25. August 2019

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Honterusfest in Pfaffenhofen: Quo vadis, Honterianer?

Der Muskelkater verschwand nach zwei Tagen, die Müdigkeit erst nach einer Woche. Schon erstaunlich, was so ein Samstag „sich hinter dem Ohr kratzen“ ausmacht. Andererseits auch wieder nicht, wenn man sich mit einer Hand kratzt und mit der anderen Biertischgarnituren und Sonnenschirme aufstellt, Parkplätze einzäunt, Bühne und Elektrik herrichtet und den ganzen anderen Krimskrams erledigt.
Am Sonntag, dem 7. Juli, steht man dann, freundlich lächelnd, im strömenden Regen und heißt die ankommenden 460 Gäste willkommen. Das Lächeln darf nicht verrutschen, auch wenn man zum x-ten Male versichert, dass der Eintritt von sieben Euro weder Bosheit sei noch der persönlichen Bereicherung diene. „Ja, wir arbeiten ehrenamtlich“, heißt es dann und „Das Geld wird für Festplatz- und Biertischgarnituren-Miete, Vereinsspenden, Festabzeichen, Krankenwagen-Einsatz, Toilettenpersonal und Materialkosten eingesetzt.“ Und natürlich um das Fest ein weiteres Mal veranstalten zu können.

Leider ist der Parkplatz heuer ein gutes Stück vom Ort des Geschehens entfernt. So müssen alle den Berg hinauflaufen, Jung und Alt; wer nicht gehen kann, wird vom Shuttle-Bus hochgefahren – kostenlos, versteht sich. Eine Helferin stellt dafür ganz unkompliziert ihren privaten PKW zur Verfügung. Die Kasse wiederum wandert bergab, dem Füllstand des Parkplatzes nach unten folgend. Mal überholt der Kassentisch die Kassiererinnen, mal die Kassiererinnen den Kassentisch. Aber alle laufen den Hang hinab und versuchen dabei gleichzeitig zu kassieren und nicht allzu nass zu werden. Endlich reißt die Wolkendecke auf, Dampf steigt aus den gelben T-Shirts, die Frisur war schon nach der Nacht im Zelt perdu, aber hier geht es ja auch nicht darum, zur Schönheitskönigin gekürt zu werden. Das Orga-Team des Honterusfestes in Pfaffenhofen, ...Das Orga-Team des Honterusfestes in Pfaffenhofen, am Rednerpult der Schriftsteller Hellmut Seiler, der die Quellenrede hielt. Foto: Sophia Terebeschi Worum geht es dann? Darum, dass ihr, liebe Honterianer, teilweise hunderte von Kilometern gefahren seid, Baustellen und Staus in Kauf genommen habt, um in Pfaffenhofen eure Schulkameraden, Freunde und Familienmitglieder zu treffen. So wie jedes zweite Jahr, seit sechzig Jahren schon. Alles wie gehabt? Doch nicht ganz! Häufig fällt der Satz: „Ich bin das erste Mal hier – ein Schulkollege hat mich über WhatsApp/Facebook informiert.“ Oder: „Ich habe euch über eure Homepage gefunden.“ Es sind zumeist die jüngeren Gäste um die vierzig, fünfzig, von denen erfreulicherweise mehr erscheinen als beim letzten Fest.

Aber wie passt das zusammen, Honterusfest und Homepage, Schiefertafel und Smartphone, Tradition und Digitalisierung? Offensichtlich sehr gut, denn die Stimmung ist blendend und die Gäste fühlen sich sichtlich wohl, egal welchen Alters, ob vernetzt, verbandelt, verlinkt oder verwandt. Gefeiert wird schlussendlich analog, mit persönlichen Begegnungen, herzlichen Umarmungen und echten Mici. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an den tollen Festredner Hellmut Seiler und seine Frau, die flotte Grillmannschaft, den Baumstriezel-Trupp mit den heißen Rollen und die siebenbürgische Jugendtanzgruppe aus München. Ihr macht jedes Fest zu einem launigen Ereignis.

Als wir nach fünf Uhr beginnen Tische und Bänke abzubauen, stehen immer noch vereinzelte Gruppen plaudernd herum. Eine Klasse tanzt spontan zu alten und neuen Hits, die aus der mitgebrachten Bluetooth-Box dudeln. Man merkt, sie wollen noch nicht heim. Wenn das mal kein Kompliment ist. Kommt nächstes Mal ja wieder und bringt eure Freunde mit!

Am Abend erzählt mir meine Zehnjährige, sie sei stolz Teil des Honterus-Orgateams zu sein und freue sich schon auf das nächste Fest. Ich bin ganz gerührt. Obwohl sie nicht in Kronstadt geboren wurde, ist sie trotzdem dem Fest verbunden. Von klein an ist sie mit dem Fest und der Gemeinschaft aufgewachsen. Mit vielen Gästen und motivierten Helfern hat das Fest vielleicht auch länger noch eine Zukunft.

Offensichtlich haben wir doch mehr gemacht, als uns nur am Kopf zu kratzen und sieben Euro zu kassieren, wie ein Besucher vermutete, denn das Fest war wieder ein voller Erfolg. Wir sehen uns sicher in zwei Jahren wieder. Am 4. Juli 2021 zu gewohnter Zeit und am gewohnten Ort warten wir auf unsere Gäste in Pfaffenhofen. Ihr könnt es teilen und „liken“ und auf www.honterusfest.de, in der Siebenbürgischen und der Neuen Kronstädter Zeitung nachlesen. Wir freuen uns auf euch!

Honterusfest Orga-Team

Schlagwörter: Honterusfest, Honterusschule, Kronstadt, Burzenland

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