27. August 2017

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"Ein Beispiel für Nachhaltigkeit". Signale und Momenteindrücke von der fünften Kulturwoche Haferland

Zehn Ortschaften standen vom 9. bis zum 14. August 2017 im Rampenlicht der bereits fünften Haferlandwoche: Arkeden, Radeln, Hamruden, Deutsch-Weißkirch, Bodendorf, Keisd, Meschendorf, Reps, Deutsch-Kreuz und Klosdorf. Etwa 5.500 Besucher erfreuten sich an einem vielfältigen Programm, das Touristen anlocken und nachhaltig für die Reize der Region werben sollte. Neben Konzerten in Kirchenburgen, Theater, Film, Musik und Tanz standen in diesem Jahr sächsische und lokale kulinarische Spezialitäten im Vordergrund, unter dem Motto „Sächsische Traditionen in märchenhaften Kreationen“.
Hochkarätige Gäste aus Deutschland und Rumänien waren der Einladung der Initiatoren der Haferlandwoche – Peter Maffay und Michael Schmidt – und der Organisatoren – der Stiftungen Michael Schmidt, Peter Maffay und Adept, des Mihai Eminescu Trust sowie des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland – gefolgt. Am 12. August nahm der ehemalige FDP-Politiker Dirk-Ekkehard Niebel (2009-2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) als Schirmherr am Programm in Reps teil.

Am 13. August, dem Tag von Deutsch-Kreuz, übernahm Barbara Stamm (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags, diese Rolle. Grußworte richteten an die rund 1.500 Besucher auch Dr. Bernd Fabritius, MdB, Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen, Verbandspräsident des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der deutsche Botschafter in Bukarest, Cord Meier-Klodt, der rumänische Botschafter in Berlin, Emil Hurezeanu, sowie die rumänische Vizepremierministerin und Entwicklungsministerin Sevil Shhaideh. Große Freude herrschte in Deutsch-Kreuz über den ...Große Freude herrschte in Deutsch-Kreuz über den Besuch von Staatspräsident Johannis, hier mit Barbara Stamm und Dr. Bernd Fabritius. Fotos: George Dumitriu Die größte Freude und Überraschung bereitete jedoch die Teilnahme von Staatspräsident Klaus Johannis. Dieser lobt ausdrücklich die Wiederbelebung von Gemeinsamkeit und Tradition durch die Haferlandwoche: „Ich hoffe, dass diese Initiative als gutes Beispiel fortgesetzt wird und dass andere in ähnlicher Form mitmachen.“ Denn viele schöne Gegenden in Rumänien seien es wert, wiederentdeckt und wiederbelebt zu werden.

Momenteindrücke aus Meschendorf und Reps

Gleich zweimal während der Haferlandwoche durfte sich Meschendorf von seiner schönsten Seite zeigen: Am 11. August als Ziel eines Pferdewagen- und Radausflugs mit Natur- und Kirchenburgführung, am 12. August mit Gottesdienst, Filmvorführung, Orgelkonzert und einem Ausflug zum Maigraben, einem Stück jungfräulichen Urwalds mit gletschergeschliffener Sandsteinschlucht, die fortwährend runde Steine gebiert, sogenannte Trovanten. Die Vielfalt der Natur war auch der Londonerin Jessica Klein aufgefallen, die 2011 erstmals den Spuren ihres sächsischen Großvaters Georg Klein nach Meschendorf gefolgt war. Fasziniert von Siebenbürgen, drehte die 29-jährige Architektin den Dokumentarfilm „Feel like going home“ über die Siebenbürger Sachsen, der nun in der Kirche gezeigt wurde. Unter dem überdachten Bering hingen prachtvolle Stickereien in der Sonne – Trachten, Haussegen, Tischtücher. Das Dorf war zum Leben erwacht: Die Sachsen sind zurückgekehrt, zumindest für zwei Tage. Heinz-Georg Dörner, Vorsitzender der HOG ...Heinz-Georg Dörner, Vorsitzender der HOG Meschendorf, erzählt über die Geschichte der Kirchenburg. In Reps sorgte die Bauernburg für eine spektakuläre Kulisse: Tanzgruppen in Trachten warteten am 12. August vor den trutzigen Mauern auf ihren Auftritt auf der Bühne. Höhepunkt des Spektakels war der „Weg des Brotes“, aufgeführt von den „Junii Cetăţii”, wobei vom ersten Pflügen bis zum Brechen des Brotes alle Schritte tanzend vorgeführt wurden.

„Wir sind hier, um Bleibendes zu schaffen“

Die Haferlandwoche, die siebenbürgisches Kulturerbe über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht habe, sei ein Beispiel für Nachhaltigkeit, erklärte Dirk-Ekkehard Niebel in seiner Ansprache. Barbara Stamm, seit 1990 Rumänienbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, als sie als Staatssekretärin im Sozialministerium den Auftrag erhielt, hier ein Hilfswerk aufzubauen, erinnerte: „Wenn wir heute sehen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist und Menschen tagtäglich erleben, wie viel Unfrieden in dieser Welt herrscht“, dann sei es umso wichtiger, ein Zuhause zu haben – dies habe ihr auch das Sachsentreffen in Hermannstadt verdeutlicht. Es sei gut, dass Kulturwochen dazu beitragen, dass die junge Generation Heimat und Gemeinschaft erleben, sich engagieren und Verbindung halten will.

Drei „Dankeschön” brachte Dr. Bernd Fabritius mit: eines dem rumänischen Staat für seine mustergültige Minderheitenpolitik, die andern beiden der Michael Schmidt-Stiftung und den Menschen, die sich mit engagieren, „damit es hier immer sächsischer zugeht“. Im Rahmen der fünften Kulturwoche Haferland fand ...Im Rahmen der fünften Kulturwoche Haferland fand ein Pferdewagenausflug nach Meschendorf statt. Der seit sieben Monaten in Rumänien amtierende Botschafter Cord Meier-Klodt unterstrich mit einem Gedankenexperiment die Bedeutung der deutschen Minderheit: „Sollte ich hier angetreten sein – das war nicht so – im Glauben, dass die Rolle der Minderheit im Wesentlichen ein Bewahren des Vorhandenen oder ein Erinnern des Gewesenen sei, bin ich ganz schnell eines ganz anderen belehrt worden.“ Ihre Rolle sei eine vorwärtsgerichtete, aktive, die die bilateralen Beziehungen entscheidend mitgestalte. So trifft wohl der Satz des Reichesdorfer Kurators, geäußert bei einem der frühen Sachsentreffen und zitiert von Benjamin Jósza, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, schon lange nicht mehr zu: „Wir fühlen uns wie ein Baumstumpf, wo einmal im Jahr einer herkommt und ein Glas Wasser auf die Wurzel gießt“. Stattdessen versicherte Jósza: „Wir sind heute alle hier, um Bleibendes zu schaffen.“

Nina May

Schlagwörter: Kulturwoche Haferland, Deutsch-Kreuz, Meschendorf, Reps, Barbara Stamm, Bernd Fabritius, Klaus Johannis, Michael Schmidt Stiftung

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