13. Januar 2026
Deportierte Maria Schnäp erinnert sich: Aushebungen am 13. Januar 1945 in Großau
Als am 13. Januar 1945 ein „Trommler“ durch Großau ging und verkündete, dass alle Deutschen, Frauen zwischen 18-35 Jahren und die Männer von 17-45 Jahren, sich in zwei Stunden mit Proviant und Kleidung für ca. zwei Wochen im Rathaus melden müssten, ahnte noch keiner der Betroffenen, welches Unheil sie erwartete. Es war aber mit Nachdruck verkündet worden, dass wer dieser Aufforderung nicht nachkomme, riskieren würde, dass Eltern mit Kindern ebenfalls mitgenommen würden.

„Im Jahr 1945 begann eine traurige Zeit
Man nahm uns von unseren Eltern
Die jungen und die älteren Leut.
Die Mütter von ihren Kindern
die Kinder, sie blieben allein,
sie schrien „ach Mutter komm wieder“ kehr wieder zu uns heim.
Lebt wohl, ihr geliebten Eltern,
lebt wohl, auf Wiedersehn,
wenn Gott will, so soll es geschehen
dass wir uns wieder sehn.

Ab Februar 1946 war dann Landarbeit auf den „Kolchosen“ angesagt. Unsere Unterkunft in früheren Viehställen oder Getreidelagerhallen mussten wir selber reinigen und vorbereiten, nachdem das Vieh ausgetrieben wurde. Der Fußboden war gestampfte Erde und das Dach hatte große Lüftungsspalten, so dass man den Regen gar nicht abwehren konnte. Auch das Schuhwerk bestand nur aus Holzschuhen mit Leinwand überspannt und besonders für den Winter ungeeignet. Oft wurden noch Mais und sogar Kartoffeln aus der gefrorenen Erde geerntet oder im Frühjahr als Saatgut aus den mit Erde und Mist bedeckten Silogruben gebuddelt. In diesen Holzherbergen war kein Ofen und kein Licht, wenn man abends von der Arbeit zurückkehrte. Es durfte niemals vor 17.00 Uhr sein, sonst gab es keine Nahrungszuteilung. Hin und wieder war das Aufsichtspersonal auch mal einsichtig und sah über solche kleinen Vergehen hinweg, manche konnten Mitleid und Menschlichkeit auch zeigen und gelten lassen. Hierzu eine kleine Geschichte: Im Februar mussten wir mit dem Ochsenwagen Dünger („Mist“) aufs Feld ausfahren, was eine sehr schwere und – wie sich herausstellte – nicht ganz ungefährliche Arbeit war. Es war noch Winter, Schnee und Sturm hatten zu großen Schneeverwehungen geführt, so kamen die Ochsen mit dem Schlitten von der Straße ab und rutschten in ein Brunnenloch. Ohne Schlitten und Ochsen war nicht an Heimkommen zu denken, obwohl schon längst der Abend hereinbrach. Bei dem Versuch, irgendwie zu helfen, rutschte ich auch ab und konnte auch wegen der Schneewehen nicht leicht gefunden werden. Aber der Menschlichkeit der Aufsicht und der Hartnäckigkeit aller Suchenden ist zu verdanken, dass in später Nacht doch Rettung kam und auch ein Ochse lebend gerettet werden konnte. Einen Tag durfte ich der Arbeit fernbleiben, also Arbeitsbefreiung zum Ausruhen. Es war große Freude unter allen Mitbewohnern und ganz besonders bei meiner Schwester zu spüren, sogar von Seiten der Aufsicht kam Mitgefühl. Was die Körperhygiene betrifft, einige Verse aus dem dort entstandenen Badelied (Klagelied):
„Eines Abends am Palmsonntag in der Ukraina drin,
es war noch kaum halb achte, keine Sonne mehr am Himmel hing,
da kamen deutsche Frauen vom Ratten fangen her,
ihr Antlitz war gefroren, die Glieder matt und schwer.
Wohin, ihr deutschen Frauen, um diese späte Zeit
In eine Erdenhütte, das russisch Bad sich heißt,
das Wasser ist mit Maßen, da drinnen ist kein Licht,
das Fenster ohne Scheiben, die Türe, die schließt nicht.
Da steh ich selber drinnen im Dunkeln ganz allein,
muss heizen hier zwei Öfen, für mich ‘ne große Pein,
hier gibt’s kein Holz noch Kohle, es gibt nur Stroh und Mist,
das ist zum Teufel holen, wie man sich hier „verfrisst“.

Maria Schnäp
Maria Schnäps Aufzeichnungen wurden nach ihrem Tod von Sohn Mathias Schnäp bei Aufräumarbeiten unterm Bett gefunden. Sie war Hausfrau. Sie war zweieinhalb Jahre lang deportiert, wurde krankheitsbedingt nach Deutschland, Zwickau, entlassen und zog später nach Bayern um.Schlagwörter: Deportation, Zeitzeugenbericht, Großau
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