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10. März 2009

Verbandspolitik

BdV-Präsidentin Erika Steinbach verzichtet auf Sitz im Stiftungsrat

Der Bund der Vertriebenen (BdV) verzichtet darauf, seine Präsidentin Erika Steinbach (CDU) für den Beirat der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zu nominieren. Nach harscher Kritik an ihrer Person hatte Frau Steinbach dem BdV-Präsidium angeboten, sie vorläufig nicht für das Gremium zu benennen. mehr...

Kommentare

Artikel wurde 15 mal kommentiert.

  • Scheibi

    1Scheibi schrieb am 10.03.2009, 18:52 Uhr:


    [Beitrag am 10.03.2009, 18:57 von Scheibi geändert]
  • Don Carlos

    2Don Carlos schrieb am 11.03.2009, 12:14 Uhr:
    Vertriebene und Aussiedler zwischen den Mühlsteinen der Staatsraison wie der Realpolitik -im Bewusstsein der Öffentlichkeit wieder als rückständige, "Ewiggestrige" diffamiert?

    Opportunismus oder Konsequenz in der Realpolitik? Die Haltung Gerhard Schröders (SPD), ehemaliger Bundeskanzler und gleich danach bis heute im Sold des russischen Kapitals bzw. russischer Polit-Interessen, macht es deutlich.

    Durch das Plädieren seinerzeit für eine Nichtverhandelbarkeit deutscher Entschädigungsforderungen in Polen wollte Schröder eine vollendete Tatsache schaffen, weniger motiviert durch moralische Erwägungen, sondern vielmehr aus populistischen und demagogischen Gesichtspunkten heraus, sprich aus tagespolitischem Opportunismus.

    Was gravierend ist: Schröder zementierte dadurch einen Präzedenzfall, der sich auch auf die Entschädigungsforderungen und Rehabilitiereungsmaßnahmen in anderen ehemaligen Ostblockstaaten auswirkt, namentlich in Rumänien oder etwa in der ehemaligen CSSR, wo die verbrecherischen Benes-Dekrete so a posteriori sanktioniert werden.

    BdV Vorsitzende Erika Steinbach hat immerhin an einer korrekten moralischen und formaljuristischen Position festgehalten, indem sie ein nicht abgeschlossenes , völkerrechtliches Vertragswerk "offen" hielt.

    Nicht ihre Person steht aktuell zur Debatte, sondern völkerrechtlich klar definierte Rechtspositionen, die Teil des EU-Rechts sind, die Polen aber schlechthin nicht wahrhaben will und deshalb versucht, diese auf demagogisch-propagandistischer Ebene zu diskreditieren.

    Das ist die große Stunde der Chauvinisten und Hetzer, die Gräben vertiefen zwischen den Nationen weiter vertiefen, statt sie zu schließen.

    Leidtragende sind die deutschen Vertriebenen aus ganz Osteuropa,alle Aussiedler, die in dieser Debatte erneut zwischen die Mühlsteine der Staatsraison und der Realpolitik geraten, im Bewusstsein der Öffentlichkeit aber ganz nach alter Masche als rückständige, "Ewiggestrige" wahrgenomen werden.

    Der Rückzug der Bundesvorsitzenden der Vertriebenen Steinbach aus der übernationalen Stiftung ist das falsche Signal. Er erfolgte auf politischen Druck und wieder aus Gründen der Staatsraison.

    Wenn es nicht politisch gewünscht ist (opportun ist), dass die Vertriebenen ihre Repräsentanten in die Politik entsenden und von diesen erwartet wird, dass die legitimen Vertriebenen-Interessen auch durchgesetzt werden - wie das übrigens jede Lobboy hier im Westen praktiziert, von Brüssel bis Washington -
    wozu brauchen wir dann überhaupt noch Vertriebenen-Verbände und Vereinigungen?
    Der Ruf nach Konsequenzen wird bald lauter werden, gerade im Wahjahr 2009!

    Carl Gibson



    [Beitrag am 11.03.2009, 12:21 von Don Carlos geändert]
  • wolfi

    3wolfi schrieb am 14.03.2009, 14:06 Uhr:
    Meinungsfreiheit

    Die Umstände, die zum Rückzug der Bundesvorsitzenden der Vertriebenen Erika Steinbach aus dem Stiftungsbeirat geführt haben, ist ein Musterbeispiel dafür, wie in diesem Land über wichtige gesellschaftspolitische Themen dabattiert wird.
    Worum geht es? Polnische Politiker und Medien ist das geplante Dokumentationszentrum in Berlin ein Dorn im Auge, weil es als ein Beispiel unter vielen auch das Schicksal der deutschen Vertriebenen aus Polen darstellen möchte.
    Deshalb die Polemik und die heftigen Angriffe aus Polen auf Frau Steinbach. Dort hat man weiterhin ein Interesse dieses Thema zu tabuisieren, d.h. unter dem Deckmantel der deutschen Untaten, die Vertreibung der deutschen Bevölkerung herunterzuspielen, totzuschweigen.
    Beschämend ist für mich die Reaktion bundesdeutscher Politiker und Journalisten, die sich auf die polnische Seite schlagen und den erzwungenen Rücktritt von Frau Steinbach begrüßen.
    Wie in der BRD über das geplante Dokumentationszentrum berichtet wurde, ist für mich ein treffendes Beispiel dafür, wie sich in diesem Land eine Minderheit bei allen wichtigen gesellschaftspolitischen Themen durchzusetzen vermag. Nur eine "politisch korrekte" Meinung wird toleriert und zugelassen.
    Der Trick ist ganz einfach mit dem diese Minderheit Erfolg hat: Die Themen werden moralisiert und emotionalisiert, der politische Gegner diffamiert und mit der moralischen Keule erschlagen. Dazu kommt noch Polemik, die Verbreitung von unsachlichen Behauptungen, von Lügen, die Verdrehung von Tatsachen.
    Beschämend wie sich Politiker aus dem grün-linken Spektrum auf die Seite Polens schlagen, um die verhasste und unliebsame konservative Politikerin zu treffen.
    Für mich ein Zeichen für die tiefe Zerrissenheit und Gespaltenheit in unserer Gesellschaft.
    Bisher sind die Moralaposteln und selbsternannten "Gutmenschen" auch nicht dadurch aufgefallen, dass sie sich um eine sachliche Auseinandersetzung in der Vertriebenfrage bemüht haben. Sie waren es selber, die in den vergangenen Jahrzehnnten erfolgreich die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten tabuisiert haben. Nun machen sie munter weiter und bestimmen durch eine oft einseitige Berichterstattung in den Medien, was zu sagen ist, was "gut" und "böse" ist, welche Meinung der Bürger zu einzelnen Themen vertreten soll.
    Kaum jemand entlarvt diese Heuchelei und beklagt die Tendenz zur Aushöhlung der Meinungsfreiheit in Deutschland.
    Wer eine (eigene)andere Meinung vertritt wird medial fertig gemacht (oder man verschweigt seine Position).
    Soviel zum Thema "Meinungsfreiheit" in diesem Land - am Beispiel der Debatte um das Vertriebenzentrum in Berlin.
  • Don Carlos

    4Don Carlos schrieb am 14.03.2009, 20:22 Uhr:
    Treffend analysiert, Wolfi! Die Feigheit, das Duckmäusertum, das Angepasstsein, der Konformismus, der nackte Materialismus, der Egoismus, die Vorteilswirtschaft etc. haben die Menschen im Kommunismus ( und anderen totalitären Systemen) fügsam und furchtsam gemacht - und sie sich selbst entfremdet.

    Die Resultate sind bekannt : Unfreiheit, Kuschen ,Ducken, Servilität etc.
    Alle Diktaturen leben von Einschüchterung und vom Opportunismus der Laufbahngierigen, die keine Moral haben, nur ein Pseudo-Moral, dieser aber alles opfern, alle Prinzipien, alle Werte, den Anstand und die Würde.

    Inzwischen haben Demagogie und Lüge in globaler Ausdehnung auch das christliche Abendland erreicht!

    Was ist aus der Freiheit des Christenmenschen geworden, von der Luther sprach? Eine Gaukelei?

    Ich fahre in diesem Kommentar hier seit meiner Anmeldung eine sehr einsame Bahn der Moralität - in permanenter Diffamierungsgefahr und im Kampf gegen Obskurantismen und Windmühlenflügel aller Art.

    Weiter gemacht habe ich, in der Hoffnung, dass die einsame Spezies der fast schon aussterbenden Nonkonformisten ( das Gegenstück zu den Ja-und-Amen-Sagern), doch noch zunehmen wird, Leute, ja Charaktere, die offen ihre Meinung sagen und von dem hohen Wert der Meinungsfreiheit, den uns unsere Verfassung garantiert, guten Gebrauch machen.
    Carl Gibson.

    [Beitrag am 14.03.2009, 20:27 von Don Carlos geändert]
  • Scheibi

    5Scheibi schrieb am 14.03.2009, 21:36 Uhr:
    In den letzten beiden Beiträgen erkenne ich Gedanken und Gefühle, die mich immer wieder umtreiben, wenn ich merke, dass sich in unserer Gemeinschaft gar nicht viel entwickeln kann, weil das Harmoniebedürfnis die Menschen lähmt.
    Von der Meinungsfreiheit, die uns die Verfassung garantiert, wollen selbst die Führungsgremien unseres Verbandes wenig Gebrauch machen. Als Störerrin der "heilen Welt" hatte ich oft meine liebe Not. Nur "politisch korrekte" Meinung wird toleriert und zugelassen. In den Parteien nennt man dies Verhalten Fraktionszwang.
    Tragisch, fehlt der Durchblick oder läuft man - MANN/FRAU - einfach mit, weil der Vordermann es tut....??
    Mit Schön-Rederei und Malerei, vorallem in Berichten der SBZ, habe ich das Gefühl, dass man sich MUTMACHEN muss, um die Fatalität der Situation nicht zu erkennen und zu ertragen.
    Als spontanes Beispiel fällt mir die Formulierung des Berichts über "den GROSSEN siebenbürger BALL in München" ein, wo das Bild Bände spricht und von ca.200 Besuchern die Rede ist.
    Dimensionen werden oft in Zeit, Raum und Großenordnungen verzerrt.
    Ob das wohl gewollt oder unbewußt produziert wird, ist die Frage?
    Die Hoffnung in der Sibi-Szene unserer Generation NONKONFORMISTEN zu finden, ist sicher schwer. Unsere Kinder haben es, gottseidank, schon in den frühen Kinderjahren gelernt, sich emotional-sozial anhand von Diskussionsstrategien und Konfliktmanagement im Alltag gut durchzuschlagen.
    Nur Mut auch im Alter ist man noch lernfähig, vorausgestzt man will es.
    Hannelore Scheiber


    [Beitrag am 14.03.2009, 21:43 von Scheibi geändert]
  • wolfi

    6wolfi schrieb am 15.03.2009, 00:34 Uhr:
    Nonkonformisten

    Es gibt sie doch noch, die Nonkonformisten, auch unter uns Siebenbürger Sachsen. Erfreulich - wie es die zwei letzten Beiträge zeigen.
    Als Siebenbürger hat man es ja hier in D. doppelt schwer die eigene Meinung zu vertreten. Gelten wir doch bei vielen Einheimischen als "Hinterwälder", die als "Zugereiste" keine Ahnung von den hiesigen gesellschaftlichen Problemen haben. Aber viele Siebenbürger haben eben dieses feine Gespür dafür, wenn Leute diskriminiert werden und wenn Reden und Taten nicht übereinstimmen. Freilich waren viele geblendet von dem "goldenen Westen", nur so kann man sich auch erklären, weshalb die massive Auswanderung zum "kollektiven Selbstmord" unserer sächsischen Gemeinschaft führen konnte (Auch dieser Realität in die Augen zu sehen, fällt vielen schwer, daher die "Schönfärberei").
    In der kommunistischen Zeit wurde so grob gelogen, dass man wußte: das Gegenteil dessen was propagiert wurde ist richtig.
    Hier im Westen lügt man subtiler. Dazu kommt noch, dass man nicht sehen will, dass sich diese Gesellschaft in einer tiefen Identitäts-Krise befindet.
    Viele ahnen und spüren es, aber sie scheuen sich diese Tatsache zuzugeben. Man lügt sich in die eigene Tasche, weil der Mut fehlt unbequeme Wahrheiten wahrzunehmen und auszusprechen.
    Andererseits kann es gefährlich werden, wenn man gewisse Tatsachen anspricht und Heuchelei aufdeckt. Das war zu allen Zeiten so. Die Nonkonformisten mußten oft leiden, ja manchmal kann es auch lebensgefährlich werden wenn man Heuchelei und Lüge demaskiert. Einer hat vor 2000 Jahren diesen Mut gehabt, die Scheinheiligkeit vieler seiner Zeitgenossen aufzudecken und Mißstände beim Namen zu nennen. Was mit ihm geschah ist bekannt.
    DON CARLOS schreibt von der "christlichen Freiheit". Was ist aber damit gemeint? Da herrscht heillose Verwirrung auch in christlichen Kreisen.
    Luther hat den Mut gehabt, die Korruption der damaligen katholischen Kirche aufzudecken. Die "Freiheit des Wortes" ist eine wichtige reformatorische Errungenschaft, die gerade in der Evangelischen Kirche geschätzt werden sollte. wo finden wir sie heute? Stattdessen hecheln die meisten Kirchenleute dem "Zeitgeist" hinterher und versuchen ja nicht anzuecken. Man will niemanden vor den Kopf stoßen, oder weh tun, es könnten ja Kirchensteuerzahler sein, die dann mit dem Austritt drohen!
    Wo sind heute mutige Menschen, die wie die biblischen Propheten die Scheinheiligkeit und die gesellschaftlichen Mißständen ihrer Zeit schonungslos kritisieren? Stattdessen hängt man im Raum der Kirche sein Mäntelchen nach dem Wind. Es herrscht zwar (in der Theorie) nach außen Meinungsfreiheit, aber was nutzt dieses Recht, wenn es kaum jemand in Anspruch nimmt? Niemand will gegen den Strom schwimmen. Wer sich der allgemein verbreiteten politisch "korrekten Meinung" nicht anschließt, hat es schwer und muß leiden.
    Für mich sind auch keine Zeichen zu erkennen, dass sich diese unbefriedigende Situation zum Guten verändert. Die Verfallserscheinungen dieser Gesellschaft nehmen an Deutlichkeit zu. "Dekadenz" warfen die Kommunisten dem Westen vor - und an diesem einen Punkt muß ich ihnen Recht geben.
    Ein Land in dem nur Individualismus, Ellenbogenmentalität und rücksichtloses Freiheitsstreben herrscht hat keine Zukunftschancen.
    Wenn man sich seiner Identität nicht bewußt ist, wird man zum Spielball anderer, fremder Interessen. Wer nicht weiß wer er ist und was er will, wird von anderen nicht Ernst genommen und wird auch die Zukunft nicht meistern können.
    Zugegeben, meine Analyse klingt nicht gerade optimistisch, aber ich befürchte, dass eine spaßorientierte Gesellschaft, die weiterhin nur materiellen Werten nachläuft und als obersten Gott das Geld anbetet, nicht die Fähigkeit zum Umdenken und zur Umkehr besitzt.
    Wie sollte sie auch, da das Reden vom "christlichen Abendland" auch nur nur noch eine schöne Floskel ist. Wir leben in einer materialistischen Gesellschaft, die mit ihrer Wissenschaftsgläubigkeit unser Denken und Fühlen in einem sehr hohen Maße bestimmt. Gott, Kirche und Glauben sind für die meisten nur noch schmückendes Beiwerk, Dekoration, wenn sie sich überhaupt noch für diese Dinge interessieren (Leider lassen sich auch viele ausgewanderten Siebenbürger von dieser religiösen Indifferenz allzuleicht anstecken und vergessen sehr schnell, welch wichtige Rolle Kirche und Glauben in der alten Heimat hatten).
    Zu SCHEIBI: Wie unsere Kinder die Zukunft meistern werden, können wir natürlich nicht voraussagen. Sie sind ja zum Teil auch so geprägt worden, fremde Meinungen nachzuplappern und bei gewissen politischen Themen nur eine Meinung zu vertreten. Wenn wir ihnen wenigstens ein bißchen "Nonkonformismus" mitgeben, haben wir viel erreicht. Sie sollen Originale werden und keine Kopien!
    Nun, es gibt trotz allem Dunklen Lichtblicke und der Austausch mit Menschen, die ähnlich empfinden, denken und fühlen gehört dazu und tut gut.
    Helmut Wolff
  • Don Carlos

    7Don Carlos schrieb am 15.03.2009, 09:47 Uhr:
    Uns fehlt das tiefer gehende Nachdenken über die Situation der Jetztzeit. Wer diesen Prozess aufnimmt, wird bald feststellen, dass wir fast alle in einer Uneigentlichkeit leben.
    Wir führen eine Als-Ob-Existenz in einer Tretmühle, die uns Staat und Gesellschaft aufzwingen mit Werten, die sich weit vom eigentlichen Menschsein entfernt haben.

    Seitdem die Lüge den Westen erreicht hat, steht alles auf dem Kopf.

    Zur Zeit von Präsident Carter war Amerika die Leitnation der Freiheit - mit George W. Bush machte die Philosophie von Guantanamo alles zunichte, was abendländische Freiheit im Sinne von Aufklärung und Reformation bedeutete.

    jetzt triumphiert die Lüge in vielen Formen - und keiner kann oder will sich wehren!

    Identität!?
    Wer weiß noch, woher er stammt?
    Wir sind eine verschaukelte Generation - und unsere Kinder sollten wissen, was ihre Herkunft ausmacht. Wer nicht weiß, woher er stammt, wird auch nie wissen, wohin er will.
    Herkunft bestimmt die Zukunft - auch im Metaphysischen.

    Über die vielen Begriffe und Phänomene, wolfi, die Sie weiter oben mit seltener Klarsicht angesprochen haben, schrieb ich hunderte Seiten.
    Wer will solche Botschaften hören in einer von falschen Werten determinierten Zeit, wo das Platte und das Oberflächliche alles bestimmen und die humanistische Kultur von Jahrhunderten auf einen Schlag kaputt machen.
    Die Heuchelei ist unser Unglück, denn sie führt alles ad absurdum.

    Wir leben in einer Welt der falschen Symbole und Signale - und die Akteure von heute, unserere oft kulturlosen Politiker, sind nicht in der Lage, die Tragweite bestimmter Entwicklungen zu erfassen.

    Unsere aus dem Osten mitgebrachten und in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus entstandenen Erfahrungen werden weder gehört, noch verstanden.

    Aber es gibt Hoffnung. Am Anfang stehen immer wenige einsame Rufer in der Wüste, die dann mehr werden.
    Die "Dekadenz" hat zum Untergang ganzer Weltreiche geführt.
    Hoffen wir, dass der Westen noch auf den Untergang der Titanic aufmerksam wird, bevor die Unsinkbare doch noch sinkt.
    Carl Gibson
  • Johann

    8Johann schrieb am 15.03.2009, 14:07 Uhr:
    'Wer zu wissen beginnt, schweigt.' Rainer Maria Rilke
    Wir plappern immer noch.
  • Don Carlos

    9Don Carlos schrieb am 15.03.2009, 16:01 Uhr:
    Wir reden, Johann! Und das Reden ist manchmal notwendiger als das Schweigen, gerade wenn es um Wahrheitsfindung und Aufklärung geht.
    Wenn wir nicht klar und deutlich unsere Positionen artikulieren, dann gehen sie unter.
    Auch Rilke wäre nie gehört worden, wenn er nicht als Dichter gesprochen hätte!
    Alle Philosophen und Religionsstifter redeten, nachdem sie lange in der Wüste Einkehr gehalten und geschwiegen hatten.
    Es gibt eine Zeit des Redens und eine des Schweigens - unreflektiertes Reden ( das Gerede!) praktizieren diejenigen, Johann, die den Sinn und die Funktion von Worten noch nicht durchschaut haben.

    Carl Gibson
  • wolfi

    10wolfi schrieb am 15.03.2009, 22:28 Uhr:
    Schweigen

    Ein schönes Wort von Rilke. Er hat jedoch auch nicht immer geschwiegen (und JOHANN auch nicht mit seiner lapidaren Bemerkung). Man sollte zwischen Reden und Plappern unterscheiden. Es gibt Leute, die viele Worte machen, aber nichts zu sagen haben.
    Ich glaube, Rilke wollte mit seiner Bemerkung darauf hinweisen, dass wir mit unseren Worten immer an Grenzen stoßen. Manchmal ist Schweigen angebracht, wenn man erkennt, dass man mit seinen Worten nicht viel erreichen kann.
    Worte können sehr leicht mißverstanden werden, der andere liest etwas hinein, was man gar nicht gemeint hat, oder man drückt mit seinen Worten etwas aus, was man gar nicht meint. Sprache ist ja eine späte Ausdrucksform der menschlichen Kommunikation. Zynisch könnte man behaupten, sie wurde erfunden, damit Menschen ihre wahren Gedanken und Gefühle verbergen können!
    Wir sollten nicht vergessen, wie wichtig die nonverbale Kommunikation ist: wenn wir einen anderen wahrnehmen, ihm in die Augen sehen und uns mit ihm über Blicke austauschen (Augen als Fenster zur Seele). Künstler z.B.können durch ein Musikstück, oder durch ein gemaltes Bild ihre wahren Gefühle und Gedanken viel besser ausdrücken als durch Worte.
    Genug der Worte, jetzt ist Zeit zum Schweigen.
  • hein

    11 • hein schrieb am 15.03.2009, 23:53 Uhr:
    Tja, am besten wir lösen die Causa Steinbach in Gebärdensprache.
  • Don Carlos

    12Don Carlos schrieb am 16.03.2009, 00:08 Uhr:
    Gut kommentiert, hein! Wolfi hebt die treffend diagnostizierten Schächen dieser Gesellschaft in seinem Plädoyer für das Schweigen wieder auf.

    Wie lange sollen wir noch schweigen?
    Wie lange dauert das "Jetzt"? Das nunc stans!
    Einen Augenblick oder eine Ewigkeit?

    Schweigen impliziert Nichthandeln und Passivität auch im Politischen!
    Und selbst erkenntnistheoretisch sagt es gar nichts aus!
    Wie viele einfältige deutsche Michel und Hanswurst-Typen habe ich als Schweigende erlebt?
    Bewegt haben sie nichts.

    Und der Gang nach Canossa der Erika Steinbach war das falsche Signal für die gesamte Vertriebenen-Gemeinschaft.
    Weshalb beugte sich sich dempolitischen Druck?
    Aus Opportunismus?
    Um der eigenen Laufbahn willen?
    Aus Schwäche?
    Oder aus Gründen der Staatsraison?

    Vielleicht ist sie tatsächlich die falsche Person als Speerspitze der Verfolgten aus dem Osten?

    Womit wir wieder beim Thema wären - bei der Schlange, die sich in den Schwanz beißt - oder bei der Ewigen Wiederkehr des Gleichen im Sinne Nietzsches.
    Carl Gibson
  • wolfi

    13wolfi schrieb am 16.03.2009, 01:07 Uhr:
    Schweigen 2

    Als ich im letzten Beitrag schrieb "Jetzt ist die Zeit zum Schweigen" meinte ich das persönlich, auf mich bezogen: genug gedacht, geschrieben, es ist Zeit ins Bett zu gehen, zu schlafen (dann schweigt man ja meistens)!
    Wie mein letzter Satz von anderen aufgefasst wurde, zeigt überdeutlich, wie mißverständlich die Kommunikation mittels Sprache ist.
    Übrigens: Wenn man den Austausch im Forum als "Plappern" bezeichnet ist das für mich ein Zeichen von Arroganz. Wie heißt das Sprichwort: Hättest du geschwiegen, so würde man dich für einen Weisen halten (oder so ähnlich).
    "Plappern" ist für mich ein belangloses Reden, viele Worte machen, aber nichts zu sagen haben, "dummes Geschwätz", wie die Schwaben sagen.
    Es ist kein "Plappern" wenn man sich Gedanken macht über den Zustand der politischen Kultur in diesem Land am Beispiel der Debatte um Erika Steinbach, wenn man von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch macht und Einseitigkeiten und Tabus anspricht.
  • Don Carlos

    14Don Carlos schrieb am 16.03.2009, 10:48 Uhr:
    Eine "offene Gesellschaft" lebt vom "offenen Wort", von der "freien Meinungsäußerung" in allen Bereichen der Existenz.
    Die eingeschüchterten und verunsicherten Neubürger im Westen sollten von diesen elementaren Freiheiten und Bürgerrechten, für die Jahrhunderte gekämpft und gestritten wurde, guten Gebrauch machen.

    Das ist Politik - und das ist auch Streitkultur im Sinne früher Humanisten und Reformatoren wie Martin Luther.

    Die Aufklärung fiel nicht vom Himmel.
    Jetzt, wo wir Freiheiten haben, sollten wir davon Gebrauch machen, natürlich nicht schrankenlos und enthemmt, sondern innnerhalb der Grenzen des kategorischen Imperativs.

    Ich freue mich, wenn die Zahl der "Gesichtslosen" hier im Forum zurückgeht und wenn dementsprechend die Zahl der Charaktere mit offenem Visier hier zunimmt.

    Jeder Mensch, jedes Individuum soll offen zu seiner Meinung stehen und diese voll und ganz vertreten. So entsteht eine politische und zugleich geistige Kultur.

    Die Zeit der Meuchler mit dem Dolch im Gewande und mit der Giftflasche beim Symposion a la Cesare Borgia ist vorbei.

    Wozu also noch ein "Nickname" und ein aus dem Verborgenen mit Schmutz werfen, wenn jeder zu seiner Position stehen kann - von Erika Steinbach bis zum einfachen Bürger mit gesundem Menschenverstand.

    Carl Gibson
  • joker

    15joker schrieb am 16.03.2009, 13:10 Uhr:
    Ein sehr interessanter Podcast zum Thema findet ihr auf dradio: Krise als Normalität? Deutsche und Polen in Europa
    Gesprächsleitung: Norbert Seitz

    Im Vorfeld des von der Bundesregierung unterstützten Vertriebenen-Projektes "Flucht, Vertreibung und Versöhnung" ist es in den letzten Wochen zu einer deutsch-polnischen Kontroverse gekommen.

    Mit dem Verlauf und den Konsequenzen des Streits befasst sich das Kulturgespräch.

    Diskussionsteilnehmer:
    - Helga Hirsch, Publizistin
    - Basil Kerski, deutsch-polnischer Journalist
    - Thomas Urban, Polen-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/03/13/dlf_20090313_1915_7f7f0bab.mp3

    hört mal rein! Sehr empfehlenswert!

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