22. Dezember 2005

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Wissenswertes über Gündisch, Heltau, Siebenbürgen

Zwei in Norddeutschland wohnende Gündisch - Dr. Konrad Gündisch, Oldenburg und Dr. Jürgen Gündisch, Hamburg - trafen sich im Frühjahr dieses Jahres, um sich kennen zu lernen und zu ermitteln, ob sie vielleicht miteinander verwandt sind. Das Ergebnis war hinsichtlich der näheren familiären Bande enttäuschend, umso bereichernder aber die Feststellung, wie gut man sich versteht.
Das ist vielleicht auf die gemeinsamen Wurzeln der seit dem 15. Jahrhundert in Heltau belegten Träger dieses Namens zurückzuführen, vielleicht auf die Gemeinsamkeiten, die sich aus einer Gruppenexistenz in einer siebenbürgischen Gemeinde, in einer Region des südöstlichen Mitteleuropa ergeben. Spontan fassten sie den Entschluss, diese Gemeinsamkeiten weiter auszuloten, indem alle erreichbaren Trägerinnen und Träger des Namens Gündisch sowie ihrer Verwandten und Angehörigen zusammengeführt werden. So entwickelte sich die Idee eines Gündisch-Treffens, die dann ihre Eigendynamik entfaltet hat.

Mitteilungsblatt zum Gündisch-Treffen 2005
Mitteilungsblatt zum Gündisch-Treffen 2005
Konrad und Karl Gündisch haben ein Mitteilungsblatt zum Treffen erstellt: "Wissenswertes über: Gündisch, Heltau, Siebenbürgen"; Jürgen Gündisch hat mit seiner Anwaltskanzlei durch die Versendung der Einladungen und die Vervielfältigung des Mitteilungsblattes Hilfestellung geleistet. In dem Heft wurde versucht, möglichst viele Informationen über den Namen Gündisch zusammenzutragen und auch den Ort und die Region näher zu beleuchten, in denen die Gündisch Jahrhunderte lang verwurzelt waren, nämlich Heltau in Siebenbürgen. Dabei griffen sie auf Daten aus der Ortsmonographie "Heltau - Kultur und Geschichte einer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft" zurück, an der Karl und Konrad Gündisch mitgearbeitet haben. Weitere Informationen zur Gündisch-Genealogie erhielten sie dank der Vermittlung von Peter Handel aus der "Heltauer Personaldatenbank" von Hanswolf Fleischer und Kurt Frühn.

Für das Treffen wurde der 29.-30. Oktober 2005 vorgemerkt, es sollte in Gundelsheim stattfinden. Vorerst wurden an alle ermittelbaren Gündisch-Namensträger Einladungen verschickt. Es meldeten sich etwa 70 Interessenten. Um alle Personen zu erfassen, die irgendwann einmal Gündisch geheißen haben oder von einem Gündisch abstammen, wurden Anzeigen in der Siebenbürgischen Zeitung, dem Heltauer Nachrichtenblatt und auf der Homepage der HOG Heltau geschaltet.
Das Treffen und die Informationsschrift sollten dazu beitragen, Wurzeln familiärer und heimatlicher Verbundenheit freizulegen, die Charakter und Selbstverständnis eines jeden Menschen zu prägen vermögen. Am 29. Oktober war es dann soweit. Dr. Jürgen Gündisch begrüßte die fast 90 Anwesenden in der Gaststätte "Zur Komturei" in Gundelsheim und dankte dem langjährigen Stadtpfarrer von Heltau, Dr. Gerhard Schullerus, und seiner Ehefrau für ihr Erscheinen. Er bemerkte, dass die Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands, aber auch der Schweiz gekommen wären. Der gemeinsame Name und die gemeinsame Geschichte der Siebenbürger Sachsen seien aber das verbindende Element aller. Im Hintergrund lief auf einer Leinwand eine Präsentation mit Heltauer Bildern. Anschließend brachte Dr. Konrad Gündisch seine Untersuchungen über den Namen Gündisch den Zuhörern zur Kenntnis. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1441: "Petrus Gündisch de Heltha" hat sich in diesem Jahr in die Matrikeln der Universität Wien eintragen lassen. Einige Namensträger sind so bekannt, dass sie in Nachschlagewerken aufgeführt sind.

Konrad Gündisch informierte auch über den Verein "Freunde und Förderer des Gustav-Gündisch-Lyzeums Heltau", der ins Vereinsregister der Stadt Oldenburg eingetragen ist und das Ziel hat, das Theoretische Lyzeum "Gustav Gündisch" in Heltau und dessen grenzüberschreitenden Kontakte zu fördern. Die Satzung und die Beitrittsformulare für neue Mitglieder lagen aus. Dr. Jürgen Gündisch trug einiges über die Aktivität der HOG-Heltau e.V. vor und übermittelte die Grüße des 1. Sprechers Oskar Schemmel.

Am Nachmittag folgte ein Gruppen-Besuch in dem modernen und auch pädagogisch hervorragend eingerichteten Siebenbürgischen Museum und in der Siebenbürgischen Bibliothek auf Schloss Horneck mit einer sachkundigen Führung von Konrad Gündisch.

Nach einem Sektempfang, bei dem man mit den bekannten Gündischs und den neu entdeckten Verwandten anstieß, lasen Ingrid und Uwe Gündisch aus den Werken ihrer Mutter Karin Gündisch, die sich gerade auf einer Lesereise in den USA befand. Jürgen Gündisch las Auszüge aus dem Beitrag von Karl Werner Gündisch über das Leben in Heltau in der kommunistischen Zeit und die Ereignisse im Dezember 1989 vor. Die Frage, ob der Exodus des Jahres 1990 das Ende des Sachsentums, "finis saxoniae", bedeute, verneinte er. Durch die Aussiedlung sei zwar der räumliche und nachbarschaftliche Zusammenhalt auseinander gerissen; bleiben werden aber die in 850 Jahren geleisteten kulturellen und baulichen Werte einer Nation, die sich im Zusammenleben mit anderen Völkern die Identität bewahrt habe.
In den Pausen zwischen den Vorträgen liefen auf der Leinwand einige Video-Clips mit Musikuntermalung, bearbeitet von Volker Plattner.

Der Abend verlief mit angeregten Gesprächen, man versuchte zu klären, wie und über wie viele "Suppenschüsseln" man verwandt war (oder auch nicht). Stammbäume und Ahnenpässe wurden untersucht und mit der Personaldatenbank Gündisch verglichen. Die verschiedenen Gündisch-Zweige lichteten sich in kleineren Gruppen ab, siehe Bildergalerie im Internet unter www.guendisch.de/guendischtreffen2005.

Am Sonntag hielt Stadtpfarrer Dr. Gerhard Schullerus einen Gottesdienst mit Abendmahl im Andachtsraum des Heimathauses Siebenbürgen auf Schloss Horneck. Als "Organistinnen" sprangen Karin und Gerda Gündisch improvisierend ein. Wenn mit Karin Gündisch eine katholische Theologin aus der Schweiz an einem Reformationsgottesdienst mitgewirkt hat, so ist das sicherlich eine Besonderheit, die die Toleranz der Siebenbürger Sachsen beleuchtet.
Wir hoffen, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gündisch-Treffens in Gundelsheim wohl gefühlt haben und zufrieden heimgekehrt sind.

Karl Werner Gündisch


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