23. März 2002

Nervenkitzel für die Forschung

Der junge Siebenbürger Sachse Günther Zeck ist als frischgebackener Doktor der Physik am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München an der Erforschung des Signalaustauschs zwischen vernetzten Nervenzellen und Mikrochips beteiligt.
Den Fluggästen der Lufthansa bietet sich derzeit als Zeitvertreib im Lufthansa-Magazin Nr. 1/2002 ein aufschlussreicher Artikel über die Forschungserfolge und Ziele des deutschen Physikers Prof. Dr. Peter Fromherz und seines 1973 in Urwegen geborenen Doktoranden Günther Zeck an.
Der junge Forscher Günther Zeck erregte weltweit Aufsehen
Der junge Forscher Günther Zeck erregte weltweit Aufsehen


Professor Fromherz, Direktor der Abteilung Membran- und Neurophysik am Max-Planck-Institut, forscht mit seinem Team schon seit rund zehn Jahren mit isolierten Nervenzellen, die auf Silizium-Chips gesetzt und mit einer Nährlösung versehen neuronale Signale mit den Chips austauschen. Diesem Team gehört seit geraumer Zeit auch Günther Zeck an. Durch die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse in dem renommierten US-Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences Bd. 98 erregten Professor Fromherz und Günther Zeck im August 2001 in der Fachwelt und auch in der Tagespresse weltweit Aufsehen. Die Nachricht von den erstmals geglückten Experimenten zur Reizübertragung von einem Silizium-Chip in ein neuronales Netz mit Nervenzellen der Schlammschnecke und zurück verbreitete sich in Windeseile in Fachkreisen, in den großen Tageszeitungen sowie in Zeitschriften und Online-Informationsdiensten rund um den Globus. Immerhin verbindet sich damit die Hoffnung auf Anwendungen der Forschungsergebnisse bei der Schaffung "neuronaler Prothesen" zur Steuerung des Seh- und Hörvermögens durch die Kombination von Zellen und Computertechnik.
Derzeit wird mit Zellen der Wasserschnecke geforscht, da diese vier- bis fünfmal größer als menschliche Zellen sind. Dabei wurden mehrere Nervenzellen isoliert, auf einen Silizium-Chip verpflanzt und mit Hilfe eines neuen Arbeitsverfahrens fixiert. Dort wuchsen die Zellen zu einem Nervennetz zusammen. Die Forscher konnten beobachten und messen, wie zwischen Nervennetz und Chip über ein elektrisches Feld Reizsignale ausgetauscht wurden. In den kommenden Jahren sollen die Arbeiten auf das Gebiet der Neurobiologie und damit auf komplexe Zellgewebe ausgeweitet werden. Die Grundlagenforschung wird sich laut Günther Zeck bemühen, das Messen und Beherrschen neuronaler Signale, die von Nervenzellen ausgehen, in den Griff zu bekommen, um Gehirnfunktionen verstehen zu lernen. Mit den neuen, von den Münchner Forschern erstmals angewandten Arbeitsmethoden könnte man künftig auch Einzelsignale von verschiedenen Zellen messen und entschlüsseln, die heute nur als summierte Signale von Gehirnzellen, als Gehirnströme, mit einem EEG (Elektro-Enzefalogramm) gemessen werden können.
Vor kurzem hat sich der junge Forscher bei einem Forschungslabor für Neurobiologie der renommierten Harvard-Universität in Boston, USA, erfolgreich beworben. Bei einem Vorgespräch bot ihm der zuständige Universitätsprofessor eine Stelle in seinem Labor an. Zeck soll sich dort in den nächsten zwei Jahren in Teamarbeit die Grundkenntnisse der Neurobiologie aneignen und selbst seine biophysikalischen Arbeitsmethoden einbringen.
Von Urwegen an die Elite-Universität in Boston! Nicht der nahe liegendste Weg, aber auch nicht so abwegig: Die Eltern, Michael und Maria Zeck, waren Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie, er besuchte bis zur Ausreise 1990 drei Jahre lang das Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt und studierte nach dem in Starnberg bestandenen Abitur Physik an der Technischen Hochschule München, und vor wenigen Wochen erhielt er den Doktorhut.
Trotz der Pläne für seine Forscherlaufbahn und der geografischen Entfernung dürfte Günther Zeck Siebenbürgen weiterhin verbunden bleiben. Nicht nur weil er mit seiner ehemaligen Klassenkollegin vom Brukenthal-Gymnasium, Anne Philippi, die ebenfalls vor wenigen Wochen ihren Doktortitel in Chemie erworben hat, verheiratet ist. Er gehörte auch der Jugendtanzgruppe der Kreisgruppe München an und ist aktives Mitglied des Evangelischen Freundeskreises Siebenbürgen, an deren Tagungen er bisher öfter teilnahm. Zur siebenbürgischen Heimat hält er engen Kontakt, verbringt seinen Urlaub gerne im Heimatdorf Urwegen und in Hermannstadt, und seiner alten Schule, dem Brukenthal-Gymnasium, schickt er regelmäßig Fachzeitschriften und Bücher für Physik und Chemie, neuerdings auch für Mathematik.
Für die Zukunft darf man dem jungen Forscher Freude und Ausdauer bei seiner Arbeit in der Grundlagenforschung im Grenzbereich zwischen Biophysik und Neurobiologie wünschen, sowie dem jüngst geborenen Sohn ein gutes Gedeihen in der Obhut seiner Mutter - beide werden Günther Zeck bald aus dem vertrauten München in das ferne Boston folgen.

Walter Klemm


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 5 vom 31. März 2002, Seite 11)

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