22. Juni 2021

"Die Tradition geht weiter": Kulturwoche Haferland 2021 belebt die sächsischen Dörfer

Die neunte Ausgabe der Kulturwoche Haferland, des größten Festivals für siebenbürgisch-sächsische Kultur und Brauchtum in Siebenbürgen, findet vom 30. Juli bis 1. August 2021 sowohl als Präsenz- als auch Online-Veranstaltung statt. Das Programm wurde am 17. Juni bei einer Pressekonferenz in Bukarest vorgestellt. Mit der Kulturwoche Haferland beabsichtigen die Veranstalter eine Rückkehr zu den authentischen Werten der Siebenbürger Sachsen und zugleich die Förderung des kulturellen und touristischen Potenzials des Haferlandes. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis und von Armin Laschet, CDU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, des Patenlandes der Siebenbürger Sachsen.
Sie stellten das Programm der Kulturwoche ...
Sie stellten das Programm der Kulturwoche Haferland 2021 auf einer Pressekonferenz am 17. Juni in Bukarest vor (von links nach rechts): Cristi Gherghiceanu, Geschäftsführer der Stiftung ADEPT Transilvania; Caroline Fernolend, Vorsitzende der Mihai Eminescu Stiftung; Mariana Nicole, Kommunikationsmanagerin der M&V Schmidt Stiftung; Veronica Schmidt, Stellvertretende Vorsitzende der M&V Schmidt Stiftung; Michael Schmidt, Vorsitzender der M&V Schmidt Stiftung, und Andreea Berecleanu. Foto: M & V Schmidt Stiftung
Unter dem Motto „Die Tradition geht weiter im Haferland“ wird das Festival, das letztes Jahr nur online stattfand, wiederbelebt und an die neue Normalität, die sich durch die Pandemie ergibt, angepasst. An drei Tagen kann das Publikum hochkarätige künstlerische Darbietungen und Ereignisse erleben, die an die alten Traditionen der sächsischen Bewohner erinnern. Die Veranstaltungen finden rund um die Kirchenburgen in Arkeden (Archita), Bodendorf (Bunești), Deutsch-Weißkirch (Viscri), Keisd (Saschiz), Hamruden (Homorod), Deutsch-Kreuz (Criț) und Meschendorf (Meșendorf), aber auch in der schön eingerichteten Stadtmitte in Reps (Rupea) statt. Der Akzent liegt dieses Jahr auf der Vorstellung echter sächsischer Traditionen. Mittels Musik, Tanz und Ausstellungen soll die Authentizität längst vergangener Zeiten, nach denen wir uns alle sehnen, ebenso hervorgehoben werden wie die Kunstfertigkeit verschiedener Persönlichkeiten, die dieses Land mit Auftritten im In- und Ausland würdig vertreten, heißt es in der Pressemitteilung der M&V Schmidt Stiftung.

Arkeden (Archita) ist Gastgeberin der Eröffnung des Festivals. Lokale Persönlichkeiten, Ehrengäste, Vertreter der an der Organisation des Festivals beteiligten Stiftungen werden Grußworte sprechen. Am Freitag, dem 30. Juli, wird der Innenhof der Wehrkirche in Arkeden von einem Klassikkonzert des "Light Quartet" belebt. Erfolgreiche Ortsbewohner werden ihre Geschichten in einer Podiumsdiskussion zum Thema "Lokale Unternehmer, die die Tradition weiterführen" präsentieren. Auf dem Kirchenvorplatz führt die Tanzgruppe des Hermannstädter Forums traditioneller Tänze aus dem Haferland vor. Die Besucher können die Wehrkirche besichtigen, deren Außenmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen, ebenso können sie Produkte der örtlichen Unternehmer erwerben.

Ebenfalls am Freitag werden die Gäste in Bodendorf (Bunești) vor der mittelalterlichen Kirche von der Neppendorfer Blaskapelle – den Nachfolgern des seit 1879 bestehenden Ensembles – begrüßt. Die Blaskapelle wird das Publikum mit alten sächsischen Liedern erfreuen. Im Innenhof der Kirchenburg werden zwei bedeutende Persönlichkeiten – der Organist Dr. Steffen Schlandt und der Klarinettist Ciprian Dancu – ein Konzert mit klassischer Musik geben. Gedichte in rumänischer und deutscher Sprache werden die Schauspieler Alin Deac und Gabriela Pîrlițeanu vom Nationaltheater „Radu Stanca“ in Hermannstadt (Sibiu) vortragen. Das Nachmittagsprogramm in Bodendorf rundet das Quartett „Light Quartet“ mit klassischer Musik ab.

Der Freitagabend ist einer der bekanntesten sächsischen Ortschaften, Deutsch-Weißkirch (Viscri), gewidmet. Den Ton für einen unvergesslichen Abend gibt der Pianist Johann Markel an, gefolgt vom Filmemacher Florin Besoiu, der einen Dokumentarfilm über die Kirchenburgen gedreht hat. Ein Publikumsmagnet ist der sächsische Ball, den die Stiftung "Mihai Eminescu Trust" in einer idyllischen Umgebung organisiert. Für gute Stimmung sorgt die Musikband „Trio Saxones“ mit einem Potpourri traditioneller Lieder aus den siebenbürgischen Gemeinden.

Das Wochenende startet am Samstag, dem 31. Juli, in Keisd (Saschiz) im Hof der Wehrkirche mit einem interaktiven Workshop über soziale Wirtschaft zum Thema „Chancen für soziale Geschäfte im Haferland“, wobei der Experte für soziale Wirtschaft Stefan Constantinescu Gespräche mit Unternehmern aus Keisd und anderen Orten der Region sowie mit Cristi Gherghiceanu, Geschäftsführer der Stiftung „ADEPT Transilvania“, führen wird. Gastgeber in Keisd sind die "Die Nachbarschaft der Frauen aus Keisd" und die Stiftung "ADEPT Transilvania". Sie laden zu einer Führung durch Keisd mit Zwischenstation im Töpferzentrum, Darbietungen mit siebenbürgischer Musik und Tänzen und einem traditionellen Mittagessen mit höchstens 100 Personen ein. Wer sächsische Gerichte genießen möchte, melde sich per E-Mail unter vecinatateafemeilor [ät] yahoo.com oder unter der Telefonnummer (00 49) 752-26 45 86 (Diana Schuster Costea) an. Nach einer Präsentation von „Nachbarschaftsgerichten“ mit Produktverkostung können sich die Besucher nach Klosdorf (Cloașterf) begeben.

Im Hof des "Dominic Boutique“ in Klosdorf (Cloașterf) hält die Volkskünstlerin Manuela Ivan um 15.30 Uhr einen Vortrag über "Traditionelle sächsische Symbole im heutigen Alltag“. Danach präsentiert das "Sibiu Jazz Quintet“, eine der sprudelndsten und rhythmischsten Jazzbands aus Hermannstadt, ein Projekt, das Klänge aus der lokalen Folklore mit lateinamerikanischen Einflüssen verbindet. Im Camping Zori wird das Projekt "Öko-soziales Netzwerk im Tourismus" in Partnerschaft mit der Stiftung "ADEPT Transilvania" vorgestellt.

Den Samstagabend verbringen wir im Zentrum der schönen Stadt Reps (Rupea) am Fuße der Festung. Hier werden wir von Bürgermeister Alexandru Opriș begrüßt, der uns zur deutschen Schule führt, wo eine Gedenktafel enthüllt wird und Pfarrer Danielis Mare eine geistliche Ansprache halten wird. Zu den namhaften Gästen zählt Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Das Programm wird mit dem Vortrag "Etablierung des deutschen Sprachunterrichts in Reps (Rupea)" der Universitätsprofessorin Mariana Borcoman fortgesetzt. Das Tanzensemble des Kulturvereins Korona aus Kronstadt (Brașov) präsentiert Tänze aus dem Haferland. Tudor und Victor Gozob bieten abends ein Klavierkonzert. Die Veranstaltung wird von Brand Office Kronstadt (Brașov), dem Verein Nowero Reps (Rupea) und dem Bürgermeisteramt in Reps (Rupea) unterstützt. Gäste in Reps sollten sich das Ethnographische Museums "Gheorghe Cernea" im Zentrum der Stadt und einen Besuch der Festung nicht entgehen lassen. Dafür wird ein kostenloser Transport angeboten.

Musikliebhaber werden einen besonderen Samstagabend in Hamruden (Homorod) genießen: ein Klavierkonzert, gestaltet von Prof. Anca Diaconu am Klavier, begleitet von Cătălina Călin an der Violine. Diese Veranstaltung wird von der HOG Hamruden mit Sitz in Augsburg (Deutschland), dem Bürgermeisteramt der Gemeinde Hamruden (Homorod) und dem Nowero Verein in Reps (Rupea) unterstützt.

Der Haupttag des Festivals ist Sonntag, der 1. August. Die Burzenländer Blaskapelle empfängt die Gäste in der Wehrkirche in Deutsch-Kreuz (Criţ). Wie jedes Jahr läuten die Glocken am Sonntag um 11.00 Uhr und rufen die Menschen zum Gottesdienst unter dem Vorsitz von Daniel Zikeli, Bischofsvikar der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Nach dem Gottesdienst werden die Ehrengäste zu den Klängen der sächsischen Blaskapelle auf die Bühne in der Nähe der Kirchenburg in Deutsch-Kreuz geführt, wo sie in ihren Grußworten ihre Unterstützung und guten Wünsche für die sächsische Gemeinde und alle Einwohner des Haferlandes aussprechen werden. Ein besonderes Ereignis ist das Konzert „140 Jahre Enescu-Bartók“, das in authentischem Klang die „Rumänische Rhapsodie" von George Enescu und die sechs „Rumänischen Volkstänze" von Béla Bartók zusammenbringt. Junge Schauspieler des Nationaltheaters "Radu Stanca" aus Hermannstadt werden das Theaterstück „Das Tagebuch von Adam und Eva“, eine Adaption nach Mark Twain, aufführen. Die Neppendorfer Blaskapelle spielt traditionelle Musik, die Tanzgruppe des Kulturvereins Korona aus Kronstadt führt Volkstänze auf. Weiter geht das Programm mit einer Buchvorstellung der deutschen Übersetzung des Buches "Nachbarschaften der Siebenbürger Sachsen in Deutsch-Kreuz" („Vecinătăți la sașii din Criț“) im Beisein von Ruxandra Hurezean, der Autorin des Buches, Chefredakteurin der Zeitschrift „Sinteza“, Dr. Liana Iunesch, Übersetzerin und Mitautorin des Buches, Dozentin an der „Lucian Blaga“-Universität in Hermannstadt, und Benjamin Józsa, Moderator, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Der Abend in Deutsch-Kreuz klingt mit der Vorführung des Dokumentarfilmes über die Kirchenburgen von Florin Besoiu aus.

Den ganzen Tag über können Sie die Wanderausstellung „Samuel von Brukenthal – ein früher Europäer“ bewundern, die federführend vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam in enger Kooperation mit dem Departement für interethnische Beziehungen bei der Regierung in Bukarest, dem Brukenthalmuseum, der Siebenbürgenforum sowie der Samuel-von-Brukenthal-Stiftung erstellt wurde. Durch Vermittlung und auf Betreiben des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ist die Ausstellung in Deutsch-Kreuz zu sehen.

Meschendorf (Meșendorf) ist der Ort, in dem die Organisatoren die diesjährige Ausgabe der „Haferlandwoche“ mit einem Programm verabschieden und Lust auf ein Wiedersehen 2022 machen werden. Im Hof der Kirchenburg wird die Ausstellung sächsischer Volksgegenstände aus der Privatsammlung von Hermina Antoni eröffnet. Schauspieler des Nationaltheaters Radu Stanca aus Hermannstadt werden Gedichte in rumänischer und deutscher Sprache vortragen. Das Konzert "Balkan Silk Road" ist ein einzigartiges Musikprojekt, das die Melodie der rumänischen, bulgarischen, serbischen, jüdischen, mazedonischen, sächsischen, türkischen, ungarischen Folklore mit Klängen verbindet, die von Jazz und Rockmusik inspiriert sind und die spezifische Dynamik von Volkstänzen respektieren.

Das Tanzensemble des Kulturvereins Korona aus Kronstadt wird die Gäste zum Tanzen auffordern, die Neppendorfer Blaskapelle wird die neunte Auflage der Kulturwoche Haferland mit ihren Akkorden ausklingen lassen.

Symbolische Botschaft der Unterstützung

Michael H. Schmidt, Vorsitzender der M&V Stiftung, übermittelt folgende Botschaft an die Gemeinschaft und Besucher des Haferlandes: „Die Tradition geht weiter im Haferland“, und wir machen dies durch die diesjährige Ausgabe, das neunte Jahr in Folge, möglich. Nach der schwierigen Zeit, die wir alle durchgemacht haben, möchten wir der Gemeinschaft im Haferland eine symbolische Botschaft der Unterstützung überbringen und die Kultur, Traditionen, die wertvollen Menschen und Orte mit langer Geschichte fördern. Durch die Anziehung von Touristen in die Region, das hochwertige Kulturprogramm und das Hervorheben erfolgreicher unternehmerischer Aktivitäten in sächsischen Ortschaften wollen wir diese Orte wiederbeleben sowie Rumänen und Ausländer dazu anregen, die authentischen Werte des Haferlandes zu genießen.“

Wie jedes Jahr findet das Festival statt in Zusammenarbeit mit dem rumänischen Kulturministerium und mit Unterstützung der Mihai Eminescu Stiftung, der ADEPT Transilvania Stiftung, des Nowero Vereins, des Bürgermeisteramtes Reps (Rupea), des Vereins Entdecke Arkeden (Archita), der Frauennachbarschaft in Keisd (Saschiz) und der Tabaluga Stiftung.

Programm der Online-Ausgabe

Das Programm der Online-Ausgabe der „Kulturwoche Haferland“ wird laufend aktualisiert und kann unter folgenden Links abgerufen werden: www.haferland.ro, https://www.facebook.com/haferland und https://www.instagram.com/saptamana_haferland/.

Über die M&V Schmidt Stiftung

Die M & V Schmidt Stiftung verfolgt als Hauptziele die Erhaltung des sächsischen Kulturerbes und die Entwicklung von Bildungsprojekten zur Förderung der deutschen Sprache in Rumänien. Zu den Projekten, die die Stiftung in den letzten elf Jahren durchgeführt hat, zählen die Haferland-Kulturwoche, das Stipendienprogramm „Deutsch hat Klasse“ für junge DeutschlehrerInnen, die Finanzierung des Dokumentarfilmes „Orgeln in Siebenbürgen. Eine Reise zu den Wurzeln“, der originalgetreue Wiederaufbau des Pfarrhauses in Deutsch-Kreuz nach den ursprünglichen Plänen, welches dem touristischen Kreislauf unter dem Namen „Casa Kraus“ zugeführt wurde, die Herausgabe der Bücher „Deutsch-Kreuz. Geschichte, Geschichten und Leben eines siebenbürgisch-sächsischen Dorfes“ und „Zwischen den Welten. Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben erzählen“ der Schriftstellerin Ruxandra Hurezean, die in rumänischer Sprache und deutscher Übersetzung erschienen sind. Zudem wurden kulturelle Partnerschaften mit renommierten Veranstaltungen wie SoNoRo Conac und dem Internationalen Theaterfestival in Hermannstadt eingegangen sowie das After-School-Programm für Kinder in siebenbürgisch-sächsischen Dörfern sowie humanitäre Aktionen für benachteiligte Menschen durchgeführt. Seit 2017 setzt die Stiftung zahlreiche Ressourcen zur Unterstützung der Kinder in den lokalen Gemeinschaften ein und entwickelt Bildungsprojekte, um den Schulabbruch zu verhindern und die langfristige Leistung der Schüler zu verbessern.

Hier finden Sie das ausführliche Programm der Kulturwoche Haferland 2021.

Schlagwörter: Haferland, Kulturwoche, Deutsch-Kreuz, M & V Schmidt Stiftung, Deutsch-Weißkirch, Meschendorf, Hamruden, Keisd, Reps, Arkeden, Bodendorf, Klosdorf

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  • 27.06.2021, 10:58 Uhr von Melzer, Dietmar: Ich hoffe, dass die siebenbürgisch-sächsischen Orte HAMRUDEN-STREITFORT-SOMMERBURG des Repser ... [weiter]

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