25. April 2026
34. Genealogie-Seminar mit Rekordbeteiligung in Bad Kissingen
Drei Tage lang stand in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ alles im Zeichen der Ahnenforschung: Zum 34. Seminar des Vereins für Genealogie der Siebenbürger Sachsen e.V. trafen sich vom 20. bis 22. März zahlreiche Projektmitarbeiter in Bad Kissingen. Im Mittelpunkt der Tagung stand diesmal ein ebenso aktuelles wie anspruchsvolles Thema: die Sicherstellung der Datenqualität in der genealogischen Arbeit.

Der Samstag war geprägt von fachlichen Beiträgen und praktischer Arbeit. In mehreren Vorträgen wurde aufgezeigt, wie genealogische Daten systematisch überprüft und für eine Veröffentlichung vorbereitet werden können. Im Fokus standen verschiedene Testmöglichkeiten und Werkzeuge, die von Jutta Tontsch und Dietmar Gärtner detailliert vorgestellt wurden. Besonders großen Anklang fanden die anschließenden praktischen Übungen, in denen die Teilnehmer das Gelernte unmittelbar anwenden konnten.

Am Sonntag wurde ein bedeutender Meilenstein verkündet: Mehr als 1000 Fotos wurden inzwischen in die Datenbank integriert – ein wichtiger Fortschritt für die Dokumentation der Familiengeschichten. Es handelt sich um Personen- und Familienfotos, historische Anzeigen sowie Grabaufnahmen. Den größten Bestand verzeichnet derzeit der Stammbaum Jakobsdorf bei Agnetheln mit knapp 350 Bildern, gefolgt von Birthälm (300), Malmkrog (200) und Mediasch (190). Auch weitere Stammbäume enthalten inzwischen Bildmaterial. Die Aktualisierung des Stammbaumes Reußmarkt steht kurz vor dem Abschluss und umfasst knapp 430 neu eingepflegte Fotos.
Einen besonderen Höhepunkt bildeten die unterhaltsamen und zugleich aufschlussreichen Beiträge unter dem Titel „Kurioses aus den Matrikelbüchern“.
Helga Lutsch eröffnete die Reihe mit zwei Berichten über prominente Persönlichkeiten mit überraschenden Verbindungen zu Siebenbürgen. So wurde etwa die wenig bekannte private Lebensgeschichte des US-Flugpioniers Charles Lindbergh beleuchtet, der neben seiner Ehe Beziehungen mit seiner Sekretärin und mit den aus Kronstadt stammenden Schwestern Brigitte und Marietta Hesshaimer führte, aus denen weitere Kinder hervorgingen – ein Umstand, der erst nach seinem Tod durch Briefe und Gentests bestätigt wurde. Auch der ehemalige israelische Premierminister Ariel Sharon wurde erwähnt, dessen familiäre Verbindungen über seine beiden Kronstädter Ehefrauen Margolit und Lily Zimmerman bis nach Siebenbürgen reichten.
Lisbeth Sommer trug einen Abschnitt aus dem Testament des Petersdorfer Michael Meister von 1857 vor, dessen blumige und heute ungewohnte Ausdrucksweise für heitere Momente sorgte. Dr. Renate Weber berichtete von einem ungewöhnlichen Eintrag in einer Taufmatrikel aus Felldorf aus dem Jahr 1843, der auf humorvolle Weise einen kirchlichen Regelverstoß des Ehepaares Römer dokumentiert. Der Matrikeleintrag lautete „Hier fand eine Defraudatio altaris (= ein Betrug des Altars) statt“. Hintergrund war eine Schwangerschaft, die vor der Trauung hätte angezeigt werden müssen.
Den Abschluss gestaltete Hugo Thiess mit einer Auswahl ebenso heiterer wie tragischer Todesfälle aus historischen Aufzeichnungen von Brenndorf. Besonders eindrücklich war der Bericht über die Witwe Martha Chrestel aus dem Jahr 1752, einer Frau mit zweifelhaftem Ruf, deren bewegtes Leben und plötzlicher Tod vom damaligen Chronisten mit bemerkenswerter moralischer Deutung kommentiert wurden.
Diese Kuriositäten sorgten für lebhafte Reaktionen und zeigte, dass genealogische Forschung neben aller wissenschaftlichen Genauigkeit auch überraschende und mitunter amüsante Einblicke in vergangene Lebenswelten bietet.

Jutta Tontsch
Betrachten Sie dazu auch die Bildergalerie: Das 34. Genealogie-Seminar im März 2026 in Bad Kissingen
Schlagwörter: Genealogie, Seminar, Bad Kissingen
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