3. Mai 2020

Geistliches Wort der Heimatkirche: Jubel ist auch in diesen Zeiten möglich

Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien bedeutet nicht nur Kirchen, Kirchenburgen, Kirchengemeinden und Pfarrer. So kommt mit dem heutigen geistlichen Wort etwas anders im Blick, denn es schreibt Frau Petra Stöckmann, Diakonin des Carl-Wolff-Heimes in Hermannstadt. Hier im Altenheim sind die 104 Alten und Ältesten schon seit Wochen von der Welt abgeschnitten und leben mit ihren Sorgen und Ängsten für sich allein. Diese Menschen dürfen wir vor Augen haben, wenn wir uns mit Frau Stöckmann auf einen geistlichen Weg begeben. Jeden Samstag 17:00 Uhr predigt sie für diese unsere besondere Gemeinde.
Dritter Sonntag nach Ostern (Jubilate)

Jesus spricht: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein, um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“ (Johannes 15,1-8)
Das Carl-Wolff-Heim in Hermannstadt ist mit ...
Das Carl-Wolff-Heim in Hermannstadt ist mit unseren 104 Großvätern und Großmüttern auch eine der Predigtstationen der EKR. Regelmäßig am Samstag um 17.00 Uhr trifft sich die wohl stabilste Gemeinde zu ihrem Gottesdienst. Foto: Stefan Bichler

Den Jubel nicht vergessen!

Jubilate: In dieser Ausnahmezeit werden wir daran erinnert, dass wir – kirchliche gerechnet – in der Freudenzeit sind. Trotz Corona werden wir aufgefordert: jubelt, denn unser Herr ist auferstanden; jubelt, denn auch wir bekommen wie Er neues, ewiges Leben. Das sagt uns auch der Wochenspruch für diese Woche: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden!“ In der Schöpfung zeigt sich dieses Neu-Werden diese Tage besonders schön. Es grünt und blüht überall, alles scheint wieder neu zu werden. Gott lässt uns erneut seine Schöpfermacht erkennen und schenkt uns die Freude an wärmeren Tagen, zeigt uns seine Liebe mit dem Sonnenschein und der Farbenpracht an Blumen und Sträucher. Wenn wir nun auf uns und unseren Alltag sehen, blicken wir vielleicht erst einmal nur auf das, dass uns so vieles NICHT möglich ist, dass uns die Ausgangsbeschränkungen lästig werden und wir endlich wieder Normalität wollen! Und doch, wenn wir genau hinsehen, erkennen wir, dass Gott uns Gutes getan hat und weiterhin tut. Wir sehen, wie er uns bewahrt und uns auch durch schwere Stunden trägt. Wir erkennen, dass er uns besonders in diesen schweren Stunden beisteht. Er ist mit uns verbunden, er erfüllt uns mit seinem Geist und mit seiner Liebe. Genau davon spricht unser Bibelwort.

Wein an zentraler Stelle

Diakonin Petra Stöckmann stammt aus ...
Diakonin Petra Stöckmann stammt aus Norddeutschland und ist seit fast 30 Jahren Mitarbeiterin der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.
Das Bild, das Jesus an dieser Stelle des Johannesevangeliums gebraucht, um uns seine Botschaft mitzuteilen, ist gut bekannt. Weinstock, Reben, Trauben - das alles gehört zum Alltagsbild in Siebenbürgen. Wer irgend kann, hat einen Weinstock im Hof oder Garten. Weinstöcke, Trauben, Wein und Reben, das passt aber auch in die Landschaft Israels. Das Erzählen von den Weinstöcken und von dem Wein zieht sich durch die ganze Bibel. Noah pflanzte als erstes, als er aus der Arche kam, einen Weinberg an … und betrank sich ganz fürchterlich an seiner ersten Ernte! Das Volk Israel – als es aus Ägypten floh – feierte das Passahfest mit Wein, die Kelche wurden herumgereicht und festgelegte Worte dazu gesprochen. Als sie dann an der Grenze zum verheißenen Lande ankamen, brachten die Kundschafter riesengroße Weintrauben, als Zeichen für den Reichtum des Landes. Die Propheten verglichen das Volk immer wieder mit einem Weinberg, den Gott gepflanzt hatte. Selbst Jesus griff dieses Thema als Bild verschiedener Gleichnissen auf. Wein kommt bei ihm sogar an vorderster Stelle vor: Sein erstes Wunder war auf der Hochzeit zu Kana, als er Wasser in Wein verwandelte. Oder beim Abendmahl, als er den letzten Kelch Wein bei der Feier des Passahfestes mit seinen Jüngern umdeutete und dieser Wein sein Blut zur Vergebung der Sünden wurde.

Am Erlöser dran bleiben

In dem heutigen Wort aus dem Johannesevangelium nimmt Jesus nun wieder das Bild von Gott als dem Weingärtner auf. Er spricht diesmal von sich selber als dem Weinstock, dem gute Weinstock. Wir dagegen sind die Reben, die Frucht bringen. Ein Weingärtner sorgt auf seinen Weinstock, er besorgt ihn gut, bearbeitet ihn so, wie es nötig ist. Er achtet genau auf jede einzelne Rebe und weiß sie zu pflegen, damit sie gute Früchte bringt. Zur rechten Zeit und in der rechten Art beschneidet er die Reben, denn dann gibt es viel und gute Frucht. Beschneiden, Reinigen, Pflegen, Anbinden, und was vertrocknet ist und nur wild ins Blatt schießt, wird entfernt. Viele von euch kennen diese Arbeiten und wissen auch, dass es immer auf den rechten Zeitpunkt ankommt, es braucht Wissen und Erfahrung. Hier ist das alles Gottes Arbeit und wir dürfen die Frucht erbringen. Jesus der Erlöser wünscht es sich von uns, seinen Nachfolgern, dass wir am Weinstock bleiben und gute Frucht bringen, eben gute Rebe sind. Und wie Jesus das hier sagt, geht das „gute Frucht Bringen“ scheinbar selbstverständlich. Wie kommt das aber, jenseits der Bildsprache? Dafür brauchen wir zum einen Gottes Wort, die Bibel. Wenn wir sein Wort lesen und hören, damit leben und danach leben, bleiben wir mit Jesus verbunden. Gottes Wort zeigt uns, was Jesus von uns möchte. Wir lernen im Umgang damit dem Erlöser ähnlicher zu werden. Und mit dem Lesen nehmen wir quasi den Saft des Weinstockes in uns auf, weil Jesus durch sein Wort zu uns spricht. Er möchte aber auch, dass wir mit ihm reden. Darum heißt an ihm Bleiben auch Gebet. Beten ist unser Gespräch mit Jesus. Im Gebet und beim Lesen der Bibel erfahren wir, dass Jesus uns in solchen Augenblicken mit seiner Kraft und seinem Geist versorgt und wir Frucht für ihn bringen können. An Jesus bleiben hat immer Folgen. Eine Weinrebe, die an einem guten Weinstock wächst, bringt eben Frucht, bringt gute Trauben. Das ist eine Selbstverständlichkeit! So auch bei uns: Wenn wir Gottes Wort lesen, zu Jesus beten und dann tun, was uns dabei klar geworden ist – nämlich was er von uns will – dann sind wir wie eine gute Rebe und bringen gute Frucht!

Gefestigte Gemeinschaft

Wir sind dabei nicht allein. Ein Weinstock trägt niemals nur eine Rebe, es sind viele Reben an einem Weinstock. Wir Reben gehören zusammen. Jesus redet in Mehrzahl: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Jetzt, in dieser Zeit der Pandemie ist die Gemeinschaft mit anderen Christen sehr eingeschränkt, aber nicht unmöglich. Wir haben heute mit Telefon und Internet viele Möglichkeiten – auch über große Entfernungen hinweg – Gemeinschaft zu pflegen. Es ist anders, aber möglich! Eine Erfahrung können wir darum gerade in dieser Zeit machen: Wenn wir füreinander beten, entsteht eine starke Verbindung, eine besondere Gemeinschaft. Gebet ist in diesen Tagen wohl die größte Kraftquelle! Gebete mit Aussicht: Wenn wir an Jesus bleiben, also seine Worte in uns aufnehmen, mit ihm im Gebet verbunden sind, dann werden wir bitten, was wir wollen – es wird uns widerfahren. Probiere es einmal aus! Und ist das nicht ein Grund zum Jubeln? Jubilate, es ist Freudenzeit! Jauchzt unserem Herrn, weil doch unser Herr lebt und auferstanden ist. Wenn wir an ihm bleiben, uns ihm fest anschließen und von ihm gebrauchen lassen, werden wir Früchte bringen. Darum können wir auch heute fröhlich in den Jubel einstimmen – weil doch unser Herr an unsere Seite ist – auch in diesen Ausnahmezeiten!

Allmächtiger Gott, Du hast uns durch Deinen Sohn den Zugang zum ewigen Leben eröffnet und durch seine Auferstehung der ganzen Welt das Heil gebracht. Du willst, dass wir mit ihm verbunden bleiben und Frucht bringen wie die Reben am Weinstock. Reinige uns von allem, was uns von ihm trennen kann. Stärke uns in der Gewissheit, dass Du zusammen mit der ganzen Schöpfung auch uns vollenden wirst in Deinem Reich. Wir bitten heute im Gebet an Dich für alle, die in dieser Zeit für andere tätig sind: Für alle in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, für alle in den Läden und auf den Märkten. Erbarme dich derer, die sich angesteckt haben mit dem Virus und schenke ihnen Heilung. Erbarme Dich aber auch all unseren Alten in den Heimen, dass sie ihren Lebensabend in Ruhe führen können. Erquicke sie mit der frohen Botschaft, dass der auferstandene Heiland für sie lebt und seine Hände über sie hält zum Trost und zur Hilfe. Amen

Siebenbürgisches Gesangbuch 311, EKD 86 „Jesu meines Lebens Leben“ (YouTube)

Eine gesegnete und ruhige Woche von Seiten der Heimatkirche!

Diakonin Petra Stöckmann, Carl-Wolff-Heim

Schlagwörter: Geistliches Wort, EKR, Kirche und Heimat, Hermannstadt, Carl Wolff Altenheim

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