7. Juni 2019

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Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen: 40 Jahre Zweisamkeit

Dies erleben in Geretsried der Chor und die Theatergruppe gemeinsam. Bereits seit 40 Jahren treten sie immer wieder zusammen auf und konnten ihre Rubinhochzeit am 11. Mai in der Aula des Gymnasiums Geretsried feiern.
Der Chor begann in einem Handarbeitskreis. Später kamen weitere Frauen hinzu, aber diese nur zum Singen. So entstand der „Singkreis“. Hier waren aber nur Frauen und erst durch das Hinzukommen der Männerstimmen kann von einem Chor die Rede sein, bei dem Martin Mantsch sofort die Leitung übernahm. Später übernahm Wilhelm Bretz den Chor; als dieser wegen Krankheit für längere Zeit ausfiel, sprang der 15-jährige Dieter Wagner ein. Danach führte Johann Stirner den Dirigentenstab, heute dirigiert Renate Klemm den Chor.

Die Theatergruppe entstand durch die Auswanderungswelle der Siebenbürger nach Deutschland. Man wollte wieder an Siebenbürgen erinnern, die dortigen Sitten und Bräuche den Kindern und Enkeln näherbringen. Sie sollten nicht in Vergessenheit geraten. Wie kann man dies am besten erreichen? Da bietet sich doch das Theater an. Die Stücke, meist dargebracht in siebenbürgisch-sächsischer Mundart, sorgen für eine „wiederbelebte Tradition“. Ihre Lieblingsthemen sind: Sehnsucht nach vergangener Jugend, nach Liebe, auch das versteckte Heimweh wird angesprochen. Immer wieder werden das Leben und die Gemeinschaft im Ort und in der Familie großgeschrieben. Der Humor kommt nie zu kurz. Vielleicht verlässt man mit etwas Wehmut den Saal, doch die authentischen, manchmal derben Dialoge heitern einen sofort wieder auf.

1979 brachte Egon Machat zum ersten Mal ein Theaterstück auf die Geretsrieder Bühne: „Am zwin Krätzer“ von Anna Schullerus. Danach leitete er die Theatergruppe bis 1994 mit Unterstützung von Erhard Schenker. 1994 übernahm Martin Kraus im Stück „Der Gänjzelroken“ die Regie, während 1995 und 1996 Herr Schenker beim Stück „Der Dani-Misch wird härresch“ Regie führte. 1997 übernahm Johann Depner die Theatergruppe und leitet sie bis heute. Was aber wären die Laienschauspieler, manch einer schon Profi, ohne die Souffleusen? Lange Zeit war Gerda Lurz die Stütze, später setzte sich Rita Christel in den Souffleurkasten.Rubinhochzeit in Geretsried: unten der Chor, oben ...Rubinhochzeit in Geretsried: unten der Chor, oben die Theatergruppe. Foto: Wiltrud Wagner Herr Maghira, ein Schlesier, der öfters in Siebenbürgen war, meinte: „Sie können es sich nicht vorstellen, was für ein Juwel an Kultur Siebenbürgen ist.“ Dazu gehören selbstverständlich unser Chor und unsere Theatergruppe. Der Jubiläumsabend wurde vom Chor unter der Leitung von Renate Klemm eröffnet. Drei Lieder und die Zugabe „Det Motterhärz“ stimmten uns alle auf den nächsten Tag ein: den Muttertag. Durchs Programm führte unsere Kulturreferentin Iris Maurus. Ursula Meyndt, unsere Vorsitzende, sprach die Begrüßung, während die Ehrengäste Gerhard Meinl, dritter Bürgermeister der Stadt, Herta Daniel, die Bundesvorsitzende des siebenbürgischen Verbandes, und Werner Kloos, Vorstand des Landesverbandes Bayern, das Mikrofon übernahmen. Danach überreichte Herr Kloos Ehrenurkunden an elf Chor- und zwei Theatermitglieder und je ein Silbernes Ehrenwappen an Marianne Frühn und Reinhold Kraus.

Nach einer Pause, in der die Jugend am Ausschank stand, rief die Urzelschelle alle in den Saal und das Theaterstück von Frida Binder-Radler „Durch däck uch dänn“ („Durch dick und dünn“) konnte beginnen. Am Tisch sitzend debattiert der Han über die Erhebung zur Stadt seines damals (1552) noch unscheinbaren Ortes Mediasch. Zur gleichen Zeit kämpft auch Birthälm um ein Stadtrecht. Egal, was es kostet, sie gehen immer wieder „durch dick und dünn“ und fahren bis in die Hauptstadt zum König, der sich gerade auf Hochzeitsreise befindet. Nach vielen Strapazen kommt unser Han endlich mit dem Sieg nach Hause. Er hat das Stadtrecht erhalten und dabei fast seine Ehefrau verloren. Ende gut, alles gut, da ist es ihm trotz „däck uch dänn“ egal, wie viele Dukaten dabei verloren gegangen sind. Sein Mediasch ist endlich eine Stadt geworden und die „verkleideten Truden (Hexen) aus Zekesch“, die ihn die ganze Zeit verfolgt haben, sind endlich verschwunden.

Schon der Titel des Stücks ist ein Orakel. Auch Herr Depner, unser Regisseur, musste „durch dick und dünn“ gehen. Es fiel ihm kurz vor der Aufführung ein Schauspieler aus und so musste er in die Rolle des Dorfrichters schlüpfen. Bereits von der ersten Stunde an ist Uschy Meyndt dabei und fast schon das Maskottchen der Theatergruppe.

Jetzt bleibt mir nur noch, allen für ihre Arbeit zu danken, und die Hoffnung, dass ihr auch die goldene Hochzeit erreicht.

Wiltrud Wagner

Schlagwörter: Geretsried, Chor, Theatergruppe, Jubiläum

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