24. März 2005

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Gelungener Kulturabend in Hildesheim

Ein äußerst gelungener Kulturabend hat am 18. März über 120 siebenbürgische Landsleute sowie Nichtsiebenbürger im Festsaal des Hildesheimer Kreishauses vereinigt und ihnen ein anrührendes Zusammensein beschert. Initiator und Motor der Veranstaltung war Kurt Freitag, stellvertretender Vorsitzender sowie Kultur- und Jugendreferent des Landesvorstands. Der aus Großalisch gebürtige Vierzigjährige, noch nicht allzu lang im Amt, gehört zu der Riege von Nachwuchsleuten, mit denen der Vorstand in den letzten Jahren verjüngt worden ist. Er und seine Mitstreiter haben in dessen Arbeit einen merklich frischeren Wind eingebracht.
Schon die Wahl des Veranstaltungsorts war mit Hildesheim ein kleines Wagnis gewesen und hatte von Erneuerungswillen gezeugt: Am Ort sind im Zuge der Aussiedlung zwar mehr und mehr Siebenbürger ansässig geworden, eine landsmannschaftliche Kreisgruppe gibt es in der Stadt aber noch nicht. Um so größer war daher der organisatorische Aufwand, doch er hatte einen unerwartet hohen Publikumszuspruch zur Folge und hat sich möglicherweise auch insofern gelohnt, als die Gründung einer landsmannschaftlichen Untergliederung vor Ort angedacht worden ist. Um derartigen Überlegungen Vorschub zu leisten, hatte Kurt Freitag den Siebenbürger Chor aus Wolfsburg hinzugezogen als Beispiel dafür, wie siebenbürgische Kulturüberlieferung in einer lebensfähigen Singgemeinschaft immer noch herzerfreuend gepflegt werden kann.

Der Siebenbürger Chor Wolfsburg unter der Leitung von Andreas Herberth gestaltete den Kulturabend in Hildesheim musikalisch mit. Foto: Hans-Detlev Buchner
Der Siebenbürger Chor Wolfsburg unter der Leitung von Andreas Herberth gestaltete den Kulturabend in Hildesheim musikalisch mit. Foto: Hans-Detlev Buchner

Im Mittelpunkt des Abends, in den Landesgruppenvorsitzender Volkmar Gerger kurz eingeführt hatte, stand der Vortrag zum Thema „Am Tiefpunkt – die Siebenbürger Sachsen 1944-1945“ von Horst Göbbel. Der Nürnberger Studiendirektor und langjährig engagierte Amtswalter in unterschiedlichen Verbandsgremien konzentrierte sich darin auf die Evakuierung und Flucht der Nordsiebenbürger im Hebst des Jahres 1944 sowie die Verschleppung der arbeitsfähigen deutschen Frauen und Männer im Januar 1945 in die damalige Sowjetunion, die er in den historischen Kontext des ausgehenden zweiten Weltkriegs einbettete. Dabei lockerte er die an sich trockene Wiedergabe geschichtlicher Daten und Fakten mit zahlreichen Illustrationen, mit Kartenmaterial, Ablichtungen von Zeitdokumenten, alten Fotografien, Zitaten aus bewegenden Berichten von Zeitzeugen auf, bezog das Publikum, indem er es direkt ansprach, wiederholt in den Ablauf des Abends ein, stellte Bezüge zur Gegenwart und auch zu im Saal anwesenden Personen her, was alles die anregende Lebendigkeit der Darbietung beförderte. Der Vortrag ließ durchaus den erfahrenen Gymnasiallehrer und Pädagogen erkennen und wurde wiederholt von spontanen Beifallsbekundungen der Zuhörerschaft unterbrochen, die sichtlich angetan war.

Göbbel schloss seine Ausführungen mit den bekannten Worten der Elisabeth aus dem zweiten Akt von Schillers „Maria Stuart“: „Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren.“ Damit und mit dem eingangs von ihm zitierten Eichendorff-Wort, dass es nämlich „kein Vorwärts“ gebe, „das nicht in der Geschichte wurzelt“, machte der Vortragende die Querverbindung zum Erbebesitz der Heutigen und dessen Bewahrung in solidarisch tätiger Gemeinschaft, was sich letztlich mit Ziel und Zweck des Abends deckte.

Göbbels Darbietungen wurden umrahmt von gelungenen hochdeutschen und mundartlichen Liedvorträgen des Wolfsburger Chors unter der bewährten Leitung von Andreas Herberth.

Dass der Abend zu einem derartigen Erfolg wurde, wie man das kaum erwartet hatte, die Anwesenden es am Schluss auch mehrfach bezeugten, war neben Kurt Freitag auch seinen Helfern zu verdanken, unter ihnen Ex-Landesgruppenvorsitzender Heider Zsivanovits, die in Hildesheim ansässige Volkskundlerin Helga Stein und die Lehrerin Inga Hausien sowie die bewährten Verbandsmitglieder Hannelore und Jürgen Wirtz, Katharina Walesch, Gretchen Salmen und der Landeskassenwart Michael Salmen, von denen einige auch für das leibliche Wohl der Anwesenden gesorgt hatten.

Hannes Schuster

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 5 vom 31. März 2005, Seite 3)

Fotostrecke des siebenbürgischen Kulturabends in Hildesheim, Fotos: Hans-Detlev Buchner

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