17. September 2004

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Dr. Roland Phleps wird 80

Fast so sprichwörtlich wie das umbrische Licht ist das warme Sonnenlicht im Dreisamtal, da wo Freiburg liegt. Und wenn man am Waltersberg über der Stadt, im Stadtgarten oder anderen öffentlichen Plätzen spazieren geht, dann leuchten sie einem entgegen: schlanke, durch überraschende Formen und aparte Eleganz ausgewiesene Objekte, auf deren Wölbungen aus gebürstetem Edelstahl das Licht wie lebendig spielt.
Es sind Kunstobjekte, offene Skulpturen von Roland Phleps, über vier Jahrzehnte Arzt für Neurologie und Psychiatrie in Freiburg, Weltgereister von hoher klassischer Bildung, seit seinem Renten- lies Unruhe-Stand freischaffender Künstler, Gründer der "
Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps" (1997), Bauherr einer Kunsthalle in Freiburg (1999), die durch Funktionalität und schlichte Schönheit besticht, in der neben dem 1924 in Hermannstadt geborenen Künstler zeitgenössische Maler und Bildhauer, herausragende Vertreter der Konkreten Kunst, regelmäßig ausstellen.

Roland Phleps: "Das Tagwerk meiner Hände", "Große Spirale 2", Herbst 2002. Roland Phleps: "Das Tagwerk meiner Hände", "Große Spirale 2", Herbst 2002.

Die Anfänge der künstlerischen Arbeit von Roland Phleps liegen "im Spielen und Experimentieren mit geometrisch bestimmten Formen, ... Variationen eines Themas". (R. Ph.) Als Vertreter der Konkreten Kunst ist sein Thema nicht die Nachbildung oder die Sublimierung ins Abstrakte des natürlich Seienden, vielmehr fasziniert ihn, wie den mathematisch, geometrisch definierten Grundformen ästhetischer Reiz abgewonnen werden kann. Dabei ist sein "künstlerisches Spielmaterial" eine Vielzahl von aus Stahl geschnittenen geometrischen Elementen, deren individuelle Verformung, Kombination und Variation zu immer neuen Gestalten, Kunstobjekten, führt. Seine Bauelemente, Module, sind vor allem Kreis, Ellipse, Quadrat und Dreieck, und er wandelt sie aus Zweidimensionalität der Fläche in den Raum, er biegt sie sozusagen in die sphärische Geometrie und schafft eine große Möglichkeit ihrer weiteren konstruktiven Verbindungen.

Der Künstler hat seinen idealen Werkstoff gefunden: "Ich liebe Edelstahl". Dessen Blech lässt sich elastisch biegen, präzise maschinell schneiden, runden, punktuell schweißen. Das Licht auf den geschmeidigen Rundungen, fein schattiert, steht in heiterem, suggestivem Bezug zu den dunklen Räumen, die die offene Skulptur umschließen. Eigentlich gehört das Wort "suggestiv" nicht in den Definitionsbereich der Konkreten Kunst. Aber Phleps reicht mathematische und konstruktive Perfektion nicht aus, um einem Opus den Rang eines Kunstwerkes zuzusprechen: "Ein Kunstwerk kann nicht nur aus der Ratio hervorgehen, (es muss) ins Poetische oder Musikalische hinüberreichen", "meine Skulpturen wenden sich primär an das ästhetische Empfinden des Betrachters, an seine Aufgeschlossenheit und seine Bereitschaft zur Resonanz, etwa wie beim Hören von Musik. " (R. Ph.). Seine Skulpturen sind in ihrer ergreifenden Schlichtheit schön im Sinne Platos, der die Schönheit am reinsten nicht in der gestalterischen Imitation des Bildwerkes, sondern in geometrischen Linien und Flächen und geometrisch definierten Körpern findet.

Das ist sehr wohl Definitionsbereich der Konkreten Kunst, die darauf besteht, dass ihre Werke keine Bedeutung intendieren, nur sie selbst sind, sonst nichts, Zero! Phleps geht aber weiter, wenn er den Wert der Schönheit als Anspruch an das Kunstwerk formuliert, auch wenn " für viele Künstler und Kunstbetrachter" unserer Zeit Schönheit als Wert in der Kunst "obsolet" ist, als indiskutabel abgetan wird. Die Sehnsucht nach Schönheit in allen ihren Manifestationen ist dem Menschen immanent, denn er ist "dafür mit Augen und allen Sinnen begabt".

Und noch einen Schritt weiter vom strengen Statut der Konkreten Kunst geht dieser Künstler, wenn er seinen Werken inhaltliche Suggestivität zugesteht, ja sogar eine inhaltliche Thematik tituliert; da heißen Werke der Serie " Kreisbogen Dreiecke" augenzwinkernd: " Dicker Fisch", "Offenes Boot", "Offen und bergend", und solche der Serie "Synchron Parallel": "Pas de deux", "Wellen", "Brandung" u.a.m.

Nach-Denken verborgener konstruktiver Gedanken kann zu einem intellektuellen Vergnügen führen und die Freude am Schönen ist ein emotionales, humanes Element. Beides erlebt man beim Betrachten von Kunstwerken von Roland Phleps und ein zusätzliches Vergnügen bereitet es, wenn man sich in die Bilder- und verbalisierte Gedankenwelt dieses Künstlers und hochgebildeten, mit Humor begnadeten Menschenkenners begibt, dann, wenn man seine Kataloge " Stahlskulpturen" in Folge I, II und III anschaut, liest. Roland Phleps war " in den Krieg gegangen und mit dem Leben davongekommen". Sein Leben hat seither immer " sub specie mortalitatis" gestanden, somit in der Verpflichtung und im Bestreben es zu nutzen, es intensiv und bewusst zu leben.

Roland Phleps, nach langen und erfüllten Jahrzehnten im Arztberuf eine Persönlichkeit im öffentlichen Leben Freiburgs, seit rund dreizehn Jahren Kunstschaffender und Kunstförderer, ist achtzig Jahre alt geworden. Den herzlichen Glückwunsch für das Geleistete verbinden wir mit den besten Wünschen für Gesundheit und Schaffenskraft Glück und Freude mit der lieben Familie und – carpe diem!

Karin Servatius-Speck


Zum 80. Geburtstag von Roland Phleps findet in der Kunsthalle der "
Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps" Freiburg-Zähringen, Pochgasse 73, am 19. September 2004 um 11.00 Uhr die Eröffnung der Jubiläumsausstellung " Begegnungen" statt, mit Skulpturen und Bildern von Roland Phleps und acht Künstlern, die in fünf Jahren Gäste der Stiftung waren (Adler, Mack, Morandini, Muthofer, Siepmann, Staechelin, van Look, Waibel). Noch bis zum 14. November ist diese Ausstellung samstags von 15.00 - 17.00 Uhr und sonntags von 11.30 - 13.30 Uhr geöffnet.

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