16. März 2005

Hohenzollern regierten Rumänien 81 Jahre

Dem Historiker Dr. Michael Kroner ist es gelungen, die Lebensbilder der vier Hohenzollern-Monarchen von Rumänien so reich an Details und interessant zu erzählen, dass sein neuestes Buch eine spannende Lektüre wie ein historischer Roman bietet. Dargestellt wird die Geschichte der Herrschaft der vier Könige aus dieser Dynastie: Karl I. (1866-1914), Ferdinand I. (1914-1927), Karl II. (1930-1940) und Michael I. (1927-1930, 1940-1947).
Dieses biographische Buch über die Hohenzollern-Könige, die 81 Jahre Rumänien regierten - davon Karl I. allein 48 Jahre -, gibt zudem einen Überblick über 150 Jahre rumänischer Geschichte und das frei von nationalen und ideologischen Entstellungen. Das Thema Monarchie war im kommunistischen Rumänien tabu, es sei denn, es wurde an der Regierung der Könige gehässige Kritik geübt. Diese Einstellung hat sich erst nach der Wende geändert. Es gibt zahlreiche Untersuchungen über das Wirken der Hohenzollern in Rumänien, und Michael Kroners Buch kann sich auf ein reiches älteres und neues rumänisches und deutsches Quellenmaterial stützen. Seine Darstellung ist wissenschaftlich exakt, doch auch für den Laien gut verständlich. Von Zitaten wird reichlich Gebrauch gemacht. Ein gut ausgewähltes, z.T. sonst schwer zugängliches Bildmaterial, ergänzt sinnvoll die Texte.




Karl I.’ Leben und Wirken zieht wie ein Film vor unseren Augen vorbei: die abenteuerliche Reise des Fürsten nach Rumänien; der Unabhängigkeitskrieg; die Krönung des Königs mit der Stahlkrone, die aus bei Plevna erbeuteten Kanonen gegossen war; die harmonische Ehe mit Elisabeth von Wied, die unter dem Namen Carmen Sylva als Dichterin bekannt wurde; Festlegung der Thronfolge durch die Adoption Ferdinands; der zweite Balkankrieg etc. Karl I. hat sich mit rumänischem Wesen wenig identifiziert – er fühlte sich stark Preußen und Deutschland verpflichtet. Er war gefühlsmäßig Deutscher, als König aber ein „treuer Rumäne“.

König Ferdinands I.’ Regierungszeit ist überschattet von der Teilnahme Rumäniens an der Seite der Entente. Als „besiegter Sieger“ stieg das Land zu Großrumänien empor. Introvertiert und unsicher im Auftreten, stand Ferdinand unter dem Einfluss der mondänen, selbstsicheren Königin Maria, die ihn beherrschte und seine politische Stellung beeinflusste.

Sein Sohn Karl II., sprachbegabt und selbstbewusst, charakterlos und korrupt, Liebhaber schneller Autos und Philatelist, war unberechenbar und als Erotomane ständig in Liebesaffären verwickelt. Nach der Scheidung von Zizi Lambrino - es war eine morganatische Ehe – und nach der standesgemäßen Heirat mit Prinzessin Elena von Griechenland hatte er ein berüchtigtes Verhältnis mit Elena Lupescu, die er später im Exil auch heiratete. Von ihr war er Zeit seines Lebens in jeder Beziehung abhängig. Nicht weniger als viermal verzichtete er auf den Thron, das letzte Mal, um endgültig außer Landes ins Exil zu gehen. Die politischen Zustände waren unter seiner Regierung chaotisch, Intrigen, ja politische Morde an der Tagesordnung. Man wird an Caragiales satirische Komödie „Ein verlorener Brief“ erinnert. Wenn in der Zeit der Volksdemokratie Historiker und Journalisten Negatives über die Monarchie berichteten, so war es ihnen nicht schwer, dafür Argumente in Karls Lebensstil und Machenschaften zu finden.

Der junge König Michael I. war volkstümlich, beliebt. Es kam z.B. immer wieder vor, dass spontaner Applaus des Publikums ausbrach, wenn bei einer Filmvorführung in der Wochenschau der König einige Sekunden zu sehen war. Seine Regierungszeit fiel in eine schwierige Epoche der Geschichte des Landes: Aufsteig der Legionäre, Militärdiktatur von Marschall Ion Antonescu, Teilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion und nach dem Frontwechsel gegen Deutschland, Sowjetisierung des Landes nach russischer Besetzung. König Michael konnte sich trotzdem noch zwei Jahre nach Beginn der Kommunistischen Umgestaltung des Landes halten. Dann wurde er zur Abdankung gezwungen und verließ 26-jährig das Land. Als er nach der Wende Rumänien besuchte, wurde er von der Bevölkerung jubelnd empfangen, doch erfüllte sich seine Hoffnung nicht, auf den Thron zurückgerufen zu werden. So endete 1947 die Herrschaft der Hohenzollern in Rumänien nach 81 Jahren.

Ein empfehlenswertes Buch, das sowohl Historiker wie auch geschichtswissenschaftlich interessierte Laien mit Gewinn lesen.

Walter Roth


Michael Kroner, Die Hohenzollern als Könige von Rumänien. Lebensbilder von vier Monarchen 1866-2004. Johannis Reeg Verlag, Heilbronn, 2004, 183 Seiten, 36 Abbildungen und 3 Karten, ISBN 3-937320-30-X. Zu bestellen im Buchhandel, über den SiebenbuergeR.de-Shop oder beim Johannis Reeg Verlag, Michael-Vehe-Straße 19/1, 74078 Heilbronn, Telefon: (0 70 66) 9 11 80 89, Fax: (0 70 66) 91 20 59, E-Mail: service@johannis-reeg-verlag.de, zum Preis von 14,50 Euro, zuzüglich Versand.

Bewerten:

8 Bewertungen: ++

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.