17. September 2026
Mohács 500: In Ungarn wurde am 29. August der Schlacht von 1526 gedacht
„Die ungarische Geschichte ist eine Geschichte des Wiederaufstehens. Vor 500 Jahren haben wir hier in Mohács eine schicksalhafte Schlacht verloren, wir haben unseren König verloren und die politische Einheit unseres Landes brach zusammen. Aber das Wichtigste ist: Ungarn ist nicht verschwunden“, rief der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar bei der zentralen Gedenkfeier den tausenden Menschen auf dem Széchenyi-Ter, dem Hauptplatz von Mohács vor der Votivkirche, und an den Bildschirmen im Lande zu. „Das ganze Gewicht dieser Tatsache wird spürbar, wenn wir uns vor Augen führen, dass die damaligen Imperien, die über das Schicksal Europas entschieden, längst nicht mehr existieren. Dynastien sind verschwunden, Großmächte vergingen, Grenzen verschoben sich – aber die ungarische Gemeinschaft ist geblieben. Wir stehen 500 Jahre später noch immer auf derselben Erde und gedenken der Opfer in derselben Sprache.“

Die erste Schlacht von Mohács 1526 (eine zweite gab es hier ebenfalls im Rahmen der Türkenkriege 1687) betraf damals auch Siebenbürgen, bis 1526 bzw. 1541 wesentlicher Bestandteil des ungarischen Königreiches. Am 29. August 1526 hatte ein osmanisches Heer unter Sultan Süleyman I. im Süden des Landes die zahlenmäßig unterlegene ungarische Streitmacht von König Ludwig II. vernichtet. In den folgenden Jahren unterwarfen die Osmanen große Teile Ungarns und beherrschten den Südosten Europas jahrhundertelang umfassend.
In einem weiteren Beitrag zum Thema Mohács500 wird in der nächsten Folge dieser Zeitung die Entwicklung in Siebenbürgen und bei den Siebenbürger Sachsen, speziell um und nach 1526 unter die Lupe genommen.
Wie in Mohács das Gedenken begangen wurde
Die feierliche Gedenkrede des Ministerpräsidenten begleitete die Nationale Philharmonie Ungarns. Anschließend zelebrierten die Mitglieder der ungarischen katholischen Bischofskonferenz eine feierliche Messe, geleitet vom Vorsitzenden der Ungarischen Bischofskonferenz János Székely, Diözesanbischof von Szombathely (Steinamanger). Daran nahmen neben dem ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar fast alle Bischöfe des Landes sowie Vertreter aus den Nachbarregionen mit ungarischen Minderheiten teil, aus Siebenbürgen: László Böcskei, Diözesanbischof von Oradea (Großwardein) und Vorsitzender der Rumänischen Katholischen Bischofskonferenz, Jenő Schönberger, Diözesanbischof von Satu Mare (Sathmar), József Tamás, Bischof im Ruhestand aus Alba Iulia (Weißenburg).
Hier in Sátorhely wurde vor tausenden Zuschauern, umringt von riesigen erntereifen Sonnenblumenfeldern – ich war auch auf der Zuschauertribüne und fühlte mich ein wenig wie im Sommer 2017 auf den Elbwiesen bei Wittenberg beim 500-jährigen Reformationsjubiläum - am späten Nachmittag auch die historische Schlacht von 1526 mit Unterstützung von Traditionsvereinen nachgestellt. Der Tag endete in Mohács mit der Uraufführung eines Jubiläums-Musicals: „Mindig itt leszünk... Mohács 500“ („Wir werden immer hier sein...“) von György Szomor.

Fast jedem in Ungarn ist das aus bitterem Humor geborene Sprichwort „Bei Mohács ging mehr verloren“ („Több is veszett Mohácsnál“) geläufig, das als Trost verwendet wird, wenn jemand einen Verlust oder ein Missgeschick erleidet. Die Redewendung bedeutet: „Es hat keinen Sinn zu trauern; es sind schon schlimmere Dinge geschehen.“
Vor 500 Jahren, am 29. August 1526, fand die Schlacht von Mohács statt, eines der prägendsten und verstörendsten Ereignisse in der ungarischen Geschichte. Sie leitete eine neue Phase osmanischer Expansion ein, die letztlich zur vollständigen türkischen Beherrschung Südosteuropas führte.
Wie war die historische Gesamtlage um 1500?
Das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) befand sich um das Jahr 1500 in einer Phase des tiefgreifenden Umbruchs. Dieser lose Verbund von kleinen und großen Herrschaften wurde geprägt vom dauerhaften Machtkampf zwischen Kaiser und Fürsten und stand nach dem Beginn des Zeitalters der Glaubensspaltung in Europa (Reformationsbewegung geht von deutschen Landen und der Schweiz aus - 1517 Martin Luther, 95 Thesen, Wittenberg – Ulrich Zwingli 1520er Jahre in Zürich, Johannes Calvin ab 1534 in Genf) und durch die weitflächigen Bauernaufstände 1525 vor riesigen inneren Herausforderungen. Außerdem befand es sich in einem jahrzehntelangen erbitterten Konflikt um die Vorherrschaft in Europa zwischen dem Habsburger Kaiser Karl V. (1519/30-1556) und dem französischen König Franz I. (1515-1547). Karl V. herrschte über ein riesiges Weltreich, zu dem Spanien, die Niederlande, Österreich und Teile Italiens gehörten. Frankreich fühlte sich von den habsburgischen Gebieten regelrecht umzingelt und ging, obwohl katholisch, ein Zweckbündnis mit Sultan Süleyman I. (1520-1566) gegen die Habsburger ein. Ungarn, das an der Grenze zwischen dem christlichen Abendland und dem islamischen Osmanischen Reich sozusagen als Bollwerk gegen die Türken lag, war dadurch stark betroffen.„Mohács 1526 wird von Matthias Asche als „Zäsurereignis“ der europäischen Geschichte genannt. Die Schlacht steht im Kontext innenpolitischer sozialer Spannungen, osmanischer Expansion und habsburgischer Heiratspolitik und veränderte dauerhaft die politische Ordnung Ostmitteleuropas, sagt er. Der Bauernaufstand von 1514 unter György Dózsa schwächte die Verteidigungsfähigkeit Ungarns gegenüber dem Osmanischen Reich zusätzlich erheblich. Ebenso hatte auch der große Bauernaufstand in Deutschland von 1515 entsprechende Auswirkungen. Sultan Süleyman I., der nach 1520 eine neue Expansionsphase gegen das Königreich Ungarn einleitete, traf somit auf ein innerlich zwar recht stolzes, jedoch de facto geschwächtes Ungarn. Weder die deutschen Fürsten, Kaiser Karl V. noch der Papst konnten den Ungarn im Kampf gegen die Türken in dieser Phase substanziell helfen. Süleyman entsandte 1520 einen Botschafter an König Ludwig II. von Ungarn. Er bot Frieden an, forderte den König jedoch auf, ihn als Oberherrn, als „Sultan der Sultane des Ostens und des Westens“ anzuerkennen. Der König war entrüstet, warf die Gesandtschaft ins Gefängnis und ließ sie misshandeln bzw. töten. Diese Schmähung führte zum osmanischen Angriff. Das damals ungarische Belgrad, der „Schlüssel zu Ungarn“ am Zusammenfluss von Donau und Save, wurde 1521 eingenommen, ein Erfolg mit großer Symbolkraft.
Was geschah bis 1526?
Michael Kroner schreibt über die Anfänge der „Türkenzeit“: Angesichts der drohenden osmanischen Gefahr hatte das christliche Abendland bereits 1396 unter dem ungarischen König Sigismund von Luxemburg, dem späteren Kaiser, einen Kreuzzug gegen die Türken geführt, der aber bei Nicopole an der Donau mit einer Niederlage des Ritterheeres endete. Ein zweiter Kreuzzug, der die Vertreibung der Osmanen aus Europa verfolgte, endete 1444 bei Warna in Bulgarien ebenfalls mit einer Niederlage der Christen. Sogar der ungarische König Wladislaw I. fiel in der Schlacht. Bald danach erschütterte die Nachricht von dem Fall Konstantinopels (1453) die christliche Welt. Drei Jahre später feierte sie dann den Sieg des siebenbürgischen Woiwoden Johann Hunyadi, dem es bei Belgrad – die Festung galt als Tor nach Ungarn – gelungen war, Sultan Mohammed II., den Eroberer Konstantinopels, zu schlagen und damit vorerst die weitere Expansion des osmanischen Reiches zu stoppen. Türkische Überfälle blieben zwar auch in den folgenden Jahrzehnten nicht aus, sie konnten aber während der Herrschaft von König Matthias Corvinus (1458–1490), dem Sohn Johann Hunyadis, zurückgeschlagen werden. Unter seinen Nachfolgern Wladislaw II. und Ludwig II. führten Gegensätze zwischen dem König und den Machtinteressen der erstarkten Magnaten, Rivalitäten bei der Königswahl sowie soziale Unruhen der hörigen Bauernschaft, der Szekler und sogar in siebenbürgisch-sächsischen Städten zur Schwächung Ungarns, so dass Sultan Süleyman der Prächtige die Gunst der Stunde nutzte und 1521 das Tor nach Ungarn, Belgrad, in seine Gewalt brachte. Während somit im Westen die beiden katholischen Mächte Frankreich und Habsburg ihre „Erbfeindschaft“ mit voller Härte austrugen, wurde im Osten das Osmanische Reich ein zunächst „unbesiegbarer Gegner“ (Stephan Gruber), was „gravierende Folgen nicht nur für Ungarn, sondern für ganz Europa hatte.“ (Harald Heppner) Erst nachdem die Türken 1683 Wien zum zweiten Mal belagert hatten, begann eine erfolgreiche habsburgische Offensivphase, in deren Folge die Osmanen aus Ungarn verdrängt wurden.Die Schlacht 1526
In einer umfassenden Studie mit dem Titel „Was und warum ging bei Mohács verloren?“ („Mi és miért veszett Mohácsnál?“) Wendepunkt der ungarischen Geschichte“, hat der Historiker Tibor Klaniczay die Umstände und die Schlacht von Mohács beleuchtet. Hier nun seine Darstellung, stellenweise mit einigen Erläuterungen versehen.
Anmerkung des Verfassers: Unter Süleyman I. (1494–1566), genannt „der Prächtige“, dem zehnten und am längsten regierenden Sultan des Osmanischen Reiches (1520–1566), wurden die osmanischen Grenzen massiv ausgeweitet. Seine Armeen eroberten Belgrad, Rhodos und weite Teile Ungarns, belagerten 1529 Wien und eroberten große Gebiete im Irak und Persien. Seine Flotten sicherten die Vorherrschaft im Mittelmeer. Die Militärtechnik der Osmanen um 1500 war eine der modernsten und fortschrittlichsten weltweit. Sie revolutionierten die Kriegführung durch den frühen, massiven Einsatz von Artillerie (Topçu), Musketen und Handfeuerwaffen bei ihrer Elitetruppe, den Janitscharen, lange bevor europäische Heere diese Standards etablierten. Die Janitscharen als das Herzstück der osmanischen Infanterie, waren Elitesoldaten, die als Kinder aus christlichen Familien auf dem Balkan rekrutiert (Knabenlese), streng islamisch erzogen und zu absolut loyalen „Sklaven des Sultans“ ausgebildet wurden. Das Gros des osmanischen Heeres bildete aber die Lehensreiterei. Diesen Sipahis übertrug der Staat die Einkünfte aus einem oder mehreren Dörfern und dafür leisteten sie Kriegsdienst. Feldzugssaison war vom 6. Mai bis zum 9. Oktober, denn ihre Pferde fanden im Winter kaum Futter und sie selbst strebten im Herbst zu ihren Wohnsitzen, um ihr Einkommen zu sichern. Oft dauerten die Kämpfe mehrere Stunden bis Tage. Der Großteil der Opfer fiel nicht im direkten Frontalangriff, sondern während der Verfolgung, wenn eine Seite die Flucht ergriff und wehrlos wurde. In der Frühen Neuzeit beruhten Kriegserfolge nicht nur auf militärischer Überlegenheit: Die Führungsqualitäten des Herrschers bzw. der Kommandanten, technologische Fortschritte (Transport und Logistik), finanzielle Mittel, Spionage sowie schlichte Zufälligkeiten (Wetterbedingungen, Ernte oder beispielsweise der unerwartete Tod eines Kommandanten) entschieden oftmals über Sieg oder Niederlage. (Ahmet Yasin Yiğit, Resul Ünlü).
Tibor Klaniczay: „Die Abwehr der Türken – das Hauptinteresse vieler Ungarn und südslawischer Adliger, stand auch dann auf der Tagesordnung, wenn keine türkische Angriffsgefahr bestand. Eine großangelegte antitürkische Aktion fand während der Jagiellonenzeit nur deshalb nicht statt, weil die machtlose Regierung dazu nicht in der Lage war. Bis 1521 glaubte niemand, dass die Jahre eines unabhängigen, mächtigen und reichen Ungarns gezählt seien. […] Das Land, das bei Mohács fiel, kann – entgegen allen Anzeichen – als reiches, großes und hoffnungsvoll aufstrebendes Land betrachtet werden. Der Bauernkrieg schwächte es nur gering. […] In der Jagiellonenzeit sanken die Einnahmen des Königs rapide.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Grenzverteidigung ein katastrophales Schicksal erlitt. Doch auch die Kanonen Ludwigs II. waren in Buda unbrauchbar verrostet. […] Die hohen Kosten für den Hof – ein Drittel der Staatsausgaben! – erscheinen ungeheuer hoch, aber nur, weil König und Staat so arm waren. […] Ein weitaus größeres Problem ist die Unregierbarkeit des Landes. Der König, der keine eigene Machtbasis hatte, konnte nichts anderes tun, als zwischen den verschiedenen Parteien zu lavieren und zu versuchen, sich mit allen gutzustellen. Bakócz sagte dem jungen König Ludwig einmal in einer Ratssitzung, dass die Adligen ihn stürzen und einen anderen König wählen würden, sollte Seine Majestät ihren Wünschen nicht nachkommen. […] Was für ein Mann war dieser Ludwig II., der Protagonist des Dramas von Mohács, wirklich? Er entwickelte sich schnell zu einem frühreifen Mann; er war weder ein schlechter noch ein dummer Mann. Er wurde 1506 geboren und ab 1516, im Alter von zehn Jahren, regierte er bereits. Er präsidierte, empfing Botschafter, mit 15 Jahren führte er ein Heer an und heiratete im selben Alter seine lang ersehnte Braut. Er war ein ausgezeichneter Ringer, verdankte seine literarische Bildung Jakab Piso, einem Freund von Erasmus. Er sprach Ungarisch, Tschechisch, Polnisch, Deutsch, Französisch und Latein fließend. Er war frühreif, […] Das Fechten, aber auch die Leichtfertigkeit beherrschte er. So liebte er es, viel zu essen und zu trinken, zu feiern, zu spielen und zu jagen. […] Nach den nächtlichen Orgien schlief er bis mittags oder badete stundenlang im Wasser des Vorgängerbaus des heutigen Kaiserbades, […] Morgens gab es unter Ludwig nie eine Ratssitzung, einen Empfang von Botschaftern oder Ähnliches. Er war ein großer Freund von Mädchen, Hunden, Jagdvögeln und seinem geliebten Affen. Kein Wunder, dass seine Zeitgenossen mal sein Talent und seine charmanten Eigenschaften lobten, mal über sein Verhalten empört waren. Nach seiner Heirat nahmen die ausschweifenden Eskapaden etwas ab, seine Freiheit aber eher zu. […] Doch das junge Paar, das sich offenbar aufrichtig liebte, gab seine Freude und sein Glück nicht auf. Von 1521 bis 1526 – während dieses verhängnisvollen halben Jahrzehnts der ungarischen Geschichte – herrschte ein unbeschwertes Leben im Budaer Palast. Höhepunkt war der Karneval. […] Unterdessen trifft der Botschafter des neuen Sultans mit dem Angebot eines Waffenstillstands in Buda ein, um Verlängern oder sogar Frieden zu schließen. Sie hätten das Angebot annehmen und die Aufmerksamkeit des Eroberers auf andere Dinge lenken sollen. Stattdessen wurde er geschlagen (einigen Berichten zufolge wurde er sogar getötet). […] Und während die ungarischen Herren am 2. August 1521 im Parlament zusammentraten, um über die Frage von Krieg oder Frieden zu entscheiden, war der Sultan zu dieser Zeit der Größte der Welt und er startete seine Armee bereits Anfang Juni in Richtung der ungarischen Grenze. […] Von Szolimán ist nicht bekannt, ob er bereits geplant hatte, den ungarischen Staat anzugreifen und zu zerstören oder nur die Grenze zu Ungarn zu befestigen. […] Der päpstliche Legat schrieb daraufhin: ‚Wäre Ungarn gut regiert, hätten die Türken keinen mächtigeren und tapfereren Gegner als die Ungarn.‘ Doch sie wurden schlecht regiert! Von 1521 bis 1526 konnten sie nichts Nennenswertes unternehmen, um die nun drohende türkische Gefahr abzuwenden.“
Erläuterung des Verfassers: Der päpstliche Legat Antonio Giovanni da Burgio war von 1524 bis 1526 der erste namentliche Nuntius (Gesandte) des Heiligen Stuhls im ungarischen Königreich und lieferte in seinen Berichten unschätzbare zeitgenössische Einblicke in den Verfall und die dramatischen Wochen vor der Schlacht von Mohács. Er war ein enger Vertrauter von Papst Clemens VII. und unterstützte König Ludwig II. bis zu dessen Tod. Im Anschluss daran begleitete er Königin Maria zur Burg Pressburg (Pozsony). Er begriff den Ernst der im Land herrschenden Anarchie und das Ausmaß der türkischen Bedrohung und unterstützte Ludwig II. mit Rat und Tat, stärkte das Land bis 1526 mit fünfzigtausend Goldstücken, die er vom Papst erhalten hatte, um Tausende spanischer, schlesischer, mährischer und böhmischer Söldner anzuwerben.
Tibor Klaniczay: „Die Organisation einer Verteidigung gegen die Türken wurde von allen Parteien und Gruppierungen gefordert und gewünscht, und auch der König drängte nachdrücklich darauf. Doch man konnte sich nie einigen, […] Ludwig selbst erklärte dem päpstlichen Legaten, Baron Antonio Giovanni del Burgio, er fürchte diese ‚einheimischen Türken‘ mehr als die eigentlichen Türken. Doch dieser Adel ließ sich leicht zähmen und jedem Willen beugen. […] Obwohl bereits Ende 1525 Nachrichten über die türkischen Vorbereitungen eintrafen, wurden diese als unzuverlässig eingestuft. Im Jahr vor der Schlacht von Mohács hatte nur der Erzbischof von Kalocsa, Pál Tomory, das Ausmaß der Gefahr erkannt und alles darangesetzt, die verbliebenen Festungen an der Südgrenze zu verstärken, indem er unentwegt Geld, Soldaten und Ausrüstung forderte. […] Und noch einmal die Worte des päpstlichen Legaten Burgio vom 30. Mai 1526: ‚Diese ungarischen Herren sind bereit, notfalls mit großem Enthusiasmus in den Krieg zu ziehen und sich dem Feind entgegenzustellen. Sie hätten also Kampfgeist und Mut, doch es mangelt ihnen an Artillerie, Generälen, Schiffen, Nahrungsmitteln und Waffen; sie wissen nicht, was sie erwartet, wie sie sich verteidigen sollen, und es kommt ihnen nicht einmal in den Sinn, sich darüber Gedanken zu machen.‘ Die ungarischen Lehnsherren, Priester und Adligen glaubten dies nicht. Sie konnten sich das reiche, blühende Ungarn nicht in Trümmern vorstellen. Sie glaubten jedoch an die ungarische Tapferkeit, die, sollte sie das Land bereits gerettet haben, auch jetzt noch ausreichen würde, da sie ihren Vorfahren in nichts nachstanden. […] Zwischen 1521 und 1526 unternahm die ungarische Führung diplomatische Anstrengungen, um Hilfe gegen die Türken zu sichern, jedoch mit geringem Erfolg. Nur Venedig und der Papst setzten die seit Langem gewährte finanzielle Unterstützung gegen die Türken fort […] Im Zuge der Reformation galten außerdem Ketzer als ein viel größerer Feind für die römische Kirche, und der Papst-Antichrist wurde für Luther als ein viel größerer Feind angesehen als der Türke. […] Daher drängten sie den König, der im März versprach, unverzüglich aufzubrechen, sobald er ein angemessenes Gefolge und eine beträchtliche Anzahl Soldaten für sich zusammenstellen könne. Dies würde 30.000 Forint erfordern, die nirgends aufzutreiben waren. […] Das Parlament war jedoch mit parteipolitischen und persönlichen Streitigkeiten beschäftigt, […] Zu jener Zeit war der König bereit, einige seiner Juwelen zu opfern, und es begannen die Adligen, zumindest einige von ihnen, Geldsummen anzubieten, um die benötigten 30.000 Forint aufzubringen. […] zumindest auf dem Papier, […] Während diese Transaktionen abgewickelt wurden, vergingen Wochen und Monate, und natürlich kam das Geld nicht zusammen. Es blieb nur noch eine letzte Lösung: die Schätze der Kirchen, also die Meisterwerke mittelalterlicher Kunst, die Gold- und Silbergegenstände, zu beschlagnahmen und daraus Geld zu prägen. […] Dies wurde bereits am 25. April im Parlament erörtert, doch schließlich ordnete der königliche Rat diese Maßnahme erst am 18. Juni an, als Süleyman bereits an der Grenze stand. […] Zu diesem Zweck wurden Kommissare ins ganze Land entsandt, um die Hälfte des Kirchensilbers zu beschlagnahmen. Dies führt natürlich überall zu großem Ärger. […] unersetzliche Kunstschätze wurden zerstört, […] Unterdessen unternahm Tomory einen verzweifelten Versuch: Er rief den Adel der südlichen Grafschaften, also jene, die vom Aussterben bedroht waren, zu den Waffen. Vergebens, es rührte sich niemand, denn es war ihr uraltes Recht, nur unter dem Kommando des Königs zu kämpfen. […] Der Sultan überquerte derweil mit seinem Heer ungehindert die Save. […] Als Lajos am 24. Juli 1526 Buda auf seiner schicksalhaften Reise mit 3.000 Mann nach Mohács verließ und seine verbliebenen Höflinge fragten, was sie in ihrer Abwesenheit zu tun hätten, antwortete er angeblich: ‚Passen Sie gut auf die Welpen auf, waschen Sie sie zweimal pro Woche.‘ Ein fieberhafter Briefwechsel beginnt, Anweisungen, Dekrete und Befehle werden überallhin gesandt. Auch der König selbst greift zur Feder und schreibt die Briefe eigenhändig. Wäre all dies vier Monate früher geschehen, hätte man ein beeindruckendes Heer aufstellen können, das, wenn schon nicht die Türken besiegt, so doch eine katastrophale Niederlage hätte verhindern können. Doch nun ist es zu spät. Und mehr noch: Die Eile ist so groß, dass die Befehle widersprüchlich sind. Der Woiwode von Siebenbürgen, Zápolya, der über die vergleichsweise größte Streitmacht verfügt, wird zunächst in die königliche Armee einberufen und dann wird ihm befohlen, stattdessen durch die Walachei in türkisches Gebiet einzubrechen, um den Vormarsch der türkischen Hauptarmee durch diese Ablenkung zu stören. Dann erkennt man, dass es dafür zu spät ist, und befiehlt ihm erneut, ins Lager des Königs zu kommen. Schließlich weiß Zápolya nicht mehr weiter und schickt einen eigenen Gesandten zum König, um endgültige Anweisungen zu erhalten. Zápolyas Gesandter wird schließlich am 28. Juli mit dem Befehl, unverzüglich mit seinem Heer zum König zu kommen, nach Siebenbürgen zurückgeschickt. Bis zur Rückkehr des Gesandten, bis Zápolya mit Ausrüstung, Kanonen, Infanterie usw. von Gyulafehérvár aufbricht, ist klar, dass er Mohács nicht vor dem 29. August erreichen kann. […] Zur Zeit der Schlacht bei Mohács befindet sich Georg von Brandenburg bereits mit tschechischen Söldnern in der Nähe von Veszprém und Székesfehérvár, doch auch auf diese Armee muss verzichtet werden. Sollte die ungarische Armee den Kampf jedenfalls vermeiden und dieser nur eine Woche später geschehen, wäre das Heer des Königs verdoppelt und verfügte über militärisch überlegene und besser ausgebildete Truppen. […] Generell spielt die Person des Königs hier stets eine wichtige psychologische Rolle. In der Jagiellonenzeit […] war die Pflicht, nur unter dem Kommando des Königs zu kämpfen. Natürlich wurde dies nicht immer so ernst genommen. Als der König, der die Lage vernünftiger einschätzte als seine Heerführer, Zápolya, Frangepán und Brandenburgi abwarten und sein Heer nicht zu nahe an den Feind heranführen wollte, sondern die Truppen vorschicken wollte, um den türkischen Vormarsch und Rückzug zu verlangsamen, drohten diese dem König direkt mit Rebellion. […] Ohne ihn weigerten sie sich, gegen die türkischen Truppen zu kämpfen. Der Überlieferung nach sprach Ludwig daraufhin: ‚Ich sehe, dass in meinem Heer keine Spur von Disziplin, keine Bescheidenheit, keine Ruhe zu finden ist […] und sie verlangen von mir, dass ich mein Leben und meinen Kopf in Gefahr bringe. Doch damit mir, der ich zum Wohle des Landes und des Volkes hierher gekommen bin, kein Vorwurf gemacht wird, werde ich morgen, so Gott will, mit ihnen dorthin gehen, wo sie ohne mich nicht hingehen wollen.‘ Diese Worte sprach er in Báta, und am nächsten Tag zog der König weiter nach Mohács. Bezeichnenderweise führten die Fürsten den König in den Stunden vor der Schlacht durch das Heer, damit jeder sehen konnte, dass er wirklich da war, denn es kursierten Gerüchte, der König würde nicht mit ihnen kämpfen. So wurde der König schließlich in den Tod getrieben. Und dieser Tod war an sich mindestens genauso katastrophal wie die Niederlage selbst. Nicht zuletzt, weil Ludwig II., der damals erst zwanzig Jahre alt war, sich während des Feldzugs als guter Mann erwiesen hatte. […] In der gegebenen Situation war es daher fatal, das Leben des Königs zu riskieren, doch politische Blindheit verlangte es. Das Nicht-Abwarten der anrückenden Truppen bedeutete auch, dass der designierte Oberbefehlshaber, Frangepán Kristóf, nicht anwesend sein konnte, und im letzten Moment musste das Kommando Tomory übertragen werden. Dabei war Frangepán zu jener Zeit das einzige ernstzunehmende militärische Talent. […] viele Faktoren wirkten unglücklicherweise zusammen und ließen die Niederlage so katastrophal werden […] Die Folge war, dass Pál Tomory wenige Tage vor der Schlacht zum Oberbefehlshaber ernannt werden musste. Er ist eine besondere, einzigartige Persönlichkeit seiner Zeit […] hatte er keine andere Wahl, als die Verantwortung zu übernehmen. Auch er ist gescheitert, seine Idee war fehlerhaft, er konnte die Machtverhältnisse nicht gut einschätzen, das war’s. In den letzten Tagen gehörte er auch zu denen, die zur Konfrontation drängten und blind vertrauten auf einen Sieg, der auch den König in den Tod trieb. […]“
Anmerkung des Verfassers: Der Angriff erfolgte am 29. August 1526 am frühen Nachmittag. Ludwigs Reiterei griff selbst an, noch bevor das siebenbürgische Heer von etwa 10 000 Mann Stärke unter dem Woiwoden Johann Zapolyai zu ihm gestoßen war, noch dazu mit den Sümpfen bei Mohács im Rücken, wodurch die Bewegung seiner Truppen, vor allem der Rückzug, behindert wurde. Die Kanoniere und die Übermacht der türkischen Streitkräfte bereiteten den Angreifern ein fürchterliches Blutbad. Etwa die Hälfte des ungarischen Heeres, ein bedeutender Teil der politischen und kirchlichen Elite des Landes (mehr als 1000 Adlige, sieben hohe Geistliche – zwei Erzbischöfe und fünf Bischöfe - und 28 Barone) kamen in der Schlacht um. Sogar der König fiel während der Flucht von seinem Pferd und ertrank in dem Morast des Flusses Csele. Damit endete die Herrschaft des ungarischen Zweigs der Jagiellonen-Dynastie.
Tibor Klaniczay: „Und das war das Schicksal des flüchtenden Königs: Die Umstände seines Todes sind ziemlich klar. Seine Gefährten, die sich im Rücken der ungarischen Armee befanden, um den Türken auszuweichen, marschierten mit guten Absichten in die Überschwemmungsgebiete der Donau. Sie versuchten, ihn in Sicherheit zu bringen. Gegen Ende der Schlacht gab es einen heftigen Regenguss. Deshalb hatte der König im Marschland Pech. Einer seiner treuen Leute eilt ihm zu Hilfe und ist auch dort verloren. Bald verbreitete sich die Nachricht, dass der König ermordet worden sei, aber dafür gibt es keine Beweise. Allerdings stimmt es, als es man ihn zwei Monate später fand […] Sein Körper war nicht weit von seinem Pferd, seinen Waffen und seinem Assistenten entfernt. Sie wurden getragen aufgefunden. […] Solimán suchte beharrlich nach der Leiche des Königs. […] Wenn wir die Ereignisse jetzt bewerten, können wir daraus schließen, dass Ungarn unten bleiben musste, das Kräfteverhältnis machte dies unvermeidlich. […] Doch selbst eine verheerende Niederlage hätte keine solche Katastrophe bedeutet, wenn der König nicht mit ihr gefallen wäre, was die Einheit des Staates gesichert hätte. Und die Hauptstadt hätte geschützt werden können. […] In Ungarn hingegen konzentrierte sich alles im Zentrum. So wurden nicht nur die Armee, sondern auch der König und der Staatsapparat hinweggefegt. Niederlagen sind in der Geschichte oft unvermeidlich, doch für eine Niederlage mit solch katastrophalen Folgen ist es notwendig, dass sich Fehler aneinanderreihen. Genau das geschah im Fall von Mohács.“
Der Verfasser: Die Folgen der Niederlage von 1526 waren weitreichend: Nach Ludwigs Tod brach ein Machtkampf zwischen Ferdinand I. von Habsburg und János Zápolya aus, der zum Zerfall des mittelalterlichen Königreichs Ungarn-Kroatien, 1541 sogar zur Dreiteilung Ungarns führte. Der Westen und der Norden gerieten unter habsburgisch Kontrolle, der Osten wurde zum Fürstentum Siebenbürgen und der zentrale Teil, einschließlich Budas, blieb bis 1686 unter osmanischer Herrschaft. Diese Teilung beeinflusste die politische und kulturelle Entwicklung der gesamten Region nachhaltig.
In seinem Appell an die heutige Generation fasste der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar in Mohács am 29. August zusammen: „Wenn wir heute unser Haupt vor den Gefallenen der Schlacht von Mohács beugen, sollten wir nicht nur um eine verlorene Schlacht trauern. Denken wir an die 500 Jahre, die danach folgten. Denken wir an jedes Kind, das seither geboren wurde, an jede Familie, die sich ein Zuhause aufbaute, und an jeden Menschen, der unsere Sprache und Kultur bewahrt hat. Jeder Soldat, jeder Lehrer, jeder Arzt, jeder Handwerker und Geistliche hat dazu beigetragen, dass wir heute hier stehen können. Dieses Land ist ihr gemeinsames Werk. Unsere heutige Aufgabe ist es, dieses Werk entschlossen fortzusetzen, dieses Land und seine Gemeinschaften zu schützen – selbst dann, wenn das bedeutet, dass wir vieles neu aufbauen müssen.“ Dies gilt eindeutig auch für uns Siebenbürger Sachsen. (Fortsetzung in der nächsten Folge der Siebenbürgischen Zeitung.)
Horst Göbbel
Schlagwörter: Mohács, Ungarn, Magyar, Geschichte, Gedenken
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