30. Mai 2020

Ein besonderer Pfingstgruß der Landesgruppe Baden-Württemberg

Wir fühlen uns in dieser Zeit vom Glück verlassen, in einer Situation der Unsicherheit und Beklemmung, der konkreten und diffusen existenziellen Ängste, die uns ein Virus auferlegt. Alles vom Menschen Geschaffene, mit Herz, Hand und Verstand Aufgebaute, unsere gewohnte Lebensordnung geraten durch das Coronavirus ins Wanken, dessen Auslöser weitgehend unbekannt ist, dessen Wirkmechanismen den meisten Menschen unerschlossen bleiben und nun unser Dasein grundlegend verändern.
Der Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg ...
Der Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg wurde am 9. März 2019 in Stuttgart gewählt, von links: Astrid Rheiner, Michael Konnerth, Patrick Welter, Harriet Stefani, Jutta Bahmüller, Astrid Göddert, Heidrun Rau, Werner Gohn-Kreutz, Christine Penkert, Horst Fleischer, Anna Fleischer, Helge Krempels. Foto: Hans Staedel
Gesellschaften, die sich in einer globalen Welt zu gut geregelten Systemen zusammengeschlossen haben, werden mit dieser neuen unbekannten Herausforderung kaum bis gar nicht fertig, werden vielmehr an den Rand ihres Bestehens gebracht, uns Menschen aufzeigend, wie angreifbar wir sind. Ein allgemein gültiges Erfolgsrezept, einen goldenen, einen richtigen Weg, scheint es in diesen Tagen nach menschlichem Ermessen dafür kaum zu geben.

Gleichsam überwältigt von der Wucht der unbekannten Gefahr müssen sich unsere Vorfahren gefühlt haben, wenn sie sich früheren Krisen und Katastrophen ausgeliefert sahen, von denen oftmals mehrere gleich­zeitig über sie hereingebrochen sind. In exponierter Lage reifte in ihnen die Erkenntnis, dass ein einzelner Mensch, auf sich allein gestellt, diesen Fährnissen nicht gewachsen ist und sich Schutz, Perspektive und Zukunft nur in der eng gefügten Gemeinschaft erreichen und erhalten lässt. Der wesentliche Pfeiler unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft war immer der christliche Glaube, der Leitwert ihrer Ordnung, Basis ihres Handelns, Trost in Zeiten der Herausforderung sowie Kraft und Hoffnung im Ausgestalten des Lebens, ja sogar darüber hinaus ist.

Im Vers des Pfingstlieds „Komm, oh komm, du Geist des Lebens“ verdeutlicht sich das Vertrauen, welches über menschliches Leben und die irdische Existenz weit hinausreicht. Wie gehen wir als Gemeinschaft mit der herausfordernden Situation um, können wir unsere Erfahrungen aus dem über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte ausgereiften System der Nachbarschaftshilfe auf die heutige Zeit übertragen, kombiniert mit neuen Hilfs- und Kommunikationsmodellen?

Über die verschiedensten Medien wollen wir unseren Mitgliedern, unseren Landsleuten zeigen, dass wir als Gemeinschaft füreinander da sind, dass wir füreinander einstehen. Unser Verständnis darüber fußt nicht auf einer Einteilung in Stärkere und Schwächere, Gebende und Empfangende, wissend, dass alle zusammen geben und gleichermaßen empfangen. Das Internet benutzen wir als übergeordnete, überregionale digitale Kommunikationsplattform, können darüber aber nicht alle erreichen und wollen damit auch nicht den direkten Kontakt vor Ort ersetzen. Das inflationär benutzte Unwort von der Unterlassung „sozialer Kontakte“ darf uns in seiner ganzen ungeheuerlichen Tragweite nicht leiten. Unsere Gemeinschaft versucht das „Füreinander Dasein“ im Sinne der „sozialen Kontakte“ zu vertiefen, bei gleichzeitigem Einhalten der gebotenen medizinischen und hygienischen Vorsichtsmaßnahmen. Wir können die verschiedensten Zusammenkünfte unserer Landleute, Seniorenkreise, Frauenkreise und andere, digital nur bedingt unterstützen. Wir können über persönliche Telefongespräche den älteren Menschen, welche zu ihrem Schutz zu Hause bleiben sollen, beistehen und ihnen Hilfe anbieten. In außergewöhnlichen Zeiten helfen auch die Blickkontakte am geschlossenen Fenster, die Ablage der Einkäufe, der kleinen Aufmerksamkeiten am Treppenabsatz vor der Eingangstüre, das herzliche, gesprochene und geschriebene Wort, die freundliche, mitfühlende Geste.

Der 70. Heimattag der Siebenbürger Sachsen, als alljährlicher Ort der Begegnung, wird 2020 nicht wie gewohnt in Dinkelsbühl stattfinden können. Die vertrauten siebenbürgisch-sächsischen Pfingstgrüße können wir diesmal nicht persönlich austauschen.

In diesem Jahr kommt der Heimattag zu uns nach Hause und begleitet uns über die Pfingstfeiertage. Mit aktuellen Grußworten, Darbietungen der Heimattage aus vorangegangenen Jahren und spontanen Zuschaltungen wollen wir den Heimattag 2020 doch gemeinsam im Internet ermöglichen und feiern, uns unserer lebendigen Gemeinschaft in schwerer Zeit vergewissern.

In der Hoffnung, uns 2021 beim Heimattag in Dinkelsbühl wieder persönlich begrüßen zu können und gemeinsam zu feiern, stimmen wir mit Diet­rich Bonhoeffers Wort überein, das er in der dunkelsten Stunde seines Lebens und der schweren Heimsuchung unserer Heimat den Menschen zum Trost verfasst hat: „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen; und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Der Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg wünscht allen Verbandsmitgliedern und Landsleuten sowie ihren Lieben und ihren Nächsten gesegnete Pfingsten „Zuhause und doch verbunden in der Gemeinschaft“, in der Hoffnung, dass Sie gesund bleiben oder dieses schnellstmöglich werden.

Der Vorstand

Schlagwörter: Landesgruppe, Baden-Württemberg, Pfingstgruß, Heimattag 2020, Dinkelsbühl

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