13. September 2026

In neuer, zeitgemäßer Form: „Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde“ wird als „Siebenblätter“ fortgesetzt

Vor kurzem erschien der Jahrgang 2025 der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde. Nun, die Herausgabe durch den Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde hat, leider nicht zum ersten Mal in letzter Zeit, etwas länger gedauert, doch was lange währt, wird endlich gut, so hofft zumindest die Redaktion. Dieses letzte Heft dieser Zeitschrift stellt keinen Abschluss dar, sondern findet mit den Siebenblättern. Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde seine Fortsetzung.

Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde

Titelseite des ersten Heftes/2026 der ...
Titelseite des ersten Heftes/2026 der "Siebenblätter"
Einen kleinen Schwerpunkt bilden vier Beiträge, die anlässlich der Jahrestagung 2024 des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde zu 800 Jahre Andreanum, unmittelbar im Vorfeld des großen Sachsentreffens, in Hermannstadt gehalten wurden. István Tringli stellt im Eröffnungsbeitrag den ungarischen König Andreas II. vor, Namensgeber des Andreanums, und seine Herrschaft. Maria Crîngaci Ţiplic untersucht die ersten Generationen der hospites genannten Siedler und deren Herkunft im Lichte mittelalterlicher Urkunden und archäologischer Funde. Liviu Cîmpeanu beschreibt, wie sich das Andreanum zur Grundlage der Sächsischen Nationsuniversität entwickelte, der sächsischen Selbstverwaltung auf Königsboden. Der Beitrag von Béla Szabó ergänzt aus rechtshistorischer Sicht, wie sich das Andreanum dann rund dreihundertfünfzig Jahre später im Eigen-Landrecht der Sachsen in Siebenbürgen (1583) widerspiegelte, das bis ins 19. Jahrhundert hinein prägend für deren rechtliche und politische Stellung auf Königsboden bleiben sollte. Ciprian Firea behandelt die Geschichte der Nürnberger Patrizierfamilie Stromer in Siebenbürgen; die Familie gehörte im 14. und 15. Jahrhundert zu den einflussreichsten und mächtigsten in der fränkischen Reichsstadt, deren Vertreter im frühen 16. Jahrhundert dann auch in Siebenbürgen erschienen. Weitere Beiträge zeigen die Vielfalt landeskundlicher Themen: die digitale Rekonstruktion der Topografie Hermannstadts im 18. und 19. Jahrhundert anhand kartografischer Quellen (Andrei Nacu), eine genealogische Recherche über eine „falsche Wienerin“ (Klaus-Peter Stefan), zur Schulrede Albert Huets von 1602 (Ulrich A. Wien).

Besonders sei auf den Quellenteil hingewiesen, beginnend mit der erstmaligen vollständigen deutsch-lateinischen Edition der letzteren (diese zusammen mit Gábor Petneházi, Frank Krauss). Als besonderer Leckerbissen finden sich im Quellenteil weiterhin die ebenfalls erstmalige und vollständige deutsch-lateinische Edition mit Kommentar des „Breviculus Pyrotechnicus“, einer Abhandlung über die Feuerwerkerei aus dem 17. Jahrhundert von Valentin Franck von Franckenstein (Konrad Gündisch, Brigitte Stamm), eines Büchleins, von dem bis heute nur ein einziges Exemplar erhalten geblieben ist, schließlich eine ebenfalls kommentierte Edition der kurzweiligen Lebenserinnerungen der Elisabeth Zikeli (1798–1875), einer wichtigen Quelle aus dem 19. Jahrhundert, zeigt sie doch den Blick auf Alltag, Familie und Gesellschaft, aber auch auf geschichtliche Ereignisse aus Sicht einer Frau (Stefan Măzgăreanu).

Titelseite der Zeitschrift für Siebenbürgische ...
Titelseite der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde (ZfSL), Jg. 2025
Mit diesem 48. (=119.) Jahrgang (2025) der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde verabschiedet sich die bisherige Redaktion von den Lesern und Beziehern. Dass dieser Jahrgang, 222 Seiten dick, erst 2026 erscheint und damit ein Jahr später als es die Jahrgangszählung erwarten lässt, ist dabei lediglich Ausdruck der Beschwerlichkeit in jüngerer Vergangenheit, eine Zeitschrift dieses Formats und Umfangs zu redigieren. Doch auch diese Zeitschrift stellte 1978, als sie erstmals erschien, eine Neuerung dar und ersetzte das bis 1977 erschienene Korrespondenzblatt des AKSL – auch damals dem Wunsch folgend, der Zeitschrift eine „neue, zeitgemäßere äußere Form zu geben“. Und an einem solchen Übergang stehen wir 2026 erneut, denn der 48. Jahrgang stellt keinen Abschluss dar, sondern findet mit den Siebenblättern. Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde seine Fortsetzung.

Siebenblätter

Jetzt also zu den Siebenblättern. Sieben Blätter? Nein, ein paar mehr sind es schon, das Doppelte nämlich, und wenn man die faltet und doppelseitig bedruckt, kommen 56 Seiten A4 heraus. Also ein handliches Magazin. Der Titel Siebenblätter soll weniger den Umfang als vielmehr unsere innige Beziehung zur Zahl sieben zum Ausdruck bringen und zu all dem, was sich mit ihr machen lässt, in erster Linie natürlich Sieben-Bürgen. Und der Titel soll auch andeuten, dass die Beschäftigung mit Siebenbürgen und seiner Landeskunde keine bierernste und langweilige Angelegenheit ist, sondern mit Vergnügen und sogar Spaß verbunden sein kann. Denn die allenthalben festzustellende Begeisterung für die sächsische Kultur – in Deutschland, in Siebenbürgen, Österreich, in Übersee und neuerdings auch in der Schweiz – bedarf einer gewissen inhaltlichen Unterfütterung. Und zwar auch jenseits der sich schnell bewegenden und selbstsprechenden Medien. Dazu wollen die Siebenblätter ihren Beitrag leisten.

Sie sind keine Neuerfindung, denn wer sich mit siebenbürgischer und zumal sächsischer Geschichte etwas auskennt, weiß, dass eigentlich nichts neu erfunden werden muss. Nein, wir führen einfach eine alte Zeitschrift weiter und wollen versuchen, sie heutigem Bedarf und heutigen Lesegewohnheiten etwas anzupassen – ohne dass wir den Anspruch wissenschaftlicher Fundierung aufgeben müssen. Aber wie gesagt, man muss nicht immer alles bierernst nehmen und darf schon auch mal auf Themen setzen, die ein breites Publikum interessieren können. Fürs erste Heft ließ sich dazu eine ganze Reihe an Autoren begeistern. Zeitlich am weitesten zurück reicht ein Beitrag über den Alltag eines wohlweisen Kronstädter Ratsherrn zu Beginn des 17. Jahrhunderts, den Julia Derzsi beigesteuert hat. Mit dem „Größten Ausbruch von Vampirismus“ befasst sich Frank M. Schuster, der einen vorsichtigen Blick auf die „Große Vampir-Epidemie“ von 1725-1755 versucht – das Phänomen betraf überwiegend Nachbarregionen Siebenbürgens, punktuell aber auch das Fürstentum selbst. Dieser Beitrag zeigt zugleich eine neue Praxis, nämlich den Abdruck eines zusammenfassenden Überblicks im Heft mit Hinterlegung der ausführlichen, in diesem Falle über 90 Seiten ausmachenden Langfassung im Netz, zugänglich über einen QR-Code oder eine Netzadresse. Über die fürs Archiv des Siebenbürgen-Institut ersteigerte Ernennungsurkunde Samuel von Brukenthals zum Gubernialrat von 1760 ist in dieser Zeitung schon berichtet worden, hier folgen nun der lateinische Urkundentext an sich sowie dessen Übersetzung ins Deutsche. Dass es ein heute allgegenwärtiges Getränk in Siebenbürgen gegenüber dem Wein zunächst nicht leicht hatte, zeigt der Beitrag von Traian Popescu über Bier und Brauwesen in dieser Region zur Zeit Maria Theresias. Heute gehört das Siebenbürgenlied, die „Hymne“, zu jeder größeren Veranstaltung – aber wie und wo entstand es, was trieb die Verfasser von Text und Melodie um und wie lautete die Urform? Anmerkungen und offene Fragen dazu bietet der Beitrag von Thomas Şindilariu. Zufallsfunde gehören ebenfalls hierher, so etwa eine von Friedrich Philippi entdeckte und erheiternde Aufgabenbeschreibung eines Schäßburger Mädchenlehrers im 18. Jahrhundert.

Seite aus den Siebenblätter (aus dem Beitrag ...
Seite aus den Siebenblätter (aus dem Beitrag „Thusneldas Welt“ von Konrad Klein)


Alle Beiträge sind übrigens bebildert, und besonders reich der nachfolgende von Konrad Klein über die Autorin Thusnelda Henning-Hermann und ihren sächsischen Heimatroman „Der hölzerne Pflug“, wobei der Verfasser vielfältige Hermannstädter Familienbezüge aufdeckt und erklärt, was Frieder Schuller mit dem ganzen Thema zu tun hat. Mit dem Auto quer durch Siebenbürgen ist heute eine Selbstverständlichkeit, aber die erste Beschreibung einer solchen Tour erschien erst 1914 und ging wegen des kurz danach ausbrechenden Krieges in der Wahrnehmung unter – hier findet sich nun ein Beitrag über diesen österreichischen Pionier. Abschließend folgen in dem Heft einige Rubriken, etwa zu Neuerscheinungen, zu Zufallsfunden und offenen Fragen oder zu Neuigkeiten aus dem Metier. Bis zu einem gewissen Grade sollen die Siebenblätter auch wieder die Funktion eines „Korrespondenzblattes“ übernehmen, wie die Zeitschrift bei ihrer Gründung 1878 hieß, das die Leserschaft dazu einlädt, miteinander über die behandelten Themen in Kontakt zu treten.

Die Siebenblätter erscheinen zwei Mal jährlich. Mitglieder des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde erhalten sie im Rahmen ihrer Mitgliedschaft (45 Euro jährlich, Studierende, Schüler etc. 25 Euro) automatisch zugeschickt. Aber es ist auch möglich, nur die Siebenblätter für jährlich 30 Euro (alles plus Porto) zu abonnieren, je nach Interesse. Weitere Infos unter www.siebenbuergen-institut.de oder per E-Mail an: redaktion[ät]siebenbuergen-institut.de.

St. M & H. R.

Schlagwörter: Zeitschrift, Siebenbürgische Landeskunde, Siebenblätter, Geschichte, AKSL

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