19. Januar 2003

Meisterwerke des Brukenthalmuseums in München

Vom 7. Februar bis zum 11. Mai 2003 werden 87 Bilder aus der Gemäldegalerie Samuel von Brukenthals, im Rahmen einer lange geplanten internationalen Sonderausstellung, in München gezeigt. „Barocke Samellust“ ist der Titel dieser außergewöhnlichen Schau, die Werke alter Meister aus zwei hochrangigen europäischen Sammlungen präsentiert: aus der des Gubernators von Siebenbürgen, in dessen Palais in Hermannstadt die Gemälde zum kostbarsten Bestand gehören, sowie aus dem reichhaltigen Fundus der Fürstbischöfe Schönborn in Wien. Dieser Vorbericht geht nur auf die Brukenthal'sche Sammlung ein, über die gesamte Ausstellung werden wir nach ihrer Eröffnung berichten.
Martin van Meytens (1695-1770): Samuel von Brukenthal (nach 1762). Öl auf Leinwand, Brukenthalmuseum in Hermannstadt.
Martin van Meytens (1695-1770): Samuel von Brukenthal (nach 1762). Öl auf Leinwand, Brukenthalmuseum in Hermannstadt.

Das „Haus der Kunst“ München präsentiert damit hier in westeuropäischem Umfeld - erstmals in so großer Anzahl - Gemälde aus dem bedeutendsten und ältesten Museum Siebenbürgens; sie werden nur in München gezeigt. Kulturhistorisch ist dieses Projekt, das neue Erkenntnisse in Forschung und Wissenschaft bringen kann, von großer Bedeutung. Eine Aufarbeitung steht an, zumal jetzt auch eine Magisterarbeit unter den Titel „Samuel von Brukenthal (1721 - 1803). Eine Untersuchung zur Geschichte und zum Charakter seiner Sammlung im Hermannstädter Museum“ von Christine Franziska-Lapping bei der Universität München (Philosophische Fakultät / Institut für Kunstgeschichte) eingereicht wurde.

Der "Mann mit der blauen Sendelbinde" des Jan van Eyck (1390-1441), ein kleinformatiges Gemälde, Öl auf Holz, 22,5 x 16,6 cm, ist das Kabninettstück der Brukental’schen Sammlung. Seit 1949 befindet es sich, mit den wertvollsten von Samuel von Brukenthal erworbenen Gemälden, in der Nationalgalerie in Bukarest.
Der "Mann mit der blauen Sendelbinde" des Jan van Eyck (1390-1441), ein kleinformatiges Gemälde, Öl auf Holz, 22,5 x 16,6 cm, ist das Kabninettstück der Brukental’schen Sammlung. Seit 1949 befindet es sich, mit den wertvollsten von Samuel von Brukenthal erworbenen Gemälden, in der Nationalgalerie in Bukarest.

Für alle Kenner und Bewunderer der Kunst - nicht nur Siebenbürgens - ist die Münchner Ausstellung ein Glücksfall, denn vieles aus der innerhalb kürzester Zeit, vor allem in Wien entstandenen Gemäldesammlung Brukenthals, ist hier erstmals wieder zu sehen. Die Anfänge seiner passionierten Sammeltätigkeit dürften um 1759 eingesetzt haben. 1777 wurden die Bilder auf dem Wasserweg Donau – Theiß – Mieresch bis Karlsburg und ab dort per Achse nach Hermannstadt gebracht. Es sollen rund 800 Gemälde gewesen sein. Bis zu seinem Tod am 9. April 1803 - der Todestag jährt sich während der Münchner Ausstellung zum 200. Mal - wurden im ältesten, handschriftlichen Katalog der Galerie 1 060 Gemälde eingehend beschrieben. Doch die Urheberschaft einiger Bilder konnte nicht immer festgestellt werden - sie wurden, ehrgeizig hochgelobt, mal diesem, mal jenem berühmten Maler zugeschrieben. Das änderte sich nach einer radikalen Revision ins Gegenteil: Die Bestände der Galerie wurden missachtet und total unterbewertet. Erst Mitte des 19. Jahrhunderte haben internationale Gelehrten den außerordentlichen Wert der Gemälde wieder erkannt.

Antonello da Messina (um 1430-1479), Kreuzigung. Öl auf Holz, 39,4 x 23 cm, heute in der Nationalgalerie in Bukarest.
Antonello da Messina (um 1430-1479), Kreuzigung. Öl auf Holz, 39,4 x 23 cm, heute in der Nationalgalerie in Bukarest.

Auf diesen Part, also auf eine Auswahl an seinerzeit von Brukenthal selbst erworbenen Gemälden, muss die Münchner Ausstellung sich beschränken. Dazu gehören, nach unserm Verständnis, auch die wertvollsten alten Gemälde, die 1949 an das neue Kunstmuseum in Bukarest abgegeben werden mussten. Diese stehen aber für München nicht zur Verfügung. Vergeblich wird man nach den Gemälden des Jan van Eyck, Hans Memling, Jakob Jordaens, Antonello da Messina u.a. Ausschau halten. So sollten sie zumindest im Katalog reproduziert werden, zumal eine Teilauflage des von den rumänischen Museumskuratoren verfassten und entsprechend illustrierten Katalogs, der hier gedruckt wird, auch an das Brukenthalmuseum nach Hermannstadt geliefert wird.

Um mit den Kuratoren in Hermannstadt und Bukarest auch weiter ins Gespräch zu kommen, plant das in München tätige Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas anlässlich der Ausstellungseröffnung ein Symposion, über das wir eigens berichten werden.

Hermann W. Schlandt


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 1 vom 15. Januar 2003, Seite 3)

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