30. Oktober 2026
Initiative für eine wahrheitsgetreue Darstellung der siebenbürgisch-sächsischen Geschichte in Schäßburg
Die gebürtige Schäßburgerin Cristina Rus ruft zu einer wahrheitsgetreuen Darstellung der siebenbürgisch-sächsischen Geschichte in Schäßburg (Sighișoara) auf. Auf den Informationstafeln der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Zitadelle in Schäßburg und in der Ausstellung im "Haus der Zünfte" (Casa Breslelor) wird die Geschichte der Siebenbürger Sachsen ausgeklammert. Ein Facebook-Beitrag von Armin Maurer, Ururenkel des Schäßburger Stadtarztes und Museumsbegründers Dr. Josef Bacon, war der Auslöser für Cristina Rus, eine Petition zu starten und möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Mit einer Eingabe (memoriu) will sie sich danach an das Bürgermeisteramt Schäßburg und die Kulturdirektion des Kreises Mieresch (Mureș) wenden und für eine korrekte und verantwortungsbewusste Darstellung der Geschichte werben. Die Autorin ist in einer deutsch-rumänischen Familie in Schäßburg aufgewachsen, absolvierte das dortige Joseph-Haltrich-Lyzeum und ist nach ihrer Ausreise vor 37 Jahren heute beruflich als Elektronikerin in Niedersachsen tätig.

Auf den offiziellen städtischen Informationstafeln in der Zitadelle wird der entscheidende Beitrag der Siebenbürger Sachsen zur Entstehung und Entwicklung der Stadt nicht angemessen sichtbar gemacht. Gerade an einem Ort, der jährlich von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt besichtigt wird, sollten die Geschichte der Stadt in ihrer historischen Vielfalt und insbesondere die prägende Rolle der Siebenbürger Sachsen deutlich und korrekt vermittelt werden.
Ein weiteres, davon zu unterscheidendes Beispiel ist die inzwischen kommerziell beworbene Ausstellung „Casa Breslelor“ (Haus der Zünfte) im historischen Stadtraum. Besonders aufmerksam gemacht hat mich die Gestaltung des Werbeplakats der Ausstellung.
Die offizielle Beschreibung der Ausstellung auf der Webseite casa-breslelor.ro stellt ausdrücklich die Geschichte der sächsischen Handwerker („meșteșugarii sași“) von Schäßburg in den Mittelpunkt. Mehrfach wird auf die sächsischen Handwerker, ihre Werkzeuge und ihre jahrhundertealte Zunfttradition hingewiesen. Auch die besondere Bedeutung der Zünfte für die Entwicklung und das Erscheinungsbild der Stadt wird hervorgehoben.
Umso irritierender ist die bildliche Darstellung auf dem Plakat, auf dem ein angeblicher zünftiger „Meister“ in traditioneller rumänischer Bauernkleidung – unter anderem mit șerpar und Bauernhemd – gezeigt wird. Meiner Meinung nach entsteht dadurch ein historisch irreführender Eindruck, da die jahrhundertelange städtische und korporative Geschichte der siebenbürgisch-sächsischen Zünfte mit einer folkloristischen Darstellung vermischt wird, die nicht der historischen Lebenswelt dieser Zünfte entspricht.
Gerade weil die Ausstellung selbst ausdrücklich die Geschichte der sächsischen Handwerker und Zünfte vermittelt, stellt sich hier die Frage, warum ausgerechnet ein rumänischer Bauer in bäuerlicher Tracht als visuelle Darstellung eines solchen Handwerksmeisters verwendet wird. Eine solche Bildsprache kann bei Besucherinnen und Besuchern einen historisch falschen Eindruck erwecken – insbesondere bei einer Ausstellung, die sich ausdrücklich mit der Geschichte der sächsischen Zünfte von Schäßburg beschäftigt.
Es geht mir dabei nicht darum, die rumänische Volkskultur abzuwerten. Es geht vielmehr um die korrekte historische Zuordnung: Wenn eine Ausstellung die sächsischen Handwerker und ihre Zünfte zum Gegenstand hat, sollte auch die bildliche Darstellung dieser historischen Personengruppe ihrem tatsächlichen historischen Kontext entsprechen.
Um dieser aus meiner Sicht problematischen Entwicklung ein klares zivilgesellschaftliches Zeichen entgegenzusetzen, habe ich eine öffentliche Petition gestartet, die bereits von über 140 Menschen unterstützt wird:
https://www.petitieonline.com/punei_istoria_sailor_in_panourile_cetii_sighioara
Die Petition läuft seit dem 13. Oktober. Ich werde sie bald dem Bürgermeisteramt Schäßburg (Primăria Sighișoara) sowie der Kulturdirektion des Kreises Mieresch (Direcția Județeană pentru Cultură Mureș) als Teil meiner offiziellen Eingabe („memoriu“) vorlegen.
Ich finde es nicht richtig, wenn vor unseren Augen die Geschichte dieser einmaligen Stadt – meiner Heimatstadt – verzerrt oder wichtige Teile ihrer Geschichte zunehmend unsichtbar gemacht werden, ohne dass wir als Nachfahren und Teil dieser historischen Gemeinschaft aktiv darauf aufmerksam machen.
Wenn sich Fehlinterpretationen und kommerzielle Mythen ungehindert verfestigen, reicht stilles Verhandeln im Hintergrund oft nicht mehr aus – es braucht eine sichtbare, breite öffentliche Debatte und den klaren Appell an die Verantwortlichen, Verantwortung zu übernehmen. Genau das soll diese Petition anstoßen.
Den vollständigen Text der Petition können Sie hier als PDF-Datei zweisprachig (rumänisch-deutsch) herunterladen.
Die Datei enthält auch eine deutsche Anleitung für alle Unterstützer. Wichtig ist vor allem: Nach dem Ausfüllen der Felder und dem Klick auf Semnați (Bitte unterschreiben) erhält man eine Bestätigungs-E-Mail. Erst nach dem Klick auf diesen Bestätigungslink ist Ihre Stimme gültig!
Cristina Rus
Schlagwörter: Schäßburg, Geschichte, Initiative
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