16. September 2017

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Zenderscher Jugend macht begeistert mit

Unter dem Motto „Vertraut den neuen Wegen“ feierte die HOG Zendersch e.V. vom 22. bis 23. Juli das zehnte Zenderscher Treffen in Sersheim. Es war gleichzeitig die Feier des 40-jährigen Jubiläums seit dem ersten Treffen der Zenderscher in der Zerstreuung im August 1977 in Sachsenheim.
Zur Eröffnung des Festes spielte das Zenderscher Blasorchester unter der Leitung von Reinhard Konyen, und es wurden Hanklich und Nussstriezel gereicht. Der erste Vorsitzende der HOG, Richard Jakobi, stellte seine Eröffnungsrede unter das Motto des Treffens „Vertraut den neuen Wegen“. Er bedankte sich für die offenen Tore, die beständige Freundschaft und Unterstützung der Gemeinde Sersheim und versprach im Gegenzug das Engagement der HOG in Sersheim aufrecht zu erhalten. In ihrem Grußwort erinnerte Dr. Renate Weber an das erste Treffen der Zenderscher vor 40 Jahren.

Den Auftakt des kulturellen Programms machten die Kinder: Elin Lang sagte das Gedicht „Der Birnenbaum“ von Michael Albert auf, gefolgt vom Kindertanz und bemerkenswerten Darbietungen von Kindern, die zwar nicht in Zendersch geboren sind, sich aber engagiert in das Festprogramm einbrachten. Die jüngsten Künstler waren die Geschwister Hannes (4 Jahre) und Clara Lambertz (2), die jeweils ein Lied zur Gitarre sangen. David Güldner spielte das Siebenbürgenlied auf der Geige und Laura Kreischer, Bianca Zeitvogel und Elin Lang führten das Zwiegespräch in sächsischer Mundart: „Wat welt te waren?“ Dies war deshalb so beeindruckend, weil die Mädchen tadelloses Sächsisch sprachen. Nachdem der Männerchor das Lied „Heimat, das ist mein Zuhause“ gesungen hatte, folgten weitere Lieder des Chores in deutscher und sächsischer Sprache. Gemeinsam war den Kindern und Jugendlichen, dass sie alle in sächsischer Tracht strahlten und ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern mit Stolz erfüllten.Die Jugendtanzgruppe und der Chor gestalteten das ...Die Jugendtanzgruppe und der Chor gestalteten das Zenderscher Treffen mit. Älteste Teilnehmerin: Elisabeth Richter (96). Fotos: Robert Lutsch, Collage: Detlef Schuller Michael Konnerth, Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, freute sich in seinem Grußwort über die rege Beteiligung der Kinder und Jugendlichen am Programm. Aber bei solchen Festen leisten nicht nur die Kinder, sondern jede Generation ihren Beitrag: Ältere Frauen sticken in mühsamer Handarbeit Hemden, Blusen, Schürzen oder andere Trachtenstücke, die die jüngere Generation anzieht, um bei den Tänzen, Aufmärschen oder anderen Programmpunkten mitzuwirken. Die mittlere Generation ist meistens mit den organisatorischen Aufgaben und Pflichten betraut. So wirken die verschiedenen Generationen zusammen, um gemeinsam ein schönes Fest feiern zu können. Besondere Anerkennung gilt an dieser Stelle den vielen älteren Zenderschern, die trotz hohen Alters und teilweise erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen lange Reisen auf sich genommen hatten, um beim Treffen dabei zu sein. Es war erfreulich und rührend, dass viele Personen im Alter von über 80 Jahren und einige von über 90 dabei waren, darunter Elisabeth Richter, geborene Prudner (96), die aus Hamburg angereist war. Dies zeigt die große Einsatzfreude der Zenderscher, die Bedeutung, die solchen Treffen beigemessen wird, und die Bindung zur Heimat. Entsprechend groß war die Wiedersehensfreude der über 500 Festgäste (aus den USA, Kanada, Österreich und ganz Deutschland), und die Zeit verging wie im Fluge. Nach gemeinsamem Abendessen wurde bis in die frühen Morgenstunden gelacht und getanzt.

Am Sonntag fand der Festgottesdienst in der evangelischen Kirche in Sersheim statt, musikalisch umrahmt vom Zenderscher Holzbläserquartett und dem Chor. Pfarrer Johannes Rau regte mit seiner Predigt über die Geschichte des verlorenen Sohnes, die er aus der Perspektive des älteren Bruders erzählte, zum Nachdenken an. Das Gleiche tat Andreas Rader, der Altvorsitzende der HOG Zendersch, mit seinem Grußwort. Er stellte berechtigte Fragen, z.B.: Warum sollten die alten Bräuche und Traditionen bewahrt werden? Warum bemühen sich viele Siebenbürger Sachsen um den Erhalt ihrer Sprache, ihrer Kultur und Traditionen, obgleich die Integration in der neuen Heimat abgeschlossen ist? Die Antworten auf solche Fragen muss jeder für sich selbst finden. Aber die Tatsache, dass gerade die jüngere Generation aktiv am Leben der Zenderscher Gemeinschaft teilhaben möchte und sich mit eigenen Beiträgen und Ideen einbringt, ist ein Zeichen dafür, dass Siebenbürgen und Zendersch zu unserer Identität gehören. Den neuen Wegen vertrauen, dabei aber die alten Werte nicht vergessen, das ist das Kunststück, das wir Siebenbürger Sachsen in der Zerstreuung zu bewerkstelligen versuchen.

Nach dem Gottesdienst und dem gemeinsamen Mittagessen wurden Volkslieder gesungen, die Eduard Taub am Akkordeon begleitete. Die Zenderscher Kickers spielten ein Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft des VfR Sersheim, das unentschieden 3:3 endete. Es wurde außerdem ein Video von den ersten beiden Treffen der Zenderscher in Sachsenheim 1977 und 1982 gezeigt.

Allen Unterstützern, Organisatoren und Helfern, die sich für dieses unvergessliche Fest eingesetzt haben, sei an dieser Stelle von Herzen gedankt. Die Leser sind zu den nächsten Veranstaltungen der HOG Zendersch eingeladen: 16.-18. September Jubiläumsfest 1225 Jahre Sersheim sowie am 16. Dezember Weihnachtsfeier in Nordhausen.

Dietlinde Lutsch

Schlagwörter: Zendersch, HOG-Treffen, Jubiläum

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