25. September 2019

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Engagierter Historiker: Dr. Johann Böhm feiert 90. Geburtstag

Dr. Johann Böhm ist für zahlreiche Buchpublikationen und Aufsätze bekannt, die sich mit der von der NS-Ideologie geprägten Geschichte der deutschen Minderheit Rumäniens, aber auch des heutigen Serbien und Kroatien auseinandersetzen. Der im niedersächsischen Dinklage lebende Historiker feiert am 25. September seinen 90. Geburtstag.
Dr. Böhm zählt zur Erlebnisgeneration und schildert die vor 75 Jahren selbst erlebte Evakuierung aus Nordsiebenbürgen wie folgt: „Als die russische (sowjetische) Armee die Karpaten überquert hatte, wurden wir am 11. September 1944 unter Begleitung (Bewachung) der Waffen-SS nach Deutschland evakuiert (Österreich gehörte damals zu Deutschland). Am 9. Nov. 1944 erreichten wir St. Pölten und wurden auf die umliegenden Ortschaften verteilt. Als der Krieg zu Ende war, wollten meine Eltern und auch andere Siebenbürger Sachsen wieder zurück. Am 29. Mai 1945 wurden wir aus dem Lager von Hallein in ein Sammellager nach Salzburg gebracht – das sich neben dem Güterbahnhof befand. Hier wurden wir dann einwaggoniert und in die russische Besatzungszone gebracht. In Großwardein (rum. Oradea) wurden wir von der Lumpengarde (Rongosgarde) aus dem Zug getrieben und in das Lager von Großwardein gesteckt, in dem sich auch SS-Leute und deutsche Wehrmachtssoldaten befanden. Das Martyrium ging dann in Rumänien weiter.“

Dr. Böhm blickt auf eine erfolgreiche pädagogische Tätigkeit in Siebenbürgen und in Deutschland (bis 1986) und auf eine wissenschaftliche Betätigung im Rahmen des von ihm zusammen mit weiteren 24 Historikern, Soziologen, Schriftstellern und Germanisten am 29. August 1987 gegründeten Arbeitskreises für Geschichte und Kultur in Ostmittel- und Südosteuropa zurück. Ab Mai 1988 gab Böhm aus eigenen Mitteln die wissenschaftliche Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik heraus, deren Herausgabe und Erscheinen er aus Altersgründen 2017 einstellen musste. Dr. Johann Böhm ...Dr. Johann Böhm Der Arbeitskreis, dem Dr. Böhm vorsaß, setzte sich von Anbeginn das Ziel, die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen in den bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bzw. bis heute von Deutschen besiedelten Staaten Ostmittel- und Südosteuropas authentisch aufzuarbeiten. Die Notwendigkeit, sich in dieser Richtung zu betätigen, ergab sich für das Autorenkollektiv der Halbjahresschrift in der Hauptsache aus der Zähigkeit, mit der das Phänomen historischer Verharmlosungen in der Geschichtsforschung der deutschen Volksgruppen in Ostmittel- und Südosteuropa verwurzelt war. Mit der Halbjahresschrift wurden auf genauer Quellenerfassung und -auslegung beruhende Forschungsergebnisse veröffentlicht, wobei vor allem die braune und die rote Diktatur in Ostmittel- und Südosteuropa, von Albanien und den Staaten des ehemaligen Jugoslawien über Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei bis hin zur Ukraine und Russland wissenschaftlich erfasst wurde. Die Halbjahresschrift lieferte auch während ihres fast dreißigjährigen Bestehens eine umfassende Dokumentierung des wechselseitigen, spannungsgeladenen Verhältnisses zwischen den deutschen Minderheiten und den Staatsvölkern auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Die veröffentlichten Beiträge wurden von einer breiten, sachkundigen Leserschaft sowohl in Deutschland, als auch im Ausland beachtet und positiv bewertet. Die Schlagkraft der Halbjahresschrift veranlasste die Leitung des Instituts für Deutsche Kultur und Geschichte in Südosteuropa (IKGS) in München, die Rechte der Weiterführung der Zeitschrift zu erwerben, deren erste Folge demnächst erscheinen soll. Böhms letzte Publikation erschien unter dem Titel „Einfluss des Nationalsozialismus auf die Presse der deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und Jugoslawien“ (Peter Lang Edition, Frankfurt am Main etc. 2016).

Für seine wissenschaftliche Tätigkeit erhielt Johann Böhm zwei Literaturpreise und im Dezember 2005 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Klaus Popa

Schlagwörter: Jubilar, Böhm, Historiker, IKGS, Halbjahresschrift, Geschichte

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