17. Februar 2013

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Dr. Harald Roth über die Arbeit des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam

Siebenbürgen und das östliche Europa begleiten den Historiker Dr. Harald Roth seit vielen Jahren. Der 1965 in Schäßburg geborene Roth war zwischen 1993 und 2007 Geschäftsführer des Siebenbürgen-Instituts in Gundelsheim und anschließend Mitarbeiter des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (früher Südost-Instituts) in Regensburg. 2008 kam er als Referent für Südosteuropa und Geschichte zum Deutschen Kulturforum östliches Europa mit Sitz in Potsdam. Im Frühjahr 2012 übernahm er die kommissarische Leitung des Kulturforums. Über die Tätigkeit des Kulturforums sprach mit ihm Holger Wermke.
Herr Dr. Roth, was ist der Auftrag des Kulturforums?
Das deutsche Kulturforum östliches Europa befasst sich mit allen Gebieten östlich des heutigen deutschen Sprachraums, die in irgendeiner Weise Bezüge zur deutschen Kulturgeschichte haben. Das sind zunächst die Gebiete, die einmal zu Deutschland gehört haben, und alle jene Gebiete, wo Deutsche gelebt haben, Deutsche leben oder wo es deutsche Bezüge gibt, die mit unserer Problematik in Beziehung stehen. Schwerpunkt unserer Arbeit sind kulturelle Belange, also nicht unbedingt Politik und auch nicht das Tagesgeschehen. Im Allgemeinen befassen wir uns mit dem historischen Spektrum, über das wir eine breite Öffentlichkeit auf hohem Niveau informieren wollen.

Wie kann man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen?
Wir haben mehrere Arbeitsbereiche. Ein größerer Bereich sind die Veranstaltungen. Wir organisieren Thementage, Wanderausstellungen, Vorträge, Filmpräsentationen oder Lesungen vor allem in Deutschland, aber sehr oft auch in den Ländern des östlichen Europa, wobei ein Schwerpunkt in Polen liegt, weil dort die meisten Regionen sind, mit denen wir uns beschäftigen. Ein anderer Arbeitsbereich bei uns ist der Verlag, in dem wir Bücher für ein breites Publikum veröffentlichen.

Sie bieten auf der Internetseite des Kulturforums auch „fremde“ Informationsangebote zu Osteuropa an ...
Wir versuchen, möglichst viele Informationen zu unserem Themenbereich zu bündeln. Nicht nur das, was wir machen, sondern überhaupt, was in der Kultur- und Medienlandschaft zum östlichen Europa passiert und was unsere Partnereinrichtungen anbieten.

Dr. Harald Roth leitet seit 2012 kommissarisch ...Dr. Harald Roth leitet seit 2012 kommissarisch das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam. Foto: Holger Wermke Sie verantworten auch das Referat Südosteuropa und Geschichte. Welche Rolle spielt Südosteuropa in der Arbeit des Kulturforums?
In unserem Fall umfasst die Region „Südosteuropa“ die Gebiete, in denen Deutsche gelebt haben oder leben. Man kann grob sagen: das historische Ungarn und heutige Rumänien. Südlich der Donau sind es im Wesentlichen die Gebiete, wo Donauschwaben lebten, in Kroatien beispielsweise. Ansonsten ist es nur noch der Karpatenraum, wobei wir die Slowakei wegen der Zuständigkeiten zu Tschechien und der Slowakei zählen.

Was für Aktivitäten wurden im Rahmen Ihres Referats organisiert?
Im abgelaufenen Jahr liefen viele Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt Marburg an der Drau/Maribor. Wir organisierten im Vorfeld eine Journalistenfahrt dorthin, wir haben einen Kunstreiseführer gemacht und ein Stadtschreiber hat dort bis Anfang Dezember gewirkt. Ähnliches haben wir bereits im Fall von Fünfkirchen/Pécs 2011 gemacht. In diesem Jahr ist Kaschau/Košice in der Slowakei Kulturhauptstadt und dort wird unser Engagement wieder etwas intensiver sein.

Wie groß ist nach Ihren Erfahrungen das Interesse in Deutschland an der Region?
Im Allgemeinen relativ rege, wobei das Interesse regional schwankt. In Berlin haben wir sehr hohen Zuspruch und können auch sehr ausgefallene Themen anbieten. Bei einem Thementag zur Bukowina beispielsweise hatten wir 150 Teilnehmer oder zu den Donauschwaben kamen über 200 Teilnehmer. In anderen Städten ist es nicht immer so einfach. Aber vom Grundsatz her ist das Interesse da und man muss es nur irgendwie in die richtige Richtung lenken, indem man ein ansprechendes und nicht zu akademisches Angebot konzipiert, auf hohem Niveau, aber ohne Fußnoten.

Welchen Stellenwert nimmt Siebenbürgen im Programm des Kulturforums ein?
Im vergangenen Jahr konnte ich eine kleine Ausstellung zum Thema „Siebenbürgen – Eine Wissenschaftslandschaft“ machen als Begleitung zu verschiedenen Veranstaltungen. Derzeit steht sie übrigens im Akademieinstitut in Hermannstadt. In diesem Jahr wird es für Hermannstadt – sozusagen als Pilotprojekt – eine App (Anwendung für Mobiltelefone, d. R.) geben. Der große Kunstführer „Hermannstadt“, den wir in Zusammenarbeit mit dem Schnell + Steiner Verlag herausgegeben haben, wird dazu umgearbeitet. Das ist unser erster Versuch in dieser Richtung, um zu sehen, wie das geht. Der Band „Kronstadt“ wird in zweiter Auflage erscheinen. Derzeit übersetzen wir das Buch „Städte im südlichen Siebenbürgen“ ins Rumänische. Wenn alles zügig geht, wird das Buch im Laufe des Jahres in Klausenburg erscheinen. Für die Zukunft planen wir einen Kunstführer zu Schäßburg und ein kleineres Heft über Malmkrog. Zum Thema Siebenbürgen muss das Kulturforum von sich aus gar nicht so viel Neues entwickeln, weil das „von selbst läuft“. Siebenbürgen wird praktisch seit 200 Jahren gut vermarktet, hat viel zu bieten und ist reich an kulturellem Angebot. Während man vom Banat kaum etwas weiß und es nicht einfach ist, ein Publikum dafür zu finden und Projekte umzusetzen. Das kann sich zwar durch eine Literaturnobelpreisträgerin ein wenig ändern, aber dann wird alles darauf abgestellt. Andere Regionen finden durchaus auch Zuspruch, aber man muss etwas dafür tun.

Wie viel Zeit hat der Historiker Roth im Augenblick für seine Forschungen?
In absehbarer Zeit überhaupt nicht. Ich engagiere mich neben meiner Tätigkeit für das Kulturforum im Ehrenamt noch für die Gundelsheimer wissenschaftlichen Einrichtungen (Roth ist stellvertretender Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrats und des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, d.R.), da bleibt bis auf weiteres keine Zeit für eigene Forschungen.

Schlagwörter: Interview, Historiker, Südosteuropa, Geschäftsführer

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