19. September 2026
22. Hermannstädter Treffen in Dinkelsbühl
Unter dem Motto „Heimat ergänzt – hier und dort“ fand vom 4. bis 6. September bei spätsommerlichem Sonnenschein im mittelfränkischen Dinkelsbühl das bereits 22. Hermannstädter Treffen statt. Es war auch diesmal eine wunderbare Gelegenheit der in Hermannstadt Beheimateten oder dazu Gefundenen für frohes Wiedersehen, neue Begegnung, interessante Gespräche, kulinarische Verwöhnung und nicht zuletzt den Genuss eines vielseitigen Programms. „Wer nicht weiß, welchem Hafen er zusteuern soll, für den gibt es keinen günstigen Fahrwind.“ Diese weisen Worte Senecas bewahrheiteten sich durch die hohe Teilnehmerzahl der Gäste von nah und fern, die sich in Dinkelsbühl eingefunden hatten.

Ehe die Teilnehmer sich am Samstag zum Festakt im feierlich hergerichteten Schrannensaal einfanden, konnten sie in den Ausstellungsräumen im Spitalhof der Eröffnung der Künstlerausstellung durch Dagmar Zink beiwohnen. Zusammen mit Nora Engelhard, der Bürgermeisterin Dinkelsbühls, begrüßte sie die Aussteller Barbara Niedermaier (Malerin), Gert Messmann (Maler), Herta Daniel (mit Bildern des Malers Karl Nik Voik), Hanne Plattner (Plastiken) und Ursula Hergesell (Keramik) und dankte ihnen für die künstlerische Bereicherung, der sich alle an diesen Tagen erfreuen konnten. Alle Werke ergaben zusammen ein vielseitiges Gesamtbild, geprägt im Einzelnen durch künstlerische Individualität in ihrer Gestaltung und verbunden durch das Motiv Hermannstadt oder Siebenbürgen, das sich in vielen Exponaten fand. Barbara Niedermaier, zum ersten Mal mit ihren Kunstwerken dabei, bedankte sich nach Dagmar Zinks ausgesprochener Freude, auch sie, eine in Hermannstadt längst bekannte und erfolgreiche Künstlerin, dabei zu haben, herzlich für die Einladung. Sie begrüßte die Möglichkeit, nun auch in Dinkelsbühl durch ihre tief empfundenen und nuanciert gemalten Bilder Heimatgefühle und seelische Tiefe vermitteln zu können.

Bis zum letzten Platz war der Schrannensaal zum Festakt gefüllt, als eingangs der Chor Cantores Cibiniensis unter der Leitung von Michael Gewölb ertönte. Er ließ mit den Liedern „Zum Fest“ (Text: J. W. Goethe, Musik: C. W. Gluck), „Wir lieben sehr im Herzen“ (D. Friderici) und „Matona mia cara“ (O. di Lasso) so manches Herz eines ehemaligen Brukenthallyzeumschülers, der diese Lieder unter der Chorleitung seines Gründers Kurt Scheiner vor Zeiten gesungen hatte, höher schlagen. Sie stimmten zum Festakt ein, den Dagmar Zink mit ihrer Begrüßungsrede eröffnete.
Der Willkommensgruß der HdH-Vorsitzenden richtete sich an alle Anwesenden, im Besonderen an die Ehrengäste: Nora Engelhard, Bürgermeisterin Dinkelsbühl, und an Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Gabriel Tischer, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH), Paul Kuttesch, DFDH-Vorstandsmitglied, Sebastian Arion, DFDH-Kulturreferent, die aus Hermannstadt zum Treffen eingeladenen Gäste, sowie an Herta Daniel, Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Werner Kloos, Stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dorith Wegmann, Vorsitzende des Freundeskreises Landshut – Sibiu/Hermannstadt e.V., Dr. Kurt Thomas Ziegler, Obmann der Siebenbürger Sachsen in Wien. Mit berührenden Worten betonte Dagmar Zink, dass der sehr weitläufige, auf gedachte und gefühlte Offenheit basierende Begriff Heimat in unserer Zeit neue Perspektiven schenkt und die Möglichkeit bewusst macht, darin auch neue, veränderte Lebensräume einzuschließen. Denn, so sagte sie: „Heimat trägt man in sich“, bereichert, ergänzt in einem wachsenden „Geflecht von Erfahrungen“, das nicht an eingrenzende Dimensionen gebunden ist. Diese Offenheit sei das Verbindende, Zwischenmenschliche, das auch die Gemeinschaft der Hermannstädter zusammenhalte.
In ihrem Grußwort übermittelte Nora Engelhard ein herzliches Willkommen seitens Dr. Christoph Hammer, des Oberbürgermeisters von Dinkelsbühl, als auch der Stadt, die seit so vielen Jahren eine innige Verbindung mit Hermannstadt pflegt. Sie dankte für die Einladung zum Treffen, der sie mit sehr großer Freude und dem Stolz gefolgt sei, wieder einmal an dem geselligen Miteinander, der kulturellen Vielfalt und Gastfreundlichkeit der Siebenbürger teilzunehmen zu dürfen.
Nach den stimmungsvollen Cello-Klängen von Georg Ongert und Volker Potoradi zum Allegro von F. A. Kummer überbrachte Herta Daniel das Grußwort von Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Er unterstrich die Bedeutung Hermannstadts durch seine Geschichte, durch Sprach- und Brauchtumspflege der siebenbürgisch-sächsischen Identität, doch vor allem durch das Engagement der Menschen, die diese Werte würdigen und unterstützen, die Vergangenheit ehren, jedoch durch kontinuierliche Jugendarbeit „in die Zukunft investieren“. Andrei Preda, Preisträger des Filtsch-Wettbewerbs, leitete mit seinem vollendet gespielten Klavierrezital der Mazurka von F. Chopin zum Grußwort von Gabriel Tischer über. Der Vorsitzende des Hermannstädter Forums unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Heimatverständnisses ohne Ortsgebundenheit oder Entscheidungszwang, da es der Wurzeln bedarf, jedoch auch der Flügel um „einen Platz in der Welt zu finden“. In diesem Sinne sei die Bindung zum lebendigen Hermannstadt, die bleibende Neugier auf seine Entwicklung genau so wichtig wie seine Geschichte und die Erinnerungen.
Werner Kloos berichtete in seinem Grußwort über Begegnungen in Siebenbürgen, bezeichnete Heimat als etwas, „das wir in uns tragen“. Sie verbinde „Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Zukunft, hier und dort“.
Im Rahmen des Grußwortes des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V. (HOG-Verbandes) rückte Maria Bauer eines der Hauptanliegen des Treffens in den Mittelpunkt, und zwar die Ehrung Dagmar Zinks durch die Übergabe der Goldenen Ehrennadel des HOG-Verbandes, verliehen für „viel Herzblut für die Gemeinschaft der Hermannstädter und für den Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Tradition und Verbundenheit“. Redaktion des Hermannstädter Heimatboten, Vorsitzende der HdH, Durchführung vieler gemeinsamer kultureller und gemeinnütziger Projekte, Carl-Filtsch-Wettbewerb, Musikwoche Löwenstein, enge Zusammenarbeit mit der Hermannstädter Zeitung, dem Deutschen Forum, der Brukenthalschule und letztendlich die Herausgabe von vier Anthologien zu Hermannstadt sind erfolgreiche Tätigkeitsfelder von Dagmar Zink.
Nach dem Klavierspiel der Etude No. 2 von J. Sibelius ergriff Dorith Wegmann seitens der Städtepartnerschaft Hermannstadt-Landshut und mit Gruß des Oberbürgermeisters Dr. Thomas Haslinger das Wort, wies auf die zwischen beiden Städten geplante engere Zusammenarbeit hin. Das internationale Format der neuen Kulturveranstaltungen in Hermannstadt schließt das Interesse für die Landshuter Hochzeit mit ein, an der sich Hermannstadt für die Organisation eines mittelalterlichen Festes orientieren will.
Das Cello-Duo verwöhnte die Ohren des Publikums mit vollmundigen Klängen von F. A. Kummers Allegro scherzando, ehe Dr. Kurt Thomas Ziegler das Wort ergriff und zuallererst die herzlichen Grüße der Wiener Landsleute, die heuer 155 Jahre des Bestehens ihres Vereins feiern, überbrachte. Mit Begeisterung berichtete er seinen gespannten Zuhörern von der Rumänien-Exkursion, die sich vom Szeklerland bis zum Donaudelta erstreckte und auch einen Besuch in Hermannstadt, der „ehemaligen Hauptstadt Siebenbürgens”, mit informativer Audienz bei der Bürgermeisterin Astrid Fodor einschloss. Mit anerkennenden Worten umriss er die Entwicklung der Stadt, erwähnte die Highlights ihrer fortwährenden Anziehungskraft als „junge und lebenswerte Stadt“.

Andrei Preda ließ mit Schumanns „Träumerei“ am Klavier die beeindruckten Zuhörer aufhorchen, die dann nach dem auflockernd humorvollen Sketch „Omi und KI“ von Hannes Höchsmann und dem besinnlichen Schlusswort Dagmar Dusils zu den vor der Schranne wartenden kulinarischen Köstlichkeiten entlassen wurden.
Man fand sich mit alten oder neuen Freunden, Bekannten, Kollegen bei lecker duftenden Mici zusammen und verbrachte den frühen Nachmittag mit froher Geselligkeit, nicht ohne auch eine Cremeschnitte oder Dobosch-Torte genossen zu haben. Es war reichlich für alle gesorgt und genügend Zeit, auch dem von Heini Höchsmann gemanagten Büchertisch Aufmerksamkeit zu schenken. Darauf prangte vor allem in druckwarmen Exemplaren das ansehnlich gestaltete Buch „Gesichter Hermannstadts. Lebensbilder aus Geschichte und Gegenwart“, die vierte Anthologie in der Reihe zur Geschichte Hermannstadts, allesamt herausgegeben von Dagmar Zink. Die Vorstellung des neuen Bandes, der von 36 Autoren geschriebenen Porträts von 40 Hermannstädtern unterschiedlicher Lebens- und Wirkungsbereiche und -zeiten wurde von Hans Seiwerth musikalisch eingeleitet und von Dagmar Zink präsentiert. Sie bot einigen anwesenden Autoren die Gelegenheit, ihren Beitrag im voll besetzten Kleinen Schrannensaal kurz vorzustellen oder zum Lesen des Buches durch pikantes Insider-Wissen über „Menschen wie du und ich“ anzuregen.
„De Lidertrun“ ist inzwischen allen Hermannstädtern ein Begriff und war auch diesmal ein nicht zu verpassender Programmpunkt des Hermannstädter Treffens. Darum war der Konzertsaal im Spitalhof vor den auf der Bühne mit außergewöhnlichen Instrumenten ausgerüsteten Musikern Hans Seiwerth, Michael Gewölb, Karl Heinz Piringer, Angela Seiwerth überbesetzt. Das abwechslungsreiche Liederrepertoire entführte durch originelle Kompositionen mit teils melancholischer Musikalität, teils temperamentvoller Rhythmik in wehmütige Fernen oder freudige Nähe und regte die begeisterten Zuhörer zum Mitsingen oder -summen an, so dass der Ruf nach Zugabe kaum aufhörte.

Der Sonntagsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche, den der siebenbürgische Pfarrer Michael Gross mitgestaltete, verabschiedete die Hermannstädter mit seinem Segen und guten Wünschen, um sich auf ihr nächstes Treffen zu freuen.
Brigitte Kräch
Schlagwörter: Hermannstadt, Treffen, Dinkelsbühl
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