift im festlichen Rahmen. ...
Übergabe der Festschrift im festlichen Rahmen. Foto Gerhild Rudolf
Zuallererst die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien, für die sich Hans Klein als Pfarrer zuerst an der Pieke in Lugosch und in Deutsch-Kreuz eingesetzt hat. Später kamen auf hoher Ebene Zeiten als Stadtpfarrer von Hermannstadt und Bischofsvikar dazu. Dann war es das Theologische Institut, das für vier Jahrzehnte didaktischer und wissenschaftlicher Arbeit Dank sagte, als Lehrer für Altes und Neue Testament. Doch auch die Übernahme von Verantwortung als Dekan in der Zeit nach der Wende bleibt markant. Als Dritter im Bunde der Dankenden trat das Demokratische Forum der Deutschen auf, weil der Jubilar ein Mitdenker der ersten Stunde war. Seine größte Leistung ist aber der des Johannes des Täufers vergleichbar. Dieser hat auf den Größeren, Jesus von Nazareth, hingewiesen, jener aber auf den unbekannten Klaus Johannis. Somit hat Hans Klein einen großen politischen Stein ins Rollen gebracht.

Der Feiertag begann um 8.30 Uhr in der Schewisgasse, in der Aula des Theologischen Instituts Hermannstadt. Dort hatten die Kollegen zu einem Dies Academicus eingeladen. Hans Klein sollte damit– so der Moderator der Veranstaltung Stefan Cosoroabă – das größte Geschenk entgegennehmen, und zwar die Bestätigung, dass es evangelische Theologie in Rumänien auch nach Hans Klein gebe. Und was wünscht sich ein Lehrer mehr als zu sehen, dass seine Arbeit Früchte trägt?

In einer Serie von auch digital übertragenen Vorträgen kamen Freunde, Wegbegleiter und Schüler zu Wort. Der Münsteraner Neutestamentler Dr. Dietrich Alex Koch führte in die rituelle Esskultur des spätantiken Raums ein. Dr. Thomas Pitters aus Gallneukirchen erläuterte den Kontext von diakonischer Arbeit im multikulturellen Österreich. Dr. Daniel Zikeli beschrieb das religiöse Denken und Handeln von Königin Elisabeth I von Rumänien. Eine besondere Aufgabe übernahm Pfarrer Samuel Piringer, der das druckfrische Buch von Hans Klein „Der Mensch zwischen Himmel und Erde. Jesus nach dem Zeugnis der Evangelien“ vorstellen durfte. Es wurde auch großzügig an die Anwesenden verteilt, wobei eine einzige Bedingung mit auf den Weg gegeben wurde: Jeder Empfänger müsse mindestens drei Seiten daraus lesen… Im anschließenden Umtrunk, der von Café Wien gespendet wurde, konnte sich der Jubilar der Gratulanten nicht erwehren.

Abends um 18.00 Uhr war dann die Kirchengemeinde Hermannstadt diejenige, die Dank sagen konnte. Sie tat es durch den Mund der Kuratorin Ilse Philippi, die an dessen Zeit als Stadtpfarrer erinnerte. Damit wurde der Abschlussgottesdienst des Theologischen Instituts eingeleitet, in dem ein Absolvent (Claudiu Riemer) und zwei Absolventinnen (Ligia Talos und Monika Montsch) feierlich aus dem Studium verabschiedet wurden. Der leitende Professor, Dr. Stefan Tobler, ließ ein bewegtes Studienjahr Revue passieren und setzte seinen Akzent besonders auf die Tragfähigkeit von kollektiver Arbeit. Obwohl er gegenwärtig der einzige hauptamtlich Angestellte sei, so waren es im Ganzen nicht weniger als 14 Lehrkräfte, die den Unterricht aufrechterhalten haben und Stabilität schaffen konnten. Der Bachchor, unter Leitung von Jürg Leutert, die Predigtworte von Bischof Reinhart Guib sowie das Raumvolumen der renovierten Stadtpfarrkirche ohne Bänke taten das Ihre zur Vertiefung des Momentes.
Der Jubilar zusammen mit den drei Absolventen des ...
Der Jubilar zusammen mit den drei Absolventen des Theologischen Instituts. Foto: Friedrich Gunesch
Dritter Akt: Bischof Reinhart Guib hatte im Anschluss an den Gottesdienst zu einem Empfang geladen. Im Bischofsaal versammelten sich Angehörige der Familie, des akademischen Lebens, der Kirche, des Forums und der Stadt, um den Tag bei einem Glas Wein abzuschließen. Ein Höhepunkt sollte allerdings noch kommen. Nach den Worten von Kirche (Bischof Reinhart Guib), Forum (Vorsitzender Dr. Jürgen Porr) und Stadt (Bürgermeisterin Astrid Fodor) kam wieder das Theologische Institut – diesmal durch den Neutestamentler Dr. Rainer Reuter – zu Wort. Dieser überreichte und stellte die Festschrift „Dem Leben dienen“ vor, die in geheimer Kleinarbeit für den Jubilar erarbeitet worden war. Unter dem Schirm des Herausgebers „Zentrum für Evangelische Theologie Ost“ (ZETO) schrieben 19 Theologen und Theologinnen aus ihren jeweiligen Fachgebieten zu Ehren von Hans Klein. Bischof Guib lieferte das Vor-, Prof. Martin Bottesch das Nachwort. Dabei waren es alles Beitragende, deren Lebens- oder Arbeitsschwerpunkt in Mittel- und Osteuropa liegt, von Wien bis Sankt Petersburg.

So ging ein Tag der Normalität zu Ende, in dem ein Arbeiter für seine Arbeit Dank bekommt. Dazu hat es erstaunlicher Weise weder an Zeit, noch an Menschen, noch an Geld gefehlt. Zeit hatten sich viele genommen. Einige waren über tausend Kilometer gereist, um dabei zu sein. An Menschen hat es auch nicht gemangelt, denn zu der Vorbereitung des Tages ließen sich grenzübergreifend Schüler und Freunde motivieren. Und Geld war ebenfalls da, weil ZETO im Vorfeld die nötigen Schritte unternommen hatte und es Forum und Kirche für ihre Ehrenpflicht ansahen, ihren Beitrag zu leisten.

Und der Jubilar? Er hat die ganze Feier geduldig und bescheiden mitgemacht und in gut sächsischer Art darauf hingewiesen, dass es zu viel der Ehre sei. Er hat zu guter Letzt auch still lächelnd die kryptische Warnung von Jürgen Porr angenommen: „Pass auf, wenn Du Byzikel fährst!“

Stefan Cosoroabă

Schlagwörter: Geburtstag, Jubilar, Hans Klein, Theologe, Hermannstadt, EKR, Institut, Feier, Bischof, Reinhart Guib, Cosoroaba, Porr, Philippi

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